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Die Welt · 1901-10-04 · 40 (4.10.1901) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
40 (4.10.1901)
Article
Wien
Date
1901-10-04
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 „Die £ Welt" Nr. 40 Wintersaison schon jeizfc aufnehmen? Es handelte sich nämlich darum : ob wir gemäss der Zusage des Verbandes (siehe „Die Welt" Nr. 34 ^'Bericht röte:£^Hiie;*Th£tigkeit des Landes-Comitös" in puncto Agitation ad 7) abwarten sollen, bis ein Vereinslocal in der Leopoldstadt aufgenommen sein würde oder ob wir unsere Thätigkeit vorläufig ohne ständiges Local aufnehmen sollen. Wir entschieden uns für das erstere und delegierten, da unser Obmann aus privaten Gründen sich zurückzuziehen genöthigt sah, was vom Ausschuss mit grösstem Bedauern zur Kenntnis genommen wurde, die Herren Schriftsteller R A. Braudes und M. Ehrlich, mit dem Landes-Comite Unterhandlungen zu pflegen. Wir hoffen, unseren Mitgliedern in aller Kürze ein eigenes Heim in der Leopoldstadt bieten zu können. Ungarisch-Hradisch. Die Ferialverbindung „Achiwah" veranstaltete am 8. September d. J. in G ö d i n g einen Commers. Es war die erste zionistische Veranstaltung in Göding. Ein zahlreiches distinguiertes Publicum füllte den geräumigen Saal des „Hötel Kopper" und folgte mit sichtlichem Interesse den Ausführungen der Redner. Nach der Begrüssung der Gäste durch den Präses der „Achiwah* cand. jur. Arthur W i n t e r schilderte der A. H. der„Achiwah" Dr. Emil M e n s e in der Festrede die tiefe Wirkung des Zionismus auf das jüdische Volk und beleuchtete nach einem Rückblicke auf die geschichtliche Entwicklung der politischen Verhältnisse in Oesterreich die Lage der Juden speciell in Böhmen und Mähren, wo die Rückkehr zum eigenen Volksthum sich zugleich als das politisch klügste Verhalten erweise und uns innere Befriedigung, Kraft und Selbstbewusstsein gebe. In anziehender und formvollendeter Rede gab hierauf cand. med. Moritz Schmitz eine Uebersicht über die Entstehung, die bisherigen Leistungen, sowie die Ziele und Aufgaben des Zionismus. Herr Max Hickl, der Vertreter des mährischen Districtscomites, zeigte an der Hand statistischer Daten über die Lage der russischen und rumänischen Juden, wie alle Lösungen der Judenfrage bis heute misslungen seien und dass nur die zionistische Bewegung zu einer dauernden und befriedigenden Lösung führen könne. Herr cand. jur. Otto Abeles verherrlichte die jüdische Frau als das Ideal edler Weiblichkeit und als die sicherste Gewähr für die Zukunft unseres Volksthums, während Herr cand. ehem. Wilhelm Winter auf das bundesbrüderliche Zusammengehen aller jüdischen Verbindungen hinwies. Der Cultusgemeinde-Vorsteher Herr Dr. Körner begrüsste in warmen Worten die „Achiwah* in seiner Gemeinde und dankte derselben für die Veranstaltung dieses schönen und erhebenden Abends. Dagegen nahmen Herr Professor Dr. Schmied und der Herr Rabbiner Dr. Lazarus bei aller Anerkennung der Begeisterung der akademischen Jugend für das angestammte Volksthum einen ablehnenden Standpunkt ein, „vertraten unentwegt" ihren liberal-kosmopolitischen Standpunkt. Unter anderem meinte der erstgenannte Redner, dass die Judenfrage für die Juden des Westens nicht so actuell sei. Darauf erwiderte schlagend Gesinnungsgenosse Otto Abeles, dass sie es in dem Augenblicke werden müsste, in welchem das jüdische Proletariat des Ostens den Westen überschwemmen und die Existenz der Juden aufs äusserste gefährden würde. Hierauf ergriff Herr Dr. Josef Win t er das Wort, um in glänzender und packender Rede die Ausführungen der erwähnten Herren zu widerlegen. Er zeigte,, dass ein Volk, ganz so wie das Individuum, nur durch das Aufgebot der eigenen Kraft sich retten, seine Lage verbessern könne, zeigte, dass der Zionsgedanke in der ganzen jüdischen Literatur, in allen Gebeten vorherrsche, und schloss mit einem feurigen Bekenntnisse zum Judenthum. Rauschender Beifall folgte den hinreissenden Ausführungen des Redners, welche entschieden den Höhepunkt des Abends bildeten. Angenehme Abwechslung boten die Bundeslieder, das Duett der Achiwahner stud. med. Theodor Kohn und stud. jur. Isidor L ö w y, sowie der Violin Vortrag des Achiwahners stud. jur. Josef W e i n e r, eines sehr begabten Musikers, mit Clavierbegleitung des Fräuleins Fischer. Ein animiertes Tanzkränzchen beschloss den gelungenen Abend. Dr. M. Nagy-Tapolcsäny (Ungarn). Herr H. Abrahamsohu, cand. phil., hielt am 10. v.M. im hiesigen Vereine „Ahawath Zion* einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über „JehudaHalevy". Redner kam auf die Zionide und im Anschlüsse" dar an auf die zionistische Idee zu sprechen, widerlegte an" der Hand des Talmuds die Einwendungen, die gegen den Zionismus erhoben werden, mahnte zur Einigkeit und schloss mit der Aufforderung, die zionistische Agitation fortzusetzen. Der wahrhaft schöne Vortrag machte auf die Anwesenden einen tiefen Eindruck und führte unserem Vereine neue Anhänger zu. 8. Samuel. Berlin. In dem Heim der „Neuen Gemeinschaft" in Berlin- Wilmersdorf, Uhlandstr. 144., hielt unsere gesehätzte Mitarbeiterin Frl. Maria Eichhoni-Dolörosa einen Vortrag über „Die Entwicklung der neu jüdischen bildenden Kunst aus dem Zionismus mit besonderer Berücksichtigung von Lesser Ury und M. E. Lilien." Mittheilungen aus dem Publicum. E>ie akademische Verbindung „Kadimah" erfüllt die traurige Pflicht, Nachricht zu geben von dem Hinscheiden ihres lieben A. H. Alfred Chodrower welcher Mittwoch den 2. d. M, nach kurzem schweren Leiden entschlief. Die Beerdigung findet Freitag halb 10 Uhr vormittags von der jüdischen Abtheilung des Centrai-Friedhofes aus statt. Wien, 2. October 1901. I A. d. A. C. techn. Emil Rippel med, Oskar Löwenstamm dz. Schiiftführer. dz. Präses. Man schreibt uns aus Lemberg von geschätzter Seite : Vorige Woche verbreitete sich hier das Gerücht, dass Docent Dr. Gustav Bikeles zum Christenthum übergetreten sei. Dieses Gerücht entbehrt jeder Begründung. Der fünfte Congress. Der Frage der Organisation dürfte auf dem kommenden Congresse besondere iVufriierksamkeit geschenkt werden. Das Wachstimm der Bewegung fordert dringend eine Modifikation gewisser Bestimmungen des Baseler Statutes, die den Verhältnissen zur Zeit der Schaffung des Statutes entsprachen, aber nicht mehr der gegenwärtigen Situation. Insbesondere erheischt die Stellung der Vereine und Ortsgruppen zu den Centralen der Landsmannschaften eine dringende Aussprache. Es muss auch festgelegt werden, wie weit die Machtbefugnisse der Centralen über Schekelzahler, die Vereinen oder Ortsgruppen nicht angehören, reichen und welche Disciplinarmittel ihnen zu diesem Zwecke eingeräumt werden können und dürfen. Es ist klar, dass das neue Organisationsstatut mit den Verhältnissen und Bedürfnissen aller Landsmannschaften wird rechnen müssen. Es wird die Arbeit der Organisationscommission sein, diesen verschiedenartigen Forderungen eine einheitliche Form zu geben. * Alle Landsmannschaften beschäftigen sich eifrig mit dem Studiuni eines ihren Bedürfnissen entsprechenden Organisationsstatutes. Es werden somit dem Congresse ausser einem Hauptreferat wahrscheinlich auch die Vorschläge der Landsmannschaften selbst vorliegen. Der Congress wird damit in den Besitz eines stattlichen Materials praktischer Erwägungen und concreter Vorschläge gelangen, was der Debatte gewiss nur nützen wird. * Wie verlautet, dürften die Vertreter aller Landsmannschaften schon 8 Tage vor dem Congresse mit dem Keferenten über „Organisation" sich zu einer gemeinsamen Berathung zusammenfinden. Die Erfahrung der letzten Congresse hat gelehrt, dass die öffentlichen Berathungen des Congresses an die Delegierten genügende Anforderungen stellen, und. dass es eine nutzlose TJeberbürdung ist, der Tagesarbeit die nächtlichen Conferenzen der Commissionen hinzuzufügen. Es kann daher diese Neuerung, dass die Landsmannschaften durch ihre Vertreter schon vor dem Congresse in eine unverbindliche Berathung über wichtige Gegenstände der Tagesordnung treten, nur freudig begrüsst werden.

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