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Die Welt · 1901-10-04 · 40 (4.10.1901) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
40 (4.10.1901)
Article
Was die galizischen Landtagswahlen lehren
Date
1901-10-04
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 40 „Die # Welt*6 Seite 5 nicht!" Darauf erfolgte das bekannte altjiidische alles- und nichtssagende: „nie be!'f und fort war er. Er hatte es eilig, zur Urne zu laufen, um gegen den Juden zu stimmen .... Es wird überhaupt häufig die „Streitfrage" erörtert, ob die Juden einen jüdischen Mandatwerber forcieren sollen, wenn sie können, oder nicht. Ich begreife einfach diese „Frage" nicht. Von welcher Seite wir es immer ansehen, ist uns der jüdische Abgeordnete lieber und — bequemer, als der nicht jüdische. Meinetwegen schon als Platzhalter für den Voll juden der Zukunft muss man den Halb juden von heute forcieren. Und dann habe ich doch beim jüdischen Abgeordneten den Vortheil, dass ich ihm die Thüreii einrennen kann, wenn er für mich nichts thut. Ich kann ihn doch in meine jüdischen Versammlungen zerren, ich kann ihn in meinen jüdischen Zeitungen angreifen. Und das alles muss er hören und fühlen, wenn er auch ganz taube Ohren und eine ganz dicke Haut hat. Versuchen wir das alles dem demokratischesten aller Demokraten zu thun. Lächeln wird er über uns, oder auch das nicht. Da haben wir ja ein Beispiel. Die Zionisten veranstalten eine gewiss sehr nothwendige und wichtige Agitation gegen das jüngste Hausiergesetz. In den Volksversammlungen drücken sie auch ihre gewiss sehr gerechtfertigte Entrüstung den jüdischen Abgeordneten aus. Aber warum nicht auch den demokratischen? Weil diese eben über unsere Entrüstung nur lächeln werden, oder auch das nicht. Jedenfalls, Herr Stand hat recht: zur Freude haben wir keine Veranlassung. Auch nicht zur Schadenfreude, weil ein gut Stück des Schadens unser ist. -Diese letzten Landtagswahlen in Krakau und Lemberg lehren uns eben: Erstens dass das jüdische Gemeingefühl stark, sehr stark im Absterben ist. Das ist das ungeheuer Betrübende. Zweitens, dass die Zionisten ihre Arbeit verdoppeln, verdreifachen, verhundertfachen müssen, um dieses Gemeingefühl zu erhalten und zu stärken. Das ist das ungeheuer Anregende. Brief aus Rumänien. Handwerkerorganisation. — „More Judaico". — Jüdischer Gemeindetag. Die Lage der Juden Rumäniens hat sich nicht gebessert. Allerdings hat man im Laufe der letzten Monate von gewaltsamen Verfolgungen und rohen Ausbrüchen der Volkswuth nichts gehört, aber es wird fortwährend „reglementiert". Mit wunderbarem Geschick wird jede Erwerbsmöglichkeit, die den Juden noch geblieben, aufgespürt und auf gesetzlichem Wege versperrt. Ein typisches Beispiel aus den letzten Wochen ist folgendes : Eine Anzahl junger jüdischer Aerzte hatte sogenannte „Polikliniken" eingerichtet, Locale, wo sie gegen ein geringes Honorar ärztliche Consultationen ertheilten und auf diese Weise eine kümmerliche Existenz fanden. Letzthin erliess nun die oberste Sanitätsbehörde ein Reglement für diese Polikliniken. Dasselbe ist ja ganz gut, aber — es enthält einen Paragraphen, welcher besagt, dass Leiter solcher Polikliniken die Prüfung zur Bekleidung eines öffentlichen Postens mit Erfolg bestanden haben müssen, Juden werden aber zu solchen Prüfungen nicht zugelassen. Unter diesen Umständen ist es kein Wunder, dass die Auswanderung ununterbrochen fortdauert. Der fluchtartige Beginn derselben im vorigen Jahre war eine instinetive gemeinsame Action. Damals war die Auswanderung das Product des Gefühles, dass für weitaus die Majorität der Juden in Rumänien kein Platz mehr sei, da der wirtschaftliche Protectionismus ihnen jede Arbeitsmöglichkeit verwehrt, und des Bewusstseins, dass die Juden Rumäniens noch zu kräftig und lebensfähig sind, als dass sie ruhig einem sicheren Verderben entgegengehen könnten. Es ist bekannt, dass die jüdischen philanthropischen Vereine des Westens anfangs theils aus Unkenntnis der Verhältnisse, theils aus Furcht, diese Unglücklichen könnten eine Verschärfung des Antisemitismus im Westen Europas mit sich bringen, die Auswanderer dorthin zurückzudrängen und dort zurückzuhalten suchten, wo ihres Bleibens nicht ist. Rückhaltlose Worte energischer Männer, die Wucht der Thatsachen, die bekannt werden, und gewiss nicht wenig auch der IV. Zionistencongress haben aber den Widerstand der westlichen Juden gegen diese Auswanderung besiegt, welche jetzt nicht mehr alsNothschrei, sondern als Rettungsaction fortgeht. Eine Anzahl Juden werden fortwährend von Freunden und Verwandten nachgezogen, die bereite im Westen, zumeist in Amerika, ihre Existenz gefunden. Ein andererTheilaber wird von den vereinigten philanthropischen Gesellschaften des Westens nach einem bestimmten Plane hinausgeführt. Zu diesem Plane scheint es zu gehören, dass die Juden Rumäniens in möglichst entlegene Theile des Westens geführt und in möglichst kleine Gruppen aufgelöst werden, damit sie leichter resorbiert werden können. Wenn nun wir Zionisten schon aus diesem einen Grunde diese Auswanderung nicht als eine Lösung betrachten können, so begrüssen wir sie doch mit Freuden, insoferne sie eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage einer Anzahl unserer Volksgenossen bedeutet. Unser Gegenwartsprogramm bezeichnet ja die ökonomische Stärkung als eine Notwendigkeit, und von diesem Standpunkte muss uns, wie gesagt, diese geregelte Auswanderung willkommen sein. Dient sie doch in letzter Linie unseren Zwecken; denn wir sind fest überzeugt, dass die Erinnerung an die Leiden des rumänischen Ghetto stark genug sein wird, um das Ideal der Volksbefreiung Israels in den Herzen der rumänischen Juden nicht erblassen zu lassen, wo immer sie hinkommen. Ja, sie werden überall für unser Ideal kämpfen und es auch dorthin tragen, wo es heute noch nicht bekannt ist. Mit Ausnahme einer geringen Anzahl von Leuten, die für den Ackerbau bestimmt sind, werden nur Handwerker hinausgeführt. Und mit Recht. Dieser bis vor kurzem sehr gut situierte Stand ist jetzt am ärgsten bedrängt — denn wir stehen auch hier vor einer gesetzlichen Regelung. Wir wissen was das bedeutet. Vor einem Jahre wurde die Organisation der rumänischen Handwerker nach Innungen und die Schaffung eines Handwerkergesetzes von einem Bukarester Advocaten in Angriff genommen. Durch zielbewusstes Vorgehen wurde die Bewegung so stark, dass sich der gewesene Domänen-Minister im conservativen Cabinet Herr F i 1 i p e s c u genöthigt sah, den Kammern das Project eines Handwerkergesetzes vorzulegen. Allerdings im Momente des Sessionsschlusses. Da sich aber die allerhöchsten Kreise für diese Frage sehr lebhaft interessieren und die Bewegung keinen Moment ruht, so ist es zweifellos, dass in kurzem die gesetzgebenden Körper ein Handwerkergesetz in der von Filipescu vorgeschlagenen oder in einer anderen Form votieren werden. In jeder Form wird es für die jüdischen Handwerker ein Todesstoss sein. Noch ehe übrigens das Gesetz existiert, haben Staat und Communen auf officiellem Wege die jüdischen Handwerker von jeder Theiinahme an öffentlichen Arbeiten ausgeschlossen. Noch gibt es allerdings nicht genug rumänische Handwerker, aber da mit aller Energie an der Heranbildung derselben gearbeitet wird, so wird es nur noch wenige Jahre für eine grössere Anzahl jüdischer Handwerker Arbeit geben. Durch die Auswanderung nach dem Westen wird immer nur ein kleiner Theil gerettet werden können. Für weitaus den grössten Theil aber bleibt die bange Frage offen: Was soll geschehen? Für uns ist die Antwort klar: Die Erlangung des Charters würde für die arbeitskräftigen jüdischen Handwerker ein weites Feld eröffnen. Für diesen Fall müssen sie organisiert werden. Gleichzeitig muss auch tür ihre Gegenwart gesorgt werden, so sehr dies eben möglich ist. An eine Verbesserung ihrer Lage auf politischem

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