Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 39 (27.9.1901)
- Article
- Dr. Bernhard Cohn
- Date
- 1901-09-27
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3315905-3315945-3400041--28275-3400150- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 14 „Die # Welt" Nr. 39 Aufsehen erregt. Auch wir Zionisten hatten dazu Stellung genommen. Unser Interesse war freilich weder durch die materiellen Vorschläge, noch durch die historische und ökonomische Begründung erweckt worden. Im Gegentheil, die Naivität seiner Drohung mit einer Massenauswanderung der Juden nach Amerika und seiner Anregung, uns der Socialdemokratie mit Leib und' Seele zu verschreiben, konnten nur unser Lächeln wachrufen. Was uns aber so mächtig anzog, das war der Ton, der schmerzlichverzweifelte und doch so judenstolze; das war der trotzige Eigensinn, der es wagte, auszurufen, dass wir Juden für die Erhaltung unseres Judenthums im Arierlande eines selbstgewollten — räumlichen — Ghettos bedürfen. So schrieb ich denn vor fünfeinhalb Jahren am Schlüsse einer Besprechung jener Broschüre: „Trotz aller unklaren und unreifen Ansichten, trotz der wunderlichsten Widersprüche, vielleicht auch wegen derselben, heischt dieses Werkchen Beachtung als eine typische Erscheinung im heutigen Judenthum — als das Hinaussehnen in eine lichtvollere Zukunft.. Cohn hatte zu viel ererbtes und im Leben wiedererworbenes Judenthum in sich, vor allem zu viel Gemüth. um sich nicht mit Unbehagen von jener armseligen Fiction einer mosaischen Confession anzuwenden, die in ihrer todten Abstraction Männern wie ihm so ^ar nichts bot und bieten konnte. Das ungeklärte, aber ehrende Product seines qualvollen Tappens nach einem Stützpunkte für sein Judenthum war seine Schrift „Vor dem Sturm". Als aber die Sturmflut über Juda herbrauste und uns nach eklem Aussenkampfe den Baseler Congress brachte, als der Zionismus wieder allen wahren Juden eine Heimat in ihrem Judenthum schuf, da war Bernhard Cohn einer der ersten, der sich uns anschloss. Er hatte gefunden, wonach er ein langes Leben vergeblich gesucht hatte. In der ersten Sitzung, in der wir auf Grund unseres Baseler Programms die Berliner zionistische Vereinigung gründeten, wählten wir ihn zu unserem zweiten Vorsitzenden. Er hat allzeit wacker mitgearbeitet. Auch literarisch hat er von seinem neuen gefesteten Standpunkte zu den politisch - religiösen Fragen in Israel in einer bemerkenswerten Schrift Stellung genommen, klar, bündig, sicher! . . . Nun hat ihn der Tod den Seinen entrissen! Mögen seine Kinder, denen er die innigste Liebe zu unserem zielbewussten Judenthum eingeflösst hat, die Geulah erleben! . . . Berlin. Th. ZI. Benjamin Ritter. Vergangenen Mittwoch verschied in London Benjamin Ritter, ein hervorragender Gesinnungsgenosse, der seit Jahren eine erfolgreiche Thätigkeit der Verbreitung unserer Iiee im East End widmete. Er war Führer der englischen „Ctiovevi Zion" und Vicepräsident der „English Zionist Federation", sowie Präsident des ersten „East London Share Club". Seiner Iniative ist die Gründung des ersten zionistischen Synagogenvereines in England zu danken. Er wohLte als Delegierter den Congressen der Jahre 1898,1899 und 1900 bei. Die Armen East Ends beklagen in ihm einen hingebungsvollen Philanthropen und stets willfährigen Freund. Die Propaganda unserer Sache in England hat durch den Tod Benjamin Ritters einen schweren Verlust erlitten. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. $fas det) \)epeii)ct). Voranzeigen. Wien. („I. Wiener Jüdischer Turnverein"» I., Mölkerbastei 5.) Turnabende für Herren bis auf weiteres: Montag und Donnerstag von V28 bis 9 Uhr, für Damen: Mittwoch und Samstag von 7 bis 1/29 Uhr. Anmeldungen an Turnabenden im Locale. Wien. irZ u flu ch t", jüdischer Frauen-Wohlthät ig keits verein zur Unterst ätzung würdiger verschämterarmerFamilien.) Dieser, von unserer Gesinnuiijusgenossin Frau Laura Gold Schmidt ins Leben gerufene Verein erlaubt sich bekannt zu geben, dass die erste Vorstandssitzung nach den Sommerferien für Dienstag 8 Uhr abends im Restaurant Khuner, L, Adlergasse, anberaumt ist. Auch theilt der Verein allen Mitgliedern mit, dass seine Präsidentin Frau Laura Goldschmidt, nach langer, schwerer Krankheit glücklich genesen, ihre Thätigkeit zugunsten des Vereines wieder aufnehmen wird. Um reichlich und vielen helfen zu können, bittet der Verein alle geehrten Mitglieder, sowie andere wohlthätige Herzen, hilfreiche Hand zu bieten, den Verein mit Spenden zu unterstützen und ihm neue Mitglieder zuzuführen. Um zahlreichen Zuspruch der Mitglieder und Gäste bittet der Vorstand des Frauen-Wohlthätigkeitsve reines „Zu fluch t". Berichte. Wien. (J ü d. - a k a d. Ferialverein „Ossid", Kremsier.) Die Chargenwahlen des neugegründeten Vereines hatten folgendes Ergebnis: med. Siegfried Frankl X jur. Arthur Fischl XX, phih Oskar Frankl XXX- Prerau. In der Donnerstag den 13. 1. M. stattgefundenen Versammlung des jüdischen Mädchenvereines „Mirjam" hielt cand. jur. Hugo Deutsch einen Vortrag über die „Geschichte des Zionismus". Seine klaren und ansprechenden Ausführungen fanden lebhaften Anklang. Besonders beifällig wurden die in scharfer, treffen der Weise vorgebrachten Widerlegungen der Vorwürfe gegen den Zionismus aufgenommen. M. Zaka. Das Drohobyczer zionistische Kreiscomite veranstaltete am IL 1. M. um 7 Uhr abends in der hiesigen Synagoge eine Volksversammlung, die sehr zahlreich besucht war. Die Delegierten des Drohobyezer Kreiscomites, stud. jur. Leo Reich und Rabbinatscandidat B. Schreier, sprachen über die gegenwärtige materielle und culturelle Lage der Juden in Galizien und wiesen auf den Zionismus als die einzige Kettung hin. Herr E. W. Diamantstein bewies an der Hand vieler Citateausder Bibel,dem Talmud etc.in überzeugender Weise diereligiöse Gesetzmässigkeit des Zionismus. Es gelangte auch folgende Resolution zur einstimmigen Annahme : „Die in der Zakaer Synagoge anwesenden Juden erklären sich für den Zionismus, da sie in demselben die einzige Rettung aus der gegenwärtigen Nothlage sehen." Die an diesem Abend vorgenommene Schekelsammlung ergab ein überaus erfreuliches Resultat. Nächstens gehen wir an die Gründung eines Vereines, was uns bei der Opferwilligkeit und Thatkraft unserer hiesigen Genossen hoffentlich gelingen wird. Schliesslich sei der Herren M. Grub er und Diamantstein erwähnt, die sich um das Zustandekommen der Versammlung sehr verdient gemacht haben/ Czernowitz. (Jüdisch-akademische Ferialverbindung „Hebronia".) Die am 12. d. M. erfolgte Chargen wähl ergab folgendes Resultat: cand. ing. D. Misales, Präses (X); cand. ing. J. Hartning, Vicepräses (XX); cand. ing. J. Auerbach, Schriftführer (XXX)* Mittheilungen des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Der Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, Wien, II., Taborstrasse 59 (Telephon Nr. 13.920) bietet den P. T. Arbeitgebern seine kostenfreien Dienste an. Brieflicher oder telephonischer Auftrag genügt, um männliche und weibliche qualificierte Arbeitskräfte, sowie Hilfsarbeiter, ferner kaufmännische Angestellte und Lehrkräfte beiderlei Geschlechtes zugewiesen zu erhalten. Am 21. September 1901 standen in Vormerkung: I. Classe: Manuelle Arbeiter. 6 Anstreicher und Lackierer. — 6 Aufpapper und Lederzurichter. — 3 Bäcker und Zuckerbäcker. — 2 Bildhauer und Steinmetze. — 1 Bronzearbeiter. — 4 Buchbinder. —- 2 Buchdrucker. — 5 Bureaudiener. — 6 Drechsler. — 3 Eisendreher. — 8 Elektromonteure. — 2 Fleischhauer. — 3 Friseure. — 39 Geschäftsdiener. — 3 Glaser. — 7 Gold- und Silberarbeiter. — 10 Hausknechte und Hausbesorger. — 9 Installateure. — 4 Maschinisten und Heizer. — 25 Hilfsarbeiter. — 2 Hutmacher. — 4 Kellermeister und Kellerburschen. — 4 Kellner. — 9 Kutscher. — 10 Laufburschen und Lehrlinge. — 10 Magazineure. — 4 Mechaniker. — G Metaildreher, Giesser und Schleifer. — 22 Schlosser für Bau und Maschinen. — 1 Schmied. — 17 Schneider für Herren und Damen. — 7 Schriftsetzer. - 12 Schuhmacher. — 10 Spengler. — 3. Tapezierer. — 5 Taschner, Riemer und Sattler. 7 Tischler. — 7 Uhrmacher. —' 3 Zeichner für Bau und Construction. — 2 Zimmermaler. II. Classe: Kaufmännische Angestellte. 13 Brantweinverschleisser. — .25 Buchhalter und Coirrspon deuten. — 87 Commis diverser Branchen. — 47 Comptoiristen und Strazzisten. — 12 Incassanten. — 6 Manipulanten und Expedienten. — 40 Praktikanten. — 17 Reisende, Platzvertreter und Agenten.