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Die Welt · 1901-09-20 · 38 (20.9.1901) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
38 (20.9.1901)
Article
Von unserer westlichen Volksbildungs-Bewegung
Date
1901-09-20
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 38 Die # Welt Seite 13 die Redaetion. des „Wschocl" entgegen. Wir beglückwünschen unsere Lemherger Gesinnungsgenossen zu ihrer schönen Arbeit, ans der sieh ein neuer Mittelpunkt der dortigen zionistischen Bewegung entwickeln kann. Bücher- und Zeitschriften-Rundschau. Jläcbc^jßiolaaf. ♦awn ♦«WH*'» ivmzpi siyiwbxp-Dpb^t *ymn ,ni?rwb swbbpn 60 ms npxn ps frvrnin : nnpin. rasim mar np^rn^s^ ♦#k ibd -pa ♦«ans *k xi»ö ♦KÖ,H3 D^llT!"! Dlllp # ♦»"Din ketikt! In der jüngsten Nummer unseres Berliner Bruderblattes, der „Israelitischen Rundschau1", setzt sieh unser Gesinnungsgenosse' Dr. Jerem i as in Posen mit dem Culturzionismus Achad-Haains in anregender, vielfach zutreffender Weise auseinander. Wir geben hier einen grossen Theil dieser Ausführungen im Wortlaute wieder: „ . . . Der Zionismus ist zum Glück nun schon so weit, dass er sich den Luxus von Parteibildungen in Parlament und Presse leisten kann. So schält sich z. B. immer mehr ein socialpolitscher Zionismus heraus, der, von dem Herzlichen socialen Musterstaat vorläufig abstrahierend, noch für das Golusjudenthinn ein förmliches Programm ökonomischer Reformen entwirft. Auf der andern Seite ringt eine Richtung, welche im vorherzischen Zionismus eine grosse Rolle svpielte. nach gleicher und vermehrter Geltung in der modernen Bewegung: es ist der Culturzionismus. Erst jüngst hat die ,AVeit'4 (Nrn. 30.. 31) aus der Jargonzeitschrift „Der Jude" das Bekenntnis eines der bedeutendsten Vertreter jener Strömung inhaltlich "wiedergegeben. Hätte sich Achad Haam damit begnügt, die culturelle Seite des Zionismus, als ihm besonders naheliegend und sympathisch, stärker hervorzuheben, so hätte das nirgends Widerspruch hervorrufen können. Die grosse Idee bedarf zu ihrer gleichmässigen, harmonischen Aus- und Weiterbildung der Betrachtung von verschiedenen Seiten her, und im gegenwärtigen Moment, wo die praktisch-ökonomische Kichtung etwas lärmend auf Bethätigung drängt, ist die Markierung geistig-eultureller Interessen sogar fast erwünscht. Aber Achad Haam stellt den Culturzionismus als exclusives, souveränes Ideal hin, neben dem die Pflege materieller Bestrebungen gar keinen Platz habe. „Bildet der Zionismus eine Lösung der ökonomischen Jiidenfrage? fragt Achad Haam und er antwortet rundweg: nein." Die sociale Noth^ unter der die Juden in verschiedenen Ländern seufzen, müsse als die Xoth einzelner angeselien werden, an der die wirtschaftlichen Formationen der Gegenwärt die Schuld trügen und mit der das Streben nach Zion nichts zu schaffen habe. Wie ein alter Manchestermann ruft er den also Nothleidenden zu: trauert über das Elend der Neuzeit, denn was können wir für euch thun? Nach Zion streben dürften nur diejenigen, welche durch das Bedürfnis nach geistigem Zusammenschluss, clurch die Sehnsucht nach einem neuen geistigen Judenthum geeint würden. Zion solle ein Centrum nationaler Geistescultur. eine ..Heimstätte für den jüdischen Geist'" werden, für die unser gesündestes, edelstes Menschenmaterial gerade gut genug sei. Emanationen dieser idealen Sphäre sollten in die jüdischen Siedlungsstatten der Diaspora dringen, belebend, erhebend, veredelnd, geistige Cultur und neue Lebens werte spendend. Also soll nach Nietze'schem Recept ein Ucber judenthum geschaffen und für dies das Land unserer Väter reserviert werden?! Ich wünsche und hoffe, und mit mir gewiss sehr viele, dass dieser Zionismus der Äuserwählten auf einen engen Kreis hochachtbarer, aber weltfremder Schwärmer besah rankt bleibe. Auch ihr begrenztes Sonderideal mag auf die ganze, grosse, umfassende Bewegung anregend, befruchtend, läuternd wirken, allzu krasse Materialisierung verhüten. Aber durchführbar für sich ist es keineswegs. Ich will nicht mit Schlagworten um mich werfen. ..Alles für das Volk, durch das Volk, mit dem Volk.''*' ..Die Massen sind heute das treibende und bewegende Element, eigentliche Träger jeder Volksbewegung." Mir Hegt vielmehr daran, zu beweisen, dass die Voraussetzungen des nackten Culturzionismus selbst nicht zutreffen. Ist es denn wirklich wahr, dass die wirtschaftliche Judennoth nur eine Summe von Einzelschicksalen ist? Ks heisst ja Eulen nach Athen tragen, wenn ich daran erinnere, dass in der Heimat Ach all Haams selbst ein speeifiseh jüdisches Proletarierelend existiert, wie es in der Welt nicht seines gleichen hat. Auch dass in Rumänien, Galizien und anderen halbasiatischen Ländern eine besonders geartete sociale Judennoth besteht, hat nicht der Zionismus erst entdeckt oder aus agitatorischen Gründen tendenziös zugespitzt; antisemitischer und asemitischer Boyeott sind dort ja mit Händen zu greifen. Aber selbst wir in Deutschland können ein Lied von ökonomischen Nothständen singen: der ungeheure Kreis des Beamten- und Offieierstandcs, der lausenden von Söhnen christlicher Eltern ruhigen Erwerb sichert. Richterearriere und Lehrerberuf sind uns verschlossen; auch die akademische Laufbahn steht uns vielfach nur bis zum Volontiirassistenten an königlichen Instituten offen, selten bringt es einer zum Privatdocenten oder gar ausserordentlichen Professor. Börsen- und Zwischenhandel werden auf jede Weise geschuhriegelt. die Warenhäuser mit schweren Steuern gestraft, der Hausierhandel fast unmöglich gemacht. Was bleibt da übrigV Der deutsche .lüde, der sieh dem deutschen Michel in der Dickfelligkeit vollständig assimiliert hat, würde besondere Vorkommnisse wie Xanten und Könitz bald wieder ganz vergessen, wenn ihm nicht gerade diese wirtschaftlichen Einschränkungen jederzeit die Augen darüber offen hielten, dass es eine besondere Judennoth gebe. Wenn man ein Jahrtausende altes Problem, die Juden frage, wirklich lösen .radical aus der Welt schaffen will, dann muss mau doch zunächst mit so zahlreichen und eindringliehen Erfahrungsthatsachen der Vergangenheit und Gegenwart sieh auseinandersetzen. Der vielseitigen Judennoth von einem Ende aus abhelfen zu wollen, ist durchaus verfehlt, am verkehrtesten aber, wenn man von geistiger Uebereultur allein und ausschliesslich das Heil erwartet. Die. Renaissance des alten Heimatbodens kann und darf nicht von einer kleinen Schaar geistige)' Pioniere ausgehen; nur eine ganze Nation, die wie andere auch alle Schichten socialer und intellectueller Differenzierung aufweist, wird das Wunderwerk vollbringen können. Zionismus ist überhaupt nicht eine Idee, ein Ideal, sondern eine Weltanschauung: sie umfasst ein national-politisches wie ein ethisch-religiöses, ebenso ein soc.ial-ökonomisches wie ein ästhetischgeistiges Ideal. Zion soll dereinst ein Centrum nationaler, geistigsittlicher und socialer Cultur werden, geschützt und gestützt von der opferfreudigen Liebe eines ganzen Volkes." Mittheilungen des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Wien, II. Taborstrasse Nr. 59. Telephon-Nr. 13020. bietet den V. T. Arbeitgebern seine kostcnfreien Dienste an. Brieflicher oder teleg-honischer A uftrag genügt, um männliche und iceihiiche ejualificierie Arbeitskräfte sowie Hilfsarbeiter, feiner kaufmännische Angestellte und Lehrkräfte beiderlei (! ('schlechtes zugewiesen zu erhalten. Arn. 1S. tfepiember standen in Vormerkung: l. C lasse (M a n u e l l e A r bei t er). 8 Aufpapper und Lederzurichter. 2 Bildhauer und Steinmetze. I Rroiijcearbeiter, 1 Buchdrucker, ö Bureaudiencr, 0 Drechsler. 7 Eiectromonteure, je 1 Fleischhauer, Friseur, Galvaniseur, 33 Geschiiftsdiener. 3 Glaser. (> Gold- und Silberarbeiter, 10 Hausknechte und Hausbesorger. (5 Installateure. 4 Maschinisten und Heizer, '20 Hilfsarbeiter. 2 Hutmacher. 7 Kellermeister und Kellerburschen, 7 Kutscher, 17 Laufhursehen und Lehrlinge, 7 Magnzineure. 4 Mechaniker. 4 Metalldreher. Giesser und Schleifer. 20 Schlosser für Hau und Maschinen. 1 Schmied, 10 Schneider. 7 Schriftsetzer. 11 Schuhmacher, 7 Spengler. 4 Taschner, Kiemer und. Sattler. 5 Tischler, (>U hrmacher. 3 Zeichner für Hau und Gen struetion. 1L G 1 a s s e ( K a u f m ä n n i s c h e A n gestellt e). 12 Brautweinverschleisser, 21 Buchhalter und Correspondenten, 70 Commis diverser Branchen, 30 Gouiptoiristen und Strazzisten. 12 Incassanten. 3 Kanzlisten und Schreiber, (i Manijuihmteri, 4<S Praktikanten. L~> Reisende. Platzvertreter und Agenten. \V e i b 1 i c h e A b t h e i 1 u n g. 0 Bonnen und Kindergärtnerinnen, 40 Com ptoirist innen, 3 Dienstmädchen und Stubenmädchen, 2 Empfangsdamen. 10 Expedientinnen und Manipulantinnen. 2 Kanziistinnen und Stenographistinnen, 2 Cassafräulcin, je 1 Maschhmäherin und Schirinnäherin. 2 Modistinnen, 21 Praktikantinnen. 1 Schneiderin. 4S Verkäuferinnen. 0 Wirtschafterinnen und Stützen der Hausfrau. II I. C 1 a s s e (G e i s t i g e A r be i t ). 2."> Hauslehrer und Hofmeister. f)as Bureau des '}'crei)ics hat seil sfinrr Eröffnung im Xorember /N.O.o 6/* inetusire /J. Septem her VMH — .UUM YermiHlungen durchgeführt. und zirar: IIB) Vermittlungen in der L (lasse (Manuelle Arbeit). 074 Vermittlungen in der II. ('lasse ( Ilandelsangest eilte), 70S Vermittlungen in der weiblichen Abtheilung. 0!) Vermittlungen in der Iii. ('lasse (geistige Arbeit) .

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