Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 38 (20.9.1901)
- Article
- Zu den galizischen Landtagswahlen
- Date
- 1901-09-20
- Page
- 7 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 38 „Die & Welt4* Seite 7 Zu den galizischen Landtagswahlen. Lemberger Brief. Von A. Stand. Die Landtagswahlen sind beendet. Die Juden siegten in den PTandelskannnern — was vorauszusehen war — und in Strvj. Als Sieger giengen hervor Fruehtniann, Koliseher, Löweiistein und liappaport. Melir interessieren uns die (Gefallenen: Byk und llorowitz. Diese zwei Namen, sind zwei Losungsworte. Beide leiten seit Jahren die jüdische Politik, von den am weitesten vorgeschobenen Standpunkten senden'sie die Parolen aus, denen das jüdische Volk nachgeht. Und dieses Volk gieng nach, bis es müde wurde und zu gehen aufhörte. Das ist der erste Fall, in dem die bisher disciplinierten blassen versagten und das Volk seinen Willen zeigte. Und dieser Wille äusserte sieh vorläufig an der Judcnhcit. Zwei Mandate sind für eine gewisse Zeit verloren. Die unheilvolle Politik rächte sich schwer an ihren Schöpfern. Beide fielen, verworfen von ihrem ATolke, das sie anführen, verlassen von der Partei, der sie zum Siege verhallen. Was lehren uns diese Wahlen? Dass man eine Stütze in sich, nicht aussei' sich suchen soll. Seit;>0 Jahren steht Dr. Byk in der Külte des politischen Bebens. Es gab keine öffentliche Sache, in der er keine Bolle gespielt hätte; wo nur die Welle des öffentlichen Bebens zitterte, dort war auch Byk. Aber in welchem Charakter? Im jüdischen? Keineswegs. Er war zuerst Deutscher, dann Buthene, hierauf Pole. Mh seinein starken Verstände fühlte er die Kiehtung der Welle voraus und darnach richtete er seine Anschauungen. In scharfsinniger Weise fand er stets die Resultante und der angeborene Opportunismus dictierte ihm das Verhalten. Heute ist er gestolpert. [lud das ist kein Augenhlieksfall. Es ist der Fall eines Systems, es ist wieder eine Riehtungsändernng. Es kamen neue Polen und neue Juden. Den Polen ist Byk — ganz natürlich — nicht polnisch, den Juden nicht jüdisch. Man erkannte die doppelsiehtige Politik. in den polnischen Versammlungen war Dr. Byk nationaler Pole, bagatellisierte die Judenfrage, ignorierte; seine Pflichten. Kr vergass_, dass er der Präses der grössten jüdischen Uemeinde im Lande ist, dass durch seinen Mund der Protest gegen die Unterdrückung der Millionenmenge sprechen soll, dass er der Kxponont der grössten Verzweiflung, des furchtbarsten Klendcs ist. Kr wollte sich anschmeicheln. Das besagten die polnischen Aufrufe. In den jüdischen Versammlungen rief er mit Kmphase: Ibri anochi, schlug herzliche und aufrichtige Töne an. Aber zum Fenster hinaus üess er sie nicht dringen. Das verkündeten die J a r g o n placatc. Und parallel flössen die beiden Kundgebungen dahin. Nun hat man dies zum erstenmale durchschaut. Die Juden thalen es und die Polen. Und das Ergebnis war die Abstimmung. * „Undankbar ist das jüdische Volk. oO Jahre hat man in seinem Dienst gearbeitet. Dann kommt irgend ein Bauer und stösst den verdienten Kämpfer hinab." Diese Worte soll Dr. Byk einem unserer Genossen gegenüber geäussert haben. In diesen Worten steckt eine tiefe Aberkennung der Verhältnisse. Bojko ist als .'Individuum (»in galizischer Bauer und Provinzschütze, an. Talent und Intelligenz kann er sich gewiss nicht mit dem Brodyer Abgeordneten messen. Aber er ist ein Charakter. Er ist von dem. Bauernstände ausgegangen und dieser Ausgangspunkt ist ihm zugleich das Ziel. Bojko sagt : Ich bin ein Bauer und zu Bauern gehe ich. Byk ruft: ibri anochi, und er geht zu den Fremden. Um Orden, um Auszeichnungen, um Anerkennungen. Bojko hätte in seineiUi: Bezirke ^durchdringen können. Es hätte ehr Wort geoüüg't: Ich werde (lein Polenclub beitreten. Er, trotzig, eonsequent, ganz Bauer, sagte es nicht und fiel, durch. Und diese eine That genügte, um zu bewirken, dass mit einem unerhörten Enthusiasmus tausende von Wählern für ihn zur Urne giengen, dass die akademische Jugend •mit1 'aiVerkeniK^swerte'Iii. Idealismus sich aufstellte neben bezahlten Agitatoren der schlimmsten Art und die Aelteren in den Wahlsaal drängte. Und ohne Druck und Würsic. ohne Einfluss und Unterstützung der Machthaber, ohne materielle Opfer und. ohne Opfer an persönlicher Würde siegte „irgend ein Bauer", warf den Juden, den Führer" zu Boden, schwächte den mächtigen Minister. (Pientak. D. Red.) So wirkt Charakter. * Es ist also heute ein Wendepunkt. Für die Byks — wenn sie noch Knergie der Jugend besitzen — gibt es einen einzigen Weg in der Polilik: 'Möge diese Metamorphose eine Wandlung im Leben begleiten. Kr war bisher ein Fremder, möge er er selbst werden, er selbst sogar in öifeiitlichon Versammlungen. Byk der Assimilant ist gefallen, Byk der „Israelit'4' ist eine Leiche. # Ferne von uns, am Fasse des Wawid spielt sieh dasselbe Drama ab. Der enge Politik- und Hernl'sgvnosse des Lemberger Verstorbenen« Dr. Leon llorowitz, büssl für dieselben. Sünden. Unbeliebt bei den Fremden, unpopulär unter den Seinen, fiel er, vom Zeitgeiste atisgeschieden. Ueber den „Verlust'4 khigt scheinbar der ,Uzas*\ aufrichtig ]Lrsch Landau. Wir freuen uns nicht. Schadenfreude ist ein Zeichen niederer Seelen; wir triumphieren nicht., denn wir haben, keinen Sieg davongetragen. Aber mit Würde conshitieren wir die Thatsaehen und unbarmherzig comnientieren wir ihre Krgebnisse. Wir verstehen die Situation. Die Cefa Helten auch? Wenn nicht, desto schlimmer für sie. Statistisches von den palästinensischen Coionien. (Scliluss.) //. Die (hi(xirirlscfiaffni. a ) 111 J li'Iiiu : 1. MikwHi Israel (arabisch Piart Xatr). Ktwa 20 Minuten von Jaffa entfernt. An der Pahrslraxe Jaffa—Jereusalem. («e^rün«!el im Jahre 1S7U (von der ..AI I ia nee israelite miiverse!Je"* auf liet.reihen Kail Xclters). Flächenraum: 2(i()0 Dunum. '4:10 Dunau) Weinberge. i7"> Dimani Orangerien. «SS Dunum Mandel-, 25 Dnnam ()liven j>f lanxiui^vu. 14T> Dunani («Vmüseoärten etc., ->•> Dunum Baumschule. 20 Dunani Peinlichkeiten, 1TS4 Dunum Aeeker. Ackerhauschulc. Kellereien, elieiniselies Laboratorium, Milch nieierei etc. Die Aekerha uselnile von M i k w e Ii 1 srael hat ^e^eiiwärii^ 204 /a'^l in^e, die zumeist aus Palästina, zu kleinem Tlieile aus den übrigen türkischen 1 'rovin/.en. sowie aus lvusslumi und Rumänien sind. Lehrdauer: ö Jahre, hievon 2 Jahre ausschliesslich landwirlschafiliches Practicum. Nach Absolvierun^ dieser Schule werden die Vorzu^'sschiilcr zum Zweckt; höherer Ausbildung nach. 'Kuropa «reschickt. die übrigen Schüler aber in den Coionien von Palästina, Argentinien und Cypern als (olonisten untergebracht. Süuimfliche Landarbeit der Outswirtschaft wird von den Zö^-lin^cn der Ackcrbauschule besorgt. 2. Moxa (arabisch Colonia). "Dreiviertel Stunden von Jerusalem entfernt. An der Fahrstrasse Jerusalem-—Jaffa. Sommeraufcnlhalt einer Anzahl wohlhabender Juden von Jerusalem. Flächenrauni ~)'47 Düna in. 1'5J Dunani \Yeinh;>r<.je. 4-\ Dnnam Ol ivenpfl anzünden, 7 '.Dunani Orangerien, o2!) .Dunani Brachland. 4J 'Dünain Baugründe. Einwohnerzahl 2J Seelen ("7 Familien). '4. O a n - M o n 1 e f i a r e (arabisch Biart Montefioro). Eine Viertelstunde We^es von Jaffa, nächst der deutschen Colonie. ...Sarona". Flüelicnraum 10J Dunani. 4\) Dunani Gran-