Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1901-09-20 · 38 (20.9.1901) · p. 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
38 (20.9.1901)
Article
Weltzionistentag
Date
1901-09-20
Page
2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3315709-3315905-3315944-3399868--28122-3399963
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 „Die £ Welt" Nr. 38 tigern Ernste das Werk cler letzten Jahre stellen, dann wird man erst einschätzen können, was es bedeutet. Ich glaube, sogar aus seinen1 ^bikuMiilglichfeüiten; noch wird die Weihe der Thal leuchten. ' So soll der Weltzionistentag eine Selbstbesinnung, ein Bewusstwerden sein. " Das Geschaffene taucht in einheitlichem Bilde auf. Man kann es fassen, und beurthoilen. Das rein Ideelle und Programmatische wird man an diesem Tage nicht betonen. Ks niuss ungesagt in allen Herzen ruhen.'1'Nicht die Tdee, sondern die Thai wird zu besprechen sein.; Was ist bisher gethan worden? Diese Betrachtung wird ein Segen sein. Man. wird mit stolzem Selbstbowusstsein auf das Gelungene zurückblicken. Die Lücken werden lehren, wo neue, energischere, stralTer organisierte Arbeit einzusetzen hat. Man wird, sich seiner Kräfte bewusst werden, wenn man ihre Anfangswerke sieht, und man wird lernen, sie für neue, i^vü^re Werke zu rüsten und zu üben. Ls gibt zweierlei. Kritik, Die analytische, die zerlegt, zerfasert, atomisiert, auflöst, negiert. Nie und nimmer kann Schalfen aus ihr kommen und die zeugende Glut des grossen Lebens. Und die synthetische, die das Bestehende in seiner G a n z Ii e i t sieht und wertet, — um an dem Werdenden zu bauen. Bauen aber ist das Ihne, das noth thut, den Dämonen des schwächlichen. Zweifels zum Trotze. Und nicht das Atom ist die Wahrheit, sondern die ganzen lebendigen Dinge. Darum ist synthetische Kritik unser Losungswort. Und ihr soll der Weltzionistentag dienen. Bhrucli. Der fünfte Congress. Die Ausschrei Innig des 5. Gongresses ist von der ge- >amniten europäischen Dresse bisher ohne jeden Oomnientar zur Kenntnis genommen worden. Die gleiche Parole scheint auch, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die jüdische Dresse zu befolgen. Von der derben. Missst i mnuing, die sonst jedesmal die Ankündigung des Oongresses in gewissen jüdischen Rodaetionsstubon zu erzeugen pflegte und die in mancherlei Anrempelungen und. Entstellungen ihren Ausdruck gewann, ist gegenwärtig nichts zu verspüren. Es wäre interessant zu wissen, welche Gründe die Herren zu. ihrer gewiss lobenswerten Neutralität bewogen haben. Doch nicht etwa die Erfolge der zionistischen Bewegung? * Ein kleines 11usarenstückchen hat sich das „Jüdische Tageblatt'* in Budapest, das Organ der orthodoxen Lancloskanzlei, geleistet. Es kündigt den Gongress an, der „vom. bis '>'.). Decembcr, darunter ein Sabbath (! dickes Ausru fungszeiehen) statt linden wird". Ks musste sich über auch gehdien lassen, dass einer seiner Leser den kleinen Lese- und Druckfehler der geehrten KVdaction richtigstellte. ,Jlaschiloaha bringt in der „Allgemeinen Rundschau" von lvri einen gegen den „II ilfsvorein deutscher Juden" gcrichieien Artikel, dem wir folgende bemerkenswerte Stolle entnehmen : ..Auf diese Weise also ist die Kinheit der jüdischen Xation herabgewürdigt worden, und diese ist nun dem Deutselithum und. Franzosenthuin unterthan, denen sie den Weg bahnen soll zu geistigen und — materiellen Eroberungen. Wir glauben, es ist schon an der Zeit, dass'auch die Juden im Osten (Kuropas oder Asiens) ihren Wohlthätern gegenüber ihre .Meinung aussprechen und namentlich in Angelegenheit der jüdischen Jugend-Erziehung in Palästina ihnen warnend, zurufen sollen: liier brauchen wir weder Franzosen noch Deutsche mosaischer Confession; hier nuiss vielmehr die Heranbildung eines j ii (l i scken Geschlechts., das die Fahne Judas hochhält und auf sein Volksthum stolz ist, die Aufgabe der Schulen bilden. Eine solche Kundgebung muss aus: den Reihen der Zionskämpf er hervorgehen und der geeignetste Zeitpunkt hiefür ist nach unserer Meinung der bevorstehende Zusammentritt des fünften Zionistencongresses." Der „Jewish Ch-roniele" in London sagt in seiner durchwegs concilianten Besprechung der Tagesordnung: „Die Sabbathruhe wird höchst willkommen sein, da die langen Sitzungen für die Delegierten sehr ermüdend waren rund ausserdem die Mehrheit noch die Nächte den Ausrsc,iiuHsl)erathungen opferte. Zweifellos wird die Tagung des Gongresses verlängert werden, müssen .... Dr. Nordau wird die Tribüne erst am 2. Tage betreten, um das Referat über körperliche, geistige und wirtschaftliehe Hebung des Judenthums zu halten. Viel vorbereitende Arbeit ist bereits gethan worden, um dieser Diseussion concretes Materiaf zu liefern. Wichtige Elemente liegen ja schon vor, da Prof. Mandelstamni auf dem letzten Gongresse mit seinem wissenschaftlicheii Vortrage über die körperliche l iebung der Juden grossen Eindruck' erzielt hatte..... Die Frage der Organisation, welche die Aussenstehenden niclit interessiert, wird eifrig besprochen werden. Das Wachsthum, der Bewegung nöthigt, auch das Schemfi der Organisation zu erweitern. Die Discussion über den Nationalfonds, die den 4. Tag eröffnen wird, ist ein altes Thema,, das schon am 1. Gongresse von dem verstorbenen Professor Sehapira angeregt wurde. Das Project geht dahin, einen nationalen Gred.it zum Zwecke der Gründung eines jüdischen Ililfsfondes für Xothstandszciten zu sammeln, ähnlich den grossen Xationalcrediten anderer Völker . . . " * Der „Jewish Express" nimmt die Ausschreibung des (Kongresses zur Gelegenheit, um eine lebhafte Agitation für .die Jüdische Oolonialbank einzuleiten. Kr meint, dass alle nebensächlichen Fragen beiseite gelassen werden sollen, um der einen Sorge der Oompletierung des Pankeapitales Platz zu machen. Die zionistischen Vereine thäten noch lange nicht genug. Ks gienge* nicht an, alles von. den Führern verlangen zu wollen. Vielmehr müsse auch jeder Zionist seine Pflicht thun. lliefür sei bis zum Gongrosse Zeit genug. Zu den Erfolgen der Führer mögen die Delegierten auch Ergebnisseder Zionisten seihst mit auf den Gongress bringen. Kr verspricht sich von der sorgfältigen Berathung der seh weibenden Angelegenheiten einen grossen Fortschritt für die ganze Bewegung. * „Jewish Ohronicle" und „Jewish World" in London melden übereinstimmend: „Die Londoner Organisationen der zionistischen Pewegung treffen für eine Monstre-Demonstration, in der ganzen Welt ^ro^ Vorbereitung. Diese wird mit dem 5. Gongrosso in Verbindung stehen. Am Vorabende des Gongresses oder eine Woche früher — das Datuni ist noch nicht fixiert — werden die Vereine aller Orte gleichzeitig Versammlungen abhalten, um angemessene Resolutionen zu boschliesson. Der Zweck der Demonstration ist, einen weiten Ausdruck der allgemeinen Meinung über die Angelegenheiten der Bewegung und das Programm des Gongnsses zu erlangen. Weitere Details worden, nach BoschlussFassung veröffentlicht werden". Dieser Mittheilung können wir noch Folgendes hinzufügen: Im Laufe dos »Jahres gelangte an das Act ions-Oomite wiederholt und von mehreren Seiten die Anregung, einen Weltzionistentag einzuberufen. An einem Page sollen an allen Orten der Erde, wo Zionisten wohnen, gleichzeitig Versammlungen mit einer bestimmten Tagesordnung stattfinden. Durch diese Veranstaltung soll einerseits den Vertrauensmännern der "Bewegung die Möglichkeit geboten werden, die Leistungsfähigkeit der von ihnen durchgeführten Organisation zu erproben, andererseits soll der Versuch einer zionistischen Volkszählung gemacht werden. Das Actions-Gomite hat hierüber noch keinen P>esehluss gefasst.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.