Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 37 (13.9.1901)
- Article
- Wien
- Date
- 1901-09-13
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3315709-3315905-3315943--28078-3399831- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 37 „Die s$ Weit44 Seite 13 Eventuelles. Gästo stets willkommen. Der Verein plant für den Monat Octoher die Einführung von Cursen, und zwar: in Hebräisch, Stenographie (GabeJsberger), Buchführung. Gesinnungsgenossen, die in der Lage sind, einen Unterrichtscurs zu leiten, wollen dies dem Cpllögen Leo Wurmann, IL, Scholzgasse 6, 3. Stock, gefälligst mittheilen. Berichte. Bielitz. (Jüdisch-akademische Ferialverbindung „Emu nah".) Sonntag den 1. d.M. unternahmen wir eine Agitationsreise in die nahegelegene Ortschaft Kenty, wo bis dahin vom Zionismus gar nichts bekannt war. Vor einer ansehnlichen Zuhörerschaft erörterte ßundesbruder cand. jur. Leo Blum in klarer und wirkungsvoller Weise das zionistische Programm und bewies die Existenzberechtigung und Notwendigkeit des Zionismus. Nach dieser mit grossem Beifall aufgenommenen Rede wurde folgende Resolution verlesen und per Acclamation angenommen: „Die am 1. September versammelte Judenschaft von Kenty erklärt sich mit der Idee und den Zielen des Zionismus einverstanden, betrachtet diesen als die einzige endgiltige Lösung der Judenfrage und drückt dem V. Congress ihre Sympathie aus." Einige junge Leute gehen an die Gründung eines jüdichen Lesovereines, der ein Sammelpunkt der Judensch&ft von Kenty werden soll, und zu dem bereits eine grosse Zahl jüdischer Bürger ihren Beitritt zugesagt haben. (Jeberhaupt berechtigt die Art der Aufnahme unseres Referates zu der Hoffnung, dass die Saat, die wir gestreut haben, auch aufgehen und gedeihen wird. Radautz. Sonntag den 25. August 1. J. fand in der hiesigen grossen Synagoge eine vom Vereine „Dorsche Zion,t einberufene Volksversammlung unter dem Vorsitz* des Obmannes Herrn Dr. J. Bier er statt, bei der Herr L. Taubes aus Kolomea einen beifällig aufgenommenen Vortrag hielt. Redner wies auf die traurige Lage unserer Volksgenossen hin und bezeichnete den Zionismus als den einzigen Weg der Erlösung. Zum Schlüsse gelangte eine vom Vorsitzenden in disem Sinne abgefasste Resolution zur Annahme. Hierauf wurde im „Hotel Central" ein von allen Kreisen der Bevölkerung besuchter Commers veranstaltet. Nach der EröfTnungs- und Begrüssungsansprache des Vorsitzenden Herrn Dr. J. B i e r e r ergriff Herr Doctor S. Rosenheck aus Kolomea, der über Einladung unseivs Vereines hier erschienen ist, um für unsere Idee zu wirken, das Wort, setzte in längerer, oft von stürmischem Applaus unterbrochener Rede das Wesen und die Bedeutung des Zionismus auseinander, und erörtete in eingehender Weise die bisherigen Erfolge desselben. Redner wurde lebhaft acclamiert. Toaste wurden von unserem verehrten Obmanne, sowie von Herrn Dr. S.Rosenheck, von Herrn L. Taubes und vom Vertreter des ,,Hasmonea<k, Herrn Retter, ausgebracht. Namens der hiesigen Cultusgemeinde sprach Herr J. Menschel, der die Förderung unserer Idee mit aller Kraft bei jeder sich ihm darbietenden Gelegenheit, versprach. In vorgerückter Stunde wurde der offizielle Theil der Feier geschlossen. Der nachher unter Vorsitz des gefeierten Gastes abgehaltene humoristische Theil hielt eine grosse Anzahl von Theilnehmern in sehr animierter Stimmung bis in den Morgen hinein zusammen. Es wurden unserer Idee durch diese Veranstaltung viele neue Anhänger gewonnen, wie uns die vielen Neuanmeldungen zu unserem Vereine beweisen. Olmütz. Die Ferialverbindung „Geulah" hält eine Reihe von Discussionsabenden ab. Bisher wurden besprochen: „Der Zionismus und die Geldgrössen in Israel", „Kann es Jüdisch-Nationale ohne Zionismus geben?■* Mittheilungen aus dem Publicum. Unser wackerer Gesinnungsgenosse Herr A. Neufeld hat sich mit Fräulein Helene Colin aus Warschau vermählt. Briefkasten. M. W. in Berlin: Wir haben Ihr Monitum sogleich an die Redaction des „Echo Sioniste" und Ihre Bestellung an Herrn F. weitergegeben. Hoffendlich befindet sich die erste Angelegenheit bereits im Stadium der Erledigung. Ein agronomisch-culturtechnisches Bureau in Palästina. Dieser Tage ist in der Colonie Zichron Jacob ein „Ägroriomisch-culturtechnisches Bureau für Palästina" eröffnet worden. Es hat zwei Abtheihingen, und zwar: 1. Abtheilung für Landwirtschaft (Vorstand: Dr. phil. S. Soskin, geprüfter Landwirt, und A. Aaronsohn, Agronom); 2. Abtheihmg für Geodäsie und Culturtechnik (Vorstand: J. treidel, in Preussen vereideter Landmesser und Culturingenieur). Das Bureau übernimmt sämmtliche in das Gebiet der Landwirtschaft, Geodäsie und Culturtechnik einschlagenden Arbeiten, wie Einrichtung und Leitung von landwirtschaftlichen Unternehmungen, Gutswirtschaften, Pflanzungen. Untersuchung und Versuchsanstellung über neue Culturen. Leitung neuer Colonien, Organisierung wissenschaftlicher Expeditionen ins Innere des Landes. Rodungen, Urbarmachungen, Trockenlegung von Sumpf ländereien durch Drainage und Anpflanzung, Bewässerungsanlagen, Wegebäuten, Anlagen von Feld- und Kleinbahnen. Separationen (Mafrons), Parcellierungcn zum Zwecke rationeller Ausbeutung oder Colonisierung. Herstellung sämmtlichen Plan- und Kartenwerkes für topographische, agronomische und Verwaltungszwecke, Aufstellung von Kostenvoranschlägen etc. Auskünfte werden kostenfrei erthci.lt. — Alle Zuschriften sind zu riehen an die Adresse des Bureaus, Zichron Jacob pres Caiffa, Palästina. Es unterstehen bis jetzt der Leitung der einzelnen Mitglieder des Bureaus: Landwirtschaft: Gutswirtschaft „Dorsche-Zion", Orangen- und Ethrogimgarten „Gan- Sehemuel", Gutswirtschaft des Herrn I). B. Lewitas in Chederah, Berichterstattung über die Colonie Machnaim; Geodäsie und Culturtechnil': Revision der Vermessungen der „Jewish Colonisation Association" in Palästina. Zweie lei Juden. Roman von Max Viola. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) IV. Archiba ld Tulpenthal hatte für seinen Sohn zweiundachtzigtausend Kronen bezahlt und war selbstverständlich wüthend darob. Für so viel hatte Gaston während des gestrigen Spieles Bons unterschrieben, und die befanden sich alle im Besitze Sommerbergs. Lächelnd hatte ihm Gaston die Summe seines Verlustes gestanden und deren Bezahlung verlangt. Und Archiba hl hatte bezahlt, blutenden Herzens, doch lächelnden Antlitzes. Nun befanden sich Vater und Sohn zusammen im Arbeitszimmer des ersteren. Gaston sass zusammengekauert in einem Fauteuil und polierte seine Fingernägel, während der Alte beim Fenster stand und ihm eine Strafpredigt hielt. „Ich soll also an dir stets Schande und Spott erleben?" sagte, er. „Du wirst dich nie aufraffen und endlich ein Mensch werden?" „Mensch? Bin ich denn ein Papagei? Und was für Schande und Spott? Spielte ich nicht ruhig, kaltblütig, wie ein Diplomat?" „Und verlorst zweiundachtzigtausend Kronen, die ich heute bezahlen musste.4' „Entsetzlieh! Was würdest du erst beginnen, wenn du wüsstest, dass ich dieses Geld infolge einer Vereinbarung an Sommerberg verlor und dass er mir heute die Hälfte davon zurückerstattete?'* „Bist du verrückt?" „Nicht im geringsten. Hier." Er holte sein Portefeuille hervor und wies seinem Vater ein Paket Tausenkronenscheine. „Du Schult, du Betrüger! Du gehst also direct darauf aus, deinen Vater zu bestehlenV Ich werde dich anzeigen, ieh werde dich in eine ( orreetionsanstalt stecken." „Gehe, Papa, gib mir eine anständige Cigarre." „C'igarre? Einsperren lasse ieh dich, ich jage dich aus dem Hause." „Bitte, gib mir eine anständige C'igarre, sonst höre ich deinen Blödsinn keinen Augenblick länger an. Engagiere dir jemanden