Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 37 (13.9.1901)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1901-09-13
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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-xcectaction und Administration: WflESl "21 7flrkcBS*:ii8se. Nr- 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaction: Montag, Mittwoch und Freitag von 3—4 Uhr. Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 20 Heller. Der Inseratentheil wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. ise: Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 12 Kronen, halbjährig 6 Kronen. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten _ ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doli. 40 Ct. Nr. 37. Wien, 13. September 1901. 5. Jahrgang ffraa laan^arnÄ^aminw wiip bsb >jDn pH? moiz ns nn ^nsjTj^ _ Allen unseren Lesern, Mitarbeitern und Freunden entbieten wir herzliche Glückwünsche zum Neujahrsfeste. Die Redaction. Die Grenzen des Zionismus•*) Von Berthold FeiweL I. Mit dem stetigen äusseren Anwachsen und der fortschreitenden inneren Entwicklung des Zionismus wird eine periodische Festlegung seiner Grenzen zu einer immer dringenderen Notwendigkeit. Nicht nur, dass im natürlichen Entwicklungsgange die alten Anhänger vor immer neue Probleme gestellt werden, zu denen sie der Zionismus direct oder indirect hinleitet, es kommen auch immer neue Menschen hinzu, die Neues von ihrem Geiste mitbringen. Ungekannte Beziehungen, modificierte Bedürfnisse tauchen auf. Dazu kommt die vom Zionismus unabhängige Einwirkung äusserer Verhältnisse, die veränderte Grundlagen schafft. Es erscheint darum als die unerlässliehe Vorbedingung einer gesunden Fortentwicklung, dass das vorhandene Thatsachen- und Erkenntnis-Material des Zionismus in ein System gebracht und das neue Material damit harmonisch vereint werde» Die Grenzbestimmung soll es uns dann gestatten, das möglichst genaue Mass dessen zu kennen, was der Zionismus nn ideellen und materiellen Werten und Gütern geschaffen hat und schafft und was er in Zukunft schaffen will und schaffen soll. Wenn wir von „möglichster" Genauigkeit sprechen, so hat das seinen Grund in der oft beschränkten Möglichkeit der Forschung und Feststellung und im Begriffe: Zionistische „Bewegung" selbst. Das Variable und Fluctuierende sehliesst jede absolute Genauigkeit aus. Aber eine relative, eine möglichst genaue Bestimmung des zionistischen Gebietes ist es, die wir wünschen müssen. *) Diesen Titel trägt auch eine von J. Klausner verfasste Abhandlung, die vor einiger Zeit in der hebräischen Zeitschrift j,.üaschiloah" erschienen ist. Wir werden auf diese Abhandlung, die sich polemisch mit der von vielen Zionisten in der Frage der körperlichen, wirtschaftlichen und geistigen Hebung beobachteten Haltung beschäftigt, in einem der folgenden Aufsätze zurückkommen. Allerdings, es gibt zwei Arten von Zionisten, für die die detaillierte Kenntnis aller zionistischen Dinge und das regelrechte System überflüssig wird: Das sind die Nur-Begeisterten, deren Blick allein auf das Eine, Grosse gerichtet ist, und die Nur-Praktischen, die allein für das Nächstliegende Blick und Talent haben. Die Nur-Begeisterten haben einzig das herrliche Endziel vor Augen. Sie sehen das goldene Licht, das über dem Bergesgipfel aufflammt und stürmen der Höhe zu, unbekümmert um das Eechts und Links — wenn sie nicht ruhen, in glücklich-träumende Betrachtung versunken. Die anderen, die Nur-Praktischen, die Feinde der grauen Theorie und der rosigen Träume, arbeiten, wie es der Alltag heischt. Sie setzen die grossen Parolen in Kleinarbeit um, sie räumen die Hindernisse, sie graben, bauen, legen Steinchen auf Steinchen .... Gewiss, wir wollen beide Arten von Zionisten nicht missen. Die einen führen der Bewegung ein Plus an Wärme und schönem Schwung zu, die anderen bringen Energie und schaffen ein solides Fundament für den äusseren Aufbau. Aber unser dritter Menschenschlag, der ideale Begeisterung mit gesunder, praktischer Arbeit vereinen möchte, braucht in allen bedeutenden Fragen, mit denen er durch den Zionismus in Berührung kommt, möglichst bestimmte Unterlagen für seine Urtheile und Handlungen. Es darf ja auch nicht sein, dass Zionisten, weil ihnen die bessere Einsicht fehlt, einander entgegenarbeiten. Es gibt ein zionistisches Gewissen, das von jedem verlangt, dass er mit möglichster Genauigkeit sich zu eigen mache, was Umfang und Inhalt der Idee ist, der er dient; dass er mit Sicherheit das thnt, was er thun darf oder thun soll, und dass er dasjenige unter] ässt, was nicht in das Gebiet des Zionismus fällt oder ihm widerspricht. Woher aber sollen die Zionisten das für ihre Denk- und Handlungsweise entscheidende Thatsachen- und Erkenntnis-Material nehmen? Der wissenschaftliche Zionismus soll es ihnen geben. Aber nicht eine Wissenschaftlichkeit, die nur unfruchtbare Theorien aufeinanderhäuft. Soviel wollen wir jetzt nur sagen: Der wissenschaftliehe Zionismus müsste mitten drin stehen im zionistischen Leben, es stetig befruchtend und zugleich von ihm Nahrung empfangend. Ja, waren wir denn bisher unwissenschaftlich? Nein und ja. In der ersten und höchsten Frage des Zionismus, für den Beweis der Nothwendigkeit der Fundamentallehre: