Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1901-09-06 · 36 (6.9.1901) · p. 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
36 (6.9.1901)
Article
Bielitz
Date
1901-09-06
Page
13 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3315905-3315942--27974-3399694
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 36 „Die & Welt Seite 13 Beifall. S o n n t a g den 25. d.M. unternahm die Verbindung eine Agitationsreise nach dem kleinen Andrychau, dessen Cultusvorstand uns den Tempel zur Verfugung gestellt hatte. Bundesbruder cand. jur Leo Blum erörtete in seiner Rede Wesen und Ziele des Zionismus, geisselte den Tndifferentismus der Assimilanten und tri iff die abwesenden Vertreter der Gemeinde scharf an. (Thatsächlich hielt der Cultuspräses gerade sein Mittagsschäfchen, als wir ihn persönlich zu dem Vortrage einladen wollten.) Als ein ehemaliges Mitglied des Cultusvorstandes — ein Herr Unger — sich über „die Taktik der Zionisten" beklagte und sich schliesslich als Polen gerierte, ,.da es ja den Juden in Polen als Berathern von Königen und Fürsten sehr gut gegangen sei", wurde er von Bundesbruder B 1 u m unter dem Beifall der Anwesenden gehörig abgeführt. Die Versammlung führte unserer Sache neue Anhänger zu. Mähr.-Weisskirchen. Am 25. Augnst gab der zionistische Ferialverein „Massada" einen grossen Festcommers, der von den Nachbarvei einen stark beschickt war. Unter den Reden seien jene der „alten Herren" DDr. Rindl und Loew und der Vertreterin der Prerauer „Mirjam" Frl. Jahoda hervorgehoben. Phil. Fr an kl von der „Ivria" liess zum Beschluss eine flammende vielbejubelte Philippika gegen die hiesige Assimilantengilde los, die besonders borniert und rückständig ist. Z. Ung.-Hradisch. Vor wenigen Tagen wurde in unserer Stadt auf Anregung der hierortigen jüd.-akad. Ferialverbindung „Achiwah" eine jüdische Turniiege ins Leben gerufen. Von Seite der hiesigen Stadtgemeinde wurde der geräumige städtische Turnsaal in entgegenkommender Weise zur Verfügung gestellt. Bisher haben sich ungefähr 30 ausübende Mitglieder angemeldet; das Interesse für die Turnriege ist unter den jungen Leuten ein sehr reges, und es ist nur zu wünschen, dass auch weitere Kreise der jüdischen Bevölkerung und insbesondere die hiesige Culfcusgemeinde die Sache der jüdischen Turnriege moralisch und materiell fördern und unterstütz1!). Die jüdische Turnriege wird einer der wenigen hier bestehenden jüdischen Vereine sein, der schon seinem ganzen Wesen nach, sowie infolge anderer für unsere Stadt in Betracht kommenden günstiger Umstände Aussicht auf Erfolg und längeren Bestand hat.DieTurnriege wird, sobald sie sich nur eingebürgert haben wird und die hiesigen Juden ihre nationalen Pflichten gewissenhaft erfüllen werden, analog den Turnvereinen anderer Nationen ein gesellschaftlicher, zur Solidarität und Einigung gewaltig beitragender Mittelpunkt der Juden unserer Stadt werden, wird dieselbedoch neben ihrem Hauptzwecke, der physischen Kräftigung unserer Jugend, auch einen wichtigen Punkt, nämlich die Pflege der Geselligkeit unter der hiesigen Judenschaft gewiss nicht ausser-- acht lassen. Die Turnriege wird in kurzer Zeit in einen Turnverein übergehen. Geturnt wird jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. W. Prerau. Im jüdischen Mädchen verein „Mirjam" sprach Dr. Zweig am 24. August über Hervorragende Frauengestalten unter den Marannenu. Die „Mirjam" veranstaltet zu Simchath Thorah ein jüdisches Kinderfest. Prerau. Am 31. August 1. J. veranstaltete die jüd.- akad. Verbindung „Ivria" bei uns eine Versammlung, in welcher Hr. cand. Nassau jur, als Vertreter des mähr.-schles. Districts-Comites einen Vortrag über Judenfrage und Zionismus hielt. Die VeiSammlung hatte eine zahlreiche Betheiligung unserer jüdischen Bevölkerung aufzuweisen. Dr. A. L. Krömsier. Am 27. August 1901 fand die constituierende Versammlung des jüdisch - akademischen Ferialverein es „Ossid" statt. Das Gründungsfest des Vereines, wozu die Gesinnungsgenossen höflichst eingeladen sind, wird Sonntag den 1. September 1901 gefeiert. Boskowitz. Sonntag den 25. August 1. J. veranstaltete die hiesige jüd.-akad. Verbindung „LaetitiiV unter großem Zuspruch der jüdischen Bevölkerung ihren diesjährigen Festeommers. Präs. cand. jur. Moriz Münk eröffnete durch seine Begrüssungsiede in würdiger Weise die Feier. Er verwies auf die Stellung der jüdischen Studentenschaft an den Hoch schulen, auf ihre Einigung unter dein Banner des Judenthuins und die üebereinstimniung der Ortsbewohner mit den Ideen der akademischen Jugend. Hierauf ergriff der Schriftführer cand. phil. Leopold B ascdi das Wort zur Tendenzrede. Nachdem er in ergreifender Weise die Zustände im heutigen Judenthum, das tiefe Elend unter unseren Brüdern, geschildert hatte, trat er für das durch jene Judennoth nothwendig gewordene Zusammengehen der gesainmten fühlenden Judenschaft, für die Stärkung des nationalen Gedankens ein. Den Höhepunkt erreichte die begeisterte Stimmung, als der Ortsrabbiner Se. Ehrwürden -Dr. Sal. F u n k und Se, Ehrwürden Dr. Feuchtwang aus Nikolsburg in warmen tiefgefühlten Worten die Rückkehr der Jugend zum Judenthum priesen und zu einmütliigem Ausharren und Festhalten an der Liebe zum jüdischen Volksthum mahnten. Der Vertreter des Vereines „Ziou", Herr Samuel Zobe 1, verfocht in kerniger Bede den Standpunkt engster Solidarität aller Juden. In launiger Weise toastierte hierauf phil. .Max E i s 1 e r auf die anwesenden Damen und Mädchen. Als letzter feierte phil. Gustav Häusler die innige Fühlung, in die Bewohnerschaft und akademische Jugend getreten seien, in später Stunde endete die Veranstaltung, die mit vollem Hecht als überaus gelungen bezeichnet werden kann. Sie hat gezeigt, dass auch auf dem Boden unserer altehr würdigen Gemeinde ein einiges, jüdisches Leben in treuem Festhalten an dein Gedanken des National judenthuins festen Fuss gefasst habe. —F— Kopyezynce. Am 29. August traf hier Herr L. Taubes aus Kolomea ein, der am Reiben Abend in der hiesigen Synagoge vor einem zahlreich erschienen Publicnm einen Vortrag über „Zionismus" hielt. Seine trefflichen Ausführungen ernteten stürmischen Beifall. Die Schekelsammlung wurde eingeleitet und sehen wir einem günstigen Ergebnisse derselben entgegen. Szczawnioa. Vielen Hindernissen zum Trotz gelang es einem aus den Herren Langnos (Lemberg), J. Rosenkranz (Sniatyn), M a r g u 1 i es (Nastasow) und Schon* (Zboröw) gebildeten Curgäste-Comite, am 19. v. M. mittags im Saale des „Hotel Polski * einen Zionisten-Abend mit musikalisch-declamatorischen Vorfragen zu veranstalten, zu dem sich eine Anzahl von über 150 (Juristen eingefunden hatte. Unter dem Vorsitze des Herrn Rosenkranz, dessen neunjähriger Sohn Chaim als Declamator hebräischer Lyrik exceiiierte, entfesselte der bezaubernde Gesang des Herrn J. Halpern, Obercantors aus Lemberg, einen jubelnden Applaus, während Frau Kreis aus Syracuse (Amerika) mit der vorgetragenen Ballade „Der Schelm von Bergen" an die leine Pointierung eines St t akosch erinnerte. Der beifällig aufgenommenen Tendenzrede des. Herrn Pauker aus Zboröw folgte ein Commers, woiauf der ganze Ertrag des Abends in der Höhe von 120 Kr. unter die armen Curgäste von Szczawnica vertheilt wurde. A. H. P. Kolomea. Am 18. d. M. veranstaltete der Verein ,,B e t h - I s r a e L4 einen Ausflug nach dem Beskidendorfe Dora, an welchem über 600 Personen aus allen Gegenden Ostgaliziens theilgenommen haben. Das dort veranstaltete Volksfest fiel sehr glänzend aus. Sowohl um das Zustandekommen des- Ausfluges, als auch um die glänzende Arrangierung des Festes haben sich die Herren Löbel Taubes urid David Juris besonders verdient gemacht. Stanislau. Samstag den 24. d.M. fand hier diezweite Vorversamnilung der hiesigen jüdischen Handelsangestellten behufs Gründung eines „Z i o n i s t i s c h e ri Handel sa n g e s t e 1 1 t e n - V e r e i n e s" statt. Ungefähr 150 Handelsangestellte waren zusammengekommen und wählten ein Comite aus zehn Herren, die sich mit der Gründung des Vereines befassen sollen. Ferner wurde atndi ein Agitations- Cumite gewählt, das für die zionistische Idee und für den Verein agitieren soll. Die Versammlung erklärte sich, nachdem das Statut des Brünner zionistischen Handelsangestellten- Vereines „Emu nah" verlesen wurde, mit demselben einverstanden, so dass in ganz kurzer Zeit hier ein zionistischer Verein von jüdischen Handelsangestellten insLeben treten wird. Czortköw. Am 13. d. M. veranstaltete die hiesige jüdische Studentenschaft einen „Bar Kochba-Abend*'4. welcher sich eines grossartigen Zuspruches sowohl seitens der hiesigen Bevölkerung, wie seitens auswärtiger Gäste erfreute. Um 9 Uhr eröffnete stud. ing. S. Platz mann den Abend mit einer an die anwesenden Gäste gerichteten Begrüssungsrede, welche man lebhaft applaudierte. Hernach wurde vom Chore „Hatikwah" (die Hoffnung) gesungen, worauf Herr S. Axelrad auf der Geige coneertierte. Unter andauerndem Beifall trug dann M. Rubel eine hebräische Declarnntion vor, und dieser folgte die Tendenzrede vom stud. jur. Herrn F. Wasch itz. Präses der „Bar Koehba" in Wien, in beredter Weise schilderte dieser den „Bar Kochba-Auf^tand* und suchte dann in den Lehren der'Tanaim Anknüpfungspunkte an den modernen Zionismus. Nachdem er als die Aufgabe des Zionismus die dreifache Renaissance des Volksbewusstseins, der Sprache und des Landes bezeichnete, polemisierte er mit den Einwänden der aufgeklärten und orthodoxen Zionsgegner, Zum Schlüsse versicherte Herr \V a s c h i t. z im Namen der zionistischen Jugend, dass dieselbe treu und unentwegt unter dem Banner der jüdischen Volks- und Zionsidee auszuharren entschlossen sei. Langanhaltendes Beifallsklatschen folgte dieser Rede. Nach einer Pause gelangte das Theaterstück „Renaissance" zur. Aufführung, welches von den Herrn O. Lande, J. ßäumer und M. S c h o r glänzend gespielt wurde. Her-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.