Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 36 (6.9.1901)
- Article
- [Kommentar] / M. Z.
- Date
- 1901-09-06
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 „Die & Welt" Nr. 36 hat, irgendwelchen Nutzen zu bringen. Heute haben wir noch lausende strebsanier junger Leute, die nach jüdischen Kenntnissen streben, sich der jüdischen Wissenschaft voll Eifer widmen möchten. Wir haben auch noch Leute, die würdig sind, Lehrämter an jüdischen Universitäten zu bekleiden. Aber in der nächsten, spätestens in der zweitnächsten Generation werden wir eine jüdische Universität nicht mehr brauchen, weil es weder Lehrer noch Schüler für sie geben wird. Jetzt ist der geeignete Zeitpunkt da! Es gibt historische Momente, die nie mehr wiederkehren. Jetzt haben wir sowohl Lehrer wie Schüler, und auch das Geld könnte aufgebracht werden, wenn sich unter uns einer jener Träumer fände, die imstande sind, ihre Träume in Thaten umzusetzen. Aber just dieser eine fehlt uns! In diesem Artikel wollte ich nicht über die ^Einzelheiten, die mit Errichtung einer jüdischen Universität zusammenhängen, sprechen, weder über den Ort. der für eine solche Anstalt in Betracht käme, noch über die Grundzüge ihres 'Lehrplanes, über den neuen Professorentypus, der entstehen müsste usw. — Ueber all das habe ich mich schon vor vier Jahren an anderer Stelle eingehend geäussert und werde darauf noch zurückkommen. Diesmal wollte ich bloss den Leser anregen und die Notwendigkeit einer hebräischen Universität der jüdischen Öffentlichkeit ins Bewußtsein rufen." M. Z. Die. Berliner ..A llgemeine Zertinuj des Judenthums" versteht noch immer vortrefflich die Kunst, dem Willen ihrer Leser, der Herren mit den 5 oder 6 Ziffern hinter dein Namen, nachzukommen. Politik des Judenthums treibt sie von der Höhe des Spandauerthurms herab, schaut den Hilfsverein deutscher Juden für etwas Grossartiges an, ereifert sich für eine Schächtfrage bis zur Weissglühhitze und executiert den grossen chinesischen Kotau begeistert vor jedem Gemeindegewaltigen. Aus der Geographie der Bedaction ist der Osten verschwunden, für sie existiert nur das Judenthum, dem reichliche Atzung zum Leben genügt, das Judenthum zwischen Deutschlands Grenzen. Und wenn schon Colonialpolitik getrieben werden soll, dann auf nach Abessynien. Ueber die dortigen, legendären Juden geht in der letzten Nummer ein Leitartikel los unter dem sehr bemerkenswert!!en Titel: Ein verlassener Bruderstannn. Bruderstanmi — Bruderstamm — liebe ..Allgemeine"! Du wirst uns doch nicht in der nächsten Nummer mit einer Druckfehlerberichtigung aus unseren Himmeln werfen? Bruderstamm die abessynischen Juden, vielleicht sogar auch die russischen! — die rumänischen! — die polnischen! — aufgepasst, liebe „Allgemeine", auf Deine werten Leser: leicht wird ja heutzutage aus einem Juden mit einem bisschen Nachdenken ein Zionist! Gar noch, wenn er in derselben Nummer liest, dass die preussische Regierung ihre juridischen Beamten gegebenenfalls nicht avancieren lässt mit den klaren Worten im Bescheid: Wegen jüdischer Confession. Da kann auch der jüdische Hilfsverein nichts dagegen thim und die Redaction hat ganz recht, wenn sie ihn zu erspriesslicher Wirksamkeit zu den Falaschas, den Verstössen en, wie sich die abessynischen Juden selbst nennen, herunterschickt. Interessant genug ist es unten. Juden ohne Hebräisch, ohne die religiöse Tradition, mit Opferdienst und in ihrer Geschichte auch, eine kleine Rcene aus dem grossen jüdischen Drama. Was so ein evangelischer Missionär zusammenbringt, wird wohl ein jüdischer Forscher auch noch können, und die Grenzen der Erde bedeutet Abessynien wohl nicht. Vielleicht wird es gar noch zur Zufluchtsstätte der Protestrabbiner vor dem kommenden Zionismus. In Nr. 24 der ..Welt" haben wir ausführlich die amerikanischen Nachrichten über den Plan zur Gründung einer dortigen jüdisichen Universität gebracht. Dr. Ziegler plaidiert jetzt mit verwandten Anregungen zur Frage der geistigen Hebung der Juden vor den Lesern der „Allgemeinen Zeitung d. J.". Er will Lehrkanzeln für jlidische Wissenschaft an den schon bestehenden Universitäten. Wir hoffen, dass für seine Ausführungen der erste Satz des nächsten Artikels (Zu Moses Mendelssohn von Ludwig Geiger) nicht gilt, der da lautet: ..Die Reichen Israels können ohne Sorge sein: es soll nicht an ihre Geldbeutel appelliert werden/' J. ü. „Dein Volk ist mein Volk*4- Ruth I, 10. 17. Das war der grosse Sabbath meines Lebens, An dein ich säumend sab das beilege Land, Als ich nach Jahren nnerfüllten Strebens Durch dich den AVeg zu deinem Volke fand. Mit deinem Volk verband ich mein Geschick, Ans seiner Sehnsucht sang ich nieine Lieder, Und was dein Volk bewegt an Schmerz und Glück, Klang frühlingsstark in meiner Seele wieder. So könnt' ich ganz dein Volk und dich verstehen. Und deines Volkes treu'ste Tochter sein. Wo du nun hingehst, da will ich auch gehen, Und wo du bleibst, da ist die Heintat mein. Wir beten, du und ich, zu einem Gott, Es ruht sein. Auge segnend auf uns beiden . . . Und nichts auf Erden kann, als nur der Tod, Dich und dein Volk von meiner Liebe scheiden. Berlin. Dolorosa. Rosengelände. Ich hab mir in meiner Seele ein weites, entlegenes Feld für all die Eremdlingsschmerzen als Todtenstättc bestellt. Dort werden die giftigsten Blicke, Fluclnvorte so spitzig und hart, eh ich sie recht empfunden, mit munterer Laune verscharrt. Bei dieser Gräberstätte da kehre ich gerne ein : dort glüh* n meine d u f t i g s t e n Kosen in kosendem Sonnenschein . . . Berlin. Theodor Zlocisti. Die Jüdische Colonialbank. Es wird zur Kentnis gebracht, dass das Bankhaus Lindaibavm w Bukarest aufgehört hat, Zahlstelle der Jüdischen Colonialbank zu sein, dass also daselbst keine weiteren Gelder eingezahlt werden mögen. ^Fibiioe. Zur gefälligen Kenntnisnahme! Der „Jüdische Studenten verband" in München, der bestrebt ist, eine Heimstätte für die jüdisch-national gesinnten Studierenden daselbst zu bilden, gibt hiermit bekannt, dass er stets gerne bereit ist, allen denjenigen, die in München ihre Studien zu volb-nden gedenken, Aufschlüsse über die verschiedenen Studienzweigo, auch über die hiesigen Lebensverhältnisse zu erth eilen. Antragen, die in jeder Sprache abgefasst werden können, sind an H-rrn J. Behrmann, Schwindstrasse °29, 1. Stock, zu richten. ${(is dei) ^ereioet)- Voranzeigen. Wien. (Jüdischer Verein jugendlicher Arbeiter), Wien, XX., Traunfelsgasse 1, L Stock. Mittwoch den 11. September findet im Vereinsiocale die Monatsversammlung statt. Tagesordnung : 1. Bericht. 2. Nachwahlen. 3. Referat des Gesinnungsgenossen Nathan Gross: „Was ist Socialismus?" 4. Discussion. 5. Eventuelles. Beginn präcise 8 Uhr abends. (Gäste willkommen.) Berichte. Bielitz. (Jüdisch-akademische Ferialverbindung „Emunah".) Samstag den 24. d.M. veranstaltete die Verbindung einen Vortragsabend, an welchem Bundesbruder stud. phil. B. Geiger über „die Psychologie des Judenthums und Judenemancipation" sprach. Auch die gesanglichen Productionen des Bundesbruders stud. ing. L. Trame r, welche auf den Vortrag folgten, ernteten reichen