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Die Welt · 1901-09-06 · 36 (6.9.1901) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
36 (6.9.1901)
Article
Erster mähr.-schles. Delegirtentag in Prossnitz
Date
1901-09-06
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 36 „Die & Welt" Seite 7 3. Wenn in einem Orte und dessen nächster Umgebung auch nur 15 zionistische Frauen und Mädchen zum Beitritt bereit sind, ist eine eigene Ortsgruppe oder wenigstens Section zu organisieren. 4. Vertrieb von Colonial-Bank-Actien durch die Vereine, Gründung von Share-Clubs. III. Olmützer Programm. 1. Wirtschaftliche Hebung. Die vom Verbände der Handelsangestellten geleitete Stellenvermittlung und der zu gründende Conditionslosenfonds sind nach Kräften zu unterstützen. Ein von der zionistischen Organisation jeder Stadt binnen 14 Tagen zu nominierendes Ausschussmitglied führt die Correspondenz mit der Centrale und macht unter Chefs und Angestellten für die Stellenvermittlung Propaganda. 2. Gründung von Los- und Sparvereinen. 3. Geistige Hebung: Die Vereine haben Vereinsbibliotheken zu gründen und hiefür alles zionistische und geeignete jüdische Schriftwerk anzuschaffen. Das D.-C. stellt den Vereinen baldigst ein Musterverzeiehnis zu. Die Vereinsbibliotheken sind zu allgemeinen jüdischen Volksbibliotheken auszugestalten. 4. Körperliche Hebung: Wo irgend möglich, sind unverzüglich Turnvereine oder doch Turnsectionen zu gründen. Mehrfache Anregungen zu Kinderfesten an Simchath-Torah, Einrichtung von Vereinslocalen, Austausch von Rednern fanden beifällige Aufnahme. Ueber Antrag Dr. Zweig wurde nachstehende Resolution einhellig angenommen: „1. Die Delegierten-Versammlung erklärt einhellig, dass ein Paktieren und ein gemeinsames Vorgehen der Zionisten mit jüdischpolitischen Vereinen, welche nicht auf dem. Boden des Baseler Programmes die Lösung der »Judenfrage überhaupt anstreben und ihre innerpolitische Thätigkeit nicht den Voraussetzungen und Grundsätzen des Olmützer Gegenwartsprogrammes anpassen, nicht zulässig und wünschenswert ist. 2. Das österreichische Landes-Comite wird aufgefordert, in gleichem Sinne Stellung zu nehmen." Um.6 Uhr abends wurde der Delegiertentag geschlossen. Die Anwesenden stimmten begeistert das Trutzlied an: „Auf, mein Volk, zu edlem Thun, zum Kampfe sei gerüstet . . . und brachten laute Hedad-Rufe aus auf die zionistische Idee und ihre freigewählten Führer. Um halb 9 Uhr abends eröffnete Gg. Loew, Obmann des Pross- . nitzer „Zion", die durch Placate angekündigte Volksversammlung im grossen SaaSe des Deutschen Hauses. Trotz aller Quertreibereien der hiesigen Ghettoteutonen hatte sich ein vielhundertköpfiges Publicum eingefunden, das dem treffenden Referate des Gg. Rudolf Nassau: „Der Zionismus und seine Gegner" mit wahrer Spannung lauschte und bei allen Kraft stellen in hellen Jubel ausbrach. Dem Führer der Prossnitzer Deutschen, Herrn Dr. Brüll, der den Zionismus wegen seines utopischen Charakters und seines Undankes gegen das Deutsclithum als verwerflich erklärte, setzte Gg. Hickl erbarmungslos zu, indem er den Typus des „guten Juden, der stolz die Lasten des Deutschthums trägt'*, beleuchtete. Inzwischen waren die jüdisch-alldeutschen Hochschüler, nachdem die Störung der Versammlung durch Wotangesänge und Ansfensterklopfen von aussen sich als unzulänglich erwiesen, mit „Heil, Sieg und Rache!" in den Saal gedrungen, und mit grösster Mühe wurden Zusamnienstösse verhindert. Von gegnerischer Seite schwärmten noch die Herren Schreiber, Broch und Neumann für „Freiheit, Deutschthum und Fortschritt", Herr Winter trat für ein vermittelndes Almosen-Judenthum ein, während Gg. Loew und Nassau die Grösse .des Zionsideales in hinreissenden Ansprachen verfochten. Um Mitternacht schloss die Versammlung, die auf diesem so heissen Boden einen nicht zu unterschätzenden Sieg bedeutet. Die Zionisten, Einheimische und Gäste, fanden sich noch zu froher Feier zusammen. Deutsche Chronik. Von Robert Jaffe. Das „Berliner Tageblatt"' schreibt: An die Adresse des Herrn Justizministers Schönstedt. In der vergangenen Landtagssession brachte bekanntlich der Abgeordnete Landgerichtsrath Peltasohn die ungleiche Vertheilung von Licht und Schatten zur Sprache, welche sich bei allen Anstellungsangelegenheiten im Verwaltungsbereiche des Herrn Schönstedt bemerkbar mache, sobald es sich um jüdische oder nichtjüdische Anwärter handle. Herr Schönstedt, durch den genannten Interpellanten ganz augenscheinlich in eine peinliche Verlegenheit gebracht, bemerkte unter anderem in seiner Erwiderung, dass es in seinem Kessort verhältnismässig noch am günstigsten bestellt sei, denn die übrigen Verwaltungen lehnten einfach „die israelitischen Herren" ab. Wir haben schon damals auf den merkwürdigen Standpunkt hingewiesen, den unsere Herren Minister der preussischen Verfassung und dem Reichsgesetz vom 3. Juli 1869 gegenüber einzuhalten für gut befinden. In der soeben ausgegebenen Nr. 3o der „Allgem. Ztg. des Judenthums" lesen wir folgende, ihr von „hochgeschätzter Seite" zugegangene Mittheilung: „Die Lage der jüdischen Richter gestaltet sich immer schwieriger. Mehreren jüdischen Landgeriehtsräthen wurde mit rühmlicher Offenheit erklärt, dass die auf Beförderung zu Landgerichtsdireetpren oder zu Oberlandesgerichtsräthen „wegen ihrer Confession" nicht zu rechnen haben. Und das in offenem Widerspruche zur Verfassung! Ja selbst eine Versetzung, die die Herren wünschten, um nicht jüngere Collegen sich direct vorgezogen zu sehen,, wird „wegen der Confession" rundweg abgeschlagen. Man sucht offenbar die jüdischen Richter so zu stellen, dass sie sich aus der Laufbahn zurückziehen und in den Rechtsanwaltsstand untertauchen. Auch das Aergernis, dass jüdische Landgerichtsräthe die Schwurgerichtsverhandlungen gegen „christliehe" Verbrecher leiten, wird jetzt vermieden; ein ministerielles Rundschreiben ordnete an, dass nur Landgerichtsdirectoren künftighin mit der Leitung der Schwurgerichte betraut werden sollen. Nun ernennt man keinen Juden zum Director — das ersehnte Ziel ist damit erreicht. Früher haben Centrum und Nationalliberale die Gleichberechtigung der Juden vertheidigt. Jetzt aber haben Abgeordnete des Centrums und der nationalliberalen Partei, die von den wegen ihres Bekenntnisses benachtheiligten jüdischen Richtern um Hilfe angegangen wurden, dies rundweg abgelehnt." In diesem Verfahren liegt unbedingt eine schwere Versündigung gegen den Geist unserer Verfassung vor, gegen die man nicht oft und nicht eindringlich genug Verwahrung einlegen kann. Auch in diesem Betracht gilt das Wort von der steinaushöhlenden Kraft des fallenden Tropfens. Aber noch eines! Man legt heutzutage in den massgebenden Kreisen ein so ungemein starkes Gewicht auf das Positive im religiösen Bekenntnis. Wie verträgt sich diese Auffassung mit dem oben gekennzeichneten Verhalten der Staatsbehörden? Wir wären auf eine bündige Beantwortung dieser von uns gestellten Frage in hohem Grade neugierig. In einem Punkte müssen wir die seit einiger Zeit geübte Praxis der Staatsverwaltung, speciell des Justizministeriums, vollständig gutheissen. Die „Neophyten im Glauben" müssen nämlich neuerdings das Datum ihres Bekenntniswechsels angeben. Das lässt tief blicken — würde der einstmalige Reichstagsabgeordnete Sabor bei dieser Gelegenheit ganz gewiss ausgerufen haben. Dieses Entrefilet, das doch in einer liberalen deutschen Zeitung zu lesen ist und das sich gewiss nur durch Naturgewalt aus der Assimilationsseele eines deutschfreisinnigen Redacteurs loslösen konnte, mag uns Zionisten nicht wenig zu denken geben. Es erscheint uns nicht angemessen, über diesen Krebsgang der assimilatorischen Judenemancipation in Deutschland nun ein Indianergeheul der Freude anzustimmen; denn die Freiluftatmosphäre der vollständigen Emancipation, der Selbstverständlichkeit aller socialen und staatlichen Berechtigungen dürfte die erste Vorbedingung sein, dass der in mehr als einer Beziehung erkrankte Volkskörper der Juden allmählich gesunde. Es kann nichts demoralisierender auf den Volkscharakter der Juden wirken, als der dumpfe Ghettostolz etwa auf die Carriere, die das Mitglied irgendeiner Familie über die bestehenden Schranken und Vorurtheile hinaus gemacht hat. Aber diese jüdischen Landgerichtsriithe in Deutschland, deren Jugend in die liberale Epoche der Vierziger- und Fünfziger- oder auch Sechziger jähre fällt, und die in den Universitätsjahren noch die bunten Farben der Studentenverbindungen getragen und ans dein schönen deutschen Commersbuche die Begeisterung für das deutsche Vaterland empfangen haben, konnten in der Stattlichkeit ihrer Stellung und in der Feinheit ihres dadurch gehobenen Wesens wirklich so etwas wie eine Verklärung der ernsthaften Assimilation darstellen. Wenn dies nun am grünen Holze geschieht--? Julianus Apostata und der Zionismus. Die katholische Monatsschrift „Le Correspondant" 1)ringt in ihrer Kummer vom 10. August einen Aufsatz Paul Allards, in dem der römische Kaiser Julianus, genannt der Apostat, als Vorläufer des Zionismus dargestellt wird. Wir entnehmen diesem Artikel einige interessante Ausf ührungen. Es waren seine merkwürdigen gcsehiehtsphilosopliischen Anschauungen, die in Julianus die ausserge wohnliche Idee weckten, die Juden von neuem in einen Volkskörper zu vereinigen, ihnen ein Centrum und eine Hauptstadt wiederzugeben, indem er für sie den Charakter Jerusalems als heiliger Stadt wieder herstellte. Das hiess mit der ganzen Politik brechen, die das Kaiserthum gegenüber den Juden seit dem Ende des ersten Jahrhunderts beobachtet hatte. Die Kaiser hatten es unternommen, die lebendige jüdische Nationalität zu zerstören, indem sie das Nest von Fanatismus und Aufruhr zermalmten, das aus Jerusalem geworden war. Vespasianus und Titus, dann Hadrian, hatten die Juden aus der heiligen Stadt vertrieben und aus Judäa eine Wüste gemacht. Aber

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