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Die Welt · 1901-09-06 · 36 (6.9.1901) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
36 (6.9.1901)
Article
[Ohne Titel]
Date
1901-09-06
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang , Die abgelaufenen Abonnements bitten wir rechtzeitig ßfneuern zu wollen, damit keine Unterbrechung in der Zustellung erfoige. Unsere Vertretung für Russland hat wieder der Verlag „Achiasaf" in Warschau, Twarda 6, ühernommen, wovon wir unsere Abonnenten in Russland liiemit in Kenntnis setzen. Geldsendungen erfolgen am billigsten in recommandierten Briefen. Anstatt Kopeken werden auch russische Briefmarken angenommen. , A***A*^*A*^A**H**^^*M*V**fc*^^MVV^*W^^M^***M^^^ Die Congresstribüne. ' Wir eröffnen dem fünften Congresse eine Tribüne. Nicht bloss den praktischen Fragen, die auf seiner Tagesordnung stehen und uns ja kein Neues mehr sind, sondern auch den theoretischen Problemen, die sich in jenen ausdrücken. Welch ein Gewebe feiner und bedeutsamer Er- .kenntnisdinge ist zum Beispiel der Gedankencomplex, den wir „Fragen der geistigen Hebung" nennen! Warum und worin bedarf das jüdische Volk der Hebung? Und. was sind dieser Hebung Sinn, Zweck, Grenze und Werkzeug? Was geschah bisher, das wir dieser unserer Thätigkeit voranreihcn könnten? Was aus einer ganz anderswohin gerichteten civilisatorischen Gesinnung der allzu Europäischen? Und was von alten Zionisten seit Jahren naiv und halb unbewusst, mitunter wohl auch mit programmatischen Ansätzen geübt? Was ist die tiefe historische Genese dieser Fragen? Welchen Namen sollen wir der grossen Leidensgeschichte des jüdischen Geistes geben und welcher Martyrien, welcher Stürme, welcher Willenstragödien Erben sind wir, wenn wir von geistiger Hebung reden? Was sind unsere Worte von geistiger Hebung überhaupt? Sind sie nicht bloss der bewusste Ausdruck einer Entwicklung, die sich unabhängig von unserem Einwirken vollzieht und ist es uns nur gegeben, das mächtige Schreiten des Volkes zu constatieren? Oder sollen sie nicht vielmehr die lebendige Concentration sein, die das Geschehende zusammenfasst und , neues Schaffen anregt? Freilich, nicht wir-sind es, die der hebräischen Sprache neue Welten erobern und heimatliche Schriftwerke dem Volke zu ewigem Besitze schenken; nicht wir sind es, die Monumente nationaler Kunst vor Tausende ' leuchtender Menschenaugen hinstellen, und nicht uns ist es vergönnt, das ganze ungeheure wundervolle Sein unseres Volkes zu beschreiben, zu analysieren, zu erklären. All dies thun die Schaffenden, unsere Brüder. Aber wir sagen das Geschaffene, wir kündigen ganz leise das zu Schaffende an, und darin liegt Directive. Und alle diese Grösse, alle diese Macht, alle diese Schönheit wollen wir dem Volke vertraut und bewusst machen, ihm mit dem Bewusstsein seiner Kraft auch erst deren rechten Gebrauch geben, ihm die sittliche Festigkeit des ruhig Wartenden, des zum Höchsten Bereiten verleihen: das nennen wir Volkserziehung, und das ist unsere eigentliche Thätigkeit. Inwiefern nun auch diese notwendigerweise nur Mittel sein und niemals über den Eang eines solchen hinausgehen darf, und wie Aufgaben und Methoden einer so aufgefassien Volkserziehung im einzelnen zu bestimmen sind, auch das sind Fragen, die einer eingehenden Erörterung bedürfen. Man kann noch tiefer graben. Mögen für heute diese aus einem einzigen, allerdings wesentliehenBeispiele geholten Andeutungen genügen. Sie zeigen hinlänglich, wie sehr ein lebendiger, sachlich und persönlich vertiefter Meinungsaustausch über die Grundfragen des fünften Congresses und unserer Bewegung überhaupt noth thut. Wer Zionist ist, glaubt daran, dass die Idee die Wirklichkeit gestaltet. Kern Zionist wird daher die Bedeutung ehrlicher theoretischer Verständigung in Frage stellen. Dieser Verständigung eröffnen wir eine Tribüne in den Spalten unseres Blattes. Für die Aufnahme in diese Tribüne soll naturgemäss nicht diese oder jene Gedankenrichtung massgebend sein, sondern nur der objective Wert des Gesagten, Umfang und Tiefe der Anschauung. Wir hoffen, dass sich daraus eine Discussion ergeben wird, die vor der des Congresses einiges voraus hat: ruhige, vertiefte Sachlichkeit, klare Sonderung und Gegenüberstellung der Probleme, ein unherabziehbares Niveau. Wir erhoffen von dieser Discussion manche Klärung und Gesundung für die zionistische Idee, und auch für die zionistische Bewegung. Ich habe zu Anfang bemerkt, dass diese unsere Tribüne auch den praktischen Fragen des Congresses gewidmet sein soll. Das wird durch einen Beschluss des grossen Actionscomites wesentlich erleichtert werden. Es sollen nämlich die Referenten ihre Grundthesen einen angemessenen Zeitraum vor dem Congrcsse in diesem Blatte bekanntgeben, damit sowohl in unseren Spalten als auch in den einzelnen Vereinen und Gruppen zu ihnen Stellung genommen werde. Diesem bedeutsamen Meinungsaustausche können wir aber jetzt schon durch Vorwegnahme der theoretischen Discussion vorarbeiten. Es ist nun jedem, der etwas zu sagen hat,

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