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Die Welt · 1901-08-30 · 35 (30.8.1901) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
35 (30.8.1901)
Article
Lector Friedmann und der Zionismus
Date
1901-08-30
Page
13 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 35 „Die # Welt" Seite 1B Lector Friedmann und der Zionismus. Das österreichische Landes-Comite „Verband Zion" hat vom greisen Lector. Friedrnann folgendes Schreiben erhalten: „An das verehrliche Landes-Comite des „Verbandes Zion" W i e n. Die Förderung der Jugend, verbunden mit der Hochachtung des Alters ist altjüdisch und verjüngt das Judenthum. Das hochverehrte Landes-Comite hat in dem Ehrenbeweis, den es mir zu meinem. 70. Gebartstage gegeben, an den Tag gelegt, wie beides eine schöne Frucht der Söhne Zions ist. Sie erweisen dem alten Manne Ehre, nicht ob seines Grübelns in Büchern, sondern weil er sich der Jugend nach der ihm gegebenen Möglichkeit zuwendet. Das Alte hochzuhalten, eignet der Orthodoxie, nur auf das Jüngere und Jugendliche das Auge zu richten, der Reform; Vergangenheit aber un'd Zukunft zu verbinden, jene hochzuachten, diese zu fördern, ist zionistisch. Nehmen Sie meinen herzlichsten Dank für Ihre Anerkennung. Mit treuem Grusse des alten Israel Lector M. Friedmann." |\üs dei) \)ei*eit)et). Voranzeigen. Wien. („Jüdischer Verein jugendlicher Arbeiter".) Sonntag den 1. September: Excursion in das k. k. österreichische Museum für Kunst und Industrie, Wien, I, Stubenring o. Die Theilnehmer treffen um 2 Uhr nachmittags im Vereinslocale, XX., Traunfelsgasse 1, zusammen. Gäste willkommen. Prossnitz. (E i n z e 1 v e r e i n „Z i o n".) Sonntag, den 1. September 8 Uhr abends, veranstaltet dieser Verein im grossen Saale des Deutschen Hauses eine Volksversammlung mit der Tagesordnung: „Der Zionismus und seine Gegner". Referent Gesinnungsgenosse Rudolf Nassau aus Brünn. Kremsier. (Ferialleitung Kremsier der jüdischakademisclien Verbindung „I v r i a".) Am 7. und 8. September 1901 findet in Mährisch - Ostrau das XXsemestrige Stiftungsfest der Verbindung „Ivria* statt, wozu alle Freunde und Gesinnungsgenossen der Verbindung eingeladen werden. — Programm : Samstag den 7. September, 8 Uhr abends: Fe.stcom.mers. Sonntag den 8. September, vormittags : Fesibiimmel; nachmittags : Lichtbildaufna hm e; 8 Uhr abends : Gemüthlic h/er Abend mit nachfolgendem Tanzkränzchen. Im Auftrage des Actions- Comites: med. Siegfried Fr an kl. dz. X, phil. Oskar Fr an kl, dz. XXX« Gäste wollen die Stunde ihrer Ankunft dem Empfangs-Comite (cand. techn. Arnold Redlich, Mährisch-Ostrau) anzeigen. Kremsier. Die zionistischen Hochschüler in Kremsier veranstalten anlässlich der Gründung des jüdisch-akademischen Ferialvereines „Ossi d" Sonntag den 1. September 1901 in den Localitäten der „Concordia" einen Commers mit nachfolgendem Tanzkränzchen. Entree Kr. 1*50. Familienkarte (4 Personen) Kr. 5.—. Beginn 8 Uhr abends. Ungarisch-Hradisch. Die' jüdisch-akademische Ferial- Verhindung „Achiwah" veranstaltet Sonntag den 8. September 1901 in Göding einen Festcommers. Derselbe hat für die Agitation in Südmähren die grösste Bedeutung, und sieht daher die „Achiwah" zahlreichem Besuche dieses Commerses seitens der zionistischen Verbindungen entgegen. Berichte. Wien. Sonntag den 25. d. M. fand in Kuhns Restaurant eine überaus stark besuchte Versammlung der jugendlichen Arbeiter statt, zu der sich auch ein Regierungsvertreter (Dr. T o 1 d t) eingefunden hatte. Gesinnungsgenosse Rubinstein sprach „Üeber den Nutzen der Organisation". An der Discussion betheiligten sich die Herren Popper, Hornstein, Weil, Mahrbach und Wurmann. Zum Schlüsse recifcierte Coli. Butterklee die Gedichte „Der jüdische Mai* und „Beim Anblicke eines jüdischen Proletariers* in gewohnt vorzüglicher Weise. Die meisten Nichtmitglieder meldeten ihren Beitritt an. Zweierlei Juden. Roman von Max Viola. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Das sind unschuldige Scherze, die man hei Aristokraten nicht so genau nehmen darf," meinte Tulpentlial. „Die sie sieh aber hüten werden, in christlicher Gesellschaft 7M verüben/* sagte Eiiiniy. „Bloss wenn sie von Juden geladen werden, lassen sie ihrem Uebermuth die Zügel schiessen; in ihrem eigenen Kreise sind sie von vollendetem Takt und erlesener Höflichkeit/' „Nun, ist es auf unserem aristokratischen Balle vor zwei Jahren nicht sehr fein hergegangen?" fragte Tulpenthal. „Das war kein Fest bei einem Juden, das war ein Kout in einem fürstlichen Hause/' „Bis auf den Umstand, dass die Musiker um 2 Uhr nach Mitternacht ver seh wanden, und als man sie suchte, fand man sie im Badezimmer Mainas, wo sieh Prinz Gobby, während er ein Bad nahm, von ihnen einen Walzer aufspielen Hess." „Nun, das war allerdings ein wenig ungeniert, doch im übrigen keine so grosse Sache. Die jungen Herren sind eben übermüthig, aber deshalb auch fein und vornehm, echte Aristokraten. Ihr werdet heute Abend sehen, wie elegant sich unsere christlichen Gäste benehmen werden, und wie man acht geben wird müssen, dass uns die Juden und Jüdinnen nicht compromittieren. Im übrigen: ihr habt es so gewollt; mich kümmert es nicht. Ich werde jetzt noch einige Kistchen feiner Oigarren besorgen und um 7 Uhr Toilette machen/*' Er verliess das Haus, besorgte seinen Cigarrenvorrath, arbeitete dann noch einige Stunden in seinem Comptoir und befand sich abends um 8 Uhr in tadellosem Frack, ein goldenes Kettchen mit mehreren Miniatur-Orden im Knopfloche, im grossen Salon, um die Gäste zu empfangen. Es war bereits 9 Uhr, als die ersten Gäste anlangten, doch Graf Brandt war nicht unter ihnen. Eine Stunde später wimmelte d«r Salon von Damen und Herren, Frau von Tulpenthal fürchtete bereits für ihr erlesenes Menu, als der Graf endlich anlangte. Nun erschien der Diener und meldete, dass serviert sei. Paarweise schritt alles nach dem Speisesaal, doch als Graf Brand Emmy seinen Arm reichen wollte, fühlte er sich von Tulpenthal zurückgezogen. „Einen Augenblick, Herr Graf,*' sagte Salomon. „Liebe Emmy, ' wandte er sich an diese, „verfüge Dich in den Speisesaal, der Graf wird Dir in einigen Augenblicken folgen." Sie blieben allein zurück, und nun fieng er an: „Mein lieber Freund, ich habe Ihnen eine unangenehme Nachricht mitzutheilen: Ihre Verlobung mit Emmy kann heute Abend nicht erfolgen." Der Graf machte grosse Augen, dann sagte er gedehnt: „Geehrter Herr von Tulpenthal, wenn sie überhaupt nicht stattfinden könnte, so haben Sie mir es bloss zu sagen." „Aber was fällt Ihnen ein, mein lieber Graf?" rief Tulpenthal eifrig. „Sie kann bloss heute nicht stattfinden, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Sie sollen auch die Ursache wissen. Ich bin ei:i offener Charakter und habe kein Geheimnis vor Ihnen. Die Sache steht einfach so: Ich habe von Rothschild acht Millionen zu fordern, die in den allernächsten Tagen eingehen sollten. Nun bekomme ich heute einen Brief von ihm. das Syndicat sei noch nicht aufgelöst, weil die endgiltige Abrechnung erst in einigen Wochen ei folgen könne. Demnach kann ich auch das Geld erst in einigen Wochen haben. Soll ich nun heute die Verlobung feiern und die vier Millionen, die Sie erhalten, nicht vorbereitet in meinen Cassen liegen haben? Das gibt es bei mir nicht, da kennen Sie Tulpenthal schlecht. Heisst es, die Verlobung findet statt, so muss das Geld vorbereitet sein, da es aber erst in fünf bis sechs Wochen vorbereitet sein wird, darf auch Ihre Verlobung erst in fünf bis sechs Wochen erfolgen." „Aber das ist ja höchst fatal, mein lieber Tulpenthal," begann der Graf viel milder. „Erstens erwarten ja die Gäste, dass meine Verlobung heute stattfinde, und dann muss ich übermorgen hunderlfünfzigtausend Kronen haben. So viel wollte ich als der Verlobte Ihrer Tochter morgen von Ihnen verlangen."' „Herr Graf, das Geld sollen Sie pünktlich haben, und was die Gäste anbelangt, seien Sie nur recht freundlich mit Emmy, so wird jeder meinen, die Verlobung habe bereits im Stillen stattgefunden. Und nun sind wir in Ordnung? Wie? Gut! Lassen Sie uns in den Speisesaal gehen, denn man wird uns bereits vermissen." Sie verfügten sich zu den Gästen, von weichen mehrere das Fehlen des Grafen und des Hausherrn verwundert constatiert hatten. Doch als diese nun freundlich lächelnd erschienen, widmeten sich alle wieder eifrig den erlesenen Gerichten. Und es war eine fast endlose Reihe, welche die Gäste zu bewältigen hatten. Es gab Austern, Hummern und Lachs, Fasanen, junge Enten, Spargel, Weintrauben und Erdbeeren, eine Menge Compots und Salate, Eispunscn, Ananasse, Bordeaux und Champagner. Es war noch kaum die Hälfte des Menüs absolviert und mehrere der Geladenen stöhnten bereits, so viel hatten sie gegessen. Es war unmöglich, auch nur den vierten Iheil von dem zu bezwingen, was da geboten wurde; einige ältere Herren sassen bereits mit tiefrothen Backen und hervorstehenden Augen da, und alles athmete erleichtert auf, als sich Frau von Tul-

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