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Die Welt · 1901-08-30 · 35 (30.8.1901) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
35 (30.8.1901)
Article
Eine Genossenschaft jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender in Jaffa
Date
1901-08-30
Page
6 (sequence 2)
Language
German
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Seite 6 „Die s£ Weltp Nr. 35 Gegend ausfindig machen und auf den Namen der Genossenschaft oder, falls dies nicht angeht, auf den Namen einzelner Mitglieder käuflich erwerben. Die Aufsicht über das gynze Werk des Häuserbaues usw. führt ein fünfgliedriger Ausschuss. Es sollen bis ins Einzelne ausgearbeitete Satzungen entworfen werden, die gleichsam als Vertrag zwischen dem. Fünf er-Ausschusse und den Mitgliedern, für die gebaut wird, zu gelten haben. Die Letztgenannten sollen verpflichtet werden, ausser den Zahlungen, die sie für den Grund und die Baukosten leisten, auch an den Kosten der Gemeindeanstalten, wie Synagoge, Schule, Badhaus, Wege- und Slrassenbau, Pflanzungen u. dgl. m., gleichmässig theilzunehmen. Nachdem der Bau sämmtlicher Häuser vollendet ist, löst sich der Fünfer-Ausschuss auf. IV. Rückblick auf das erste Jahr. (Siwan (Mai) 1900 bis Siwan (Mai) 1901.) Die Mitgliederzahl der Genossenchaft ist im Laufe des Jahres auf 140 gestiegen. In den Wintermonaten wurde für den Verkauf der Consumobligationen agitiert. Am 19. Adar (10. März) d. J. war nun die zur Eröffnung der Consumhalle erforderliche Anzahl der verkauften Obligationen (100) voll, und die Halle wurde demgemäss unter den besten Auspicien eröffnet. Sie befindet sich gegenüber dem Bahnhofe, am Anfange der Bustrosstrasse, in überaus günstiger Lage. Es wurden gute Kräfte zur Leitung, Buchführung, Kundenbedienung usw. angestellt, ein Waren vorrrth angeschafft und alles in bester kaufmännischer Weise geordnet. Im Laufe der drei Monate, die zwischen der Eröffnung der Halle und der Herausgabe des Jahresberichtes verstrichen sind, gelang es der Genossenschaft, der Halle einen grossen Kundenkreis zuzuführen. Unter den ständigen Kunden gibt es auch viele angesehene Nicht Juden. Nebst anderen Notablen deckt auch der russische Consul Herr N. Stribulaye seinen ganzen Bedarf durch die Halle. Es ist der Halle gelungen, den verschiedensten Erzeugnissen jüdischen Bauern- und Gewerbefleisses Absatz zu verschaffen. Hauptsächlich wurden verkauft: Textilerzeugnisse, Sättel, Striegel und überhaupt Pferdegeschirr, Sehlosserarbeiten, Kleidungsstücke, Schuhwerk, Blechgeschirr, Olivenholzschnitzereien, Wein und Cognac, Seife aas inländischen Seifensiedereien, Sesamöl, Kartoffeln usw. Die Genossenschaft hat auch vielfach zwischen Arbeitgebern und -Nehmern vermittelt, vielen Handwerkern Arbeitsgeräthe von ausländischen Fabriken und inländischen Warenhäusern verschafft, indem sie einerseits Bürgschaft leistete, andererseits, wo es sich als nothwendig erwies, Vorschüsse gewährte. Das Hauptbestreben der Genossenschaft ist jetzt auf die Unternehmung des Häuserbaues; sowie auf den Vertrieb der übrigen Obligationen und die Ausgestaltung der Arbeitsvermittlung gerichtet. Die Veranstaltung eines Jahrmarktes in einer der Colonien, die im Programme in Aussicht genommen war, muss vorläufig zurückgestellt werden. Immerhin kann die Genossenschaft auf ihre segensreiche Thätigkeit und ihre grossen Erfolge während der kurzen Zeit ihres Bestandes mit Stolz zurückblicken. Die hosten Wünsche aller wahren Freunde Zions begleiten sie auf ihrem Wege in eine aussichtsvolle Zukunft. M. Z. Ungarische Assimilantenweisheit. Von Dr. J. Rönai (Baläzsfalva). Bevor wir es versuchen, einen Plan zur Regenerierung des ungarischen Judenthums zu entwerfen, worüber nachzudenken doch jedes Mitglied desselben berechtigt und verpflichtet ist, erscheint es uns nothwendig, die Trümmerhaufen der bisherigen Verirriiiigen, die einen weiten Ausblick und eine freie Bewegung hindern, aus dem Wege zu räumen. Zu solchem Gerolle gehören auch die exotischen Einwendungen gegen den Zionismus, mit denen unsere hicrlänttledien Gegner das Gefasel der deutschen Aßgimitenftm jzu TxhftiMvn steh* anstrengen. Dfeselberi eriimeni im jene Braut, die — in den Keller gesendet — stehen bleibt und in Schluchzen ausbricht, weil ihr einfällt, dass, wenn ihr einst Gott ein Kind bescheren und dieses im Keller spielen würde, sich von der Kellermauer ein Stein loslösen und das theure Kind erschlagen könnte. Die eine dieser, selbstverständlich ehrlich gemeinten, Einwendungen stammt von einem Dichter und lautet folgendermassen: Wenn es gelänge, ein jüdisches Gemeinwesen oder, wie die Assimilanten mit grimmiger Wüth Sägen, &is nen „Judenstaat" aufzurichten* Bö wäre derselbe nttr ein erbärmliches Zwerggebilde^ das die Erinnerung an die glanz- und glorreiche Eönigsepöche Davids und Salomons zum Verdrusse der Menschheit verdunkeln müsste. Es wäre kindisch, uns mit dem Herrn Poeten um die Wette in die Erörterung einer fernen Zukunftspolitik einzulassen und wir widerstehen auch der verlockenderen Versuchung, ein Gemälde von den Träumen der frönimen Messiasgläubigen zu entwerfen. Wir verweisen bloss auf die drängenden praktischen Bedürfnisse des Lebens und stellen die Frage: Wenn eine grosse, reiche Handelsfirma zusammenbricht und sich dem Eigenthümer derselben nach langen bitteren Widerwärtigkeiten die Gelegenheit bietet, einen kleinen Kramladen einzurichten, der ihn und seine Familie bescheiden, aber redlich und sicher ernährt: soll der Vielgeprüfte diese Rettung annehmen oder etwa aus dem Grunde abweisen, weil der ärmliche Kramladen der Erinnerung an die schöne goldene Vergangenheit unwürdig ist? Soll er die bescheidene Rettung abweisen und lieber zum Selbstmörder oder Verbrecher werden oder sich als zerlumpter Bettler von einer Thür zur anderen jagen lassen? Eine andere Einwendung wurde von einem Politiker ausgeheckt, der folgende Combination aufstellt: Gesetzt den Fall, es bestünde schon heute ein Judenstaat, dessen Bevölkerung einen Theil der Judenheit der Welt umfasst. Es begänne dann infolge einer ISTothlage oder Austreibung plötzlich eine massenhafte Auswanderung aus Rumänien oder einem anderen Lande, der Judenstaat aber wäre vorläufig saturiert und nicht in der Lage, neue Einwanderer aufzunehmen und zu ernähren. Da würde die schmähliche Situation eintreten, dass der Judenstaat die Einwanderer mit Waffengewalt zurückzutreiben genöthigt wäre. Bevor wir hierauf eine directe Antwort ertheilen, constatieren wir, dass es im Reiche der Stephanskrone mehr als dritthalb Millionen Rumänen gibt. Wenn nun nach obiger Analogie die Eventualität eintreten sollte, dass die Rumänen Ungarns, von irgend einer Panik erfasst, nach Rumänien auswandern wollten, dort aber infolge Rumäniens eigener ISTothlage keinen Einlass fänden, was dann? Wäre diese verrückt ausgeheckte Eventualität ein Grund gegen die Existenzberechtigung des rumänischen Staates? Einem jüdischen Gemeinwesen würden übrigens derlei überrumpelnde Invasionen nicht bevorstehen. Es ist vieles und Gründliches in der „Welt" und in Büchern über die Aufnahms- und wirtschaftliche Entwicklungsfähigkeit Palästinas geschrieben worden. Im Sinne derselben würden im Falle der Gründung eines jüdischen Gemeinwesens vor allem jene jüdischen Massen angesiedelt werden, deren heutige Existenz am unsichersten ist, während die übrigen Juden infolge des Abflusses der Erstgenannten, sich und den Wirtsvölkern viel weniger oder gar nicht zur Last fielen. Eine dritte, ebenfalls politische, Einwendung ist die von ungarischen Juden erfundene Theorie, dass ein Land nur durch Blut erworben werden könne. Es ist dies eine neuartige „Blutlüge''' oder Blutnarrheit — von Juden erdichtet.. Sie berufen sich auf die Weltgeschichte, die ihnen aber durchaus nicht standhalten will. Denn wer vermag die deutliche Grenzlinie festzustellen, wo die Sagenwelt aufhört und die sichere Geschichte der einzelnen TJrsitze der Völker, nicht der heutigen, sondern der versölwllenm Völker, beginnt? Sichtig tet, Saas Sie gtössen Ümwlikiirigim zttmtäet. — wem attdh nlöHt umtM^msUM — &tm\\ tfhrip

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