Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 34 (23.8.1901)
- Article
- Wien
- Date
- 1901-08-23
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 34 „Die x> Welt44 Seite 11 lieh willkommen. — Ab 1. September befindet sich das Vereinslocal in Wien, XX., Traunfelsgasse Nr. 1 (Privatlocal). Berichte. Bielitz. (Jüdisch-akademische Ferialverbindung „Emunah".) Durch die Gnade der Behörden, des Cultusvorstandes und nicht minder des „Schames" war es nach Ueberwindung zahlloser Schwierigkeiten einem unserer Mitglieder gegönnt, im Bethause der orthodoxen Juden unserer Schwesterstadt B i a 1 a eine hebräische Ankündigung einer Versammlung anzuschlagen, und thatsächlich hielten wir Sonntag, den 4. d. M., am Nachmittag, jeder mit einem Päckchen von Jargonnummern der „Welt" bewaffnet, unsern Einzug in dieses Bethaus. Wir wussten, welch fürchterliche Aufregung unser Aufruf verursacht hatte, wir hatten auch Kenntnis von der Entrüstung manches fanatischen Hitzkopfes über die »Studenten", die es wagten, Ihnen, den Frömmsten, Predigten zu halten, und wir waren uns deshalb der Schwierigkeit unserer Aufgabe bewusst. Vor einer aus einer Anzahl orthodoxer Juden bestehenden Zuhörerschaft schildert Bb. Geiger in eindringlichen Worten das grosse Judenelend, dessen nothwendige Folge der Zionismus sei, spricht über die Congresse, die Colonialbank und die Vortheile der Colonisation Palästinas. Auf Grund zahlreicher Bibel- und Talmudstellen weist Redner nach, dass die Colonisation Palästinas im Judenthum immer als verdienstlich galt, und betonte, da-s der Zionismus nichts gegen die Religion unternehme, und nur ein grosses Rettungswerk sei, an dem jeder jüdisch fühlende Jude mithelfen müsse. Redner schliesst mit der Aufforderung, sich mit dem Zionismus vertraut zu machen, um dann in unsere Reihen einzutreten, einig zu sein und uns als Brüder zu betrachten, und er warnt davor, unthätig den unabwendbaren Zeitpunkt zu erwarten, in dem erst die Noth auch die hiesige Judenschaft zu Zionisten macht. Es ist schwer zu beurtheilen, ob diese unsere Versammlung einen positiven Erfolg für den Zionismus gehabt hat, doch dürfte sie den ersten Anstoss dazu gegeben haben, dass der eine oder der andere der orthodoxen Juden sich mit dem Zionismus beschäftigt. Die meisten stehen jedoch trotz aller Einwände und Vorstellungen von unserer Seite auf dem Standpunkte, dass man mit so „schlechten" Menschen nicht zusammengehen darf. Gleichwohl beabsichtigen wir, die Agitation auch in diesen Kreisen eifrig fortzusetzen. Als Bb. stud. phil. B. Geiger nach dem Vortrage unsere Absicht verkündete, für des Lesens und Schreibens Unkundige einen Deutsch-Curs zu eröffnen, weil die Kenntnis dieser Sprache heutzutage eine Erleichterung des Fortkommens bedeute, meldeten sich ungefähr 15 orthodoxe Knaben, während einer der Väter uns ein Local zur Verfügung stellen wollte. — Donnerstag, den 8. d.M. fand eine Vorbesprechung statt, bei welcher sich 21 Herren für den Curs über Handelswissenschaften, 18 für den über Stenographie anmeldeten. Eine Reihe weiterer Anmeldungen steht bevor. — Samstag, den 10. d. M. fand ein Vortragsabend statt, an welchem Bb. cand. jur. Wilhelm Wagner über das Thema: „ Probleme des Zionismus" sprach. An den Vortrag schlössen sich musikalische und gesangliche Productionen. Boskowitz. In der am 7. August 1. J. abgehaltenen Plenarversammlung des „Jüdisch-akademischen Ferialvereines „Laetitia" in Boskowitz'4 ergaben die Chargierten-Wahlen folgendes Resultat: cand. jur. Moritz Münk, Präses; cand. jur. Ludwig B i x, Präses- Stellvertreter; cand. phil. Leopold B a s c h, Schriftführer. Der Eröffnungscommers des obgenannten Vereines findet Samstag den 24. August statt. Butschowitz (Mähren). Sonntag den 4. d. M. fand hier eine Agitationsversammlung des Districts-Comites statt, welche einen glänzenden Verlauf nahm. Der gesammte Cultusvorstand war erschienen. Den Vorsitz führte Herr Raucher. Gesinnungsgenosse Selka begrüsste die Versammlung und wies auf die allgemeinen Ziele des Zionismus hin. Das Referat über die Lage der Juden erstattete Herr Max Hickl. Nach einer kurzen Discussion, in der die Anwesenden ihre Zustimmung zu den Ausführungen und Schlussfolgerungen des Referenten gaben, wurde eine Schekelsammlung eingeleitet. Charlottenburg. („B und jüdischer Corporation e n".) Am 16. August 1901 ertheilte der Rector der technischen Hochschule zu Charlottenburg seine Genehmigung zur Eröffnung des „Vereines jüdischer Studenten" (des fünften im B, J. C.) an dieser Anstalt. — Zuschriften etc. sind zu richten an stud. ehem. J. Grünberg, Charlotten bürg, Goethestrasse 32. Czernowitz. Das Vereinslocal der jüdisch-akademischen Verbindung „Hebronia" in Czörnowitz befindet sich gegenwärtig Rathhausstrasse wovon die jüdischakademischen Verbindungen und jüdisch-nationalen Vereine in Kenntnis gesetzt werden. Frankfurt a. M. Die Anwesenheit Sir Francis Montefiores in dem nahen Homburg veranlasste die hiesige Zionistische Vereinigung, denselben zu einem Vortragsabende einzuladen. Infolge Ablebens dsr Kaiserin F r i e drich wurde derselbe im letzten Augenblicke abgesagt und fand erst letzten Mittwoch vor einem Vollen Hause statt. Der Redner sprach über die zionistische Frage und die Situation Palästinas. Er begann mit einer Schilderung der Fortschritte, die der Zionismus überall in der letzten Zeit gemacht. Er sprach ausführlich über die Wirtschaftlichen Verhältnisse Palästinas, dessen Schätze noch unerschlossen und besonders dazu geeignet seien, die Zionisten in ihren Hoffnungen zu bestärken. Er forderte dringend zur Beteiligung an der Colonialbank auf und schloss mit den Worten, dass der Zionismus eine der grössten und erhabensten Bewegungen sei, welche die Welt je gesehen habe. Die Discussion war eine lebhafte und dauerte mehrere Stunden. Die Gegner konnten leicht widerlegt werden; hoffentlich wurde mancher von ihnen auch überzeugt. — Als .neueste Errungenschaft unserer hiesigen Bewegung führe ich die Gründung eines zionistischen Frauenvereines an, um dessen Zustandekommen sich vor allem Fräulein J. Wölpe verdient gemacht hat. Hoffen wir, dass es gelingen wird, die hiesigen zionistischen Frauen unserer Sache zuzuführen. Dr. L. G. Krakau. (S h a r e - C 1 u b.) Seit einigen Wochen besteht in unserer Stadt eine Gesellschaft zum Ankaufe von Actien der Jüdischen Colonialbank im Wege von Ratenzahlungen. Die Gesellschaft, die bereits jeizt circa 50 Mitglieder umfasst, will einem jeden Juien die Möglichkeit gewähren, in den Besitz einer Actie der Jüdischen Colonialbank zu gelangen. Ein jedes Mitglied ist verpflichtet, wenigstens eine Actie zu kauten und erhält dieselbe thatsächlich, nachdem es seine 24 Raten ä 1 Krone einbezahlt hat. Die Gesellschaft vermittelt auch sonst den Ankauf von Actien und ertheilt gewünschte Auskünfte über alle die Jüdische Colonialbank betreffende Angelegenheitenn. Nadwörna. Sonntag den 28. Juli veranstaltete der hiesige Zionsverein eine Bar Kochba-Feier. Der geräumige Rathhaussaal war überfüllt. Es kamen viele Gäste aus der Umgebung. Die Eröffnungsrede hielt unser Delegierter vom III. und IV. Zionistencongresse, Herr Dr. Adolf Bryk aus Kolbuszowa. Stud. A. Rofe declamierte die „Umkehr" von Heinrich Grünau, Herr Rozanski spielte meisterhaft ein Violin - Solo. Der bekannte Volksredner Herr L. Taubes hielt die Festrede. Ein zwölfjähriger Knabe Sch. Streit aus Tl u m a c z declamierte ein hebräisches Gedicht. Der rührige „Safah Berurah-Club" aus Stanislau sandte uns einige seiner Mitglieder-, und zwar die Heren H. Schapira, J. B. G o 1 ds c h lag, J. Fr i e d 1 e r, K. B i b rin g, A. Landes und E. Quittner, die künstlerisch das hebräische Drama „Bar Koehba" von Dr. J. L. L an d a u aufführten. Besonders erwähnenswert ist Herr H. Schapira, der die Titelrolle spielte. Soda n fand im Locale des „Zion'* ein Commers unter Vorsitz des Herrn E.Bacher statt, bei welchem von vielen Herren Toaste gesprochen wurden. Ch. K. Nagy-Tapolcsäny (Ungarn). Am 11. d. M. fand die constituierende Generalversammlung der hiesigen Ortsgruppe des Pressburger „Ahawath Zion" -Vereines statt, welche Herrn Schuldirector Adolf Reichenthal zum Ehrenpräses wählte und folgende Herren für das laufende Jahr in den Ausschuss entsandte: Philipp Haberfeld, Moriz Grausz, S. Samuel, Moriz R e i m a n n, Eduard Schlesinger, Faul Wittmann, Wilhelm Rei chenthal, Victor Braun und Jonas Redlinger. An Herrn Dr. Theodor Herzl wurde ein Begrüssungstelegramm abgeschickt. Der Verein hat den Gesinnungsgenossen Herrn Moses Weiss aus Pressburg zur Abhaltung eines Vortrages eingeladen. Mit der Einhebung des Schekels haben wir begonnen. S. Samuel. Pitesci (Rumänien). Hier wurden im vorigen Monate von der zionistischen Section „Francis Montefiore" zwei Versammlungen veranstaltet, bei welcher Gelegenheit Herr Adolf Netz ler, der Obmann des Vereines, in längerer Rede die Bedeutung der Audienz Dr. Herzls beim Sultan erläuterte. Das Resultat war, dass in dieser kleinen Gemeinde von 150 jüdischen Familien 400 Shares der jüdischen Colonialbank ganz beglichen wurden. Die Herren Ad. N e t z 1 e r, Dr. Albeon und Banquier Josef ovici sind bemüht, auch die restlichen Shares, die hier gezeichnet