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Die Welt · 1901-08-16 · 33 (16.8.1901) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
33 (16.8.1901)
Article
Eine Wasserleitung in Jerusalem
Date
1901-08-16
Page
11 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33 WDI* & Welt06 'SeiteH werden, und die Stadtbehörde hat zu diesem Zwecke mit einem Grosshändler einen Vertrag auf Lieferung von circa 200 Tonnen Eisenröhren abgeschlossen. Die Richtung der Röhren* wird nur die Abänderung erfahren, dass das früher auf den Tempelplatz geleitete Wasser, wo es gegenwärtig nur Wenigen zugute kommen würde, am Südwestende der Stadt in zwei Sammelbecken münden soll, so dass es allen Bewohnern ohne Unterschied zugänglich sein wird. Unser Bild zeigt die nach einer alten orientalischen Sitte thurmartig überbaute Quelle, aus der die Leitung gespeist wird% nebst dem benachbarten alten Castell, dessen Entstehung in die Zeit der Kreuzzüge zurückzuführenist Auch ist auf dem Bilde einer der drei salomonischen Teiche sichtbar, der mit der Quelle durch unterirdische Röhren in Verbindung steht und von dem aus das Wasser durch den alten Aquäduct nach der Stadt geleitet werden soll. Die auf 5000. türkische Pfund veranschlagten Kosten des neuen Leitungswerkes werden aus einem alten Fonds bestritten. Die feierliche Eröffnung der Arbeiten fand am 5. Juli unter zahlreicher Betheiligung der Civil- und Militärbehörden, sowie der muselmännischen Geistlichkeit statt. Der Hauptact der Geremonie bestand nach mohammedanischer Sitte in dem Schlachten zweier Schafe an dem Ausfluss der Quelle, wodurch das Werk geweiht wurde. Die Leitung soll in einem Monate fertiggestellt werden. Die Bewohner Jerusalems werden also schon in allernächster Zeit reines, gesundes Trinkwasser in genügendem Aüsmasse haben. Auf dem Wege nachhause. Von Ignaz Kohn (Wien). lieber den gelben. Feldern lag eine satte Sommerstille, nur manchmal wellte sich der Wind dahin, sanft und kosend und geschwätzig. Drunten schimmerten die weissgetünchten Häuschen aus dem frischen Grün, und auf den rothen Ziegeldächern lag die Sonne. Eine staubige Strasse, hie und da flüsternde Bäume, dann eine graue Bretterwand, vom liegen und von der Zeit stark mitgenommen, und schliesslich ein brauner Lattenzaun, hinter dem Wachholder steht. Der Bahnhof lag da still,* vereinsamt, und das eintönige ununterbrochene Läuten verroh sich harmonisch in die Stille. Die bewaldeten Berge am Ende der Aussicht hoben sich vom blauen Himmelhintergrund zart ab. Hie und da schien ein silberweisses Wölkenfetzchen, das hoch oben in grosser Geschwindigkeit vorbeitrieb, sich in der Spitze verfangen zu haben/ dann aber löste es sieh bald wieder los und eilte nur Umso rascher davon. Die Luft war klar und sonnengolddurchtränkt. Ein paar Küchlein liefen piepsend über das glänzende Geleise, einem netten Häuschen mit langstieligen Sonnenblumen zu. Auf der nahen Landstrasse ratterte ein Lastwagen träge dahin, manchmal drang sogar das breitgedehnte „Hü!" des Bauern herüber. Dann wieder still .... Kling, kling, kling kling . . . Der alte Herr im grauen Listeranzug nimmt den Hut vom Kopfe und wischt mit seinem grossen Tasehentuche den Schweiss von der Stirn. „Es ist schad, dass de scho wieder wegmusst; es thut mir wirklich sehr leid. Du kannst Dir gar nit denken, was für e Freie? Du uns gemacht hast. Ganz besonders der Mutter." „Ich wäre ja selbst gerne noch geblieben, aber ich hah zuhause so viel zu thun. Und Alfred . . . „Na ja, Wenn es nit geht, geht es nit. Man muss sich clreinfügen. Aber schau, mei Kindleben, Du könntest doch öfter kommen! Hast De Dich nit ganz gut bei uns unterhalten? Xu also. Und wie gesagt: Die Mutter is e so vergnügt, wenn Du zuhause bist, und sie is doch nebbich sonst immer allein, oft zu Bett. Ihr zulieb musst De schon kommen." :.\ Die junge Dame fühlt es: seine Worte waren nichts anderes als Liebkosungen. „Vater, sobald es mir nur möglich ist, komme ich wieder." ■Stille. Sie zeichnet mit der Schirmspitze im Sande Figuren. Der alte Herr hat sich auf eine Weile entfernt. Dann blickt sie um sich in die frische Helle und ein Traum ist ihre Seele. Zwei Passagiere waren angelangt, ein Mann mit einem Weibe, das auf dem 'Rücken einen Gotlechtkorb trägt. Sie grüsson, und der Mann sagt gutmüthig: ,,Xa, is des aber a Hitz!" Dann setzen sie sich auf die Holzbauk und blicken still vor sich hin. Bald darauf trat der alte Herr zu seiner Tochter. „Und bringst auch Alfred mit —--sefzte er seine Kede in merkwürdig schwankendem Tone fort. „Ja, Vater, Alfred wird mitkommen." Sie sagt es so sicher, denn sie will ihm eine Freude machen. Aus einer unbestimmten Ferne dringt verhalten das Pfeifen des Zuges herüber. Der Stationsvorstand und ein Bediensteter treten aus dein Bureau. Der Bedienstete dreht das .Rad einer Vorrichtung, worauf draussen mit Gloekengeldjngel die Schranken zufalle]]. Dann sieht man weissen .Dampf sich in. der Luft verflüchtigen. Ks zittert bereits .das Geleise. Dort bei der Biegung erscheinen jetzt die ersten Wagen. Die junge Dame schreitet mit ihrem Begleiter den 'Bahndamm entlang, bei einem Coupe zweiter Classe bleiben sie stehen. „Alsdann ich rechne bestimmt, dass Du bald wieder kommst. Da — das nimm für Dich und das da für Alfred." Er gibt ihr zwei Bäckchen. „Und jetzt e glückliche Kekse", er küsst sie laut auf den Mund und die Stirne, „und grüss mir ehm recht herzlich. Gib acht beim Absteigen, warte bis der Zug stehen geblieben is." „Aber Vater!" Sie muss lachen. ,Also nochmals glückliche Reise und Gott mit Dir!4*' Und als der Zug hinausrollte, stand er beim Zaun und flüsterte: „Bs segne Dich der Herr und beschütze Dich/" die Segensformel: Sie war allein. Ihre Sachen hatte sie in eine Ecke gelegt und war an das offene Fenster getreten. Dort lagen die Häuser, die ihr so gut bekannt waren und die ihr im /Sonnensebein jetzt 'zuzuwinken und zuzulächeln schienen. Erinnerungen stürniton auf sie ein, lachende Kindertage. . Wie schön eigentlich dieses Fleckchen Erde ist! Nocb nie ist ihr das so zu Bewusstsein gestiegen, noch nie hat sie es so empfunden, wie heute. Alles ist so schlicht und rein und hell, und diese Schlichtheit, Reinheit und Helle, sie sind, auch in ihr, sie füllen ihre Seele aus. Sie fühlt sich so glücklich und frei. Wie hat er doch gesagt? Gib acht beim Absteigen. Früher hat er es auch immer gesagt. Früher, ja früher . ... Gott, wie die Zeit vergeht! Wie das alles so hinter ihr liegt!* Und wie schön das eigentlich alles war! Aber heute lebt sie-wieder ein Stück Jugend, es ist geradezu, als wäre sie wieder zurückversetzt in jene Zeit, wo das Leben nichts anderes war als Traum und Hoffnungen. Nun verschwinden dort die .lutzton Häuser. Lebt wohl, lebt wohl! Ein kleiner Flügel hat sich vorgestellt mit breitem Kücken. Aber dort lugen sie wieder neckisch hervor — guck, guck — und jetzt . . . jetzt sind sie verschwunden. Und während sie'so-.dahinfährt, geht der Vater langsam den Weg nachhause und denkt an sie. Wie gut er ist, wie zärtlich! Der Mutter hat es gar leid gethan, sie nicht begleiten gekonnt zu haben. Aber

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