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Die Welt · 1901-08-09 · 32 (9.8.1901) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
32 (9.8.1901)
Article
Zweierlei Juden
Date
1901-08-09
Page
14 (sequence 1)
Language
German
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Seite 14 „IHe & Welt" Nr. 32 Zweierlei Juden. Roman von Max Viola. (Nachdruck verboten.) Vorbemerkung des Verfassers. („Zweierlei Juden" ist ein zionistischer Roman; den Stoff formte ich nach den wiederholten Kundgebungen Max N o r d a 11 s. Ich schildere darin die ganz niederträchtige jüdische Protzenfamilie, die das Judenthum hasst und den Antisemitismus erzeugt und trotz der Demüthigung, die sie erfährt, den Christen nachläuft und schliesslich selbst zur Taufe schreitet. Ich habe den Auswurf des Judenthums geschildert, aber auch den braven, anständigen Juden, und gelange zu dem Schlüsse, dass der sehlechteste Jude, insoferne er ein guter Mensch ist, Zionist wrerden muss.) I. „Ro3enstein!" „Rosenstein, ich begreife Sie nicht! Zum zweitenmale rufe ich Sie an und Sie geben mir keine Antwort. Bin ich der Chef oder sind Sie es?" „Ich stehe Ihnen sofort zu Diensten." „Ich befehle Ihnen!" „Im Augenblicke ist dieser Brief beendet. Er ist äusserst dringend." „Nun, so wird mir doch nichts weiter übrig bleiben, als Sie aus meinem Hause zu jagen. Meine Frau ist im Rechte: man soll keinen Juden im Dienste behalten, besonders keinen wie Sie sind, so einen arroganten, ungebildeten." „Hochgeehrter Herr von Tulpenthal, wir zwei können also nicht beisammen sein, ohne in Streit zu gerathen? Ich bemühe mich vergeblich, Sie rücksichtsvoll zu behandeln; je höflicher ich bin, umso grössere Grobheiten bekomme ich an den Kopf. So zwingen Sie mich stets, Ihnen in jener Form zu antworten, welche Sie gegen mich anwenden." „Ich werde noch andere Formen anwenden. Aus dem Hause werde ich Sie jagen." fcAus dem Hause jagen? Mich aus dem Hause jagen? Sie vergessen, wie oft ich Ihnen den Dienst bereits gekündigt habe. Allein, Sie Hessen mich um keinen Preis ziehen. Sie besitzen ein schlechtes Gedächtnis, Herr Ritter." „Sie, das mit dem „Herr Ritter" bitte ich mir auch aus. Sollten Sie mich zum Besten haben? Herr Ritter! Herr Ritter! In meinem Leben habe ich nicht gehört, dass man jemand Herr Ritter apostrophiert." „Sie sind doch zum Ritter ernannt oder gesehlagen worden?" „Geschlagen bin ich worden, als ich Sie in mein Haus genommen habe. Und noch eines:' Ich höre, dass man mich hier im Bureau hinter meinem Rücken Abraham Tulpenthal nennt. Ich heisse einfür allemal Archibald." „Seitdem Sie geadelt sind, nennen Sie sieh Archibald, früher hiessen Sie Abraham, und ich kann mich sogar der Zeit erinnern, als man Sie bloss Awromele nannte. „Natürlich, Sie müssen ja opponieren, Ihrem Brotgeber opponieren! Da sieht man die feine Erziehung, die Sie genossen haben. Woher auch? Ihr Vater war ein verschnorrter Vorbeter, ein Tempeldiener." „Herr von Tulpenthal, lassen Sie meinen Vater aus dem Spiele. Er war ein Ehrenmann!" „Ehrenmann! Schon gut, ein Schnorrer war er." „Ich bitte Sie nochmals, meinen Vater in Ruhe zu lassen. So vornehm war er jedenfalls, als Ihr Herr Papa, der berühmte Virtuose Feiwele Tulpenthal, der, ein Pfeifchen blasend, durch die Dörfer zog." „Das geht Sie gar nichts an, und ich verbiete Ihnen, mich Herr Ritter zu nennen. Herr Ritter! Herr Ritter!" „Wie denn soll ich Sie nennen?" „So wie alle Leute im Hause." „Wie Ihre Kutscher, Bedienten und Lieferanten? Herr Baron? Nein, Herr Ritter! Ich bin ein getreuer Unterthan und werde Se. Majestät nicht überbieten. Einstweilen hat er Sie erst zum Ritter ernannt." „Es ist rein nicht auszukommen mit Ihnen. Bei Gott, wenn nicht Sie es wären, der die intimen Angelegenheiten meiner Familie ordnet ..." „Sie nieinen die Schweinereien Ihrer Familie? Apropos! Der junge Ritter Gaston Tulpenthal hat dem Fräulein Wanda Benotti richtig die Boutons abgenommen, die er ihr vor vier Wochen schenkte. Er hat sie ins Leihhaus getragen, und Fräulein Wanda erstattet noch heute die Strafanzeige, wenn sie ihre Boutons nicht bekommt." „Aber wTenn er sie ihr geschenkt hat, gehören sie doch ihm?" „Wenn er sie ihr geschenkt hat, gehören sie ihr; verstehen Sie? Geben Sie dem kleinen Moriz 6000 Kronen, damit er die Boutons einlöse und dem Fräulein Wanda bringe, denn wenn sie die Strafanzeige erstattet, haben Sie morgen abermals die schönste Familien .... angelegenheiten in allen Zeitungen." „Diebsgesindell" „Diebsgesindel, Diebsgesindel! Solch eine kleine Sängerin kommt nicht alle Tage zu Brillanten-Boutons! Wenn man sie ihr geschenkt hat, gehören sie ihr, und wTenn man sie ihr stiehlt, so schreit sie. Und der Ritter Gaston? Sie wollen doch durchaus, er soll ein Cavalier sein, wie ein Aristokrat 'leben? Pferde soll er halten und Maitressen, spielen soll er, Aufsehen erregen wie Prinz Eskeles, das Geld aber, das er dazu benöthigt, geben Sie ihm nicht, das soll er wohl an alten Hosen verdienen?" „Aber ich meine ja gar nicht meinen Sohn Gaston." „Nicht? Wen denn?" „Die Zeitungen." „So, die Zeitungen sind das Diebsgesindel? Aber der Herr Gaston hat die Boutons gestohlen und nicht die Zeitungen haben es gethan." „Doch ein Diebsgesindel! Wenn sie vom Grafen Burghaus schreiben, heisst es stets „der edle Graf". Haben Sie jemals gelesen, der edle Ritter Tulpenthal? Apropos, da fällt mir etwas ein: Im Morgenblatt stand gestern, Baron Tulpenthal war auch unter den Anwesenden. Dafür hat mich der Reporter, der das geschrieben, sofort um hundert Kronen anpumpen wollen, aber ich habe ihm gesagt, ich sei nicht bei Cassa. Moriz soll ihm hundert feine Cigarren schicken." „Hören Sie, Herr Ritter, Ihre" — feinen Cigarren werden * Bmen einmal schöne Dinge einbringen. Sie meinen, die ganze Welt sei auf den Kopf gefallen und Sie allein wären gescheit. Sie. & rauchen die feinen Havannah, lösen die Binden ab und befestigen sie auf ein ordinäres Kraut, von dem das Stück zehn Heller kostet. Mit diesen Cigarren füllen Sie dann die Havannahkistlschen und verehren Sie Leuten, denen Sie verpflichtet sind. Haben Sie diese Ihre feinen Cigarren nie zurückbekommen, und Grobheiten dazu?" „Mein lieber Rosenstein, ich kenne diese ordinären Juden besser. Wenn die Cigarren vom Baron von Tulpenthal . . ." „Vom Ritter von Tulpenthal!" „Hol' Sie der Teufel! Wenn diese Cigarren vom Ritter von Tulpenthal kommen, glaubt dieser Journalist, er habe die feinste Havannah-Auslese vor sich. Er raucht bloss jeden Sonntag eine und sagt zu den Leuten, die im Kaffeehaus um ihn herumsitzen, * diese Havannah-Especial habe ich soeben vom Baron Tulpenthal ....." „Ritter Tulpenthal!" „Rosenstein, ich glaube, Sie haben es darauf abgesehen, dass mich der Schlag treffe? Sie sind ein undankbares Subject, und wenn ich nicht Ihr Alter in Betracht ziehen würde und dass Sie so viele Jahre in meinem Hause sind, so . . . ." „So?!" „So würde ich Ihnen heute noch Ihre Entlassung -geben." „Hochgeehrter Herr Archibald Ritter von Tulpenthal! Sie reden zuweilen Dinge, dass ich mich frage, ob Sie ein Narr sind oder ob ich es bin. Bei einigem Nachdenken gelange ich dann \7A\ dem Resultate, dass ich der Narr sei. Doch so verrückt wie Sie -meinen, bin ich nicht, lange nicht. Vor mir, der ich Sie seit sechsundzwanzig Jahren wie meine Tasche kenne, spielen Sie Komödie? Mir sprechen Sie von Entlassung, der ich Sie in diesen ^sechsundzwanzig Jahren zehnmal im Stiche gelassen habe, angewidert von Ihrer Unlauterkeit, von Ihrer falschen Vornehmheit, von der Verachtung, die Sie, selbst Jude, dem gesammten Judenthum entgegenbringen? Ich wreiss wirklich nicht, wie ich noch einige Ruhe bewahren kann, wenn Sie von meiner Entlassung sprechen. Zehnmal Hess ich Sie im Stiche und zehnmal sind Sie mir nachgelaufen, sind Sie meiner Frau in den Ohren gelegen, bis ich zu Ihnen zurückzukehren versprach. Das Gehalt haben Sie mir erhöht, bei Ihren Kindern haben Sie geschworen, ein anderer, ein besserer Mensch zu werden, ich möge nur zu Ihnen zurückkehren. Und Sie verfolgten mich nicht, weil ich Ihnen, Ihrem Geschäfte unentbehrlich war, nein, sondern weil ich zu viele von den Geheimnissen weiss, die sich in Ihrer Familie abspielten, und weil Sie fürchteten, ich könnte sie ausplaudern und die Welt würde sich dann ihr eigenes Urtheil über den „vornehmen" Ritter von Tulpenthal und über seine „vornehme" Familie bilden. Ich habe Ihnen geschworen, stumm zu sein wie dns Grab. Sie mögen mich nur in Ruhe lassen, ich werde nicht plaudern, weder über die Frau Ritterin, noch über die Ritterfräulein, noch über den jungen Ritter, denn es wäre ein Schurkenstreich, wenn ich es thäte, und eines Schurkenstreiches bin ich nicht fähig. Ich wollte Ihnen sogar fünftausend Kronen als Garantie erlegen, dass ich schweigen werde, schweigen vor allem darüber, wie Sie Ihren eigenen Neffen, den Sohn Ihres Bruders, um sein ganzes Vermögen betrogen haben." „Sprechen Sie nicht so laut!" :; „Wie Sie Ihren eigenen Neffen zum Bettler machten, dass er dann in Amerika verhungert, verdorben und gestorben ist. Sie hätten keine Ruhe, wenn Sie mich nicht in Ihrer Nähe wüssten, Sie fürchten mich, weil ich zu viel weiss, und deshalb musste ich gegen meinen Willen immer wieder in Ihre Dienste zurückkehren."

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