Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 32 (9.8.1901)
- Article
- Czernowitz
- Date
- 1901-08-09
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 33 „Die & Weit Seite 13 echt nationalen Stempel aufdrückten. Aufsehen erregten die zahlreichen Pavillons, die in geschmackvoller Weise decoriert waren, ganz besonders aber der mit blau-weissen Farben und prächtigen Teppichen decorierte Colonialpavillon, in welchem die Producte aus den jüdischen palästinensischen Colonien feilgeboten wurden. Der Besuch war ein massenhafter. Es waren ungefähr 3000—4000 Personen erschienen, die allen Classen und Berufen angehörten. In den Pavillons boten reizende Zionstöchter ausser palästinensischen Colonialwaren zionistische Nadeln, Broschüren, Ansichtskarten u. s. w. in der liebenswürdigsten Weise an. Die Musikkapelle des 41. Infanterie-Regimentes intonierte viele jüdische Volksweisen, die einen grossen Beifallssturm erregten. Am Abend erstrahlte der Garten in vielfarbigem elektrischen Lichte. Das jüdische Ferienheim, welches in diesem Jahre vom Vereine „ZLon" mit einer Colonie von 11 Schülern und einem Kostexiaufvvande von 540 Kronen ins Leben gerufen wurde, erhält durch das bedeutende Reinerträgnis einen grossen Zuschuss. Nach Beendigung des Festes fand im Bau- und Handwerker- Vereinssaale ein recht animiertes Tanzkränzchen statt, das bis zum Morgengrauen andauerte. Ein grosses Verdienst um das Gelingen des Volksfestes hat sich die durch ihr zielbewusstes Auftreten in jüdischen Angelegenheiten bekannte jüd.-akad. Verbindung „Zephirah" erworben, die durch die glänzende Auswahl des Comites, als dessen Obmann der Ferialpräses der „Zephirah", cand. jur. Kinzbrunn er fungierte, durch das gelungene Arrangement in der Decoration und durch ihre rastlose unermüdliche Thatigkeit das Fest auf die gewünschte Höhe gebracht hat. Und so verspricht denn das „jüdische Volksfest14 eine ständige Institution der Czernowitzer Juden zu werden, die der Zionismus geschaffen und die auch anderswo Nachahmung verdient. Berlin. („Verein j üdischer Studenten.") Dienstag den 23. Juli begieng der „Verein jüdischer Studenten* (im ß. J. C.) in der Universität Berlin die Schlusskneipe seines 13. Semesters, in welchem er eine reiche Thätigkeit entfaltet hat. Nach den erfolgreich überstandenen Kämpfen bei der Lesehallenwahl, an der sich der Verein im vergangenen Winter zum erstenmale betheiligte, äusserte sich das Leben innerhalb des Vereines umso frischer und mannigfaltiger. Jede Woche wurde ein grösserer Vortrag gehalten, und zwar hatten ausser Bundesbrüdern und Alten Herren des „V. J. St." mehrere in der jüdischen Wrelt wohlbekannte Männer in dankenswertester Weise ihre Kraft in den Dienst der Sache gestellt. Es sprachen : Prof. M. Philippson „Ueber den Judentag". Dr. S. Bernfeld „Die Hebräische Sprache in der Diaspora", Redacteur M. A. Klausner „Die Aufgaben der jüdischen Gemeinden", Dr. Michael Cohn „Die jüdische Bevölkerung Preussens", Dr. RLoewe (A. H. des „V. J. St.") „Byrons Hebräische Melodie».", Dr. Theodor Zlocisti („V. J. St." A. H.i „Jüdischdeutsche Vofkslieder", stud. Grünberg („V. J. St/) „Die Grausamkeiten der Kosaken unter Chmielnicki", stud. Blau („V. J. St.") Die wirtschaftlichen und politischen Ursachen des Antisemitismus". Den Vorträgen, weiche reiche Anregung boten und dem Principe des „V. J. St." gerecht wurden, folgten eifrige Discussionen. Ausserdem hielten Bundesbrüder und Alte Herren kurze, mit R-ecitationen verbundene Referate aus dem Gebiete der jüdischen Literatur, so Dr. Zlocisti „Ueber moderne jüdische Romane"* Dr. ßiran „Arnos und Hosea", stud. Emil Cohen „Jesaja", stud. ZI ocisti „Spruchweisheit", stud. Weil „Ethische Haggadah". Es fand ferner zum erstenmale ein Geschichtscurs statt, der zur systematischen Durchbildung der Mitglieder in der jüdischen Geschichte eingeführt wurde. Herr Dr. M. J o s e p h hatte in liebenswürdigster Weise die Leitung übernommen : er las wöchentlich eine Stunde über die Geschichte der Judenemancipation. Zum Zwecke der körperlichen Ausbildung der Mitglieder wurde fleissig geturnt, und zwar in der dem Vereine bereitwilligst zur Verfügung gestellten Turnhalle des Reichenheim'schen Waisenhauses; aussserdem wurde eifrig gefochten. Zur Pflege der Geselligkeit fanden ausser der wöchentlichen feuchtfröhlichen Kneipe regelmässige Ausflüge und Famiiienabende ausserhalb Berlins statt, welche viel Anklang fanden. Auch sonst war der Verkehr zwischen den Bundesbrüdern ein reger und intimer. Im Wintersemester wird sich an der technischen Hochschule zu Charlottenburg nach längerer Vorbereitung ebenfalls ein „V. J. St." aufihun, der fünfte im „Bunde jüdischer Corporationen", dem ausser dem Berliner die „V. J. St." zu Leipzig, Breslau und München angehören — ein neues Bollwerk der jüdischen Sache an den deutschen Hochschulen. Drei Assimilanten-Stücklein, so geschehen im Jahre 1901 in einer deutschen Universitätsstadt. Von Ben-Elia. I. Ein jüdischer Gymnasialprofessor mit jüdischem Namen, ungefähr wie Lemberger, hat vier Kinder, drei Söhne und eine Tochter. Eines Tages lässt er die Söhne taufen, und es wird ihnen gestattet, einen arisch klingenden Namen sich beizulegen. Die Tochter aber bleibt wie die Eltern jüdisch» Ein neugieriger Freund des einen Sohnes fragt diesen: „Warum ist denn Deine Schwester nicht auch übergetreten?" Der biedere Jüngling antwortet treuherzig: „Damit hat es ja noch immer Zeit, wenn vielleicht ein Christ sie einmal heiraten will. Es könnte doch aber auch ein Jude sie haben wollen, und darum haben meine Eltern das vorläufig gelassen." II. Zu einem Professor der Literaturgeschichte, der rein jüdischer Abstammung ist, kommt eine junge Dame, unverkennbar Jüdin, um ihn um die Erlaubnis zu bitten, s >iri Colleg hören zu dürfen und später bei ihm die Doctorarbeit zu machen. Unter anderem fragt der Herr Ordinarius ob die Dame protestantisch oder katholisch sei, was beides verneint wird. Und dann lehnt der Herr Ordinarius der Dame ihr Ersuchen ab, natürlich nur, weil sie sich zu einer anderen — wissenschaftlichen Ueberzeugung bekennt. III. Decan der medicinischen Facultät ist ein — natürlich christlicher — Professor, aber mit jüdischen Eltern, ebensolcher Nase und Namen. Der Name klingt an den einer Stadt im Posen'schen, sagen wir Tremessen, an. Zu ihm kommt ein junger Mediciner mit der Absicht, sich als Privatdocent zu habilitieren. Das Aeussere des jungen Mannes verräth nicht seine Confession, sein Name könnte zu Zweifeln berechtigen. Der Herr Decan fragt nach der Confession, und als die Antwort „katholisch" lautet, bemerkt er : „Denn wir wollen nur Germanen in der Facultät." Psaim 121. Wenn hinter blauen Bergcshöh'n Die Sonne leuchtend untergeht, Dann spricht mein junges Herz für dich Ein liebevolles Xachtgebet; Dann .heb' ich meine Augen auf /Und falte betend ineine Hände, 1) ass (l ott i n. G na d e n d i r u nd mir. Nun seinen Abendsegen sende. Dass sich der Erde tiefstes Glück Auf uns're Seelen niedersenkt, Wenn sieh mein Sehnen zu dir neigt Und meine Liebe dich umfängt .... Und dass der Hüter Israels In nimmermüder Vatergüte Mit seinem sternenklaren Blick Auch uns beschütze und behüte. Mit leichten Sölden wandelt dann Die dunkle Nacht durch Flur, und Feld; Und 1 iegt eiu lnüdes, stilles (IIück, Ein grosser Friede auf der Welt, indessen wie ein milder Hauch Der Atheni Gottes uns umweht, - Und .meine Lippen-flüstern npch Im Traum für dich ein Nachtgebet. Berlin. Dolorosa,