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Die Welt · 1901-08-02 · 31 (2.8.1901) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
31 (2.8.1901)
Article
Ein agronomisch-culturtechnisches Bureau in Palästina
Date
1901-08-02
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 „Die & Welt44 Nr. 31 D. B. Lewitas in Chederah, Berichterstattung über die Colonie Machnaim. Geodäsie und Gulturt e c h n i k: Revision der Vermessungen der „ Jewish Colonisation Association" in Palästina. ^fcib<ii>e. Wir erhalten folgende, sehr bemerkenswerte Zuschrift: Geehrter Herr Redacteur! Nach einer Mittheihmg des Actionscomites zu schliessen, wird der 5. Congress erst im Spätherbst oder Ende des Jahres stattfinden. Es entfallen sonach für diesen Monat die Wahlen der Congressdelegierten, die gemeinsamen Conferenzen der Landesdelegierten, wie überhaupt alle Congressvorbereitungen. Lautlose Stille herrscht in allen Vereinen, nirgends hört man von Versammlungen, und in vielen Orten ist es so, als ob es dort nie eine zionistische Thätigkeit gegeben hätte. Staunend muss man sieh sagen: Ist die Judennoth gering geworden, weil das Thermometer 30° C. zeigt oder weil der oder jener seine Sommerfrische beziehen kann? Oder hat sich nichts ereignet, das zu Discussionen oder zur Agitation zu benützen wäre? In diesem Augenblick zeigt es sich wieder, wie wenig geschult unsere Genossen in der Agitation sind. Wie würde jede Partei ein Ereignis, das für sie von der Bedeutung wäre, wie die Audienz in Constantinopel für die zionistische Partei, verwerthen! Unsere Agitation ist seit Jahren von Mann zu Manr., von Mund zu Mund. "Und in dieser Kleinarbeit, an der alle, alle Zionisten theilhatten, wurden unsere grossen Erfolge erzielt. Denn was wirkt besser als das lebendige Wort, als die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit einer Ueberzeugung, die nur im Gespräche erkannt werden kann? Wie will man allen Verleumdungen und Entstellungen entgegentreten, wenn man schweigt? Genügt-denn nicht schon der Hinweis auf die Audienz in Constantinopel, um das Märchen der Unnahbarkeit des Sultans bei allen denjenigen zu zerstören, die dem Zionismus nichts Triftigeres entgegenhalten können? Wie ein Lauffeuer soll es durch alle Orte, wo Zionisten zur Cur sich befinden, geben: „Jeder Zionist thue seine Pflicht. Denn daran hängt nun alles. Nur in der Gesammtheit liegt die Hilfe." Und von diesen Zionisten soll diese Kunde weiter gehen, bei den Promenaden, Concerten, Wandelgängen und den tausenderlei Gelegenheiten, die das gemeinsame Leben in einem Badeorte bietet. Es wird für den radicalsten Zionisten durchaus nicht beschämend sein, wenn er einen reichen Stammesgenossen zu einer grösseren Subscription für die „Jüdische Colonialbank" ■ veranlasst hat. Wenn nur alle unsere Gesinnungsgenossen, die in den Curoiten weilen, einen Theil ihrer Bequemlichkeiten opfern wollten, unsere Bewegung würde einen grossen Vortheil gewinnen, da sie ja Gemeingut aller derjenigen werden könnte, die bisher durch Indolenz, Entstellung, Verleumdung von ihr hermetisch abgeschlossen wurden. Mit Zionsgruss J. Till Vom Jüdischen Turnverein „Bar Koehba" in Berlin werden wir um Aufnahme folgender Anzeige ersucht: Das vom Jüdischen Turnverein „Bar Kochbau (Berlin) vorbereitete Liederbuch für jüdische Vereine ist bereits soweit vorgeschritten, dass es binnen Monatsfrist fertig zum Versandt vorliegen wird. Es ergeht daher an alle diejenigen Vereine, welche ihre Vereinslieder bisher noch nicht eingesandt haben, zum letztenmale die dringende Aufforderung, dies möglichst sofort zu thun; spätere Zu Schickungen können vielleicht nicht mehr berücksichtigt werden. Bei Liedern mit einer Melodie wolle man gefl. die Noten zwecks Aufnahme in unserer separaten Notenausgabe mitsenden. — Schon jetzt liegen Hunderte und Aberhunderte Bestellungen vor; dies zeigt am deulichsten, wie stark das Bedürfnis nach einem brauchbaren Liederbuche in den Vereinen ist. Um Irrthümer und Verzögerungen zu vermeiden, theilen wir schon jetzt mit, dass unsere Sammlung nur von uns selbst, (Adresse : Jüdischer Turnverein „Bar Kockba", Berlin, Schönhauser- Allee 182a) und ausserdem von der Buchhandlung M. Poppelauer, Nachf., Berlin, Neue Friedrichrtrasse 59, gegen Voreinsendung des Betrages (bei grösseren Bestellungen auch gegen Nachnahme auf Kosten des Empfängers) zum Preise von Mk. —.25 zu beziehen ist; dgl. die Notenausgabe (diese erscheint später) für Mk. 1. — . Probe-Exemplare werden gratis nicht versandt. Beide Bücher erscheinen im Selbstverlage des Turnvereines. Vereine erhalten bei grösserem Bezüge vom Turnvereine 20°/0 Rabatt. — Das Liederbuch enthält über 100 jüdische und allgemeine Lieder und erscheint in einer garantierten Mindestauflage von 200U Exemplaren. Beide, Liederbuch und Notenheft, zeichnen sich durch elegante Ausführung, dauerhaften Einband und Handlichkeit aus. jüdische Familiengeschichten. Von Wilhelm Goldbaum.*) Parceqn'on revient toujours .... In einem tiefen ebenerdigen Zimmer, das von zwei Talglichtern spärlich erbellt wird, um einen grossen runden Tisch herum vor einem riesigen Kachelofen, der schweisstreibende Wärme ausstrahlt, sitzen wir beisammen, Eltern und Kinder und Onkel und Tanten. Und andächtig horchen wir den Erzählungen einer alten runzligen Muhme, welche die lebendige Chronik unserer Familie ist. Ihr Gedächtnis reicht weit in die Vergangenheit zurück, aber lange nicht so weit wie ihr Ahnenstolz, dieser merkwürdige Ahnenstolz des Ghettos, für den der Mensch beim Rabbiner anfängt. Wem viele lernend zu Füssen sitzen, vor dem verneigt sich das Ghetto in Ehrfurcht, und dass die Lehre von den Söhnen der Armen ausgeht, besagt eine jener talmudischen Erfahrimgsparöimcn, die mitunter so soeialistisch klingen und es niemals sind. Denn der Talmud will damit nicht etwa einen Gegensatz zwischen Reich und Arm statuieren, weil es für ihn überhaupt keinen Reichthum gibt ausser dem Wissen: er will nur alle, die sich zu ihm bekennen, über die Bitternis der Wirklichkeit hinwegtrösten, die ihnen beschieden ist. Alle ohne Ausnahme, die in der Zerstreuung über die weite Welt und in der Enge des Ghettos jeder Freiheit entbehren, nur nicht der — zu lernen. Also erzählt unsere alte, runzelige Muhme von diesen Freien im Reiche des Denkens, auf die auch wir als unmittelbare Blutsverwandte ehrfürchtig stolz sein dürfen, und sie vergisst in ihrer Bescheidenheit niemals vorauszuschicken, dass keine jüdische Familie so arm sei, sich nicht darauf berufen zu können, dass sie wenigstens einmal einen Gesetzeskundigen, einen Rabbi, einen Mann der Thora gezeugt habe. Ach, die alte Muhme ist schon undenklich lange todt und mit ihr ist unsere Familienchronik gestorben, die so viel Ehrwürdiges zu berichten wusste von mindestens zwanzig Rabbinern in Lemberg, in Fürth, in Kowno und in Metz, ja sogar von einem in Jerusalem. Und jeder von ihnen hatte zur Mischna oder zum Talmud einen Commentar verfasst, unter dessen Titel er einst in der jüdischen Gelehrtenwelt bekannt gewesen. Denn so war es der Brauch, dass statt des Namens der Titel der Schrift geläufig wurde, etwa, wie wenn wir Heutigen, statt zu sagen: Das hat Kant bewiesen, sagen würden: das hat der (nicht die) „Kritik der reinen Vernunft" bewiesen, oder wenn wir, statt zu sagen: das ist ein Ausspruch LeibmY, vielmehr sagen würden: das ist ein Ausspruch des (nicht der) „Theodieee". So heisst Maimonides kurzweg „der More Nebochim" nach dem Titel seiner Hauptschrift, und wer etwa eine Schrift mit dem Titel „Or Olam" (Licht der Welt) verfasst h^t, heisst der „Or Olam". Und unsere alte Muhme wusste alle unser? ■*) Aus dem „Pester Lloyd",

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