Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 31 (2.8.1901)
- Article
- Zionistische Arbeitsgelegenheiten für die Studentenschaft
- Date
- 1901-08-02
- Page
- 7 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 31 „Die # Welt44 Seite 7 Zionistische Arbeitsgelegenheiten für die Studentenschaft Von Ben-Elia (Breslau). In Nr. 18 der „Welt" las ich einen Artikel vom Oberingenieur Lau, von dem ich gewünscht hätte, er wäre jedem zionistischen Studenten in Separatabdruck zugestellt worden und die Studentenvereine hätten ihre Mitglieder angehalten, ihn auswendig zu lernen und vor allem darnach zu handeln. Der Artikel hätte das wahrlich verdient. Indes — er scheint nicht sehr beachtet worden zu sein. Dass bisher so wenig Anmeldungen zu der so nothwendigen Vorarbeit zur wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas seitens? der zionistischen Studentenschaft eingegangen, gibt doch, zu denken. Allein, ich kenne den Arbeitseifer der zionisti sehen Studenten. Er will nur geweckt werden. Und darum bin ich überzeugt, dass bei einer et Avas thatkräf tigeren Initiative seitens des „Vereines für technische Studien" die Anmeldungen nicht ausbleiben werden. Es gibt ja aber auch ausser dieser bibliographische!« Arbeit Gelegenheit genug für die zionistische Hochschuljugend, sich im Zionismus zu bethätigen. Dabei denke ich weniger an die eigentliche Agitationsarbeit, von der manche, so bedauerlich das auch ist, ein wenig ermüdet sind. Immer wieder und wieder ein und dasselbe widerholen, und doch immer wieder denselben hundertmal widerlegten Einwänden begegnen, wird auf die Dauer unerträglich und lässt auch die Energischeren erschlaffen. Aber es ist ja noch andere Arbeit zu leisten. Und einiges davon möchte ich hier unserer Studentenschaft in Erinnerung bringen. Da wäre zunächst die Sehekel-Institution und die Colonialbank. Es ist keine entehrende Schnorrerei, wenn dafür gesorgt wird, dass die Schekel reichlicher fliessen. Es gibt noch Ganz- und Theüzionisten, die sofort ihren Schekel zahlen möchten — und der Schekelbetrag ist nur nach unten begrenzt — wenn man sie einforderte. Und noch mehr Zionisten, insbesondere unvollkommene, sogenannte „Zionistenfreundliche% sind da, die noch keine Actien der Colonialbank haben, die aber sicher welche erwerben würde«, wenn sie öfter einmal daran erinnert würden, wenn ihnen die Beschaffung der Actien erleichtert würde. Das werden unsere Studenten, die aus grösseren Städten mit Zahlstellen kommen, sicher gern besorgen. Ich sah auch neulich Colonialbank-Actien als Bar-Mizwah-Geschenk. Ich glaube, dass dies nachahmenswert ist. Es gibt aber auch Leute, die ganz gern etwas für Palästina thun, aber noch immer einen Horror vor dem Zionismus haben. Solche erinnere man an die brotlosen palästinensischen Arbeiter. Man begnüge sich aber nicht, bloss zur Unterstützung der Arbeiter aufzufordern, sondern übernehme gleich selbst die Besorgung der Spende. Denn nichts vergisst man so leicht, wie beabsichtigte Wohlthaten. Und dieses Incasso ist gewiss eines Studenten nicht unwürdig. Dass in Bekanntenkreisen Palästina-Wein getrunker. und Palästina-Ethnogim gekauft werden, auch dafür können Studenten vielfach ohne grosse Mühe wirken. Die Studenten wissen wirklich manchmal während den langen Eerien recht schlecht, die viele Mussezeit auszufüllen. Da wäre wohl enige nicht zu schwere geistige Arbeit recht am Platze, und cla sie der guten Sache dienen soll, wird sie bei einigem guten Willen auch wohl ausgeführt werden. Zunächst denke ich da natürlich an die von dem „Verein für technische Studien in Palästina" angeregte und s.hon oben erwähnte bibliographische Arbeit, die gar keine Arbeit zu nennen ist. Eine Stunde täglich! Was könnte da geleistet werden. Und die zweite Stunde des Tages denke ich mir einer zwar etwas schwierigeren Arbeit gewidmet, die aber darum gewiss keinen langweilen wird. Ich meine, dem Studium der hebräischen Sprache. Wenn es uns ernst ist um die Wiederherstellung alles Jüdischen, so mus.s doch uns_\ro alte Sprache mit in der vordersten Keihe stehen, ist es nicht beschämend, dass manche Zionisten kaum wissen, was „Iwri onauchi" heisst? Wie ganz anders noch würde bei manchem die Liebe für das Judenthum, die Bewunderung für das. was sein Volk geleistet, erstehen, wäre er imstande, in die Geistesschätze des jüdischen Volkes in ihrer Originalität einzudringen? Gar viele kennen diese aber auch noch nicht eivnal aus der Uebertragung. Sie seien daran erinnert, anstau eines modernen Eomans oder eines Bändchens modumoi Lyrik auch einmal wenigstens Uebersetzungen altjüdibcher Literatur zur Leetüre zu wählen. Sie werden dann erstaunen, wie wenig unmodern manches sie da anmuthen wird. An das Studium jüdischer Geschichte brauche ich wohl keinen 311 erinnern. Wer aber noch ein Uebriges thun will, der denke noch einmal durch, wie er zum Zionismus gekommen, er erwäge alles Für und Wider, er versuche im Geiste alle Einwände zu widerlegen, die er je gehört, oder die ihm nun vielleicht aufstossen. Alles denke er bis zum Ende durch — eine schöne Beschäftigung das für einsame Spaziergänge. Un<> wenn er dann naehhause kommt, so versuche er vielleicht, das alles schriftlich festzulegen. Warum sollte da nicht sogar das längst nothwendig gewordene zionistische A.-B.-C.¬ Buch erstehen? Und ich glaube, der Broschüren-Wettbewerb der „Weltu ist auch noch nicht erledigt. Sind dann die Ferien vorüber, so wird jeder mit, Befriedigung auf sie zurückblicken. Wir alle aber werden freudig constatieren, dass es der zionistischen Studentenschaft sehr ernst um den Zionismus ist. Ein agronomisch-oulturtechnisches Bureau in Palästina. Dieser Tage ist in der Colonie Zichron Jacob eine „Agronomisch - culturtechnisches Bureau für Palästina" eröffnet worden. Es hat zwei Abteilungen, und zwar: 1. Abtheilung für Landwirtschaft (Vorstand: Dr.-phil. S.S 0 s k in, geprüfter Landwirt, und A. Aaronsohn, Agronom); 2. Abtheilung für Geodäsie und Gulturtechnik (Vorstand: J. Frei de 1, in Preussen vereideter Landmesser und Culturingenieur). Das Bureau übernirnmt sämmtliche in das Gebiet der Landwirtschaft, Geodäsie und Gulturtechnik einschlagenden Arbeiten, wie Einrichtung und Leitung von landwh tschaftlichen Unternehmungen, Gutswirtschaften, Pflanzungen. Untersuchung und Versuchsanstellung über neue Gulturen. Leitung neuer Colonien, Organisierung wissenschaftlicher Expeditionen ins Innere des Landes. Rodungen, Urbarmachungen, Trockenlegung von Sumpfländereien durch Drainage und Anpflanzung, Bewässerungsanlagen, Wegebauten, Anlagen von Feld- und Kleinbahnen. Separationen (Mafrons), Parcellierungen zum Zwecke rationeller Ausbeutung oder Colonisierung. Herstellung sämmtlicher Plan- und Kartenwerke für topographische, agronomische und Verwaltungszwecke, Aufstellung von Kostenvoranschlägen etc. Auskünfte werden kostenfrei ertheilt. — Alle Zuschriften sind zu richten an die Adresse des Bureaus Z i chron Jacob, pres Gaiffa, Palästina. Es unterstehen bis jetzt der Leitung der einzelnen Mitglieder des Bureaus: Landwirtschaft: Gutswirtschaft „Dorsche-Zion", Orangen- und Elhrogimgarten „Gan-Schemmel", Gutswirtschaft des Herrn