Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 29 (19.7.1901)
- Article
- Brief aus Cincinnati
- Date
- 1901-07-19
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3315709-3315905-3315935-3398428--27144-3398546- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 8 „Die # Welt" Nr, 29 Es dürfte wohl dem Redner und begeisterten Zionisten zur Genugthuung gereichen, durch diese Zeilen zu erfahren, dass seine vortrefflichen Reden eine überaus nachhaltige Wirkung geübt haben. Viele, die früher dem Zionismus fernstanden, bekunden jetzt, nachdem sie die Ausführungen Rabbi Deinards gehört haben, warmes Interesse für unsere Bewegung. Und so hegen wir für die künftige Wintersaison die besten Erwartungen. lieber anthropologische, physiologische und pathologische Eigenheiten der Juden. Von Dr. M.-Kretz m er (Griwa-Semgallen). ( Vortrag, gehalten in der Sitzung der Aerzte des Illuxfschen Kreises am 26. Jänner 1901.) (ScMuss.) ♦ Die pathologischen Eigenthümlichkeiten der Juden. Nachdem ich die Besonderheiten des Judenstammes in anthropologischer und physiologischer Hinsicht darzustellen versucht habe, ist es zu erwarten, dass auch in pathologischer Hinsicht Eigenthümlichkeiten bei den Juden zur Wahrnehmung kommen. In pathologischer Hinsicht kommen in Betracht erstens, wie schon erwähnt, die Keinheit des jüdischen Stammes, zweitens spielen hier eine grosse Eolle die Verwandtenheiraten. Die Eheschliessungen sind im allgemeinen bei den Juden durch die territoriale Nähe der Eheschliessenden bedingt, da auf einem gegebenen Territorium verhältnismässig wenig Juden wohnen, die dadurch mehr oder weniger verwandt sind. Bei den Mensehen ist es durch Erfahrung festgestellt, dass Kinder blutsverwandter Eltern weniger qualificiert sind und oft angeborene Mängel und Schwächen haben. Wie Sie schon, meine Herren, aus meinem Vortrage wissen, sind bei den Juden die geistigen Eigenschaften im hohen Masse entwickelt. Das Nervensystem ist auch deshalb der Locus minoris resistentiae bei den Juden. Im Jahre 1871 wurden in Preussen und Bayern die Zahl der Blinden, Taubstummen, Blödsinnigen und Irrsinnigen erhoben. Es ergab sich, dass auf eine Million der Bevölkerung kamen: Blinde Taubstumme Blödsinnige Irrsinnige Evangelische 1685 1915 2951 1772 Katholiken 1824 1883 2829 1848 Israeliten 2671 3305 3898 4559 Bei dieser Zählung kamen eine halbe Million Juden zur> Eegistrierung. Diese Zahlen beweisen wenigstens für Preussen und Bayern, dass die Juden das grösste, fast doppelt so grosse Contingent von Blinden, Taubstummen, Blöd- und Irrsinnigen liefern als die Christen. Die Statistiken der Irrenanstalten bestätigen auch den hohen Procentsatz der Juden an Geistes- und ausserdem Nervenkrankheiten, so dass darüber in allen Lehrbüchern der Psychiatrie gesprochen wird. Kraepelin schreibt: „So scheint sich für die Juden eine grössere Neigung zu psychischen und nervösen Krankheiten zu ergeben". Lombroso bestätigt in seinem Buche: „Der geniale Mensch" die bedeutend grössere Zahl der Geistes- und Nervenkrankheiten bei den Juden und erklärt das eben durch die grössere geistige Rührigkeit der Juden, denn wo ein Organ, das Gehirn, sehr thätig ist, folgt auch leicht Ueberanstrengung und Krankheit desselben. Es wäre sehr interessant zu wissen, zu welchen Geisteskrankheiten die Juden mehr prädisponiert sind. Nach den Untersuchungen Dr. Beadle's an dem grossen Material der Londoner Irrenanstalten erkranken die Juden besonders häufig an Paralysis progressiva, die Jüdinnen an Nachgelurtspsychosen. Nach seiner Zusammenstellung erkrankten die Juden an Paralysis progressiva in 21 Procent der Falle, die Nichtjuden in 13 Procent der Falle, die Jüdinnen an Nachgeburtspsychosen in mehr als 15 Procent der Fälle, die Nichtjiidinnen in 6,18 Procent der Fälle. Die Nachgeburtspsychosen bei den Jüdinnen erklärt sich Dr. Beadle durch die frühen Ehen der Jüdinnen. Warum aber die Juden an Paralysis progressiva häufiger erkranken, erscheint ihm sehr auffallend. Syphilis kommt bei den Juden wenn nicht seltener, so doch für keinen Fall häufiger als bei den anderen Nationalitäten vor, Excesse in venere sind bei ihnen wohl sehr verbreitet, aber dafür ist der Alkoholismus bei den Juden entschieden geringer, als bei den anderen Nationalitäten. Dr. Bdaäle gibt nur die Möglichkeit zu, dass die häufigere Erkrankung der Juden an Paralysis progressiva sich nur durch die Ueberanstrengung des Gehirns erklären könnte. Nach den Untersuchungen Dr. Beadle's erkranken die Juden an Geisteskrankheiten in früherem Alter als die Nichtjuden. Das durchschnittliche Alter der Juden, welche in die Londoner Irrenanstalten eintreten, ist 37 Jahre, der Jüdinnen 36; der Nichtjuden hingegen 43 Jahre für Männer und Frauen. Dementsprechend sind auch die Sterbefälle vertheilt: die Juden sterben durchschnittlich im 45. Jahre, die Jüdinnen im 47. Jahre, Nicht-Juden im 52., Nicht¬ Jüdinnen im 56. Jahre. Auch die Recidive der Geisteskrankheiten sind bei den Juden doppelt so häufig, als hei den anderen Nationalitäten (The Laneet, 27. October 1900). Meine Herren, für den Menschen ist es bekannt, dass seine Krankheitserscheinungen und seine Krankheitsanlagen vielfach mit seinen Lebensverhältnissen in nachweisbarem Zusammenhang sich ändern, und dass sie diese Aenderungen auch von den Eltern vererben. Bei der Armut und dem Elende, in welchem die Juden seit ihrer Zerstreuung lebten, sind wohl manche Organe schlecht genährt und geübt worden, wodurch allmählich Verkümmerungen derselben entstanden. Von armen, kümmerlich lebenden Menschen können nur schwächliche Kinder gezeugt werden. Von den Krankheiten, welche bei den Juden häufiger vorkommen, ist: 1. das Trachom (vergl. Pilz, Augenheilkunde 1859), 2. die Kurzsichtigkeit. Im „Wratsch" 1899 Nr. 42 hat Dr. Botivinnik eine Abhandlung veröffentlicht über die Kurzsichtigkeit der Juden. Er kam zu folgenden Schlüssen: a) die Kurzsichtigkeit ist bei den Juden 41/2—5 mal mehr verbreitet als bei den Christen. b) Fälle hochgradiger Myopie (10 D) kommen bei den Juden viel häufiger vor als bei der übrigen Bevölkerung. c) die Kurzsichtig'keit hängt bei den Juden von einer erblichen Prädisposition ab. Was die übrigen pathologischen Eigenthümlichkeiten anbetrifft, ist bei den Juden aller Erfahrung nach der Unterleib der Locus minoris resistentiae. Dies hängt grösstentheils von ihren Speisegesetzen ab, welche wohl im Alterthum in Palästina hygienisch nothwendig waren, jetzt aber einen vollständigen Anachronismus bilden. Magen- und Leberkrankheiten, Haemorrhoiden, Diabetes mellitus sind bei den Juden vorherrschend. Dr. Stark in seiner speciellen Pathologie 1835 S. 151 schreibt: Die Juden besitzen eine geringe Anlage zur Pest, zum Typhus, zum Croup, zur Hirnwassersucht, eine desto grössere zu Hautkrankheiten, zu hypochondrischen und hysterischen Affectionen und zu Stauungen im Pfortadersystem. Die neueren Pathologen scheinen bewusst oder unbewusst diese pathologischen Eigenthümlichkeiten der Juden nicht laut werden zu lassen. Die relativ geringere Disposition der Juden bei früheren Pestepidemien hat ihnen im Mittelalter den Vorwurf der Brunnenvergiftung und A^erfolgungen und Ausrottungen zugezogen. Hauterkrankungen sind schon bei den Juden in ältester Zeit besonders häufig gewesen und ist der Aussatz