Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 29 (19.7.1901)
- Article
- Organisation und Leitung der jüdischen Arbeitervereine
- Date
- 1901-07-19
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 29 „Die & Welt" Seite 3 Die Subcomites sind nach ihren Aufgaben folgende: 1. Agitationswesen. 2. Local. 3. Unterrieht. 4. Lesehalle. 5. Presse. G. Frauenseetion. 7. Stellenvermittlung. 8.-Sport und Gesang. 9. Vergnügungen. Der Agitationsausschuss hat die Pflicht, für die Propaganda für den Verein zu sorgen, Flugschriften zu vertheilen und Versammlungen einzuberufen. Er muss dem Zionismus Material verschaffen, Zeitungen und Vereinsnachrichten genau verfolgen und massgebendenorts passende Vorschläge einbringen. Er hat die Redner für Feste und Versammlungen aufzustellen, Vorträge halten zu lassen und alle Erscheinungen unserer und der gegnerischen Literatur in einer Bibliothek zu vereinigen. Der Ausschluss für das Local hat für die Hausverwesung (Peinigung und Ordnung, Miete) zu sorgen, eine Hausordnung zu veröffentlichen, Neuanschaffungen zu berathen und vorzutragen. Durch ihn sind die Zeiten des Unterrichts und der Benützung der Räumlichkeiten zu regeln, der Personenverkehr zu leiten und Beschwerden über IJebelstände zu prüfen und zu behandeln. Sehr wichtig sind die Aufgaben des Vergnügungscomites. Es hat sich nach zwei Pichtungen zu bethätigen. Es muss den Mitgliedern Erholung und Unterhaltung verschaffen und zweitens die nöthigen Geldmittel auftreiben, um projectierte Unternehmungen finanziell zu fundieren. Nationale Pflicht- und Gedenkfeiern sind zu veranstalten und zwar: Makkabäer- und Purimfeier, Laubhütten- und Simehas-Thora-Feste, sowie Veranstaltungen an allen Gedenktagen zur Stärkung des nationalen Gedankens. Alle diese Veranstaltungen haben ein würdiges, ernst jüdisches Programm aufzuweisen. Zweimal im Monate haben gesellige Vereinsabende stattzufinden und müssen immer Neues und Abwechslung bringen, um die Mitglieder an den Verein zu fesseln. Jetler Vereinsabend wird mit einer Tendenzrede eröffnet und die Fröhlichkeit so mit der Propaganda vereinigt. Es folgen aufeinander Concerte, Theatervorstellungen, leichte Unterhaltungen und Bälle. Jedes Mitglied hat bei Eintritt 20 h Garderobegebür zu bezahlen und muss eine Eintrittskarte entweder weiterverkaufen oder selbst bezahlen. Aus den Programmen ist alles zu entfernen, was im Geringsten das Nationalgefühl verletzen oder herabwürdigen könnte. Recitations- und Musikabende sollen den Mitgliedern die Meisterwerke nur jüdischer Dichter und Componisten näher bringen. Die Gesellschaftsabende werden im Sommer durch häufige Ausflüge ersetzt, auf denen Vorträge, Turnübungen, Gesellschaftsspiele und Tanz gepflegt werden. Für all die angeführten öffentlichen Gelegenheiten ist ein Contact mit jüdischen Musikern, Schauspielern und Schulen dieses Genres anzubahnen und werden nöthigenfalls die Mitwirkenden bezahlt, um keine Pause eintreten zu lassen. An die Mitglieder werden Karten zum Vorverkaufe nur gegen schriftliche Bestätigung weitergegeben und liegt ein Vertheilungsbogen auf. Da auch Karten an öffentlichen Orten zum Verkaufe erliegen, so werden mehrfarbige Controlbogen angefertigt, je nach der Art der Verkaufsstellen (Gasthäuser, Cafes). Gegenüber den Verkäufern ist man loyal (auf 10 verkaufte gibt man eine Gratiskarte, event. Rabatt). Für die Ordnung auf den Festen fungiert eine eigene Ordnerriege, die für Beachtung der Polizeivorschriften, Ruhe und Sitzenbleiben freundlich, aber energisch sorgt. Die Ünterriehtsseetion hat für Lehreurse und -Mittel aufzukommen. Man trifft gewöhnlich Uebercinkommen mit gesinnuiigsgenössischen Handlungsgehilfen- und Beamtenvereinen, um. den Mitgliedern kaufmännische Curse zugänglich zu machen. Die Disciplinen sind: Französisch, Englisch, kaufmännisches Rechnen, Buchführung, Stenographie, Kalligraphie etc. Hat dafür der Arbeiterverein andere Curse, so kann ah diesen" ^as Mitglied cfös! verwandten' Vereins gegen den Cassabeitrag des lehrenden Vereins' theilnehmen. Das gilt gewöhnlich für den Tanzeurs und ist sehr wünschenswert in Hinsicht auf die finanzielle Entlastung. Wissenschaftliche Hilfsbibliotheken für die einzelnen Curse und Fachblätter werden durch die Sectionen besorgt und verwaltet. Die Berichte des Unterrichtsconütes werden besonders ausführlich gehalten, in der Frauenseetion wird unter der freundlichen Mithilfe erfahrener Hausfrauen nach Thun- Jichkeit alles gelehrt, was die Gewohnheit der Arbeit der Frauen überläset. In den Erwerbsfächern (Schneiderei) wird schul massig an Abenden und Sonntagen vorgetragen und geübt. Subventionen für Lehrmittel dürften leicht zu bekommen sein. (Fortsetzung folgt.) Unsere Verpflichtung zur Hygiene. Von Dr. Leopold Laufer (Wien). Das jüdische Volk hat,, wie kaum ein anderes, schon eine traditionelle Verpflichtung zur Hygiene. Ist ja ein grosser Theil der mosaischen Gesetzeslehre, sowie der talmudischen Vorschriften der Pflege der Gesundheit, insbesondere der Verhütung von Krankheiten und Infectionen, gewidmet. Wenn es Aufgabe der Zionisten ist, durch Hinweis auf die grossartige Vergangenheit der Juden deren Selbstbewußtsein zu heben und sie zu rastlosem Kampfe gegen alles ihnen Feindliche anzustacheln, so haben sie insbesondere die unbedingte Pflicht, die Pflege der Hygiene, der schon der grosse Gesetzgeber der Juden seine Aufmerksamkeit zuwandte, unter den4 Postulaton der Partei geradezu in den Vordergrund zu stellen. In diesen Bestrebungen werden sie gewiss die wärmste Unterstützung aller Juden finden. Der blosse Hinweis darauf, dass für die Pflege der jüdischen Kranken und Kränkelnden, für die Obsorge der Siechen und Geistcsiunnachteten unter unseren Stammesverwandten so viel wie nichts geschieht, muss genügen, um Alle, mögen sie sonst welcher Partei immer angehören, mögen sie sich Assimilanten, Socialisten, Unparteiische, Orthodoxe oder Jüdischnationale nennen, unter einem Banner zu vereinigen. Die principielle Wichtigkeit dieses Themas steht ausser Frage; wir wollen bloss erörtern, durch welche Massnahmen die Hygiene der Juden zu fördern wäre. Der wichtigste Theil der Hygiene als der Gesundheitslehre ist die Prophylaxe, d. i. die Verhütung von Erkrankung. Ihre stärkste Waffe in diesem Bestreben ist die Individualhygiene, deren Ziel ist: Fernhaltung alles Schädlichen, Abhärtung und Stärkung des Individuums zur Erhaltung seiner Gesundheit und erfolgreichen üeberwindung etwaiger Krankheiten. Die Hygiene des Säuglingsalters fordert, womöglich für alle Kinder, Ernährung an der Mutterbrust. Betrachtet sie nur in Ausnahmsfällen die Ernährung durch die Amme als wünschenswert, weil diese fast soviel bedeutet als das Aufopfern des Ammenkindes, und durch die nie ganz auszusehliessende Gefahr einer Infeetion, durch die Naehtkeile des Am inen Wechsels usw. das Leben, und die Gesundheit des der Amme anvertrauten Kindes immer gefährdet erscheinen, so müssen die Zionisten, insbesondere wegen des ideellen Momentes, diese Forderung energisch, vertreten. Säuge jede jüdische Mutter ihr Kind! Dann werden die instinetiven Bande, die Mutter und Kind umschlingen sollen, sich festigen, und es wird sich verhüten lassen, dass die Mutter ihren Kindern, die sie nach der Amme dem Kindermädchen, dann der Gouvernante oder einer anderen Vicemama anvertraut, fremd gegenübersteht — wie es manchmal vorkommen soll. Die Hygiene des Kindesalters bis zum schulpflichtigen Alter verlangt kategorisch: körperliehe Abhärtung und stufenweise Ausbildung der geistigen Kräfte, unvdas Kind für den1 Schillütiterrichf reif zu machen. Werden aber die jüdischen Kinder wirklich in dieser, dem Kindesalter allein entsprechenden Weise erzogen, odeT