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Die Welt · 1901-07-19 · 29 (19.7.1901) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
29 (19.7.1901)
Article
Zum Trauertage
Date
1901-07-19
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite I „Die # Welt" Nr. 29 und Mühe haben sie an ihr Vaterland vergessen. Und da unten im Dunkel sind die Generationen herangewachsen und wissen nicht, dass es eine Sonne gibt, und haben sie, die Freiheit, nicht gesehen! Wenn ein Strahl hereinleuchtet, athmen die einen auf, die anderen aber drehen sich wie gequält. Wir wollen sie ans Licht gewöhnen, wir trösten und werben, erzählen und mahnen, wir Zionisten arbeiten jeden Tag unseres Lebens, um gegen das Leid anzukämpfen, das ein Tag des Ab unserem Volke gebracht hat. Organisation und Leitung der jüdischen Arbeitervereine. Von D. Haiterlik. Der Zionismus hat in jüdischen Arbeiterkreisen Eingang gefunden und zur Bildung von jüdischen Arbeitervereinen geführt. So freudig das begrüsst werden muss, so ist doch nicht zu leugnen, dass eine beschränkte Anzahl dieser Vereine der irrigen Meinung Vorschub leistet, wonach der Zionismus nicht geeignet sei, Arbeitervereine zu bilden und zu erhalten. Im Nachfolgenden soll der Versuch gemacht werden, geeignete Vorschläge aufzustellen, wie man unsere Arbeitervereine ins Leben rufen und ihre Existenz sichern sollte. Die verschiedenen Culturstufen unseres Volkes bringen es mit sieh, dass man bei der Gründung Rücksicht nehmen muss sowohl auf religiöse Anschauung und Auffassung des Xationalgedankens als auch auf die localen Bedürfnisse und Zustände der zu organisierenden Arbeiter. Am meisten finden wir Schwierigkeiten in der Grossstadt, sowohl durch die räumliche Entfernung der Mitglieder von einander als auch durch die Concurrenz mit billigen Zerstreuungen, einer elementaren Notwendigkeit für die Arbeiter, und die scrupellose Bewerbung der verschiedensten politischen Parteien, die in unserem Mann sein Volksbewusstsein gründlich ausmerzen. Da Fach vereine unmöglich erscheinen, muss der Ausschuss geradezu erfinderisch werden, um den erassen Unterschied des Bildungs- und Standesniveaus bei den Mitgliedern gerecht zu werden. Anders ist es in den Ländern des Westens, wo die Arbeiter die Mehrzahl der jüdischen Bevölkerung bilden, in ihrer Menge ganze Industriezweige beherrschen und angeborenes Nationalgefühl zeitlebens behalten. Da hat der Zionismus und die Vereine auf seiner Grundlage alle besten Aussichten, und die Propaganda wird natürliche Hilfsmittel oft und viele vorfinden. In diesen. Ländern wird man seine Erfahrungen leicht bei Leuten vermehren, die herzlich mit dem Volke leben und seine Bedürfnisse genau kennen. Ausschliesslich jüdische Fabriken, Schulen etc. sind ein unermessliches Feld der Agitation. Zur Gründung kommen folgende Organisationen in Betracht: 1. ATereine jugendlicher Arbeiter. 2. Arbeiter- und Arbeiterinnen-Gewerkschaften und Fachorganisationen. 3. Bildungs-, Handlungsgehilfen- und Beamten vereine. Die Statuten haben klar und unverschleiert nach einer erschöpfenden Besprechung der Gleichgesinnten festgesetzt zu werden. Existiert ein Berufszweig, der sich grossentheils in jüdischen Händen befindet, ist derselbe sehlecht oder gar nicht organisiert, entbehrt er z. B. eine Krankencassa, so sind die nöthigen Vortheile im Rahmen einer Gewerkschaft anzustreben. Haben die Proponenten in einer gut vorbereiteten Branchen Versammlung Beifall gefunden, so haben sie als nächstes Erfordernis für einen Vollzugsausschuss zu sorgen, der Statuten, analog denen verwandter Organisationen, weiterzuleiten und durchzusetzen ha.t. Die Aufgaben einer Fachorganisation sind auf materiellem Gebiete |und>bestehen vor allem in Arbeiten zur Besserung der Arbeitsbedingungen. Sonst specialisieren sie sich als Gründung von Lmterstützungscassen: für Hinterbliebene der Mitglieder, der Witwen und Waisen, für die Invaliden, der Krankheit und des Alters, sowie für besondere Fälle. Eine Stellenvermittlung ist umsichtig, energisch zu betreiben. Ein Rechtsbureau ist vorhanden zum unentgeltlichen Schutze und Vertretung der Mitglieder in Rechtsfällen des Dienstverhältnisses vor dem Gewerbegerichte. Berufsstatistik wird getrieben und Discussionen eingeleitet bei Vorträgen über zweckentsprechende gewerbliche, technische, fach- und freiwissenschaftliche, ökonomische und sociale Themata. Den Mitgliedern steht eine Bibliothek eventuell andere Loealitäten zur Verfügung. Ist die Zahl der Vertreter eines einzigen Berufes zu klein, so müssen gemischte Gewerkschaften gebildet werden, die den obenangeführten Charakter tragen, bloss mit dem Unterschiede, dass Arbeiter ohne Rücksicht auf ihren Beruf aufgenommen werden. Wrenn Gewerkschaften und Kranken cassen schon bestehen, so sind Bildungsvereine zu gründen, denen selbstverständlich die Forderungen des Zionismus vor allem zu erklären sein werden. Hier wird die Intelligenz unseres Volkes tiefere und weitgreifendere Vorträge verlangen, als sie sonst üblich sind. Das Programm der verwandten amerikanischen Settlements ist für die Bildung: Vorträge üebr Rechtskunde, Volkswirtschaft, Naturwissenschaften, Elektrotechnik, Medicin, jüdische Geschichte und Literatur, Hygiene usw., in fortlautendem Zusammenhange mit möglichst häufigen Excursionen vorgetragen. Für Frauen lehrt man Massnehmen und Sclmittzeichnen, Kochen, Frisieren, Sticken und Kindererziehung. Die Pflege der Geselligkeit findet ihren Platz in Tanz- und xAnstandscursen, Spielzimmern und -Höfen etc. Aus der Menge des Angeführten hat der Ausschuss alles Realisierbare festzustellen und daraus für Sommer und Winter ein Programm zu beschliessen. Alle Energie ist natürlich daranzusetzen, das Benützungs- oder Eigenthumsrecht eines entsprechenden Vereinslocals zu bekommen. Eine Localsection hat sparsam und Heissig innerhalb seiner Wände für einfache Würde und strenge Ordnung zu sorgen. Der Mittelpunkt des jüdischen Arbeiterquartiers soll womöglich der Sitz seines Arbeiterheims sein. Die Pläne und Programme des jüdischen Arbeitervereins in Wien sollen als Beispiel für eventuelle Gründungen analoger Vereine hier Platz finden. Entwurf für einen jüdischen Arbeiterverein in Wien. 1. L o c a 1. Dasselbe soll sich in der Mitte des Arbeiterviertels des 1.1. Bezirkes (Leopoldstadt) befinden und folgende liaume enthalten: Vortragssaal (Tanzsaal), Kanzlei, Lese-(Unterrichts-) Zimmer, Clubzimmer, Garderobe. 2. Ilm den Ausschuss zu entlasten, die Mitglieder dagegen zu anregender Thätigkeit heranzuziehen, sind eine Keihe von einander unabhängiger Comites (Sectionen) zu bilden, an deren Spitze je ein Ausschussmitglied steht, deren Mitgliederzahl (ohne ein zweites Ausschussmitglied!) 10 •beträgt und deren jedes einen Schriftführer und einen Cassier besitzt. Lehrer und Sachverständige sollen möglichst herangezogen werden. 3. Die Actionsfreiheit und das Thätigkeitsgebiet des Ausschusses haben möglichst unbeschränkt zu sein und ist in den Statuten jedes Hindernis wegzuräumen. Damen und Herren haben in jedem Ausschuss (Comite) gleich stark vertreten zu sein. Jeden Monat haben mindestens drei Ausschusssitzungen stattzufinden und ist der erste Punkt jeder Tagesordnung die Lesung des Protokolls der letzten Sitzung und seine Verificierung durch den Vorstand. Jedes Subcomite hat einmal im Monate an den Vereinsausschuss Bericht zu, ergattern ,über .seine Thätigkeit, seinen Cassastand und seine l3läne. Sammüiche Verhandlungen werden auf Grund einer detaillierten Geschäftsordnung gepflogen.

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