Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 28 (12.7.1901)
- Article
- Wien [Nachricht]
- Date
- 1901-07-12
- Page
- 14 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 14 „Die # Welt" Nr, 28 Wien. Der „Allgemeine jüdische Arbeiterverein4 hielt Samstag den 21 v. M. seine ordentliche Generalversammlung ab. Die Neuwahl in die Vereinsleitung ergab folgendes Resultat: Obmann: Nathan Gross, Obmann-Stellvertreter : Isid or B r u n n e r, 1. Schriftführer: Wilhelm Berg er, 2. Schriftführer: Bernhard Grünhut, 1. Cassier: David Hasterlik, 2. Cassier: Leopold Bienenstock, Bibliothekarin: Frl. Karoline Fischer, Bibliothekar-Stellvertreter: Samuel I n s 1 i c h t, Zeitungsverweser : Samuel Weissblüth. Ausschussmitglieder ohne Function : Josef Fingerhut, Jakob G ü n s e r und Jonathan Springer. Wien. In Gemässheit der auf dem Olmützer Parteitage angenommenen These 16 über „Agitation" haben die Ftinfhauser zionistischen Vereine — gegenwärtig vier an der Zahl — die Einsetzung eines gemeinsamen E x e c u t i v- Comi tes beschlossen. Jeder der Vereine entsendet in dasselbe zwei seiner Ausschussmitglieder. Der jeweilige Präsident des Einzelvereines „Fünfhaus" des „Z'on" ist zugleich Präsident des Executiv-Comite's. Dieses hat die Aufgabe: a) die Taktik von Fall zu Fall, welche diese Vereine zu befolgen haben, festzustellen; b) die Thätigkeit der Vereine zu überwachen; c) den Vereinen bestimmte Aufgaben zu stellen. Die Beschlüsse des Executiv-Comites sind für die Vereine bindend. Das Executiv-Comite' soll eine erhöhte Thätigkeit der Vereine bezwecken. Ueberdies hat es bei Cultuswahlen und ähnlichen Gelegenheiten die Parole auszugeben. Wien. (S'p e n d e n.) Für die Bücherei des „Jüdischen . Vereines jugendlicher Arbeiter in Wien": Max Ja ff e\ Wien, XVII. (1 Band), David Lang, Wien, II. (2 Bände), Heinrich A w i n, Wien, IL (2 Bände), stud. jur. Karl Hahn, Wien, XX. (4 Bände), B. Grünhut, Wien, VII. (10 Bände). Um weitere Spenden wird dringend ersucht. Geldspenden übernimmt College Leo Wurmann, Wien, IL, Obere Augartenstrasse 4{j, sowie die Administration der „Welt", Wien, und der „Jüdischen Volksstimme", Brünn. Prag. („Fratemitas", Tafel runde jüdischer Stüde ri t e n.) Der am 29. v. M. in Heines Localitäten zum Schlüsse des XL Semesters der „Tafelrunde" abgehaltene Festcommers nahm einen würdigen und animierten Verlauf. Nach BegrüsKung der Delpgierten aller Prager Zionsvereine und der zahlreichen anderen Gäste durch den Obmann Herrn Gross und nach Absingung des Liedes „Sehhsuch tu hielt Herr Klein die Tendenzrede, Herr P o 11 a k die Festrede. Ferner wurden vortreffliche zionistische Gedichte des Herrn Klein unter grossem Beifalle von Herrn Pick zum Vortrage gebracht. Der heitere Theii des Commerses hielt die Theilnehmer durch sein ausgezeichnetes Programm bis 2 Uhr in animiertester Stimmung beisammen. Olmütz. Das Gartenfest, das der Zion am 23. Juni veranstaltet, ergab einen bedeutenden Reinertrag für unsere braven Brüder, Palästinas Feldarbeiter. Am 28. Juni besprach Herr Dr. Philipp Menezcl aus Czernowitz hier die jüngsten Ereignisse und Fragen der zionistischen Bewegung und feuerte die Hörer zu zähem Radicalismus an, der keinerlei Concessionen machen dürfe. Die interessante Discussion drehte sich darum, ob die Zionisten in die politischen Kämpfe ihre Aufenthaltsländer eingreifen und ob sie dies nach einheitlichen Principien thun sollen. Der verdiente Gast wurde viel gefeiert. Olmütz. Sonntag den 23. Juni veranstalteten die Deutschen der Olmützer Sprachinsel, wie alljährlich, ihre Sonnwendfeier und gleichzeitig unser „Zion" ein grosses Gartenfest zugunsten der Feldarbeiter Palästinas, so dass die von ängstlichen Juden so hartnäckig geleugnete Scheidung der „deutschen Stammes- und Gesinnungsgenossen" haarscharf zum Ausdrucke kam. Der jüdische Mittelstand liess sich das nicht verdriessen und kam in hellen Scharen zu uns, der „Adel" hingegen hielt sich ois auf zählbare Ausnahmen fern. Der Reinertrag ist dennoch 280 K. Gewitsch. Prossnitzer und Olmützer Zionisten veranstalteten hier Sonntag den 10. Juni eine jüdische Versammlung. Nachdem Herr Friedrich Low Wesen und Ziele des Zionismus in gediegenem Vortrage erläutert, verketzerte Herr Rabbiner Dr. Kessler den politischen Zionismus und seine Führer in fanatischer Weise. Den Zionisten Low und Dr. Zweig war es ein Leichtes, jene unglaublichen Anwürfe, die deutlich die Marke ßloch- H offmann trugen, zurückzuweisen. Auch in jener entlegenen Judengemeinde ist der Same des Heils gestreut; wir werden sorgsam darüber wachen, dass er aufgehe. Loschitz. Bei den Cultuswahlen siegte die von den Zionisten unterstützte Partei, und jene besetzten einige ' Ausschusestellen," WDrzburg, 27. Juni. Trotz den Bemühungen unserer Gegner, das Zustandekommen der von der hiesigen zionistischen Ortsgruppe geplanten grossen öffentlichen zionistischen Völksversammlung zu vereiteln, und zwar dadurch, dass sie den von uns bestellten Saal abzutreiben suchten, fand die Versammlung doch am 25. v. M. bei zahlreicher Betheiligung der jüdischen Bevölkerung statt. Der Redner des Abends, Herr Dr. Friedemann aus Berlin, suchte die irrigen Vorstellungen, die vielfach über den Grundgedanken des Zionismus herrschen, zu zerstreuen und den Gegnern klarzumachen, dass nationale Bestrebungen keineswegs die Erfüllung der Pflichten gegen den deutschen Staat ausschliessen. An das Referat schloss sich eine lebhafte, von den Gegnern organisierte Debatte, in der dieselben immer aufs neue behaupteten, die Juden seien keine Nation und dürften sich nicht durch nationale Absonderung von ihrem Heimatlande lossreissen. Diese Ausführungen wurden von Herrn Dr. Friedemann mit Erfolg bekämpft. Das Ziel der Würzburger zionistischen Ortsgruppe, der hiesigen jüdischen Bevölkerung wahre Begriffe vom Zionismus zu geben und dem zionistischen Gedanken Achtung zu verschaffen, ist vollkommen erreicht worden. Wir können das Beste für das Gedeihen des Zionismus in unserer Stadt hoffen. L. H. Rzeszöw. Sonntag am 30. Juni 1. J. erstattete Herr Pinkas Sternlicht seinen Bericht über die galizische Landesconferenz. Nach eingehender Besprechung der einzelnen Referate und der gefassten Beschlüsse wurde folgende Resolution angenommen: Die versammelten Mitglieder des Vereines „Chowewe Zion" in Rzeszöw sprechen ihre höchste Zufriedenheit über das Gelingen der Olmützer und Lemberger Zionisten-Conferenzen aus, und überzeugt von der Trefflichkeit ihrer Beschlüsse, wählen sie ein Comite' zu deren Durchführung. Berlin. (Jüdischer kaufmännischer Verein.) In der am 2. Juli er. stattgehabten ausserordentlichen Generalversammlung wurden die weitere Entwicklung des Vereines betreffende Entschlüsse gefasst. Auf dem Baseler Programme stehend, wird es sich der Verein mit ganzer Kraft angelegen sein lassen, die jüdisch denkenden, gesinnungsgleichen Kaufleute für die edlen Ziele und zur nützlichen Mitarbeit zu gewinnen. Es wurde beschlossen, den bisherigen Namen in „Verein jüdischer Kaufleute" zu ändern. Bei der Neu- und Ersatzwahl wurden einstimmig die Herren Gabriel, Hanff jun., Hermann, Lewy und Koopmann in den Vorstand, Tauber und Landsberger zu Revisoren gewählt. Als Vereins- und Publicationsorgan wurde die „Israelitisch e R u n d s c h a utt bestimmt, auf deren zweiter Umschlagseite die Ankündigungen des Vereines ihren ständigen Platz haben werden. Gaya. Am 23. v. M. veranstaltete das Brünner Districts- Comite" für Mähren und Schlesien in Gaya eine Versammlung mit der Tagesordnung: „Was will der Zionismus?" Zum Vorsitzenden wurde Gesinnungsgenosse Max Siebenschein gewählt. Das Referat erstattete Herr JÜC. Rudolf N as s au, welcher in l1/,stündiger Rede die Nothwendigkeit des Zionismus begründete und sein Wesen, seine Geschichte, seine Ziele darlegte. Nach ihm sprach Herr JUC. Otto Abel es über „Die Bedeutung der jüdischen Frauen undMädchenfür dienation a 1 e I d e e". In der Debatte ergriffen Herr Oberlehrer Margolies und Herr Max Hickl das Wort, welch letzterer besonders über die Cultusgemeinden und die Handelsangestellten - Organisation sprach. Wegen vorgerückter Stunde musste die interessante Discussion abgebrochen werden und wird in einer demnächst einzuberufenden Versammlung fortgesetzt werden. In der zahlreich besuchten Versammlung waren die reichen Herren Cultusvorsteher nicht erschienen. Diese Herren sind überall gleich. Aber ihr Widerstand soll uns wenig genieren. Die zionistischen „Invasionen" werden sich wiederholen. Hajdu-Böszörmeny. Herr S. Rubinstein gründete hier einen zionistischen Verein. Prerau. Auf Anregung der Prerauer zionistischen Hochschüler wurde Mittwoch den 10. Juli 1. J. ein jüdischer M ä d c h e n v e r e i n „Mirjam" gegründet, welcher bereits 21 Mitglieder zählt und den besten Erfolg voraussehen lässt Die Tendenzrede, die zum Gelingen der Gründung wesentlich beitrug, hielt med. Dr. Alfred Low. Als Präsidentin wurde gewählt Frl. Emma Furcht, als Vicepräsidentin Frl. Stephanie Po Hak, als Cassierin Frl. Irma Placzek, als Schriftführerin Frl. Emilie J a h o d a.