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Die Welt · 1901-07-12 · 28 (12.7.1901) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
28 (12.7.1901)
Article
H. Stewart Chamberlain und seine Beurtheilung des Judenthums
Date
1901-07-12
Page
9 (sequence 3)
Language
German
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-• Nr. 28 % Wüt" Seite 9 .der Mosten Vernunft. Dsr SiniL äl^o i&t: Die allgemeinem die .natürliche Religion, d. h. die Religion, die wir' uns auf Grund unserer blossen Vernunft bilden und nicht auf Grund - von gesühichtlichen TJe1)erlieferiingen, die Religion bedarf eigentlich keines Glaubeiis; denn, so urtlieilt noch Goethe -— das Postulat eines Gottes, als des Schöpfers der Welt, als des Lenkers der menschlichen Geschicke; ist das gans natürliche Ergebnis einer bloss vernünftigen und nicht nothwendig gläubigen- Denkart; wie ja die;Rationalisten d£s 18. Jahrhunderts, unter ihnen sogar ein Voltaire,: noch an einen Gott glaubten, eigentlich ohne Glauben, d. h. auf grund ihrer blossen Vernunft. Und der Gegensatz zu dieser ' allgemeinen, natürlichen Religion ist — nicht jene „nicht natürliche" und „willkürliche" Chamberlains,' sondern die ausdrücklich von Goethe als besondere bezeichnete, also die geschichtliche, die geoffenbarte, - und dass diese Religion ohne Glauben, und zwar ohne unerschütterlichen Glauben, .nicht bestehen kann, das ist der weitere Sinn von Goethes Worten. - Damit, denke ich, wäre die Sache erledigt, und alle die .nachfolgenden Erläuterungen Chamberlains, die Correcturen, die er an Goethe vornimmt, die Abschweifungen auf das Gebiet der „nichtsemitischen" Religionen, den Faden des Missverständnisses auf -noch vollen fünf Seiten weiterspinnend, nehmen sich recht komisch aus, und zwar umso komischer, je leidenschaftlicher und pathetischer Chamberlain-für. etwas Partei ergreift, was Goethe gar nicht angegriffen hat. ,>In welchem Sinne", so ruft er indigniert aus, nachdem er eine Menge Belege für den Glauben in der „nicht-semitischen" Religion — der Inder erbracht hatte — „in welchem, Sinne kann Goethe von einer derartigen Religion . . . sagen, sie bedürfe eigentlich keines Glaubens?" .Nun, wir wissen es jetzt,-in welchem . . . Wir wenden uns .nicht mehr ereifern; wir werden bloss sagen: Goethe hat eine derartige Behauptung gar nie aufgestellt, und die Wahrheit; Chamberlains, dass „wir nirgends Religion ohne Glauben finden", wird ihm Goethe, auch ohne dass er sich ereifert hätte, werden wir ihm bestätigen — vorausgesetzt, dass es 'sich um eine besondere Religion handelt. TJrfd nun der langen, ach viel zu langen Widerlegung kurzer Sinn*: Chamberlain hat sich in seinem ungestümen Drang, für eine subjective Liebhaberei nach Bekräftigungen von auserwählten Geistern zü fahnden, zu einer gewaltsamen Procedur verleiten lassen. Des Judenthums verrufener Wille ist ein gut Stück von Chamberlains, ich will nicht sagen verrufener, aber ich will auch nicht sagen berufener Willkür; es ist sein hartnäckiger Trotz, das am Judenthum geradezu ganz anzuerkennen, was er ihm nicht ganz abzuerkennen vermag: die Einzigartigkeit und die Kraft seines Glaubens. Denn das ist es, worauf es hier ankommt: nicht der Glaube als solcher macht den Unterschied der Völker, sondern die ganze Art des Glaubens, seine Höhe -'und seine Tiefe — undjene Unerschütterlichkeit^ auf die in der Bestrebung Goethes wohl der stärkste Ton fällt. Chamberlain liebt die Gegensätze; nun, hier ist;auch einer und auch von ■einem Germanen: „Die antike Bildung, der zu ihrer sinnigen Mythologie und zu den Gottesbegriffen ihrer Philosophie1 nichts als der unmittelbare Glaube-an deren'Realität fehlte, begann auf ein Volk aufmerksam zu werden, das die lebendige Ueberzeugung, die :ihr selbst abgieng, in'so hohem Masse besass und dem seine Vorstellungen von Gott und seinem Reiche nicht als poetische RandveMerüngen einer völlig weltlichen Lebensansicht, sondern als der tiefste Ernst der Wirklichkeit galten." Sb urtheil-t der, Wenn ich mich nicht irre, rein germanische Philosoph'Hermann Lot über da s Volk der Hebräer. Mit• solchen Zeugen, mej n- Preund, wie dieser, mit solchen auerr: "wie."Öoetho, k&nte -man^öhlifeL- Cteserisi^M^niorüM! öfeamheriains, dfet vor- Xiömtlid^^ in der1 Yerdamuaung des Ädenthum^^ em^w^ig tuiriuherenl - -Ünd: shgaT mit'manchen seiner eigeiien 'Zeugen-!;Herd§f; so -häufig1 von ihm wider das Judenthum "aufgerufen, "schreibt in einem seiner Briefe, da* -„Studium der Theologie hetref- 'tßfenä" :-„Der wilde Weinstock — Israel — ward in den Mittelpunkt-der alten Welt verpflanzt . •. ., aus. deren Thale -die ' "ganze Welt "einst Weisheit und Religion empfangen sollte; denn gewiss, das haben wir doch von diesem Volk; empfan- *' gen" .... Zu viel des Lobes, viel zu viel Weisheit? Dessen soll sich x; unser Volk nicht rühmen ... . Wa's sind unsere Weisen, was :i ist selbst der weise Salomo mit der Weisheit der Griechen, mit dem e i h e n Sokrates gemessen? Nein, nein, unser Volk hatte keine Weisheit zu vergeben, so geben wir auch die Ehre zurück. Die andere aber, die Religion, ja, die hatten wir und die geben wir ihnen: „In Israel", sagt Bernhard Stade, einer der bedeutendsten Theologen der Gegenwart, ,,ist die Religion überhaupt entstanden ... Israels Religion ist in weit höherem Masse noch die werdende Religion der 1 Menschheit, als die Philosophie der Griechen deren werdende Philosophie." Soll ich noch mehr uns so — beschämende Zeugnisse bringen? (Fortsetzung folgt:) Die deutschen zionistischen Studenten. Berlin, 7. Juli 1901. Löbliche Redacti od! Im Namen des Vorstandes der „Berliner Zionistischen Vereinigung" habe ich die folgende Erklärung abzugeben : „In dem in Nr. 27 der „Welt" erschienenen Aufsatz: „Die deutschen zionistischen Studenten* hat „Hillel" es für nöthig befunden, beleidigende Angriffe gegen die zionistischen Mitglieder der „Verein e Jüdisch er St u d errten" zu richten. Ohne uns in die Interna der „Brvsiauer Zionistischen Vereinigung", aus der jener Artikel hervorgegangen ist, zu mischen, halten wir es für durchaus unangebracht, der zionistischen Sache dadurch zu schaden, dass man Gesinnungsgenossen in der Oeffentlichkeit herabsetzt. Wir müssen es ganz entschieden zurückweisen, dass jemals den zionistischen Mitgliedern des „V.J. St." das geringste Hindernis in den Weg gelegt wurde, ihre zionistische Gesinnung zu bekennen und zu bethätigen. Die jüngst gegründete Gruppe der „B. Z. V." ist hauptsächlich durch die intensive Mitarbeit der zionistischen Mitglieder des „V. J. St," zustande gekommen, wie wir überhaupt von ihnen die regste Unterstützung erfahren. Mit Zionsgruss! Vorstand der Berliner Zionistischen Vereinigung i. A.: D r. The ö dor Z loc i s t \. Wir geben obenstehender Berichtigung gerne Raum. Sie ist im übrigen theilweise überholt durch eine Zuschrift des mit „Hillel* zeichnenden Verfassers des betreffenden Artikels, worin er uns bittet, festzustellen, dass es in diesem Aufsätze1 auf Seite 7, Zeile 25 von oben, statt Berlin: Breslau heissen soll. Die Belagerung jetapatas. Die zehnte Legion war vor sechs Tagen aus Xbricum zurückberufen worden. Jetzt pflegten sich die harten Krieger im tuxus Horns und wir sehen sie zur Zeit hingelagert Jaui /den MaTiriorbanken des kaiserlichen' Dampfbades. Man •hört:tessertdem* Rieselndes Wassfcrs fein Geräusch: Tapfere Mafiner sprechen-v nichts die fechten, - Man überlässt es den Irossbub^ adhi< im Yörhof dieKleider i hrer Herren I >ewachen, die zwölf mal zehn Lieder zu singen vöii den zwölfoiomalrizehntSiiögen^de'i? Zehntel .'Legion i KÄ^WörtJÄit er brach ►die w%äig$ iRnhö';der Ye^Äneri^iiriffilto^Ji ^ehb^M'-liind, hr d^ieinigfernÄ^nförf' :ßJä^ke^"&teM^pfe-:erfü]ätV Denn so

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