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Die Welt · 1901-07-05 · 27 (5.7.1901) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
27 (5.7.1901)
Article
Die deutschen zionistischen Studenten
Date
1901-07-05
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 „Die # Welt" Nr. 27; wir denken, dass wir da wohl auch falsch berichtet sind. Es wäre auch wirklich nicht gut angebracht, in einem in Deutschland wohnenden Verbände, der sich mit jüdischen Angelegenheiten befasst, in russischer Sprache zu verhandeln. Es würde sich empfehlen, dass die Gediegen aus llussland die Sprache wählen, die auch die der zionistischen Gongresse ist, die deutsche*), das käme beiden Theilen sehr zustatten. Hillel. *) Auch von anderen Seiten wird der Wunsch laut, dass sich die russisch-zionistischen Studenten neben der russischen auch der deutschen Sprache bedienen mögen. Auin. d. lled. Skizzen aus dem Leben der russischen Juden. Von Jacob Schorr. III. *) In ihrem Streben, die jüdische Frage zu lösen, schlugen die russischen Regierungen des XIX. Jahrhunderts gerne folgende Wege ein: 1. die Einberufung von verschiedenen Comites und Ausschüssen, die diese Frage zu erforschen und Reformpläne auszuarbeiten hatten; 2. pflegte man sich an die Localchefs der Bezirke des Ansiedlungsgebietes mit Anfragen über die von den Commissionen vorgeschlagenen Projecte zu wenden, da diese Staatsbehörden mit den Juden in näherer Berührung standen und somit über das Leben, bezw. über die Bedürfnisse der Judenschatt gründlicher informiert waren; 3. wurden solche Anfragen auch an die der Regierung persönlich bekannten hervorragendsten „aufgeklärten" Juden gerichtet. Letztere wurden auch häufig von der Regierung in die jüdischen Provinzen abcommandiert, damit sie die Juden überreden möchten, den Reformations-Bestrebungen der Regierung entgegenzukommen. Von allen diesen Vertretern der öffentlichen Meinung wurden die Mittel der Zwangs- Assimilation für ungerecht und ungeeignet zur Erreichung des Zieles anerkannt; von allen Seiten wurde die Ueberzeugung ausgesprochen, es sei die Bildung unter den Juden dadurch zu verbreiten, dass den „Gebildeten" verschiedene Privilegien zuerkannt werden mögen, wodurch die Aufklärung für die Juden, nach dem russischen Sprichworte, zur Pflanze werden würde, deren Wurzel bitter, deren Früchte aber süss sind. Es wurde endlich auch darauf hingewiesen, dass zwar dem angeblich vom Talmud herrührenden religiösen Fanatismus entgegenzuarbeiten sei, dass man aber dabei die Verletzung des religiösen Gefühles der Juden unbedingt vermeiden möge, damit die Aufklärung auch die frommen Juden nicht zu sehr verschüchtere. Wir entnehmen den im offiziellen Organe „Nachrichten der Stadthauptmannschaft zu Odessa" (Nr.246) veröffentlichten Documenten aus dem Archive dieser Hauptmannschaft, dass im Jahre 1842 ein gewisser Dr. Lilienthal vom Minister für Cultus und Unterricht, Uwarow, zu den Juden der Provinz abcommandiert worden war, um ihnen die Nützlichkeit der von der Regierung gegründeten Schulen auseinanderzusetzen, und dass die Odessaer Juden durch Vermittlung dieses Dr. Lilientha 1, dem General-Gouverneur von Odessa, Graf W o r o n z o w, ein Gesuch überreichten, in welchem sie den Wunsch aussprachen, dass den Juden zugleich mit der „Bildung" auch mehr bürgerliche Rechte zuerkannt werden sollen. Wir lesen in diesem Gesuche u. a. Folgendes: „Fähige Leute gibt es auch unter den Juden nicht wenige; aber ohne Prämiierung seitens der Regierung, ohne die Rechte und Begünstigungen, welche auch Russlands Söhne gemessen, wird sowohl die Wissenschaft als auch die Kunst und Aufklärung zum Unglück der Nachkommenschaft des uralten Jakob werden." Das Gesuch erörtert ferner die Frage, wie sich die „aufgeklärten" Juden fühlen müssen, bei denen das Bewusstsein ihrer menschlichen .i . i in ■. . *) Vergl. Nr. 25 und 26 der .Welt". Rechte steigt, denen aber diese Rechte nicht zuerkannt werden, „Dann" — lesen wir in diesem Documente „muss die Aufklärung unvermeidlich zu ihrem (sc. der Gebildeten) Unglücke werden. Denn während heutzutage unsere Glaubensgenossen bei ihrem jetzigen Begriffsvermögen den verdienten und unverdienten Kummer und alle Demüthigungen geduldig ertragen, da sie sich vielleicht ihres. ■ Bedürfnisses einer höheren Stellung in der bürgerlichen Gesellschaft noch nicht bewusst sind, werden sie im Gcgentheil dann im vollen Bewusstsein ifirer Menschenwürde desto stärker die drückende Scswere ihrer hoffnungslosen Lage empfinden, und das Mass ihres Unglücks wird übeivoll sein." Graf Woronzow versprach das Gesuch zu unterstützen, und wie wir im Folgenden sehen werden, sprach er auch in der That seine liberalen und menschenfreundlichen Meinungen der Regierung offen aus. Dass das auf Befehl des Kaisers Nicolaus I. im Jahre 1840 einberufene Comite zur Erkenntnis der Unzweckmässigkeit der Zwangs-Assimilation gelangt war, haben wir schon im vorigen Artikel besprochen. Von diesem Comite wurde auch ein Project ausgearbeitet über die Mittel und Wege, wie die Aufklärung in die Judenschaft hineinzutragen sei. Dieses Project,-das von der Regierung genehmigt wurde, enthielt den Vorschlag, specielle jüdische Schulen zu errichten, trotzdem auch in den allgemeinen Regierungsschulen die Juden unbeschränkte Aufnahme fanden. Die jüdischen Schulen sollten eben eine. Art Vorstufe bilden, die erst die Juden den Weg zur rein europäischen Civilisation und zur Assimilation hin anführen sollten. In diesen Schulen sollten zwar jüdische Gegenstände, wie jüdische Geschichte, hebräische Grammatik, Religion etc., noch vorgetragen, der Unterricht aber nach dem von der Regierung herausgegebenen Lehrplane und nach Lehrbüchern, die von der Regierung approbiert worden waren, geleitet werden, so dass der Aufenthalt in diesen Schulen dazu beitragen sollte, wie es im Memorandum dieses Comites heisst, „dte schädlichen Lehren des Talmud zu vertilgen" und „die Gedanken der Schüler in die Richtung einer nützlichen und ehrlichen Arbeit in allen Zweigen der Industrie, des Handels und des Ackerbaues zu lenken". Das Hauptgewicht sollte in diesen Schulen auf den Unterricht in der russischen Sprache, in der russischen Geschichte und in anderen allgemeinen Gegenständen gelegt werden. Die Lehrer sollten zwar Juden sein, die aber „in Oesterreich oder Preussen ihre Bildung genossen' haben", da „der Vortheil dieser letzten Massnahme sich schon in der Umanjer Schule herausgestellt hatte, wo der aus Oesterreich berufene Lehrer, ungeachtet der Forderungen der Juden, den Unterricht im Geiste der allgemeinen bürgerlichen Verordnungen führte". Auch der häusliche Unterricht sollte nur geprüften Lehrern erlaubt sein. Zwanzig Jahre nach dem Inslebentreten dieser Verordnungen sollte ein Jude, der kein Schulzeugnis vorzeigen konnte, keinen Rabb'iner¬ Posten noch irgend ein sonstiges öffentliches Amt bekleiden können. Die Kehilla-Verwaltungen sollten ganz abgeschafft und die Judengemeinden den allgemeinen Gesetzen unterworfen werden. Die Institution der minderjährigen Recruten sollte aufrecht erhalten bleiben, nur sollten die in Unwissenheit und Fanatismus beharrenden Juden eine dreifache Anzahl von Recruten zu stellen gehalten sein. Den „Aufgeklärten" wurden in diesem Projecte noch einige andere Privilegien zuerkannt, die ihre materielle Lage verbessern sollten, wie z. B. unbeschränkte Wohnungsrechte. Wir werden alle diese Massnahmen^ erst dann besprechen, wenn wir auf die Erörterung der ökonomischen Lage der russischen Juden zurückkommen. Es wäre hier nur noch im allgemeinen zu bemerken, dass das Comite bei allen Punkten seines^Proje^|e^fivon .^e^Grunprmcipe ausgieng, dass die Juden m nützliche und un nnützli ch e

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