Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 26 (28.6.1901)
- Article
- Zangwill
- Date
- 1901-06-28
- Page
- 13 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, M „Die & Welt" Seite 13 Diese Hoffnung ist es, die des Schriftstellers zwingenden Humor erklärt. Er lässt keine Thür geschlossen, deren Pfosten die Mesusa ziert. Da kann er zwar manchmal lachend von Schrullen und Verkehrtheiten berichten, die orientaliseh-heisser Sinn der Behaglichkeit hat eiitspriesscn lassen, wohl auch von dem Galgenhumor eines Desperado. Aber all das Elend der überfüllten Wohnungen, Armenhäuser und Spitäler, all der Jammer der weinenden Beter in den Synagogen Eastends, presst das seiner Liebe keine Thräne aus, macht das seine Fröhlichkeit nicht zur Klage? Zangwill hofft für all die Krankheit ringsum den helfenden x\rzt gefunden zu haben und ist heiter im Vertrauen auf dessen neue Heilmethode, deren Adept er geworden ist. J. Upfimny. Gebet. Josef Marcou-Barouch zug eignet Herr, Herr, schüttle mein Volk, Schlage es, «egne es, grimmig, lind, Mache es brennen, mache es frei, Heile Dein Kind. Golf, gib die verlorene ölut Meinem ermatteten Vo^e zurück, Schenk' ihm in wilden, Tauschenden Flammen, Schenk' ihm Dein Glück. Siehe, ein Fieber nur. kann es retten Und der rasende Ueberschwang, Weck' ibn, und, Vater, zu Jordans Fluren Führe den Drang. (1899). Martin Buber. Die Zudriwgllbhert. Von Emil F v i e d. Es ist Hochsaison. Die staubigen, gutgepflästerten Strassen mit dem lebhaften Wagen verkehre gemahnen an die Grossstadt. Es ist jedoch keine grosse Stadt., sondern ein grosser Ourort, in dem wir uns befinden. Zuweilen., wenn sich die Staubwolken theilen, ist uns ein Einblick in die Herrlichkeit der Umgebung gestattet. Dort droben, in jenen Wühlern, weht wohl eine würzige, heilkräftige Luft. Auch hier unten mag es einst so gewesen sein, als der Aufenthalt der Sommergäste noch hauptsächlich zu Heilzwecken erfolgte und der Ourort noch weniger berühmt, staubig und theuer war. Gegenwärtig sind es jedenfalls höhere Zwecke, die alljährlich eine erlesene Schar von Gästen hier vereinigen. Ein seltsames Kauschen wird vernehmbar. Ernst und hoheitsvoll schreiten drei Damen an uns vorüber. Es ist Frau Veilchenfeld mit ihren beiden Töchtern, auf dem Wege zur Mittagspromenade. Martha, die altere, von iiberschlanker Gestalt, seheint sich eines hohen Eigenwerts bewusst zu sein, ihre nicht gerade schönen Züge drücken eine unsägliche Geringschätzung der Mitwelt aus. Hilda, die jüngere, könnte' beinahe schön genannt werden, wäre sie nicht gar so bemüht, es in Haltung und Miene ihrer Schwester gleich zu thun. Beide Mädchen sind von einer Unnahbarkeit umgeben. Diese Unnahbarkeit wirkt sehr komisch, weil sie höchst überflüssig erscheint. Denn ein Blick auf die gewichtige, majestätisch einherschreitende Mama genügt, um selbst den Kühnsten schon bei dem Gedanken an eine Annäherung erschauern zu machen. Der eben vorübergehende Oonditor grüsst ehrfurchtsvoll. Frau Veilchenfeld dankt wie eine Königin, Hilda durch fast unmerkliches Senken des Kopfes, Martha überhaupt nicht. Nicht viel besser ergeht es dem Friseur, der zufällig des Weges kommt, „jayii s^leehtj^syten .j^jerij. jungen^rzt, der eben in die „Gesellschaft" eingeführt zu. werden} bemüht, ist. Zum nicht geringen Aerger Frau Veilchenfelds begegnet ihnen auch. Otto, der einzige Sohn, und zwar wieder einmal allein, ohne seinen Hofmeister. Man denke, ein junger Mann aus feiner Familie, jetzt, um die Promenaden-; zeit, allein, als ob er keinen Hofmeister hätte; und doch hat er einen, hat immer einen gehabt. Im vorigen Jahre ist Otto Veilchenfeld auch nie ohne Hofmeister gesehen worden. Dieser, ein jüdischer Student, den Frau Veilchenfeld nie recht gemocht, hatte seither seine Entlassung erhalten, und das kam so: Frau Veilchenfeld leitete nämlich die Erziehung ihrer Kinder selbst. Die Detailarbeiten, wie den Einzelunterricht in Musik. Sprachen, etc. überliess sie allerdings den ihr untergebenen Bediensteten; die Oberleitung jedoch, gewissermassen das General- Inspectorat, das gab sie nicht aus der Hand, das behielt sie sich vor. Neben dem für die Bekleidung eines so hohen Postens unbedingt nothwendigen Ueberblick über die gesammten Wissenschaften fehlte es ihr auch an einzelnen eingehenderen Kenntnissen nicht. Sie trat entschieden für die Beibehaltung der artclassisehen Sprachen in den Gymnasien ein und pflegte in Gesellschaft wiederholt zu äussern, das Griechische sei* eine herrliche Sprache. Otto war Gymnasiast und als solcher, obwohl sonst ein gescheiter Junge, in mehreren Gegenständen schwach, wie dies bei gescheiten Jungen öfters 'vorzukommen pflegt. Auch in „Religion" war er schwach, insbesonders im Hebräisch-Lesen. Der Hauslehrer, dem es oblag, an allen schwachen Stellen nachzuhelfen, hatte nun eines Tages den unglückseligen Einfall, mit seinem Zögling Hebräisch-Lesen zu üben. Frau Veilchenfeld, auf einem Inspeetionsgange begriffen, kam zufällig herbei, hörte ein Weilchen zu und äusserte schliesslich: „Eine herrliche Sprache, das Griechische. " ..Aber Mama," rief Otto, als er sich von seinem Lachanfall erholt hatte, „das ist ja hebräisch." Der gute Lehrer wollte dieser peinlichen Scene ein Ende machen und befahl dem Schüler, weiter zu lesen. Aber da kam er gut an. „Ich verbiete mir dies ekelhafte Gemauschel in meinem Hause," stiess Frau Veilchenfeld hervor und rauschte wüthend von dannen. Tags darauf vernahm der Herr Hofmeister die Kunde, es bestehe im Hause Veilchenfeld nicht die Absicht, den Erbprinzen verjuden zu lassen. Man verzichte auf seine — des Herrn Hofmeisters — weitere Dienstleistung. Der neue Erzieher, ein ehemaliger Burschenschafter, derzeit im NIX. Semester, wusste zwar vom Griechischen nicht viel mehr zu sagen, als von seinem Leben überhaupt, aber man hatte die Beruhigung, dass er statt des Griechischen nichts anderes lehrte. Im übrigen that er, was er wollte. Mit seinem Zögling spazieren zu gehen, fiel ihm durchaus nicht ein und Frau Veilchenfeld wagte es nicht, ihren Ingrimm hierüber zum Ausdruck zu bringen. Aergerlich setzt die Familie ihren Weg fort. Da — plötzlich — erhellt sich aller Antlitz. Wir folgen der Richtung des Strahles, der dies Wunder vollbracht hat — und siehe, da! Der junge Herr von Zhorewitz, Zögling des dritten Jahrganges der 1 Iifanterie-Oadettenschule ist's, von dem dieser Strahl ausgeht. Im nächsten Augenblick ist der junge Krieger umringt und wird im Triumph auf die Esplanade geführt. Verzweifelt blickt der Gefangene um sich. An ein Entrinnen ist nicht zu denken. Rechts Hilda, links Martha, beide sehr lebhaft und stets gleichzeitig sprechend, Mama und Otto hinterdrein, so bewegt sich die Escorte durch das dichteste Promenadengewühl. Maina lächelt beseligt. Musste es nun doch der ganzen Gesellschaft klar sein, wie gut die Familien Zborwitz und Veilchenfeld miteinander waren. Der alte Herr von Zborewitz, Oberst a. D. bewohnte mit seiner Familie eine Villa ausserhalb des Ortes. In Gesellschaft zeigte er sich fast gar nicht. Sie schien ihm nicht recht zu behagen. Nur Veilchenfelds fühlten sich ausgenommen. Die Bekanntschaft' war im Theater gemacht worden, wo die beiden Fa~ milien eines Abends zufällig nebeneinander zu sitzen kamen. Der Herr Oberst war zu Fusse gekommen. Veilchenfelds hatten den Wagen da und boten diesen nach der Vorstellung in liebenswürdigster Weise1 'denen' von ZboiWftk^an. Bas 'Alü^^öieteü' 'vrxivd& }%\tbt