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Die Welt · 1901-06-21 · 25 (21.6.1901) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
25 (21.6.1901)
Article
Die Verhandlungen
Date
1901-06-21
Page
6 (sequence 4)
Language
German
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Seite 6 „Die ^%eltfe Nr. 25 Thesen zu Punkt: Hebräische Sprache. (Referent: Löbel T a u be s., Kolomea.) Der Zionismus bedeutet die Regeneration des jüdischen Volkes in geistiger und physischer Beziehung. Zur physischen Wiederbelebung, in gewisser Beziehung aber * auch zur geistigen Regeneration, ist die Schaffung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte, mindestens aber die Erlangung eines Charters zur freien Ansiedelung von Juden in Palästina noth- "ny endig. Nichtsdestoweniger kann oder muss mit der geistigen Regeneration, hauptsächlich aber mit der Stärkung und Hebung des Nationalbewusstsein schon jetzt, nach der nicht unberechtigten Ansicht vieler sogar unbedingt jetzt noch vor Erreichung des eigentlichen Postulates, begonnen und wenn auch nicht zu Ende geführt, rüstig fortgeschritten werden. Das eminenteste Mittel zur Erreichung dieses grossen Zieles bildet die Pflege, Förderung und Verbreitung der hebräischen Sprache, als: 1. Nationaler Volkssprache der Juden. 2. Binde-Einigungs- und Verständigungsmittel unter den in verschiedenen Ländern und Erdtheilen wohnenden Juden. 3. als des eigentlichen Hauptzweckes der Regenerierung, indem wahrer jüdischer Geist, wahres jüdisches Gefühl, wahre jüdische Ethik und Sittenlehre, kurz wahres, unverfälschtes Judenthum einzig und allein aus der glorreichen jüdischen Literatur in der Ursprache geschöpft werden kann. Die Förderung, Pflege und Verbreitung der hebräischen Sprache bildet demnach ein unabweisliches Postulat im Zionismus. Zur Erreichung dieses grossen Zieles sind wohl Summen nöthig, und zwar zur Errichtung von hebr. Schulen, Cursen, Herausgabe von Büchern etc. etc., die gegenwärtig zu erschwingen wir nicht in der Lage sind. Wir sind aber keinesfalls der Pflicht enthoben, irgendwelche Thätigkeit diesbezüglich zu entfalten. Der Anfang soll mit der Herausgabe einer billigen, dem Volke zugänglichen 20 Heller-Bibliothek, welche zu Beginn nur alte, der hohen Preise wegen unzugängliche, ^ebräische Schriften und Autoren enthalten soll, gemacht werden. * Resolutionen zu Punkt: Hebräische Sprache. I. Die galizischen Zionisten haben die Pflicht, alle zulässigen Mittel in Anwendung zu bringen, die geeignet sind, bei dem Curatorium der Baron Hirsch-Schul-Stiftung eine Aenderung des § V der behördlich genehmigten Statuten in der Richtung durch- , zusetzen, dass die hebräische Sprache als obligater Gegenstand in den Lehrplan der Stiftungsschulen aufgenommen werde. Abgesehen von der moralischen Bedeutung derselben, verspricht sich die Conferenz von dieser Statutenänderung auch eine Verbesserung der Lage der an den Stiftungsschulen thätigen Lehrer des Hebräischen, die bis nun zu eine exceptionelle Stellung innerhalb des Lehrerstatus einzunehmen scheinen. Das galiz. Districts-Comite wird aufgefordert, den Inhalt dieser Resolution dem Curatorium ehestens zur Kenntnis zu bringen. IL Die Vereine werden aufgefordert, in ihren Ortschaften hebräische allgemein zugängliche Lese- und Redezirkel möglichst rasch ins Leben zu rufen. III. Eine Resolution R. Bierers wird dem Districts-Comite zur sofortigen Behandlung und Berichterstattung übergeben. * Gegen Mitternacht waren die Berathungen zu Ende. Dem Vorsitzenden und den Vertretern des österr. Landes-Comites wurde am Schlusse unter stürmischem Beifall der Dank ausgedrückt. Herr A. H. Reich dankte seinerseits den galizischen Delegierten für ihren Fleiss und die ernste hingebende Arbeit. In begeisterter Stimmung schloss die Landes-Conferenz, deren würdiger Verlauf besonders zu rühmen ist. * * * Commers. Am Abende des ersten Tages der galizischen Conferenz fand ein von der akademischen Vereinigung „Emunah" zu Ehren der Conferenz veranstalteter Commers im Saale des „Hotel Bristol" statt. Der Saal war geradezu überfüllt, sämmtliche Delegierte und zahlreiche Gäste, auch viele Damen waren erschienen. Die ernsten und grossen Fragen erfüllten auch diese Versammlung, die nach den treffenden Worten des Vorsitzenden der „Emunah", stud. ing. Sp i e sb ach, in ihrer frohen Stimmung sich immer und immer wieder ,an „die alte klaffende Wunde" erinnern, musste. Die Ansprache klang in einen Toast auf die Verteiler ' <les Landes-Comites aus, auf den Herr Martin Bub er mit einem geistvoll gedämpften Trinkspruch auf die „Emünah* und die zionistische Jugend überhaupt antwortete. Doctor David Malz würdigte in längerer Rede die Verdienste des Dr. Theodor Herzl und toastierte unter tosendem Beifall Lder Versammlung auf den Führer. A. H.Reich toastierte a;if die Lemberger Zionisten, ür Bappaport auf die jüdische Frau, Dr. Gabel auf das jüdische Volk. Hebräische Melodien und zionistische Lieder erklangen und fanden in begeisternden Worten einzelner Redner feinfühlige Interpreten. Schallenden Applaus errang das Mitglied der „Emunah" stud. jur. Tendier durch den Vortrag hebräischer Lieder. Dem nLchtofficiellen Theile, der unter der launigen Leitung des Herrn A. H. Reich stattfand, den eigenartig studentischen Gebräuchen, folgten die Theilnehmer, die in der fremden Form jüdischen „Erdgeruch" verspürten, mit sichtlichem Interesse. Besonderen Beifall errangen die Ciaviervorträge der Damen P omeranz und Z u c k e r, die heitere Ansprache Reichs (Drohobycz) und die Jargon vortrage Mahls. Um 2 Uhr nachts verliess man, reich an grossen und stolzen Eindrücken von dem schönen Abend, dasLocal. Versammlung des Vereines „Dorsch ei Schlom Z i o n." Am Vorabend des galizischen Zionistentages fand im Saale des Hand werker-Vereines „Jad Charuzim" eine grosse Volksversammlung statt, die von etwa 1200 Personen besucht war. In Verhinderung des Redacteurs Berthold Feiwel sprach Dr. Jacob Nacht aus Foksani. Er sowohl als die nachfolgenden Kedner Äxartin Buber aus Wien (Ueber die culturelle Bedeutung des Zionismus) und L. Taubes aus Kolomea fanden für ihre hervorragenden rednerischen Darbietungen, die grossen Eindruck machten, stürmischen Beifall . Delegiertentag der zionistischen Vereine der Bukowina* S u c z a w a, 17. Juni 1901. Der Sonntag den 16. Juni in Suczawa abgehaltene I. Delegiertentag der zionistischen Vereine der Bukowina nahm einen schönen Verlauf. Er ist seitens sechs von den in der Bukowina bestehenden elf Vereinen beschickt worden, und von drei Vereinen sind Zustimmungskundgebungen eingelangt. Unter dem strammen Vorsitze des Obmannes des Suczawaer Zion - Vereines, Dr. Kuno Rachmuth, begannen die Verhandlungen um 2 Uhr nachmittags und dauerten bis spät nachmiitags. Nach warmer Begrüssung durch den Vorsitzenden ergriff der Delegierte des Czernowitzer Zion - Vereines, Herr Dr. Ph. M e n c z e 1, das Wort und führte in glänzender Weise die Nothwendigkeit einer Districts- Organisation in der Bukowina aus, von minutenlangem Beifalle häufig unterbrochen. An die Ausführungen des Redners knüpfte sich eine streng sachliche, stundenlange Discussion. Hierauf sprachen noch . die Delegierten der jüd.-nat. akademischen Verbindung „Z e p h i r aK, die Herren B. Kindsbrunne r und Z o p p 1 e r, ersterer über die Presse, letzterer , über die Nothwendigkeit der Begründung jüdischer Productions-Genossenschaften und Gonsum - Vereine. Auch diesen Ausführungen schloss sich eine sachliche Discussion an. worauf zum Schlusse Herr Phil.-Dr. Rubin aus Suczawa in ebenso vollendeter wie trefflicher Weise die Einflussnahme auf das jüdische Theater, als das beste Veredlungs- und Agitationsmittel, befürwortete. Seinen tiefdurchdachten Ausführungen folgte brausender Applaus. Schliesslich wurde einstimmig ein provisorisches Districts-Comite, bestehend aus Herrn Dr. Menczel,; Obtrianiiv Herrn. W ägs eh al, 'Gassier, Heitrn cand. jur, Kindsbrunn er? Schriftführer, und den Herren

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