Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 24 (14.6.1901)
- Article
- Der Herausgeber des "Daily Mail" bei Dr. Herzl
- Date
- 1901-06-14
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite-4; „Die # Welt" Nr: 24* wie jch wahrnehmen konnte, mit allen Erfahrungen des mcxkrnon Lebens vertraut gemacht und ist jedenfalls weit entfernt von jenen mittelalterlichen Anschauungen, die man gewöhnlich mit dem Begriffe des ottomanisehen Reiches verknüpft. Wenn es irgend eine Gegnerschaft gegen moderne, industrielle Pläne in seinem Reiche gibt, so geht sie jedenfalls nicht von ihm aus. Im Gegentheile, ich bin überzeugt, dass er das Moderne mit aller Macht zu fördern bereit ist. Und diese Thatsache ist — ich glaube, es ist kaum nöthig, das zu betonen — für die zionistische Bewegung von grosser. Bedeutung." „Was den Fortschritt unserer Sache anbelangt", setzte Dr. H e r z 1 in Beantwortung unserer darauf bezüglichen Frage fort, „ist nicht die Thatsache, dass der Sultan mich in Audienz empfangen hat, Fortschult genug? Dass mir, einem einfachen Juden, der Empfang bewilligt wurde, das ist wahrlich eine weitere Probe der freundschaftlichen Gesinnung des Sultans für unser Volk. Sie werden es ja ebenfalls wissen, dass der Sultan immer ein Freund der Juden war, dass er sich mehr als einmal persönlich für sie eingesetzt hat, indem er an arme Juden aus seinem eigenen Besitzthum nicht unbedeutende Schenkungen verlieh. Ich bin von der Ueberzeugung durchdrungen, dass die Juden keinen besseren Freund als den Sultan haben, und dass unsere Bewegung auf gutem Wege ist. Allerdings, die Erfüllung unserer Ideale hängt vom Gelde ab", fügte Dr. Herzl hinzu, «doch das jüdische Volk steht hinter mir, und in unserem Sturmlaufe müssen wir die Reichen und Gutsistuierten mit uns reissen. Wir können", so schloss Dr. Herzl, „für unseren Plan (den Zionismus) in Anspruch nehmen, dass er alle Möglichkeiten einer Lösung der Judenfrage in sich schliesst, einer Frage, die von Tag zu Tag sicli zu einer immer drängenderen auswächst/ Organisation. Dolegiertenlag der Bukowiner Zionisten. Sonntag den KV Juni a. c. findet in Suczawa der Erste Dclegierlentag der zionistischen Organisationen der Bukowina mit nachstehender Tagesordnung statt: I. y2l 52 Uhr vormittags : feierlicher Empfang der Festgäste durch die Leitung des Vereines „Zion" in Suczawa und die jüdisch-nationale Bevölkerung der Sladt Suczawa. IL 2—5 Uhr nachmittags: Sitzung des Delegierlentages in der städtischen Turnhalle. a) Begrüssung durch das Präsidium des Vereines „Zion" in Suczawa Dr. Kuno Räch m u t h, 6) Programm und Organisation: Referent Dr. Ph: Menczel (Czernowiiz). c) Agitation: Referent Präses und Ehrenmitglied des Vereines „Dorsche Zioii" in Radautz Dr. B i e r e r. d) Eventualia, Die Sitzung wird um 5 Uhr nachmitlags beendigt, beziehungsweise unterbrochen und am nächstfolgenden Tage fortgesetzt. Sonntag nach der Sitzung um 5 Uhr ist Beginn des vom Zion-Vereine in Suczawa grossangelegtcn jüdischen Volksfestes. Schliesslich 1 Uhr nachts Gommers. Es ergeht hiermit seitens des Vereines „Zion" in Suczawa an alle zionistischen Vereine die wärmste Einladung, den Ersten Delegiertentag der zionistischen Verbände der Bukowina zahlreich zu beschicken. * Gaiizische Landes-Conferenz. Die galizisch-zionistische Landes-Conferenz tagt Sonntag den 16. und Montag den 17. Juni im Locale des „Jad Charuzim", Lemberg, Bernsteingasse. * Am 11. Juni fand in Paris die vorbereitende Versammlung der „Föderation Sioniste de France" (Zionistische Vereinigung für Frankreich) unter Vorsitz des Dr. Alex. Marmorek statt. Zur Landes-Conferenz der galizischen Zionisten. (16. und 17. Juni 190L) Von einem vortrefflichen Kenner der galizischen Verhältnisse erhalten wir im Hinblicke auf die, bevorstehende gaiizische Landes-Conferenz nachstehende Zuschrift: Was die Entwicklung des Zionismus in Galizien bisher schädigte oder behinderte, das war vor allem der Mangel eines einheitlichen Programmes und einer einheitlichen Organisation. Die Meinungen giengen so weit auseinander, ihre Träger standen sich so schroff gegenüber, dass ein einheitliches Vorgehen unmöglich war. Drei verschiedene Organisationen, die Schekel-Organisation des Congresses, die Colonisations-Organisation des „Ahawath Zion" und die Landes-Organisation für politische und culturelle Angelegenheiten, durchkreuzten und behinderten einander- Nichts Festes, Sicheres, Zogen die einen nach einer Richtung, giengen die anderen in der entgegengesetzten vor. Dieser unwürdige Zustand darf nicht andauern. Auf der Grundlage, dass unter Festhaltung des E n dz i e 1 e s, der Landgewinnung und der Arbeit dafür die geistige, körperliche und wirtschaftliche Hebung des jüdischen Volkes in den Vordergrund aller zionistischen Thätigkeit treten muss, kann und soll am Lemberger Parteitage eine einheitliche Organisation geschaffen werden, die den Willen und die Eignung hat, Positives zu leisten. Sie kann, weil in diesem Programme sich alle vernünftigen Zionisten einig finden wsrden, sie soll geschaffen werden, denn keinem Lande thut zionistische Arbeit so noth, wie gerade Galizien, wo compacte Judenmassen sich befinden, wo die wirtschaftliche Noth am drückendsten auf unserem Volke lastet, wo das Ghetto seine deutlichsten Spuren in der körperlichen Zurückgebliebenheit, in der Unwissenheit, den Vorurtheilen und dem Aberglauben der jüdischen Menge zurückgelassen hat. Es wird sich in Lemberg nicht darum handeln, Postulate auf Postulate zu häufen, deren Möglichkeit und Durchführbarkeit in Frage stehen würden. Vielleicht wird im ersten Jahre neben der Wiederaufnahme einer kräftigen Propaganda die alleinige, dabei aber folgenreiche Thätigkeit der neuen Leitung die sein, die Organisation im ganzen Lande durchzuführen und zu festigen. Es wird gut tbun, dem Beispiele des Olmützer Zionistentages zu folgen, und sich nur an das in nächster oder wenigstens absehbarer Zeit Ausführbare zu halten. Doch andererseits darf man aus Unterschätzung der eigenen Kräfte oder aus Mangelan Unternehmungsgeist nicht zu enge Schranken Ziehen. So darf man zum Beispiel die Frage der wirtschaftlichen Hebung nicht mit der Phrase abthun, dazu sei viel Geld nothwendig — und wir sind arm. Zui- Propagierung der Noth wendigkeit der wirtschaftlichen Abwehr braucht man keine besonderen Gelder, zur Giündung von Credit- und anderen Genossenschaften wird es in vielen Fällen genügen, die Interessenten von ihrem Nutzen zu überzeugen, zur Schaffung von Arbeitsämtern werden auch nichtzionistische Kreise und Institute zu gewinnen sein, die dann die nöthigen Capitalien beistellen u. s; w. u. 8. w,