Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 23 (7.6.1901)
- Article
- Blätterstimmen über den Empfang Dr. Herzls
- Date
- 1901-06-07
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 23 „Die & Welt46 Seite 9 sehen* Blätter geben alle ihrer freudigen Stimmung und guten Zuversicht' Ausdruck, und ermahnen die Gesinnungs*- genossen, die Arbeit cter^ Führer durch Sammlung von Schekeln und Shares thatkräCtig zu unterstützen. Auch über grosse Versammlungen, bei denen die Audienz auf der Tagesordnung stand, bringt die zionistische Presse Mittheilungen, * Ost und West. (Illustrierte Monatsschrift für modernes Judenthum. Berlin, S. Calvary). Das fünfte Heft dieser gediegeuen Monatsschrift, über deren erstes Halbjahr wir noch eine ausfühiliche Revue bringen werden, bringt unserem Wissen und unserer Unterhaltung gleicherweise reichlichen und guten Stoff. Man kann wohl nichts anderes erwarten von einer Leetüre, an der unsere besten Federn schreiben, und bei deren Bilder-* schmuck und Ausstattung keine Kosten gescheut werden. Das Heft bringt folgende Beiträge: „Die Zukunft des Orients" von B. Ebenstein, eine interessante Besprechung der Einwanderungs- und Colonisationsfragen; einen bedeutsamen philosophischen Artikel von Achad Haam, „Autonome Provinzen" betitelt, welcher aus der bekannten Essay- Sammlung dieses hervorragendsten hebräischen Publicisten : „Am Scheidewege", übersetzt ist; eine Uebertragung der überaus lehrreichen Mittheilungen des berühmten Kritikers Georg Brandes über „Das Heimatsrecht in Rumänien"; einen sehr hübsch illustrierten Aufsatz von Fabius Schach über das jüdische Theater, sein Wesen und seine Geschichte; statistische Angaben B. W. Segels „Ueber die merkwürdige Bernstein'sehe internationale Sprichwörterbibliothek"; ein Referat von Israel A brahamsohn über Professor Albrech Wirths in dessen Buch „Volkthum und Weltmacht" niedergelegte Ansichten über das jüdische Volk; den 1. Theil einer Uebersicht von Dr. S. Bernfeld über „Das Judenthum und seine Geschichte"; eine aus dem Nachlasse des Jungdeutschen Gustav Kü hn e, mitgetheilte Judennovelle, ein feines Stimmungsgedicht von Theodor ZIoeis ti, geschickt zusammengestellte Miscellen, Aphorismen, Revue der Presse. Jüdische Chronik. Herausgegeben von Dr. Adolf Kurrai n in Teplitz. Die Post trägt Schuld daran, dass uns das letzte Heft dieser Zeitschrift leider so spät zuhanden kam. Es schmerzt, es kränkt uns geradezu die Mittheilung, dass dieses in seiner bescheidenen Vornehmheit selten dastehende Judenblatt an gewissen Schwierigkeiten der Materie gescheitert ist, die zu beheben dem Publicum nicht nur Pflicht, sondern auch Ehre und Vergnügen hätten sein sollen. Herr Dr. Kurrein mag die.ehrliche Versicherung des herzlichen Dankes seitens jener wahrhaften Leser entgegennehmen, die im Gelesenen das Princip der Ehrlichkeit, der ernsten Sachlichkeit, der Wahrheit und des feinen Tones mit Vergnügen finden. Diese Grundsätze wurden in der „Chronik" um Geld nicht verleugnet. Kein Compromiss mit dem Willen des Abonnenten ward geschlossen. Keine Waschküchenrubrik gab es für den Haustratsch, und regnete es auch Absagebriefe an die Administration, so bekam doch jedes Kind Judas seinen ehrlichen Namen und sein Horoskop. Die Wahrheit und die Schönheit ist wieder einmal zurückgedrängt worden. Dr. Kurrein dreht in sokratischer Ruhe die Lampe zu, die er der Nacht der Judenheit angezündet und hell leuchtend erhalten hat. Tröstend zeigt er selbst den anbrechenden Tag, den aufflammenden Zionismus. Der aber will ihn und braucht ihn. Noch erinnern wir uns an den herrlichen Makkabäer- Artikel vom Dec.ember 1900, den wir als eines der schönsten Dpcumente der jungjüdischen Bewegung liebend bewahren wollen. Solch einen Streiter kann der Zionismus, solch einen Collegen kann die zionistische Publicistik nicht entbehren. Auf, Dr. Kur rein! Ziehen Sie die Waffe noch einmal gegen die Philister! Stärker als das Verlust^efühl des Abschieds ist die Hoffnung, auf ein baldiges, recht baldiges Wiedersehen. $ Die „Israelitische Rundschau" in Berlin erscheint seit kurzem in vermehrtem Umfange und verbesserter Ausstattung als officielles Organ der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland". Mit der Erwerbung der „Israelitischen Rundschau" hat das bisherige Organ der deutschen Zionisten, der Breslauer „Zionist", zu erscheinen aufgehört. Es ist unsere Pflicht, bei dieser Gelegenheit unseren Breslauer Gesinnungsgenossen zu danken. Sie haben sich nach ihrer besten Kraft bemüht, die Begründung eines zionistischen Organes für Deutschland zu ermöglichen, und das ist ihnen nunmehr gelungen. Unserem neuen Bruderblatte wünschen wir das Beste. Wir hoffen, dass wir in ihm einen energischen Mitkämpfer finden werden, der den Zionismus in Deutschland in Ehren zu vertreten wissen wird, „L'Echo Sioniste" vom 2. Sivan 5661 (20. Mai 1901) ist in doppelter Stärke ei schienen und bringt eine Reihe bedeutsamer Artikel. Wir nennen davon: Dr. A. Raskine: „Der fünfte Congress"; Bernard Lazar e: „Der Nationalismus und die Juden-Emancipation"; A. L. : „Die Münchener Conferenz"; A. Rokeach: „Der Jargon und seine Schriftsteller"; A. L u d vi p o 1: „Palästinensische Erinnerungen" und andere mehr. Unter der Spitzmarke : „Polen in der Fremde" bringt das „Slowo Polskie" vom 2. Juni folgende Notiz: Herr E.M.Lilien. Immer häufiger erscheint der Name unseres Landsmannes in den Spalten deutscher, der Kunst gewidmeter Blätter. Bei uns wurde Herr Lilien bekannt durch seine Titel Vignette des „Zycie" *), die bei der Preisausschreibung dieses Blattes prämiiert wurde. Dann sah man immer mehr Lilien'sche Arbeiten in der Münchener „Jugend". Wiewohl die dort reproducierten Zeichnungen einer sehr sympatischen Aufnahme und Ermunterung begegneten, würdigte man nicht gleich die Originalität seines Talentes. Man anerkannte absolut die Schönheit, Ausdrucksfülle und strenge Stilmässigkeit seiner Zeichnung; man pries den exquisiten Geschmack und die üppige Phantasie, man wollte aber immer noch eine gewisse Abhängigkeit von berühmten Meistern auf diesem Gebiete bemerkt haben. Indessen liess sich Lilien, der aus München nach Berlin übersiedelt ist, nicht vom Pfade ablenken und arbeitete unermüdlich. Er überhäufte uns mit Titelblättern, Vignetten, Leisten, Illustrationen und Exlibris. Von Zeit zu Zeit erschien ein hübsches Placat des „Berliner Tagblatt" oder des „Tygodnik illustrowany". In verschiedenen grösseren Städten, darunter auch in Warschau veranstaltete Ausstellungen ermöglichten einen Ueberblick über sein ganzes Schaffen. Gleichzeitig begannen Fachblätter ersten Ranges, wie der Londoner „The Studio" und „Deutsche Kunst und Decoration" seine Zeichnungen zu reproducieren, in erster Linie die originellen Exlibris, die einen ungeahnten Erfolg hatten. Jedoch erst das letzte grössere Werk, eine Sammlung von Zeichnungen, Randverzierungen und Vignetten zu den Liedern des Baron von Münchhausen unter dem Titel „Juda" bewiesen unwiderlegbar, dass wir es hier mit einem nicht nur bedeutsamen und selbständigen, sondern auch durch und durch originellen Talente zu thun haben. Die aussergewöhnliche Anmuth und dabei der grosse Wurf der Linien, die Freiheit und Sicherheit in der Vertheilung von Licht und Schatten auf der Fläche, die Energie und der gute Geschmack in den Randzeichnungen, vor allem aber die grosse Poesie, Kraft und heroische Tragik, von denen die grösseren Compositionen durchdrungen sind, sprachen allzu deutlich, als dass man es *) Von Przybyszevski in polnischer Sprache herausgegebene Zeitschrift. Anm. d. Uebers.