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Die Welt · 1901-06-07 · 23 (7.6.1901) · p. 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
23 (7.6.1901)
Article
Ein zionistischer Sieg
Date
1901-06-07
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4 „Die # Welt" Nr 23 der eifrigsten und energischesten Zionisten bekannt, von gegnerischer Seite mit allen möglichen und unmöglichen Mitteln bekämpft wurde. 950 Stimmen wurden abgegeben. Davon erhielt Dr. Bruck 650. Der glänzende Sieg hat unter den Zionisten Witebsks grosse Begeisterung hervorgerufen. Die Landes-Conferenz der galizischen Zionisten. Am 16. und 17. Juni findet in Lemberg die Landes- Conferenz der galizischen Zionsvereine statt. Sie wird im Grunde nichts anderes sein, als die Fortsetzung des Olmützer Zionistentages. Man war in Olmütz bei Behandlung mehrerer Gegenstände der Tagesordnung zur Erkenntnis gelangt, dass die galizisch-zionistischen Angelegenheiten, sollten sie endgiltig in Ordnung gebracht werden, eine nachträgliche selbständige Regelung erfahren müssten. Das österreichische Landes-Comite hat darum, um so bald als möglich das Werk des Olmützer Zionistentages vollständig zu machen, alles darangesetzt, eine Conferenz der galizischen Zionsvereine herbeizuführen. Die leitenden Zionisten Galiziens haben sich an den vorbereitenden Arbeiten mit solchem Eifer betheiligt, dass die Abhaltung des galizischen Zionistentages schon für Mitte Juni festgesetzt und eine Tagesordnung aufgestellt werden konnte, die es ermöglichen wird, nicht nur die specifisch-galizischen Angelegenheiten, sondern auch einige Hauptfragen des Gesammt-Zionismus zu behandeln. Die Conferenz vom 16. und 17. Juni verdient aus vielen Gründen unsere besondere Aufmerksamkeit. Es ist kein Geheimnis, dass in den allerletzten Jahren nicht sowohl der Zionismus, wohl aber die zionistische Organisation in Galizien vielfach im Argen lag. Ein Hauptgrund war der Mangel an Einheitlichkeit. Neben der Congress- (Scheitel-) Organisation bestand eine allerdings nicht systematische oder völlig umfassende Landes-Organisation, daneben der Verband der „Ahawath Zion". Das konnte natürlich nicht vonnutzen sein. Wenn es auch vielleicht da und dort Einzelerfolge gab, grosse und nachhaltige Erfolge, wie sie nur die Geschlossenheit einer Gruppe ermöglicht, hat es nicht gegeben. Noch mehr, da es an einheitlichen Parolen fehlte, ist an manchen Orten eine Lethargie eingetreten, die einzelne wertvolle Kräfte lahmgelegt hat und mit der Zeit hätte gefährlich werden können. in den letzten Monaten hat sich die Situation des galizischen Zionismus vielfach gebessert. Insbesondere hat das neubegründefce galizisch-zionistische Organ „Wsehöd" eine Vereinigung der Intellectuellen hereigeführt und damit die Vorbedingungen für praktische und systematische Organisationsarbeiten geschaffen. Der österreichische Zionistentag hat ebenfalls fördernd auf die Einigungsarbeit eingewirkt, die nun die galizische Landes-Conferenz zu vollenden berufen ist. Aber es geht nicht allein darum, die galizischen Vereine in einen Landesverband zu bringen. Viel wichtiger ist es, dass durch die Conferenz die etwa hundert Vereine Galiziens der gesammtösterreieinsehen Organisation angegliedert werden sollen. Und das nicht etwa allein, der äusseren Einheit wegen. Es handelt sich vielmehr darum, die vielen und guten Ergebnisse des Olmützer Zionistentages auch den galizischen Vereinen nutzbar zu machen. Das, was zum Beispiel über die Fragen der körperlichen, wirtschaftlichen und geistigen Hebung berathen und beschlossen wurde, gewinnt für Galizien in dem Masse an Interesse, als in diesem Lande die physische, moralische und ökonomische Judennoth um ein Vielfaches grösser ist, als in den westösterreichischen Ländern. Wenn man daran denken soll, die materiellen und moralischen Kräfte der westösterreichischen Juden für Galizien zu verwenden, so ist ein inniger Contact der galizischen und der übrigen Zionisten Oesterreichs eine unerlässliche Vorbedingung. Auch das vortreffliche Organisations-Statut, das sich bereits in der Praxis zu bewähren beginnt, wird, um ein anderes Beispiel zu wählen, unseren Gesinnungsgenossen in Galizien sehr zugute kommen. Die straffen Bestimmungen über die Geschäftsführung der Vereine undDistricte und die Centralisierung durch das Landes-Comitö werden mit einem Schlage das System in die zionistischen Angelegenheiten Galiziens bringen, das bedauerlicherweise in den letzten Jahren so sehr vermisst wurde. Die Referate für die Landesconferenz wurden bewährten Gesinnungsgenossen anvertraut, deren Sachkenntnis erhoffen lässt, dass die Versammlung auf Grund der sicherlich wertvollen Vorlagen der Referenten viel gedeihliche Arbeit leisten wird. Wie in Olmütz werden auch in Lemberg den Delegierten die Thesen der Referate vorliegen, so dass man auch hier auf eine sachliche, das Wesen der Gegenstände erfassende Discussion rechnen darf. An den galizischen Vereinen ist es nun, der Landesconferenz äusserlich und innerlich den Charakter eines Arbeits-Congresses aller galizischen Zionisten zu geben. Mögen sie ihre besten Männer als Delegierte entsenden, mögen sich alle Vereine an der Conferenz betheiligen. Dann wird diese Tagung einen bedeutungsvollen Wendepunkt in der Geschichte des galizischen Zionismus darstellen. Unsere galizischen Freunde können versichert sein, dass die besten Wünsche aller Gesinnungsgenossen ihre Arbeit begleiten. F. Der Schekel Unser Gesinnungsgenosse Th. Zlocisti veröffentlicht in der Berliner „Jüdischen Rundschau" einen beachtenswerthen Artikel über den Schekel, dem wir die nachstehenden Ausführungen entnehmen: Man kann so häufig im Leben erkennen, dass der "Fortschritt die Kräfte erschlaffen macht. Wer sich seinen Zielen nähert, ist nur zu oft geneigt, sich auf seinen Lorbeere«fcÄMSzurulien. Uns Zionisten darf diese Philisterschwäche nicht anfallen. Wir sind in diesem Jahre ein ehrliches Stück weiter gekommen. Die Zahl unserer Getreuen ist gewachsen; aber auch in den Kreisen unserer wüthigsten Gegner ist zwar noch nicht besondere Begeisterung für unsere Ideale, doch aber offene Anerkennung unseres heiligen Idealismus heimisch geworden. Wir sind an einem entscheidenden Wendepunkt in unserer Bewegung angelangt. Da heisst es denn, sich nicht am Erreichten zu begnügen. Nicht erlahmen darf unsere Kraft und unsere Opferfreudigkeit, bevor wir das Endziel erreicht haben: unserem bedrängten, geistig und körperlich leidenden Volke eine Heimstätte zu schaffen auf dem verlassenen Boden unserer Ahnen. Wie friedlich immer unsere Bewegung ist in ihren wahrhaft kulturellen Strebungen, so lebt ihr ein kriegerischer Geist inne. Es ist ein heiliger Krieg, den wir im Namen lebendiger Humanität, getreuer Blutsbrüderlichkeit gegen die Verelendung unseres jüdischen Volkes, gegen die Heimatlosigkeit der erdrückenden Mehrheit unserer Stammesgemeinschaft führen. Es ist ein heiliger Krieg! Aber Krieg führen kann man nicht mit tönenden Worten allein — und kämen sie aus dem reinsten Busen; nicht mit idealer Begeisterung allein — und flösse sie aus der lautersten Gerinnung! Zur Kriegführung gehört Geld und wieder Geld. Freilich unser Gewaffen ist nicht von Stahl und Erz. Wir brauchen das Geld, um unser Volk zu organisieren, damit es wieder einen eigenen Willen habe und verkünde. * Und dieses Geld für Verwaltung, Organisation, Agitation nach allen Eichtungen hin, darf nicht von einigen Genossen geopfert werden. Es geht nicht an, dass manche Zehntausende hingeben und andere ihre Hand auf den Geldbeutel legen. Das widerspricht dem Geiste unserer Bewegung! Wir sind — im edelsten Sinne —

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