Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 22 (31.5.1901)
- Article
- [Kommentar]
- Date
- 1901-05-31
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 10 „Die & Welt" Nr.. 22 schaft „Tuschijah" herausgegeben wird, liegen uns die ersten zwei Hefte vor. Sie weisen einen reichen Inhalt und sehr hübschen Bilderschmuck auf. Die besten hebräischen Schriftsteller arbeiten an dieser Jugendzeitschrift mit. In der zweiten Nummer finden wir u. a. einen Artikel über J. L. Perez anlässlich seines Jubiläums, in dem sehr anmuthige Geschichten aus des Dichters Kindheitstagen erzählt werden. Von besonderem Interesse ist die Rubrik „Briefwechsel zwischen den Lesern des „Olam Katan". Da finden wir in Nr. 2 folgendes reizende Briefchen: „An unsere guten Kameraden! Unlängst sind wir von Palästina gekommen, wo wir zwei Jahre geweilt hatten. Dort lernten wir in der hebräischen Schule mit vielen anderen Schülern, die uns sehr gute Kameraden waren. Dort sahen wir auch gute Kinder, die hebräisch sprechen und deren Eltern in den Colonien Landarbeit verrichteten. Nun aber haben sie keine Arbeit und keine Nahrung für ihre Familien, und die guten Kinder haben kein Brot. Sie dauern uns gar sehr. Nun erscheint jetzt eine Zeitung für Kinder, namens „Olam Katan*. Darum bitten wir die Kinder, deren Eltern nicht arm sind und die den „Olam Katan" lesen : Erbarmet Euch der armen guten Kinder in Palästina und spendet ihnen etwas von dem Oelde, das Ihr für Bonbons ausgebet, damit die guten Kinder was zum Essen haben. Auch wir spenden 20 Kopeken, die wir nach und nach für unsere armen Kameraden in Palästina gesammelt und derRedaction des „Olam Katan" eingeschickt haben. Moses und Jehoasch Gordo n." Die neue Jugendzeitschrift wird von den bekannten Schriftstellern A. L. Ben-A vigdor und S. L. Gordon redigiert und wird von der Buchdruckerei „Industrie" vornehm ausgestattet. Sie erscheint wöchentlich und kostet in Oesterreich jährlich Kr. 15.50, halbjährlich Kr. 7.75 und vierteljährlich Kr. 3.90. Adresse: Administration „Olam Katan", Wien, VIIL, Schlösselgasse 1, Th. 12. ^)pib(ii)e. Jüdische Abiturienten aus Böhmen und Mähren! Nur ungern folgen wir dem allgemeinen Brauche und richten an Euch, solange Ihr noch in der Mittelschule seid, einige beherzigenswerte Worte. Hier in Prag an den deutschen und böhmischen Hochschulen, wie an allen Hochschulen Oesterreichs und Deutschlands besteht eine scharfe Scheidung zwischen jüdischen und nichtjüdischen Studenten. Trotzdem die ersteren überall bestrebt waren, im Deutschthum, respective Slaventhum ganz aufzugehen, dem nationalen Chauvinismus huldigten und von ihrem eigenen Volke, den Juden, nichts wissen wollten, wurden sie doch mit Hohn und Spott von den Nichtjuden abgewiesen und aus den Vereinen, deren Begründer sie oft waren, ausgeschlossen. Die Juden sind keine Deutschen, keine Slaven, sie sind ein Volk für sich. Darin waren alle einig, bis auf die Juden, die weiter fortfuhren, den fremden Nationen Lakaiendienste zu leisten, um für ihre lächerliche und s hmählichste Zudringlichkeit die gebürende Verachtung einzuheimsen. Statt offen und ehrlich für ihr verschmähtes und zurückgesetztes Volk zu kämpfen, steckten sie gleich dem Vogel Strauss den Kopf in den Sand, sobald man ihnen „Judeuzurief, und glaubten, indem sieunter dem [Namen Liberalismus ihre Kämpfe austrugen, unerkannt zu bleiben. Doch das Mass der Erniedrigung ist voll. Sollen wir uns einer Gesellschaft aufdrängen, die uns in ihrer Mitte nicht dulden will? Sind wir denn wirklich so tief gesunken, dass wir uns nicht auf eigene Füsse stellen können? Sind wir vielleicht nicht deshalb so verachtet, weil wir uns selbst als Juden nicht achten? Der stetig anwachsende Antisemitismus macht die Beantwortung dieser Fragen leicht. Auf dem Grundsätze fussend: „Die Juden waren und bleiben ein Volk für sich, vermöge ihrer Abstammung, ihrer Geschichte, ihres Denkens und Empfindens", besteht schon seit Jahren in Prag der Verein jüdischer Hochschüler „Bar Kochba". der es sich zur Aufgabe gemacht hatr alle jüdischen Studenten, gleichviel welcher Muttersprache, in seiner Mitte zu vereinen. Man wird versuchen, Euch durch materielle Vortheile Eurem Volke abwendig zu machen, Euch durch schöne Versprechungen für irgendeine Partei zu ködern. Jüdische Abiturienten! Wahret Eure Ehre, zeiget, dass Ihr selbst- und ehrbewusst für Euer Volk zu kämpfen gewillt seid! Der Verein jüdischer Hochschüler „Bar Kocha* bietet Euch Gelegenheit, Euer Wissen durch eine wohlausgestaltete Bibliothek, durch Zeitschriften und Journale auf allen Gebieten zu bereichern, Kunst, Musik, Rhetorik, literarische Bestrebungen^ alles wird bei uns gepflegt, und so klein wir noch sind, wir haben es doch schon zu einem Unterstützungsfonds für unbemittelte Collegen gebracht; auch Zuweisung von Lectionen ist uns möglich, da viele unserer Freunde sich bei Besetzung von Hauslehrerposten an uns wenden. Brüder! Ueberleget und besprechet den Inhalt dieses Aufrufes; nicht Phrasen sind es, nicht leere Worte, sondern treue Worte aus Freundesmund^ Wäget sie — und waget es dann, mit uns zu gehen. Und wenn Euch die Wahl Eurer' Studienstadt freisteht, so laden wir Euch ein, zu uns nach Prag zu kommen. An regem geistigen Leben soll es Euch nicht fehlen, und hier ist auch ein Boden für judendliche Begeisterung und jüdischen Opfermuth. Anmeldungen nimmt entgegen und nähere Auskünfte er th eilt Für den Ausschuss des Vereines jüdischer Ho ch schule r „Bar Kochba" in Prag, Wenzelsplatz 22: stud. mech. H. Kleiner MUC. Alfred Löwy dz. Schriftführer. dz. Obmann. Klagehaine. Fern an Babels weiten Wassern Ragt ein Piain von Trauerweiden; Leise durch's Geäste säuselt Kosend sonnesatter Südwind. Und das Laub errauscht im Winde, Seufzend biegen sich die Aeste, Dass es klingt, wie jene alte, Bitt're, wehmuthsvolle Klage. Von des Stromes Well' genetzet, Träufeln leise manche Blätter, Als vergössen sie die Thränen Jener wehmuthsvollen Klage. Ja, an diesen Strömen klagte Einst das Volk, das auserwählte, Klagte um die ferne Heimat. Um die alte heil'ge Stätte. Sieh', erhört hat Gott, der Herr, Jene wehmuthsvolle Klage, Hat sein Volk zurückgeführt Nach dem trauten Ahnenlande. Doch wo einst herniedei fielen Jener Klage bitt're Thränen, Spross aus feuchter Ufer erde Auf ein Hain von Trauerweiden. Tes chen. Max Kleinberg.