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Die Welt · 1901-05-31 · 22 (31.5.1901) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
22 (31.5.1901)
Article
Delegiertentag der zionistischen Handelsangestellten Österreichs
Date
1901-05-31
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4 Die # Welt" Nr. 22 werden. Die Agitation sei durch Herausgabe von Agitationsbroschüren technisch zu vervollkommnen. Die Brünner „Jüdische Volksstimme", welche die Interessen des jüdischen Proletariats aufs eifrigste verficht, müsse von den Organisationen und von den Parteigenossen mehr unterstützt werden, als es bisher geschehen ist. Die Anträge des Referenten, „Die Brünner „Jüdische VollcsstimmeK sei zum Verbandsorgau zu erklären", ferner „Es sei im Principe der Vorschlag zu genehmigen, eine Genossenschaft zur Financierung und Consolidierung der „Jüdischen Volksstimme" zu gründen", werden angenommen. Herr H i c k 1 berichtet als Vertreter der Administration der „Jüdischen Volksstimme" über die erfreuliche Zunahme der Abonnenten und fordert die Anwesenden auf, für die weitere Verbreitung und für Inserate zu agitieren. In einem vortrefflichen Referate über Stellen Vermittlung gliedert Herr O berni k (Smichov) die Vermittler in drei Kategorien, nämlich iu die gewerbsmässigen Vermittler, die Vereine und andere Corporationen, sowie die staatliche Vermittlung. Die Angestellten werden durch die privaten \ ermittler ausgebeutet. Die Concessionierung der Vermittlungsbureaux durch die Behörde, die eine Besserung zu versprechen schien, habe auch mancherlei Unwesen zutage gefördert, indem die Concessionen verpachtet und verkautt wurden, was die Auswucherung noch steigern musste. Der staatliche Arbeitsnachweis sei wegen der Uebersicht über den Arbeitsmarkt, die er biete, sehr wertvoll, fülle aber seine Function nur bei unqualificierten Arbeitern aus. Qualificierte Arbeiter, wie die Handelsangesteilten, die individuelle Ansprüche stellen, verlangen eine Sortierung der Arbeitsgelegenheiten nach ihren Ansprüchen. Nur selbstgeschaffene Vermittlungen, wie es die der Vereine sind, könnten solches leisten, und auch nur sie könnten die Angesteilten vor der Ausbeutung durch die Vermittlungsbureaux schützen. Nach einer lebhaften Debatte, an der sich die Herren S c h a p i r a, Gross, Morgenste r n und H i c k 1 beteiligen und in 'der die Bedeutung der Inserierung der offenen Stellen auch zur Sprache kommt, wird der Antrag H i c k 1: „Es werde das Executiv-Comite b ea u f t r a g t, e i n Cent ral-Co mite für Stellenvermittlung mit Filialen in den Orten der Monarchie zu bilden" angenommen. In einem längeren Referate fordert Herr Weissberge rdie Gründungeines Conditionslosen-Unterstützungsfonds und legt hierüber einen tief ins Detail gehenden Entwurf vor. Referent misst der Conditionslosen-Unterstützung namentlich die Bedeutung bei, dass sie dem Hinabsinken ins Lumpenproletariat vorbeuge. Besonders bemerkenswert erscheint der Vorschlag, mit den Toynbee-Halle-Comites ins Einvernehmen zu treten, um ihre Räumlichkeiten die ja den grössten Theil des Tages unbenützt stehen, als Conditionslosen-Heim verwenden zu könnei]. Nach längerer Debatte wird die Executive beauftragt, einen definitiven Entwurf zur Veröffentlichung und Disctission bis zum 1. September auszuarbeiten. Herr A b e 1 e s (Brünn) bespricht noch die Bedeutung der Organisation der Frauen. Eine solche wäre von gleicher Wichtigkeit, wie die der jugendlichen Arbeiter. Sie habe der Frau Classenbewusstsein beizubringen, um sich vor übermässiger Ausbeutung zu schützen und gegenüber ihren männlichen Coliegen dadurch auf eine Abschwächung der Lohn drückerei einzuwirken. Nach diesem Referate wurde der Parteitag, dessen Arbeitsleistung und dessen würdiger Verlauf rühmend hervorzuheben ist, unter dem Beifalle aller Anwesenden geschlossen und als Ort des nächstjährigen Handelsangestelltentages Brünn bestimmt. Zionistisches von Samuel David Luzzatto. In dem jüngsten (April-) Hefte der hebräischen literarisch-wissenschaftlichen Monatsschrift „Haschiloah" citiert Josef Klausner' einige Stellen aus den hebräischen und italienischen Briefen L u z z a 11 o s, die speciell für uns Zionistcn vorn höchsten Interesse sind. So schreibt Luzzatto an Jost im Jahre 1840: „ . . . Und wann endlich, Ihr jüdischen Gelehrten Deutschlands, wird Euch der Herr die Augen öffnen? Wie lange noch "wollt ihr nicht einsehen, wie verkehrt Ihr handelt, indem Ihr der Menge nachlaufet, den Nationalstolz erlöschen, die Sprache unserer Väter der Vergessenheit anheimfallen und den Atticismus in unserer Mitte täglich anwachsen lasset? So lange Ihre Eure Brüder in dem Wahne werdet beharren lassen, dass das Ideal der Vollkommenheit nichts anderes ist als die Assimilation an ihre Nachbarn und das Ansehen, das man bei ihnen gewinnt; so lange Ihr nicht Selbstbewusstsein genug werdet erlangt haben, um voll Eifer für Gott, für die Wahrheit und für die jüdische Brüderlichkeit das Volk zu lehren, dass das höchste Gut nicht etwas Sichtbares ist, sondern das, was tief im Herzen empfunden wird, dass das Glück unserer Nation nicht von der Emancipation abhängt, sondern von unserer Liebe zueinander, von unserem Z u s am m ens ch 1 u s s in einen brüderlichen Verband, und d a s s d i e s e s Zusammengehörigkeitsgefühl infolge der Emancipation allmählich schwindet; so lange Ihr behauptet, dass Frankreich, Belgien und Holland paradiesische Länder für die Juden sind: wird sich nothwendig an Euch der Ausspruch des Propheten Maleachi erfüllen : »Und ich mache Euch verächtlich und gering in den Augen des Volkes, in dem Masse, als Ihr meine \Vege nicht hütet und das Gesetz parteiisch handhabt." In einem Briefe vom Jahre 1855 schreibt Luzzatto an einen seiner Schaler: „Dein hebräisches Schreiben diente mir zu wahrer Freude . . . Heil Dir, dass Du Dich gewöhnen willst, hebräisch zu schreiben und zu sprechen. Denn die Sprache unserer Väter ist das Band, das die in allen Weltenden zerstreuten Söhne des jüdischen Volkes aneinanderschliesst, und sie ist es auch, die alle Geschlechter miteinander verbindet und uns unseren Altvordern nahebringt, ebenso wie den Geschlechtern, die nach uns kommen werden/4 Ein anderesmal äussert sich Luzzatto über den Missionsdusel: „Dies sind wohl Worte, die sich angenehm ins Ohr schmeicheln; thatsächlich aber sind es nur leere Redensarten. Die Bibel ist schon viele Menschenalter unter den Völkern verbreitet, und sie gewinnt an Verbreitung von Tag zu Tag, ohne dass die Juden daran mithelfen. Wenn nun die Verbreitung der Bibel innerhalb eines Zeitraumes von 1800 Jahren die Menschheit nicht zur Vollkommenheit geführt hat, was können die Juden dazu beitragen, zumal die, die an die Göttlichkeit der Thora nicht glauben?" „Aber abgesehen davon, dass es, wie ich ausgeführt habe, ein Wahn ist, zu glauben, der Bestand des Judenthums habe den einzigen Zweck, dass die Menschheit der Vervollkommnung entgegengeführt werde, wie der Verfasser (Philippsohn) und dessen Genossen behaupten, ist es auch ein leerer Wahn, dass die Menschheit jemals diejenige Vollkommenheit erreichen wird, die der Verfasser in seiner Schrift schildert. Diese Schilderung kann niemals wahr werden, ohne dass Gott die Natur des Menschen von Grund aus änderte, so dass der Mensch nicht mehr Mensch wäre. Das aber wäre kein Fortschritt, sondern einfach eine wesentliche Aenderung der menschlichen Natur.u Als Luzzatto im Jahre 1854 erfuhr, dass Albert Cohe n aus Paris nach Palästina reise, um die Lage der dortigen Juden durch den Augenschein kennen zu lernen, schrieb er ihm u. a.: „Bloss Leute ohne Ueberlegung können beantragen, dass man jüdische Kinder aus Asien nach den europäischen Grossstädten bringe, um sie dort zu erziehen und auf diese Weise unter unseren Brüdern in Asien unsere Cultur zu

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