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Die Welt · 1901-05-31 · 22 (31.5.1901) · p. 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
22 (31.5.1901)
Article
Der Zionismus in Brasilien
Date
1901-05-31
Page
3 (sequence 2)
Language
German
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Nr." ¥l „Die # Welt" Seite 3 Die Namen der Spender lassen erkennen, dass wohl alle von ihnen rein porl ugiesischen Ursprunges sind. Amazonas ist der westlichste Staat Brasiliens, der, dem Aequator am nächsten gelegen, vom Atlantischen Ocean am weitesten entfernt, von der Gesittung am wenigsten berührt ist. Es ist der Staat der unerforschten Urwälder, der fast nur von unbekannten Indianer-^ Stämmen bewohnt ist und nur in den kleinen Städten eine wenig zahlreiche weisse Bevölkerung hat. Die meisten Gebiete dieses Staates sind noch nie; vom Fusse eines Weissen betreten worden, wäre denn von dem — eines Juden, der über seine Reisen und Erfahrungen nichts veröffentlicht. Die Juden von Manicore sind offenbar in guten Verhältnissen. Die verhältnismässige Höhe ihrer Spenden, und die Thatsache, dass ihr Wohlthätigkeitsverein für einen ihnen nothwendig völlig schleierhaften Zweck 25 Francs übrig hal, beweisen dies deutlich. Sie sind wahrscheinlich ohne Zusammenhang mit dem allgemeinen Judenthum, eine in die Hinterwälder versprengte, von portugiesischen Katholiken und Indianern umgebene, vereinzelte Gruppe. Sie wissen nichts Genaues vom Zionismus und halten ihn für das Programm eines Privatvereines, der sich irgendwo in Europa gebildet hat und für seine Zwecke Geld sammelt. Anscheinend haben sie in einer brasilianischen Zeitung eine kurze und ungenaue Notiz über den Zionismus gelesen. Nun denn: es genügte, dass die dunkle Kunde vom Zionismus sie erreiche, um diese Juden, die in Amazonas sich „die hebräische Colonie" nennen, die vollzählig Purim feiern, die ihren Brief vom Nisan 5661 datieren, zu heller Begeisterung zu entflammen und sie zu bestimmen, 150 Francs für einen Zweck beizusteuern, von dem sie nur ganz unbestimmt und allgemein wissen, dass er dem jüdischen Volke heilsam sein soll. Solche Thatsachen sind geeignet, den Zionistcn mit neuer Zuversicht zu erfüllen, wenn er angesichts der eisigen Kälte und auf keinen Sporn mehr reagierenden Stumpfheit vieler europäischer Juden, gerade der gebildeten und wohlhabenden, mitunter beinahe verzagen möchte. - Den Assimilanten, die das Vorhandensein eines jüdischen Volkes, eines jüdischen Zusammengehörigkeitsgefühles, einer jüdischen Hoffnung leugnen, antwortet die Stimme aus den Urwäldern von Amazonas . . . Delegiertentag der zionistischen Handelsangestellten Oesterreichs. Am S>4. und 2o. Mai hat in Prag der Delegiertentag der jüdischen Handelsangestellten und Arbeiter Oesterreichs unter der Betheiligung von ungefähr 60 Delegierten, Handelsangestellten und Arbeitern aus Prag. Brünn, Wien, Olmütz, fcrossnitz, Lemberg, Gablonz, Reichenberg, Eger, Pilsen, Innsbruck und anderen Oiten, stattgefunden* Nach Begrüssung der Versammlung seitens der Herren Hickl und Jelinek und Verlesung des Rechenschaftsberichtes durch Herrn T i n t n e r erhielt Herr Gross das Wort zum Referate über die „L age des jüdischen P r o 1 e t a r i a ts" und schildert dessen Elend als ein durch den antisemitischen Boycott potenziertes. Ries er (Lemberg) weist auf die unerhörte Ausbeutung hin, der die Angestellten in Galizien unterliegen. Es sei vor allem die Sehmutzconcurrenz zu bekämpfen, die in der Pialdikantenwirtschaft liege. Die Lehrzeit dert Praktikanten pflrgt nnmassig lang zu sein, dabei zieht man schon zehnjährige Knaben zu harter Arbeit heran. Die Angestellten seien zu organisieren, damit ihrerseits etwas zur 5 Abhilfe gethan werde. Nach einer Debatte, an der sich die Referenten und Herr H i c k 1 betheiligten, beantragt Herr A b e le s (Brünn) die Annahme einer Resolution: Es seien nur jene Gegenwartsarbeiten durchzuführen, welche mit den Prämissen des politischen Zionismus vereinbar seien, da ja nur dieser eine radicale Abhilfe für die Noth der Juden ermögliche. Nach Annahme der Resolution ergreift Herr Leder er (Wien) das Wort zum Punkte „Programm". Redner glaubt, von einer Wiederholung des Programmes absehen zu dürfen, und erklärt in einer Auseinandersetzung mit dem Programm der jüdischen Volkspartei, dass die Zionisten es seien, die vor allen anderen Anspruch auf den Titel Realpolitiker hätten, da ihre Forderungen in der thatsächlichen Lage der Juden begründet seien. Sie wüssten, dass unsere Gegenwartsarbeiten nur Nothstandsactionen sind. Das nationale Gefühl und die nationalen Arbeiten der Volkspartei seien nur Reactionen gegen den Antisemitismus von heute. Verschwände dieser heute, so folgten ihm jene nach. Betreffend der die Bildungsvereine führt Herr Schapira (Prag) in einem längeren Referate aus, dass es ihre Aufgabe sei, das Bildungsniveau der Handelsangestellten zu erhöhen und sie von der herrschenden Oberflächlichkeit abzubringen. In der darauf folgenden lebhaften Debatte, in der es zur Sprache kommt, dass es sich mehr um Bildungssectionen als um reine Bildungsvereine handeln könne, wird insbesondere darauf verwiesen, dass die Vereinsmitglieder auch zur Benützung öffentlicher Bibliotheken ausser den Vereinsbibliotheken und zur Anhörung de]' volkstümlichen Universitätscurse, wo solche bestehen, anzuhalten seien. Das Referat über „Organisation und Agitation" hielt Herr L a u f e r (Wien). Er bezeichnet es als die Aufgabe der Agitation, die gesammte Judenschaft in die Bewegung zu ziehen, um den Volkswillen zum Ausdrucke zu bringen un.l die Machtfülle der Bewegung zu stärken, und als Z veck der Organisation: die Vertretung des Vollcswillens in nationalen Institutionen. Das Auftreten der Agitation solle solcher Art sein, dass jedermann die Bethätigung innerhalb der Bewegung ermöglicht sei. Als das nächste Ziel in der Organisationsarbeit fordert Referent die Gründung eines Institutes zum Schutze gegen die Arbeitslosigkeit, welches sich in gleicher Weise mit Stellenvermittlung und Unterstützung der Arbeitslosen zu befassen habe. Es sei dies auch der Gegenstand der Agitation gegenüber denjenigen, die nur für Positives zu interessieren seien, bei denen man mehr für die Einleitung der Organisation, als für ihren Abschluss agitieren müsse. Bei der Agitation gegenüber Socialdemokraten sei vor allem die psychologisch-revolutionäre Weltanschauung vom Socialismus zu bekämpfen und der Zionismus als eine Lebensanschauung darzustellen, Anschauung vom Zionismus als ethischem Ideal, welches sociale Anschauungen organisch und untrennbar in sich birgt. Herr Ba ss (Brünn) fordert die weitere Ausbildung der Organisation der jugendlichen Arbeiter und Praktikanten, da dieselben aufzuklären seien, wie sie sich zu benehmen hätten, um sich vor übermässiger Ausbeutung zu schützen. Ueber Ai trag des Herrn Weissberger w ird beschlossen, es seien in allen Städten Versammlungen zugunsten und mit der Tagesordnung „Stellenvermittlung und Conditionslosen-Unterstützung" abzuhalten. ' Als nächster Referent behandelt Herr Robert S tri cker die Presse als unser wichtigstes Agitationsmitteh Das gesprochene Wort habe nur eine flüchtige Wirkung, eine andauernde könne nur durch das geschriebene Wort erzielt

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