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Die Welt · 1901-05-23 · 21 (23.5.1901) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
21 (23.5.1901)
Article
Allgemeiner jüdischer Arbeiterverein in Wien
Date
1901-05-23
Page
8 (sequence 1)
Language
German
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Seite 8 „Die & Welt" Nr. 21 ^>i*ibüt)e. Allgemeiner Jüdischer Arbeiterverein in Wien Samstag den 25. Mai d. J. ,/3-) Uhr abends findet im k. k. Prater (Restaurant „zum schwarzen Bären" Nr. 10) das von unserem Vereine veranstaltete Schewuoth-Fest statt. Da hervorragende Kunstkräfte, unter anderem eine jüdische Musikkapelle, der jüdische Gesangverein „Zion" in Fünfhaus etc. etc., mitwirken werden, so ist ein zahlreicher Besuch zu erhoffen. Nach Schluss der Vorträge Tanzkränzchen. Das Reinerträgnis ist den nothleidenden jüdischen Arbeiterfamilien in Palästina gewidmet. Es ist Pflicht aller Gesinnungsgenossen, Samstagabends zu diesem Feste zu erscheinen. Entree per Person an der Casse 1 Kr. Familienkarte (für 4 Personen) 3 Kr. Mit treuem Zionsgrusse Das Fest-Comite. * Geehrter Herr Redacteur! Seit 10 Jahren besteht hier eine geordnete jüdische Gemeinde, und da der Zuzug von Glaubensgenossen recht rege ist, sind unsere bisherigen Räumlichkeiten sowohl für den Gottesdienst als auch für den Unterricht zu enge. Da unsere Mittel allein nicht ausreichen, um ein würdiges Gotteshaus zu errichten, erlaubt sich das unterzeichnete Comite im Vereine mit der Repräsentantschaft von „Det Mosaiske Troessamfund" (die mosaische Glaubensgenossenschaft) in Christiania mit der Bitte hervorzutreten, man möge Beiträge zum Baue einer Synagoge (die erste in Norwegen), spenden. Man bittet, diesem Gesuche möglichst weite Verbreitung angedeihen zu lassen. Christiana, im Mal 1901. Für die Repräsentantschaffc Für das Bau-Comite John NathaD, Louis Müller, Vorsteher, * Aufruf! Pinsk, 17. Mai 1901. Geehrte Redaction! Am 14. Mai ist ein grosser Theil von Pinsk abgebrannt. Es sind über 200 Häuser, mehrere kleine Fabriken und viele Warenlager vollständig vom Feuer vernichtet. Der ganze Schaden beträgt über eine Million Rubel, wovon etwa ein Vierteltheil versichert ist. Viele hunderte jüdischer Familien sind dem Hungertode ausgesetzt! Ich bitte die Redaction, eine Sammlung von Spenden eröffnen zu wollen. Das Hauptunglück ist, dass einige Fabriken (Tabak-, Cigarettenhülsen- und andere Fabriken) vernichtet worden sind, so dass viele jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen brotlos sind! Wie Ihnen wohl bekannt, ist Pinsk die grösste jüdische Arbeiterstadt in ganz Europa, und ist die Arbeiterschaft fast ausnahmslos zionistisch. Es sind etwa 700—800 Familien abgebrannt, wovon nur 7 Nichtjuden! Hochachtungsvoll Grägoire Lourie\ * Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redacteur! Eine grässliche Feuersbrunst suchte die Stadt Brest-' Litowsk am Sonnabend den 11. Mai heim. Während im Jahre 1895 der von Handwerkern und Arbeitern bewohnte Stadttheil einer Brandkatastrophe zum Opfer fiel und die bemittelte Classe, die Geschäftsleute, die Arbeitgeber, ungeschädigt blieben, vernichtete und zerstörte die Feuersbrunst diesmal alles, was den Wohlstand der Stadt Brest bildete. Brest ist eine Ruine geworden! Alles liegt in Trümmern! Zehn Millionen Rubel jüdischen Vermögens verschlangen die Flammen. Herzzerreissen de Scenen spielen sich auf den verödeten Strassen ab. Im ersten Momente musste dem Mangel an Nahrungsmitteln abgeholfen werden, und die erste Hilfe leisteten die Nachbarstädte, besonders Warschau, von wo aus, dank den Bemühungen der Redaction der „Hazefira" und der Herren Schereschewski und Dr. Bi ch o w s ki, schon am Samstag abends ein grösseres Quantum diverser, Lebensmittel nach Brest geschickt würde. Im''gahzen russischen Reiche werden Sammlungen veranstaltet; aber auch an unsere Stammesgenossen in auswärtigen Ländern richtet die verunglückte Bevölkerung Brests die flehentliche Bitte: Uebet Erbarmen und leistet Hilfe den armen Verunglückten! *) Br est-Lito wsk, 15. Mai 1901. S. Kar—ski. ^eitecMftet)* ntyd J§ucbei** Rundschau. Bücher-Einlauf. :VtPia nnin ,rv-i:ny np^ni^bz** b & omn /wan "os. ijw tiöd /ita^n ^b* tb*m ♦(rr^p—ybp pna tb'vzn ♦ü^nn *r3j&i $*fcb ,rm&cb *vnn vi? aroa ♦rfbwn ♦twin -pk ♦rmaöM tok iyy\yn ♦,t,rpK,,riK'' rnan „Die Rechtsverhältnisse der Juden in den deutsch - österreichischen Ländern. Mit ei neiv Einleitung über die Principien der Judengesetzgebung in Europa während des Mittelalters. Von Dr. J. E Scherer. Leipzig, Verlag von Duncker und Humboldt. ♦K"onn •wikii 4j7n«3D^K-Dömj?b,,nv ♦jytsä'nrc : p v (J. L. Perez: Schriften. Jubiläumsausgabe. Warschau 190K) Licht und Wahrheit über jesus Christus. Eine Offenbarung über die Unterschiebung des Neuen Testaments und der Kirchen geschiente durch die Schriftgelehrten des Talmud, verfasst von Michael Wladeni Sinowitz. I Theil. Preis Fr. 3. Zürich, Commissions-Verlag von Caesar Schmidt. 1901. Die Wiener Wochenschrift „Die Wage" bringt in ihrem 21. Hefte unter dem Titel „Jesus und die Juden?4 ein Bruchstück aus dem demnächst erscheinenden III. Bande (II. Hälfte) der „Culturgeschichte der Neuzeit" von Kurt B r e y s i g, Professor in Berlin. Wir entnehmen demselben die nachstehenden Ausführungen: „Ueber die allgemeinen, die menscheitsgeschichtlichen Zusammenhänge fort fliegt der suchende Blick dem nationalen Ursprung der ganzen Bewegung zuu Kein Zweifel, demokratischer und socialistischer Gleichheitssin wäre den germanisch-romanischen Völkern auch gekommen ohne alle Anregung durch das Christenthum, sobald nur in der Stufenfolge der Entwicklung seine Stunde gpschlägen hätte. Aber die thatsächliche Verkettung des geschichtlichen Verlaufes weist doch auf die Ursache zurück, und vollends undenkbar ist, dass die Nationen des europäischen Nordens je selbständig eine Religion ausgebildet hätten, die dem Chrisfcenthum auch nur von fern ähnlich gesehen hätte. Es handelt sich vielmehr um eine von aussen herkommende Uebertragung, um eine der Thatsachen, die den Entwicklungshistoriker sehr laut an die Möglichkeit einer vollkommenen Durchkreuzung und Abbiegung ursprünglich gerader und stetiger Linien im Bilde der Weltgeschichte erinnern. Hier hat in der Thafc der Orient zuerst auf die südeuropäische, griechisch-römische, dann auf die nordisch-germanische Entwicklung auf das bestimmteste eingewirkt. Und der Ausgangspunkt und Träger dieser im höchsten Sinne universalhistorischen Bewegung war ein kleines Volk, das> yon politischer und umso zäherer geistiger Kraft, längst schon um seine staatliche Unabhängigkeit gekommen war, das aber in jahrhundertelangem Sinnen und Grübeln eine ureigenthümliche Religion zustande gebracht hatte und das nun in einer unerhörten Kraftanspannung durch eine einzige Persönlichkeit zu dem Range der Nationen aufschwang, die die Geschichte der Menschheit bestimmen. Das Christenthum ist aus dem Geiste des jüdischen Volkes heraus geboren, ist sein Erzeugnis, seine grösste Leistung. Jesus ist so ganz erfüllt gewesen Von den letzten und tiefsten Gedanken seines Volkes, dass er uns Nachgeborenen erscheint wie der fleischgewordene Genius des Judenthums. Alles, aber auch alles, was den Christenglauben hinaushebt über die anderen Religionen, ist jüdischen Ursprungs: so vor allem anderen die unerhörte Inbrunst der Gottesverehrung und die Schöpfung des persönlichen Einen Gottes. Beides war jahrhundertealter Besitz der jüdischen Nationalreligion und Jesus hat a© ihm nichts geändert, nichts dazu gethan, noch etwas davon; entfremdet. Nicht Griechen, nicht Römer, nicht Germanen habenüije u±—■ •-?>!— . ...i ,r *) Geldspenden für die Abgebrannten nimmt die, Redaction der „Welt" entgegen,

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