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Die Welt · 1901-05-23 · 21 (23.5.1901) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
21 (23.5.1901)
Article
Telegraphische Correspondenz aus Constantinopel
Date
1901-05-23
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Redaction und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden. Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., ifürkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaction: Montag, Mittwoch und Freitag von 3—4 Uhr. Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 20 Heller. Der Inseratenteil wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 12 Kronen, halbjährig 6 Kronen. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährfg 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Rulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doli. 40 Ct. Nr. 21. Wien, 23. Mal 1901. 5. Jahrgang Telegraphische Correspondenz aus Constantinopel. Von unserem Berichterstatter in Constantinopel erhalten wir nachstehende tele graphische Correspondenz: Constantinopel, 22. Mai 1901. Zu Beginn der vorigen Woche verbreitete sich unter den Juden Constantinopels^ die Kunde, dass Herr Dr. Theodor Herz 1, begleitet von dem Mitgliede des zionistischen Äctions-Comites Architekten Oscar Marmorek und dem Director der „Jüdischen Colonialbank" D. Wolffsohn, in Constantinopel eingetroffen sei. Mit Spannung erwarteten wir die Ereignisse, die bevorzustehen schienen, da wir uns doch leicht vorstellen konnten, dass diese Herren nicht ohne besondere Veranlassung in Constantinopel sein dürften. Am Freitag den 17. erfuhren wir denn zu unserer grossen Genugthuung und Freude, dass Herr Dr. Herzl dem Selamlik (das ist die feierliche Auffahrt des Sultans zum Freitag-Gottesdienst) in dem für die kaiserlichen Gäste reservierten Pavillon beigewohnt hat, dass nach dem Selamlik ein kaiserlicher Adjutant Herrn Dr. Herzl ins Palais bitten Hess, wo derselbe von Sr. Majestät dem Sultan in einer Audienz von der ungewöhnlichen Dauer von 2V4 Stunden empfangen wurde und darnach von Sr. Majestät den Gros s- C o r d p n des Medjidie-Ordens, eine der höchsten Auszeichnungen, die der türkische Monarch zu vergeben hat-, erhielt. Alle Juden Constantinopels fühlten sich mit hochgeehrt durch die Auszeichnung, die Herrn Dr. Herzl zutheil geworden war, und dichtgedrängt war daher am Freitag-Abend die deutsch-österreichische Synagoge in Galata, wohin die Herren Dr. Herzl, Architekt Marmorek und D. Wolf fs o hn zum Gottesdienste zu kommen versprochen hatten. Am Eingange des schmucken, neuerbauten Tempels erwartete der gesammte Vorstand mit dem Präsidenten an der Spitze die Gäste, nach deren Ankunft der weihevolle Gottesdienst nach altjüdischer Weise begann. Am nächsten Morgen wurde Herr Dr. Herzl in den Yildiz-Kiosk berufen, wo er von yall Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags verblieb. Für Montag war die. Abreise der Herren mit dem Örient-Expresszug festgesetzt. Sie musste jedoch verschoben werden, da die Herren Dr. Herzl und Wolffsohn, welche sich um 9 Uhr vormittags ins Palais begeben hatten, bis 5 Uhr nachmittags daselbst verblieben. Vor seiner Abreise hatte Herr Dr. Herzl ein neues Zeichen kaiserlichen Wohlwollens in Form einer prachtvollen Brillantnadel erhalten. Dienstag früh verliessen die Herren mit dem Schiffe nach Conslanza Consfantinopel. Wir Juden von Constantinopel und wohl die Juden der ganzen Welt sehen mit grosser Erwartung den Resultaten dieses denkwürdigen Besuches entgegen" Wir haben zunächst den Wunsch und die Hoffnung, die lieben Gäste bald wiederzusehen. X S.

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