Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 20 (17.5.1901)
- Article
- Wien
- Date
- 1901-05-17
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 „Die x£VWeft" Nr. 20 keit, dass nur solche sich dem Zionsvereinc anschltessen mögen, welche voll und ganz auf dem Boden des Baseler Programmes stehen. Grosse Aufmerksamkeit wurde dem Hauptpunkte der Tagesordnung, dem Referate über den Olmützer Parteitag, entgegengebracht. Herr Dr. Kren» b e r g e r sprach über die österreichische Organisation. Er wies auf das Gegenwartpprogramm der Zionisten hin, namentlich auf die gründlichen Vorarbeiten, di<* der Parteitag zur wirtschaftlichen, geistigen und körperlichen Hebung der Juden erledigte. Lebhafter Beifall lohnte die trefflichen Ausführungen des Redners und die daran schließende Discussion, in welcher Herr Huss, Dr. Piekarski, Dr. K a d i s c h und Dr. F i s c h 1 das Wort nahmen, gestaltete den Vereinsabend zu einem sehr anregenden. Um l/212 Uhr nachts schloss die sehr zahlreich besuchte Versammlung. Wien. Im Vereine jüdischer Mädchen „H a d a s s a" winde Samstag den 11. d. M. ein Discussionsabend veranstaltet, bei welchem Frau Dr. Olga Kadiscli über das Thema : „Die Pflichten der modernen jüdischen F r a u" sprach Die Referentin verstand es in ausgezeichneter Weise, das Interesse der Zuhörerinnen zu erwecken. Drei Punkte waren es, auf welche sie das Hauptgewicht legte. Die erste Pflicht der jüdischen 'Frau sei, ihr Selhstbewusstsein zu heben. Das werde häufig genug gesagt, könne aber nicht oft genug betont werden. Denn nur, wenn sie es mit Stolz empfindet, Jüdin zu sein, wenn ihre Seel^ von diesem Stolze durchdrungen ist, nur dann könne die jüdische Frau damit beginnen, für das Judenthum, für den Zionismus zu wirken. Von der alierwichtigsten Bedeutung sei ferner die Kindererziehung. Das sei ein reiches Arbeitsfeld, auf dem die Frau vermöge ihrer Eigerschaften als Frau und Mutter gewiss die besten Erfolge erzielen könne. Bezüglich der Gebiete, auf welchen sich die Frau in socialer Hinsicht bethätigen könne, entspann sich eine lebhafte Discussion, in deren Verlaufe verschiedene Anregungen geboten wurden. Zum Schlüsse des Abends, der sich, Dank der geistvollen Ausführungen der Flau Dr. Kadisch zu einem sehr interessanten gestaltete, wurde die Resolution gefasst, einen engeren Zusammenschluss der Wiener Fr auen-undMädchenvereineherbeizu führen, um so in vereintem Vorgehen erfolgreicher für unsere Idee arbeiten zu können. J. S. Wien. Die Verbindung „Ivria" theilt mit, dass sie ihren i. a. Burschen Benno Schallinger anlässlich seiner Promotion zum Doctor der gesammten Heilkunde zum Alten Herrn ernannt hat, Brünn. Der Leseverein jüdischer Mädchen „Jehudith" hielt am 6. Mai eine Versammlung ab, in welcher Herr Ingenieur Rudolf Z e i s e 1 über Judenemancipation sprach. Anknüpfend an die Ausführungen Max Nordaus bewies Herr Zeisel in glänzender Weise die materialistische Auffassung der politischen Gleichberechtigung seitens der Juden, woraus sich logischerweise die Gefährlichkeit der Emancipation ergeben musste, insolange die Völker, in deren Mitte die Juden leben, deren politische Gleichberechtigung derselben nicht als Notwendigkeit empfinden und fordern. Die anwesenden Damen folgten dorn Vortrage und der anschliessenden Discussion mit rogvm Interesse, das hoffentlich auch für die kommenden Vorträge erhalten bleiben wird. Prag. Der „Jüdische Volksverein" hielt am 9. d. M. einen Vortragsabend ab. MDr. M. Kohn, Actions-Comitemitglied, trug in meisterhafter Rede die Geschichte der letzten Verbannung der Juden aus Prag und Böhmen (1744—1747) vor. Auf eine Fülle historischer Documente gestützt, erzählte er von den Drangsalen unserer unglücklichen Vorfahren. Der glänzende \ ortrag übte eine tiefe Wirkung auf alle Zuhörer, die Herrn Dr. Kohn durch reichen Beifall dankten. Prag. Am 2. d. M. hielt der „Jüdische Frauen verein" seinen Vereinsabend statt. Nachdem die Präsidentin Frau Sophie Roubitschek die zahlreiche Versammlung begrüsst hatte, hielt Frau Mirsky-Tauber einen formvollendeten Vortrag, betitelt ,,Skizzen aus Rumänien". Die Vortragende, die eine Reihe von Jahren in Rumänien verlebt hatte, schilderte in lebendiger und geistvoller Weise Land und Leute, wies nach, wie der Jude sich stets durch Nüchternheit, Fleiss und Ausdauer in der Arbeit hervor gethan, wie das jüdische Proletariat moralisch stets höher als das seines Wirtsvolkes stand; wie namentlich die jüdische Frau, ihre ererbten jüdischen Tugenden treu bewahrend, immer bemüht war, nur die besseren Eigenschaften ihrer lumänischen Schwestern anzunehmen. Mit anerkennenden Worten gedachte sie eines sehr wichtigen Volksbildungsmittels, des Jargon-Theaters, ebenso der Bestrebungen, die hebräische Sprache zum Gemeingute der Gebildeten zu machen. Am Schlüsse der hochinteressanten Ausführungen sprach die Vortragende den tiefempfundenen Wünsch aus, es möge endlich die Hoffnung so vieler braver, tüchtiger, aber von den härtesten Schicksalsschlägen heimgesuchter Juden der Erfüllung entgegengehen. Reichlicher Beifall lohnte den trefflichen Vortrag S. R. Biel tz. (Jüdisch - akademische F e r i a 1 v erbind u n g „E m u n a h\) Die Wahl für das gegenwärtige Semester ergab folgendes Resultat: Präses: stud. jur. Leo Blum, Vicepräses: cand. ing. Moriz Tramer, Schriftführer: stud. phil. Bernhard Geiger, Cassier: stud. ing. Alfred Herschli kiewiez. . Staroje (Gouvernement Poltawa). Auf Veranlassung des Herrn Dr. Samuel J o d i d i wurde am zweiten Passah-Feiertage (den 13. März a. St.) in der hiesigen Synagoge eine Versammlung einberufen, von der der Beschluss einstimmig gefasst wurde, einen zionistischen Verein zu gründen. Die am folgenden Tage wieder einberufene Versammlung beschloss, eine Hilfssparcasse mit zionistischer Tendenz zu gründen. Hannover. Hier ist neben dem Vereine ,,A"hawath Zion" ein Verein „p^ DlS\27 tlHH" (»Dorsche Schulom Zion") von hier wohnenden ausländischen Juden aus Russland und Oesterreich ins Leben gerufen worden. Gewählt wurden folgende Herren: H. Kosten, L Vorsitzender, J. Sehn eil in g, 11. Vorsitzender, Seh. Tannebaum, I. Schriftführer, M. Cohen, IL Schriftführer, I. A r o n, Cassier. Zum Vertrauensmann wurde ernannt Herr Inspector J. Meyer vom „Ahawath Zion". New-York. Wir haben das Vergnügen, mitzutheilen, dass hier ein zionistischer Verein unter dem Namen „B!nai Zion Kadimah" unter der Mithilfe aus Rumänien eingewanderter Zionisten gegründet wurde. In den Ausschuss wurden folgende Herren gewählt: David Segall (Sulina), Präses, Leo Wolfson, Secretär, Jacob W. Zipchis, Member of Council, und Ahr. N a t h a n s o n, Cassier (die letzteren alle Gründer der „Kadimah" aus Galatz). ^MW*^^M**MM*M*N^<^^*M**^^*M^****^^**A*A******^* Aufruf! Als Obmann des Verbandes „Zion" richte ich folgende Bitte an alle Zionisten und Zionistinnen. Mitten in ihrer Arbeit für unser Volk, in der Blüte ihrer Jahre, raffte der. Tod unsere unvergessliclie treue Gesinnungsgenossin Rosa K oll mann hinweg. Noch in den letzten Tagen ihres dem Zionsgedanken geweihten Lebens hat sie auf dem Olmützer Zionistentage mit und tür uns gewirkt. Rosa Kollmann verdienst es, dass ihr Name und Andenken für dauernde Zeiten erhalten werde. Es wurde der Plan angeregt und freudig aufgegriffen, eine Stiftung, die den Namen Rosa Kollmanns trägt, zu errichten, deren Ertrag alljährlich am Todestage Rosa Kollmanns zur Unterstützung armer jüdischer Kinder verwendet werden soll. Jeder Zionist, der von der Ueberzeugung -durchdrungen ist, dass es unsere Ehrenpflicht ist, das Andenken unserer Besten in Treue zu. bewahren, möge zu dieser Stiftung sein Theil beitragen. DiekleinsteLiebesgabe wirdeinBaustein zur Erinnerung an Rnsa Kollmann sein. •Die Redaction der „Welt" und der Unterzeichnete nehmen jedeSpende entgegen. Mit treuem Zionsgrusse Dr. S. Krenberger, Wien, XIII/8, Auhofstras-e 222.