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Die Welt · 1901-05-17 · 20 (17.5.1901) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
20 (17.5.1901)
Article
Aufruf an die zionistische Bevölkerung Wiens!
Date
1901-05-17
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 20 „Die 2** Welt" Seite 9 Valentin, Müllnergasse 1, in der Administration der „Welt" Türkenstrasse 9. Im X. Bezirke: Eestaurant Jacob Oczeret, Keplerplatz 7. Im XIV. Bezirke: Cafe „Rudolfsheim", Mariahilferstrasse 182, Eestaurant Herlinger, Schwendergasse 1. Im XVI. Bezirke: Cafe Jungmann,Ottakringerstrasse 21, Restaurant Müller, Hubergasse 10. Im XX. Bezirke; Cafe Körner. Brigittenauerlände 30, Cafe „Neptun", Mathilden platz 7, Restaurant Kohn, Treustrasse 42. ^eitscbHftet)* uiyd JSäcbei** Rundschau. Bücher-Einlauf. Turkey. Diplomatie and Consular Reports. Trade ofPalestine for the Year 1900. London. Foreign Office, April 1901. Bericht des Curatoriums über die von der Baronin von Hirsch-Gereuth ins Leben gerufene Baronin Clara von Hirsch-Kaiser-Jubiläums-Stiftung für die Zeit vom 1. Sept. 1SÜ9 bis 31. August 1900. Wien 1900. Bericht des Curatoriums der Baron Hirsch-Stiftung für die Zeit vom 1. September 1899 bis 31. August 1900. * Die „Deutsche l^ünst und Decoration" in Darmstadt, eine der vornehmsten deutschen Kunstzeitschriften, schreibt in ihrer Mai-Nummer über das von uns bereits wiederholt gewürdigte Buch „J u d a. Gesänge von Börries Freiherrn von Münchhausen. Buchschmuck von E. M. Lilien" : „Der strebsame Verlag von F. A. Lattmann in Goslar hat sich durch Herausgabe dieses höchst eigenartig und reich ausgestatteten Werkes ein Verdienst erworben. Wir können an dieser Stelle uns nicht auf die zionistisch angehauchten Gedichte des Freiherrn von Münchhausen einlassen, sondern müssen uns auf eine Würdigung der buchgewerblichen Eigenschaften dieses merkwürdigen Buches beschränken. Lilien betont in seiner Auffassung wie in seiner Formensprache das orientalische Element absichtlich. Er will seine Rasse küustlerisch zur Geltung bringen und erreicht dabei in der That eine ganz eigene Note. Er war der rechte Mann, dio zionistischen Gesänge Münchhausens auszustatten. Schon das Wort „Judatf auf dem — übrigens sehr gut gelungenen, vornehmen Umschlage —ist in den Schriftzügen hebräischen Formen genähert. Das Vorsatzpapier zeigt in Reportierung den siebenarmigen Leuchter, überall sind Motive aus dem jüdischen Ritus und der jüdischen Liturgie in ornamentale oder illustrative Motive umgesetzt Daneben erscheinen auch namentlich in den Text-Umrahmungen schöne, kräftige Zierformen floraler Art. Die grossen, ganzseitigen Schwarz-weiss-Blätter rein illustrativen Charakters zeigen — wenn sie auch durchaus nicht alle gleichwertig sind — eine Beherrschung dieser Technik, und sind durch ifyre eigenthürnliehe Anschauungsweise sehr anziehend." * Um vielfach ausgesprochenen Wünschen nachzukommen, hat der Ausschuss des Verbandes der „Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland" sich entschlossen, das Gedenkbuch für Samuel David Luzzatto und den letzten Band des „Jahrbuches für jüdische Geschichte und Literatur pro 1901" allen Rabbinern, Lehrern und Cantoren, die sich direct unter Einsendung des Betrages an Herrn Maximilian Heymann, Berlin, N. W., Roonstrasse 9, wenden, so weit der Vorrath reicht, zu dem ermässigten Preise von 1 Mk. inclusive Porto tzu überlassen. Zwei Sprüche vom Juden-Mai. Im Jüdischen Volkskalender für 5661 hat Doclor Heinrich Loewe zwei deutsche Historien-Lieder aus dem XVI. Jahrhundert herausgegeben, die von einem Wiedereroberungszuge der kaukasischen Juden nach Palästina erzählen. Wer hat sie gelesen? Und doch gehören sie zu den seltsamsten und reizvollsten Documenten der Volksphantasie. Ihre Entstehungsgeschichte ist, wie es bei solchen Bänkelsänger-Liedern nicht anders sein kann, nicht bekannt. Sie könnte dem Völkerpsychologen ein köstlicher, offenbarungsreicher Fund sein. Mehr aber noch dem Zionisten, der die grossen Sympathien Europas ersehnt. So aber, wie die Lieder jetzt dastehen, geschichtslos und nur aus sich selbst verständlich, können sie das Beste nicht dem zionistischen Realpolitiker, wohl aber dem zionistischen Träumer bieten. Für den strahlen aus der phantastischen Naivetät des Ganzen ein paar Versspruche hervor, die in einfachen kargen Worten seine Frühlingssehnsucht wiederspiegeln. Im zweiten Liede wird der Heereszug der jüdischen Stämme mit ihren Waffen, Pferden und Fahnen geschildert. Und auf den Fahnen stehen Sprüche geschrieben, von denen man sich staunend fragt: Wie kamen sie in die Feder des fremden Zeitungsmannes? Denn sie sind stark und uns in Wahrheit eigen. Die von Sebulon und Manasse sind mir heute eingefallen. Auf der einen Fahne in rolhem Golde die Worte: „Ich dürrer Baum zur Stunden — will's Gott, ich grünen will" Auf der anderen Fahne unter dem Bilde eines grauen Mannes die Worte: „Ich hab' noch viel zu erwaiten — Leib und Leben setz' ich daran/ Wie eine schöne Liebkosung kamen mir diese Verse im Mai: als streichelte etwas meine Haare und brächte meine Seele zur Ruhe. Und aus meiner Freude heraus möchte ich heute die alte Frühlingsbotschaft an andere weiterschicken. Zunächst an die Nüchternen und Zweifelsüchtigen. Denen möchte ich sagen: Was taugen Eure weisen Theorien, wenn der Baum grünen will? Wollt Ihr beweisen, dass er's nicht kann? Das Treiben und Knospen allerorten widerlegt Euch. Wollt Ihr ihm vorschreiben, dass er's nicht soll: es würde ihm nicht gut bekommen? Seine junge Kraft lacht Eures klugen Warnens. Ihr redet, er aber wächst. Euch bewegt der Gedanke, ihn aber bewegt das Leben. Ihr kennt nur Voraussetzungen und Schlüsse, das Leben aber kennt Wunder an jedem Orte und in jedem Augenblicke. Ein Wunder ist nichts als Natur, die über Euch hinausgeht. Und wenn der Frühling kommt, wirft er alle Eure Berechnungen über den Haufen. Denn der Frühling, wenn er an diesem Orte und in diesem Augenblicke unerwartet emporblüht, ist das grösste Wunder. Und wie blinde machtlose Thoren steht Ihr da vor diesem jauchzenden Kindesglauben: „Ich dürrer Baum#zur Stunden — will's Gott, ich grünen will." Und an die Halben und an die Seelengeizhälse möchte ich die Botschaft senden. Denen möchte ich sagen: Ihr glaubt — aber was fangt Ihr mit Eurem Glauben an? Habt Ihr Eurem Glauben schon hingegeben, was Ihr habt und seid? Habt Ihr schon um Eures Glaubens willen gelitten und Opfer gebracht? Habt Ihr Euch schon je gesagt: „Was liegt an mir, wenn es nur lebendig wird?" Aber Ihr habt die Sache Eures Glaubens wie einen Bettler behandelt. Ihr habt Euren Sehekel gezahlt und Euren Share gezeichnet und Messet Euch weiter in Eurer satten Laune nicht stören

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