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Die Welt · 1901-05-17 · 20 (17.5.1901) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
20 (17.5.1901)
Article
Delegiertentag deutscher Zionisten
Date
1901-05-17
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 20 „Die x£ Welt?6 Seite 7 schreiten. Er erklärt es für die Pflicht , der zionistischen Ortsgruppen, solchen Ausschreitungen in energischer und angemessener Weise entgegenzutreten. Dieser einstimmig angenommene Beschluss ist dem Deutschen Rabbiner -Verbände mifczut heilen. Der Delegierteiitag macht es den einzelnen Ortsgruppen zur Pflicht, die hebräische Sprache und Literatur unter den Juden möglichst zu verbreiten. Der Delegiertentag erklät einstimmig: Es ist die Pflicht der Gesinnungsgenossen an allen Hochschulen, die Gründung zionistischer Studenten vereine zu veranlassen, respective bereits bestehende Vereine solcher Art in ausgesprochen zionistische zu verwandeln. Der Delegiertentag spricht hierbei die Erwartung aus, dass die zionistischen Studenten in jüdischen Verbindungen, falls sie durch letztere in der Geltendmachung ihrer zionistischen Gesinnung durch Wort oder That gehindert werden sollten, die entsprechenden Consequenzen ziehen und den zionistischen Gedanken über d e n j e n i gen ihrer V e r b i ndungen stellen werden. Der Delegiertenta^ ist der Ansicht, dass es Pflicht der Zionisten ist, ihr Augenmerk auch den Palästina benachbarten Ländereien zuzuwenden und dahin zu streben, dass die Auswanderung, die bereits jetzt stattfindet, nach diesen Gebieten, z. B. dein unter ägyptischer Herrschaft stehenden südöstlichen Theile des alten Palästina (Wadi el Arisch) gelenkt werde, so lange es nach Palästina in grösserem Umfange hoch dicht ausführbar ist. Der Delegiertentag schliesst sich einstimmig den Protesten der russischen und e n gli s chen Chowewe Zion gegn d a s Verhalten der J. C. A. zu den palästinensischen Arbeitern an, und wird dasCentral- Comite ersucht, sich mit dem Actions-Comite zwecks E i n- Leitung einer Unter stützungsaction für die palästinensischen Arbeiter in Verbindung zu setzen. Der Delegiertentag bittet das Actions-Comite, den diesjährigen Congress nicht in London, sondern in der Schweiz stattfinden zu lassen. Die Wahlen für das deutsche Central- Comite ergeben folgendes Resultat: Da. B o d en h e i m er-Köln, D. W o 1 f f s o h n-Köln, Dr. Rülf-Bonn, Dr. A. Klee-Bonn, Kaufmann, prakt. Arzt, Freiburg, H.Schachtel-Breslau, Gustav Wolff- Köln, Dr. Th. Z1 o c i s t i-Berlin, M. Mose s-Kattowitz, Dr. Ad. Friedeman n-Beriin, Dr. Franc k-Hamburg. Ueber die grosse Versammlung im „Victoria-Saal" (vgl. Nr. 19) wird uns noch berichtet: Die Versammlung brachte gleich zu Beginn nach einer lebhaft acelainierten Ansprache des Vorsitzenden Dr.K atz dem Londoner Gaste stürmische Ovationen dar, die jedes Mass überschritten, als Mon.tefiore zu sprechen begann. Die Anwesenden gedachten der unermüdlichen Arbeit des verstorbenen Moses Montefiore, wie er sein Leb*n in den Dienst der unterdrückten jüdischen Nation gestellt hat, und der Name wirkte wie berauschend. Der junge Mo ntef i ore musste sieh sagen, dass er so die Lorbeern seines Oheims einheimste, und dass er für den Zionismus das zu leisten habe, was jener für die Gesammtjudenheit geleistet hat. Auch Dr. Bodenheimer erweckte stürmischen 'Beifall. Seine Rede war nach der allgemeinen Ansicht eine Glanzleistung, indem er den richtigen Standpunkt der Zionistenin der Frage des Judentages klarlegte. Dasgesammte Publicum war entzückt, auch die Gegner mussten den Ernst dieser Rede zugeben. Die Stimmung der Zionisten und aller jüdischfühlenden Elemente war eine gehobene. Als nun gar der Pastor Faber mit begeisterten Worten ein Bild der Wiederbelebung Israels gab, da war des Beifalls kein Ende. Kein Gegner meldete sich zum Wort, das erstemal in einer öffentlichen zionistischen Versammlung in Berlin. Wir glaubten es selbst kaum. Dass die Gegner noch nicht vertilgt sind, wussten wir auch in dieser Versammlung. Aber vielleicht wirkte die Gesammtstimmung auch auf di Gegner? Mächtig erschien der Zionismus, fast siegesbewusst, und dios schliesse ich nicht aus den Ovationen, sondern t r o t z derselben. Weniger stürmische Beifallsbezeugungen hätten sicherlich der Versammlung nur genützt. Denn es war des vornehmen IdoaUsmusund des inneren Löbens daselbstgenug. In der Nähe war eine andere jüdische Versammlung an demselben Abend, eine vom „Centralve: ein deutscher Staatsbürger jüdischen Gleubens" veranstaltete. Das Thema des Abends („Genossenschaftliche Colonisation der osteuropäischen Juden") und der Name des Referenten waren so verlockend, dass Schreiber dieser Zeilen sich auf eine Weile auch dorthin begab. Wie in eine andere Welt war ich gerathen! Auch hier sprachen verschiedene über Judencolonisation, über Judentag u. s. w., aber alles berührte mich eisigkalt. Keine tiefere Liebe, kein Gefühl, keine Zukunft! Und der Mangel an Selbstbewusstsein, die Selbsterniedrigung, so die Betheuerungen, dass Juden kein Ciiristenblutgebrauchen, in jüdischer Gesellschaft — alles wirkte geradezu niederschmetternd, beschämend. Ich schaute mich um und nahm an allem nur Verfall wahr. In dem grossen Saale waren kaum 150 Personen anwesend, meist satten Aussehens, und sie hatten es alle sehr eilig, sie vergassen schon in der Versammlung, was sie gehört hatten. Und ich eilte vom officieilen, aussterbenden Judenthum zurück ins Lager des kämpfenden. Als ich in die zionistische Versammlung zurückkehrte, fand ich eine geradezu jubelnde Stimmung, alle^ lebte und freute sich des Lebens, freute sich der Hoffnung. Selten habe ich die Lebensfähigkeit des Zionismus so deutlich geschaut, ich sah den Tod und sah das Leben nacheinander. Seit langer Zeit hat es in Berlin keine solche zionistische Versammlung gegeben. Zum Schlüsse sei noch mitgetheilt, dass in der Versammlung eine Resolution zugunsten des Zionismus und des Judentages mit allen gegen ü Stimmen gefasst wurde. & Syrische Eisenbahnen. Ueber die Eisenbahnen in Palästina berichtet der kaiserlich deutsche Consul in Damaskus der „Deutschen Colonial-Zeitung" zufolge: Die Bahn Beirut-D$;naskus ist für die Bedürfnisse des zwischen diesen Städten bestehenden Handels angelegt. Ihre Einnahmen sind hoch und würden sicherlich einen Gewinn übrig lassen, wenn die Gesellschaft sich eines beträchtlichen Theiles ihrer Schuldenlast — sie hat 120.000 Obligationen zu 500 Francs, somit 60 Millionen Francs auszugeben — entledigen könnte. Dies muss jedenfalls über kurz oder lang geschehen, denn bei einem jährlich wiederkehrenden Fehlbetrage von einigen 100.000 Francs wird die Bahn nicht fortbestehen können. Ein Erwerb dieser Bahn mit allen ihren Privilegien —- die Concession zum Ausbau nach Aleppo unter Regierungsgarantte einbegriffen — zu etwa 20, höchstens 25 Millionen Francs, würde zwar kein glänzendes Geschäft bedeuten, aber alljährlich doch eine gute Dividende ermöglichen. Die Erwerbung der Bahn, die wohl schon bald in Liquidation tret?n wird, verdient jedenfalls die ernste Erwägung der Unternehmer. Hierzu muss bemerkt werden, dass diese Bahn landschaftlich zu der schönsten der Welt gehört, da sie den Libanon und Antilibanon überschreitet. Der Bau der Haifa—Hauran—Damaskusbahn ist ins Stocken gerathen, und es sieht nicht darnach aus, dass die Unternehmer das fehlende Stück zu beiden Seiten des Jordans baldigst ausbauen werden. Dritter Parteitag des Verbandes jüdischer Hande!sangestei;ter Oesterreichs. Prag, 26 und 27. Mal 1901. (Restaurant „Zum P r i n z e n*V) Erster Verhandlungstag: Sonntag den 26. Mai. Eröffnung 9 Uhr vormittags, Coli. J e l i n e k, Prag. 1. Begrüssung, Coli. Hickl, Brünn. 2. Rechenschaftsbericht. Göll. Tintner, Brünn. 3. Die Lage des jüdischen Proletariats. Coli. Gross, Wien. 4. Die Lage der jüdischen Handelsang^slrlllen. Coli. Richter, Prag. 5. Programm. Coli. Leder er, Wien. 6. Bil Jung von Bildungs vereinen, Schapira, Prag.

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