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Die Welt · 1901-05-17 · 20 (17.5.1901) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
20 (17.5.1901)
Article
Was bezweckt die Delegation der russischen "Chowewe-Zion"?
Date
1901-05-17
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 „Die # Welt" Nr. 20 Mit diesen Resolutionen bezweckte man erstens ein schnelleres Vorwärtskommen, zweitens eine Verringerung der Pariser, Odessaer und sonstigen aus* wfirtigen Einflüsse und drittens die Schaffung eines von vorneherein actionsfähigdi Organe?. Denn wenn die Commission, nur zu berathen haben soll, sonst aber alles nach Paris zur Begutachtung und Beschlussfassung schicken muss, dann wird ih're'Thatigkeit einfach lahmgelegt und ihre Autorität erschüttert. Der Ica sollte das Bewüssisein genügen, dass die Mittel zur Durchfahrung sämmtliclier Pläne vorzugsweise von ihr erhältlich sein werden. Dadurch allein gewinnt die Ica, gewinnen ihre Vertreter eine genügende Macht. Die Versammlung wollte nur, dass in der neuen Organisation, andere Kräfte, andere Stimmen gegenüber der überwältigenden materiellen Macht drr Ica zur Geltung gelangen. Die übrigen Resolutionen sind auch ohne Commentar genügend klar. Sie lauten wörllich: VII. Besolution: „Für alle Fälle sollen Massnahmen ergriffen werden, durch die bis zur Boschlussfassung über die einschlägigen Fragen dasWirisehaflsleben der Colonisten und Arbeiter verbessert werden soll." VIII. Resolution: „In der Commission sollen den Vertretern der Colonisten und Arbeiter beschließende Stimmen gleich den Vertretern der übrigen Institute gesichert werden/1 IX. Resolution: „Die Delegation soll darnach streben, dass die Arbeiter ausschliesclich in der Landarbeit beschäftigt werden sollen." Resolution X: „Nur bei directer Unmöglichkeit der Duichführung des Punktes IX sind auch andere Beschäftigungen zulässig/ Aber nicht nur mit Principien, Wünschen, Forderungen ist die Delegation der „Chowewe Zion" ausgelüstet. Sie bringt auch eine kleine Ausrüstung in Form eines Specialfonds von 200.000 Francs für die Arbeiter mit; desgleichen steht ihr eventuell ein be-, trächtlicher Theil der laufenden Einnahmen des Odessaer Gomites für coloniale Angelegenheiten zur Verfügung, Es ist also seitens der „Chowewe Zion" der gute Wille zur acliven Thätigkeit genügend documentiert. Ich möchte diese knappe, durchaus nicht erschöpfende Interpretation der Ziele der Delegation mit dem Wunsche schliessen, sie möge etwas frisches Leben, etwas Herz, etwas jüdisches Gefühl in die hohen Paläste dir westeuropäischen jüdischen Millionäre hineinbringen. Mögen die grossen, materiell und vielleicht politisch mächtigen jüdischen Organisationen in der That jüdische Volksorganisationen werden und nicht bloss stark vergütet te Burcaux dieses oder jenes jüdischen Barons bleiben. Ich will hier nur einen kleinen Passus aus der Schlussrcde des Vorsitzenden der Odessaer Versammlung anbringen: „Einer der hochgeehrten Collegen bemerkte, dass i.nser (das Odessaer) Gomite in der letzten Zeit gar nicht wiederzuerkennen ist: Seine Energie, seine lebhafte Thätigkeit, seine Beweglichkeit setzen jeden Kenner dieses Gomites in Erstaunend Wohl wahr. Wir müssen aber hinzufügen, dass mit dem Gomite jetzt nur das geschieht, was wir an uns selbst in den letzten drei bis vier Jahren beobachteten. Wir alle sind ganz anders geword n, large nicht mehr dieselben, die wir noch vor einigen Jahren gewesen MncL Und wenn wir uns fragen, woher diese Veränderungen an uns selbst, so müssen wir antworten — und da verzeihe mir unser hochgeehrten Herr Ginzburg (Achad. Haärn-) — dass deren Ursache eben jenes „Geräusch", jerie laute Oeffentlichkeit ist, welche er uns tadelnd vor^ hält. Der Zionismus hat~. gleichzeitig mit der Tribüne auch eine Verantwortlichkeit; ges«haffen.- Er hat es dazu gebracht, dass wir jetzt: nicht mir f ü r das Volk, sondern auch vor dein Volke, das b deutet: unter seiner beständigen Controle, arbeiten. Dieses Bewüssisein gibt uns Kraft, Energie, es erzeugt lebendiges, reges Streben nach Arbeit, Bereitwilligkeit zu allen Opfern — dies macht uns so ganz anders, als wir waren. Wir sehen daraus, dass durch das Hereintragen des zionistischen Geistes eine jede jüdische Institution unerwartete Lebenskraft, geistige Frische erlangt. Der Erfolg der Delegation wird nicht nur in dem unmittelbaren Nutzen bestehen, den wahrscheinlich die jetzigen Colonien daraus ziehen werden. Höchstwahrscheinlich wird sie auch ein anderes bewirken : die erste Anbahnung einer — wenn der Ausdruck gestattet ist — Zionisierung der grossen und mächtigen westeuropäischen jüdischen Organisationen, die sich zwar judisch nennen, aber im Grunde nur judenfreundlich sind und jede tiefere Berührung mit den jüdischen Volksinteressen scheuen. Sollte dies gelingen, so -wird der Entsendung der Delegation historische Bedeutung und ein bleibender Wert innewohnen, Zur wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas. (Zugleich eine Bemerkung zum Artikel „Palästina- Archiv" von Herrn Ober- Ingenieur Lau). In der letzten Nummer der „Welt" stempelte Herr Ober-Ingenieur Lau die von mir angeregte Action als ein „Palästina-Archiv8 ab. Das ist eine ganz unzutreffende Benennung für das, was mir bei der Abfassung des Projectes vorschwebte. Mit dem Worte „Archiv" ist in unserer Vorstellung ungefähr folgendes Bild verknüpft: Alte, im Laufe von Jahrzehnten, ja Jahrhunderten zusammengetragene Acten und Pergamente, die die umgebende Luft mit dumpfem Geruch erfüllen, dazu weltfremde, kurzsichtige, von der anstrengenden Arbeit gebückte, immer in ihren Acten grabende, mumienhafte Gesichter; von Zeit zu Zeit verirren sich ein paar ernste Gelehrte dahin, die das umfangreiche Actenmaterial durchwühlen, um zu versuchen, ein vermeintliches Körnchen der Wahrheit zu finden; die ganze Atmosphäre voll staubdumpfer Luft, todter Buhe, Weltscheue und tiefer Gelehrsamkeit. Nichts von all dem in der von mir vorgeschlagenen Einrichtung: Das Material frisch, neu, immer auf dem Laufenden, „up to date" erhalten; die Mitaibeifcer junge,'ilotte Studenten, die in hoffnungs- und lebensfreudiger Stimmung in ihren Mussestunden das Scherflein zum nationalen Werke beitragen kein spitzfindiger Kriticismus, - sondern nur eine correcte und exaete Wiedergabe und Registrierung des aus zweiter Hand geschöpften Materials. Ich würde dafür vielleicht die Benennung ^Palästina-Register* oder „Palästina-Cataster" vorschlagen. Uebrigens wollen wir uns um die Etikette nicht herum streiten. Wenn nur dievon mir angeregten Intentionen des „Vereins für technische Studien in Palästina" in dieser Angelegenheit zweckmässig erfüllt werden, so werde ich mich mit der Firma „Archiv" auch zufriedenstellen. In meinem Artikel war ich weit davon entfernt, wie es Herr Obor-Ingenieur Lau meint, die trc-hinsche von der wirtschaftlichen Erschliessung zu trennen. Das eine ohne das andere ist absolut undenkbar: Jedes Land wird doch nur durch die Cotnmunicationsmittel — also auch eine technische Arbeit — erschlossen. In meinem in der Nr. 18 der „Welt" abgedruckten und schön vor 5'/2 Monaten verfassten Artkol habe ich der Errichtung eines ni:ht nur

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