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Die Welt · 1901-05-10 · 19 (10.5.1901) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
19 (10.5.1901)
Article
Handbuch der Ernährung für Gesunde und Magenkranke [Rezension]
Date
1901-05-10
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 „Die # Welt«* Nr. 19 berg. Mainz. Druck und Verlag der Jon. Wirth'schen Hofbuchdruckerei A. G. 1901, Der Verfasser erörtert die Ursachen der Erscheinung,' dass die Juden ein überwiegend grosses Contigent zu den Magenkranken stellen. Viele unter ihnen machen die rituelle Kost dafür verantwortlich. Gar oft werden sie hierin von dem behandelnden .Arzte bestärkt. -Dr. Münz sucht den Nachweis zu erbringen, dass die rituellen Speisegesetze nicht nur den Anforderungen der Hygiene entsprechen, sondern für Magenleidende besonders zuträglich und empfehlenswert sind. Das Verbot gleichzeitiger Milch- und Fleischnahrung ist darin begründet, das jede von diesen Hauptnahrungsmitteln schon für sich allein die nothwendige Menge der wichtigen Eiweissstoffe dem Organismus zuführt. Das Religionsgesetz fördert also auch einen hygienischen Zweck, wenn es verbietet, nach Fleischspeisen, bevor sie nichtgänzlich verdaut sind — also nach mehreren Stunden — Milchnahrung zu gemessen. Da andererseits die Verdauung der Milch und der Butter eine schnellere und bessere ist, so erscheint es.den hygienischen Gesichtspunkten entsprechend; wenn das religiöse Gesetz es gestattet, dass bereits nach Verlauf einer kurzen Zeit, etwa einer halben Stunde, dem Genüsse von Milch Fleisehnahruug folgen dürft. Die meisten Bestimmungen d s Speisegesetzes beziehen sich ferner auf den Ausschluss oerjeniger Thierarten, welche die geringste Garantie für Reinheit bieten und deren Lebensweise es mit sich bringt, dass sie Parasiten, wie die Finnen und Trichinen im Schweine, und giftige Keime in sich aufnehmen, die, dem menschlichen Organismus mit der Nahrung einverleibt, schwere Schädigungen desselben herbeiführen. Demgemäss sind diesem Verbote viele Thiere unterworfen, die, der manschlichen Obhut entzogen, im Freien leben, insbesondere der Raubthiere, die sich von Aas und faulem Fleische nähren. Das Schächten der Thiere ist durch die Zerschneidung des Nervus vagus nicht nur die wenigst schmerzhafte Todesart, sondern sie bewirkt, dass das meiste Blut ausströmt und mit ihm viele gesundheitsschädliche Umsatz- und Zerfallproducte des Stoffwechsels, als Harnstoff, Harnsäure, Gallenbestandtheile, deren Zunahme in allen krankhaften Zuständen eine bedeutende Steigerung erfährt. Das Einsalzen unterstützt diesen Zweck. Das rituelle Waschen der Hände vor der Mahlzeit hat entschieden einen desinfizierenden Wert.; Dr. Mü nz weist ferner nach, dass die durch die rituellen Speisegesetze ausgeschlossenen Fleischsorten weniger nahrhaft sind als die erlaubten, was für Magenkranke ja doch von fundamentaler Bedeutung ist. Bezüglich der Milchnahrung gibt es nach Dr. Münz keine hygienischen Gründe, welche den Genuss rituell nicht gestatteter Milch, wie der Stuten- und der Eselinnen milch, nöthig machen. Bei Besprechung der 'sogenannten Minnignahrung (Gemüse, Fische etc.) kommt der Verfasser auch auf den Alkohol zu sprechen. Bekanntlich dürfen die Antialkoholiker sich nicht auf den Psalmisten berufen,denn er sagt: „Der Wein erfreut das Herz des Mensehen." Mit der diätetischen Behandlung der Magenkrankheiten überhaupt schliesst das recht interessante und lesenswerte Buch. □ 5 Jahre meines Lebens [(Dreyfus). Eine Geschichte aus dem Mittelalter. Wir haben dicke Bände von T o 1 s t o i in Händen, eine Statistik der Lügen, auf denen er die Menschheit ertappt hat, jedes Capitel ein offener Brief an einen anderen Stand, eine andere Menschengruppe mit ungefähr folgendem Inhalte: Im Namen der Wahrheit! Erkennt endlich, dass Eure Frömmigkeit Aberglaube, Eure Sittlichkeit Unnatur und Heuchelei, Eure Bildung hohles Stückwerk ist. Traurige Thatsachen für ein Jahrhundert, in welchem viel über das lenkbare Luftschiff, mehr noch über den Ritualmord debattiert wird. Die Gegner haben dem Zionismus und der Judenfeindschaft denselben Todestag prophezeit. Darnach sprechen sie unserer Bewegung ewiges Leben zu, wie's jetzt scheint. Einer Völker-Enquete ist neuestens die Frage vorgelegen: Wie ist heute Europa den Juden gesinnt? Leidenschaftlich haben die Experten, hat der Czeche, der Deutsche, der Franzose, geantwortet. Und wann war's anders? Wir, die wir die Geschichte der Juden kennen, blickten bekümmert, aber nicht überrascht, hin, wie der stets grollende Krater des Judenhasses in Flammen aus-, brach und über den lächerlich schwachen Damm sogenannter jüdischer Solidarität hinweg seih Opfer holte. Und da halfen nicht immer Armut und Unbildung, nicht der rohe Charakter der Gegner, das Opfer niederzudrücken, das gerade Gegentheil vermochte nichts gegen Judenhass, und unter dem Aufschreie aller wahren Menschen gieng Dreyfus ins Exil. Entschuldigen wir uns, bevor wir uns anklagen. Mit unseren hausbackenen Begriffen von Redlichkeit, von Ehre, von Meineid konnten wir doch unmöglich glauben, dass nichts, rein nichts graue Haudegen, hohe Beamte zu so leidenschaftlichen Parteigängern gegen einen politisch bedeutungslosen, ihnen fast unbekannten Menschen gemacht hätte. Auch die Liebedienerei bei den Massen war anfangs nicht im Spiele, denn ihre Reden erst machten aus dem Volke den schreienden Pöbel. Dann war's uns auch verdächtig, dass Dreyfus immer der höfliche, etwas posenhafte Generalstabs-Capitän blieb, auch wenn die empörendste Lüge ihm entgegengeschleudert wurde,, .Kurz und gut, wir vergassen, dass kein Beweis für die'Sc'hüld eines Menschen geWissermassen ein Beweis für seine/ 'Unschuld ist, und der gemeine Gedanke wurde von uns nicht abgewiesen: Etwas muss daran sein. Dem macht das Buch radical ein Ende. Wir kennen die Intimitäten der französischen Strafi echtspflege nicht. Aber wenn die Behandlung des Ex-Capitäns nicht etwas vollkommen Ungesetzliches war, etwas Unerhörtes, ausgeführt durch uncontrolierte Subalterne, dann ist französisches Sträflingsleben würdig,, durch einen neuen Roman an den Schandpfahl gestellt zu werden, dicht neben asiatische Brutalität. Die Vorschriften, die den Verbannten dirigierten, sind kurzweg als ein Vademacum für Henker zu bezeichnen und erreichen eine Härte, zu der sich oft kein Wächter mehr hergab. Es muss ein eigenes Bureau in Paris bestanden haben, wo die. geradezu scharfsinnigen Quälereien ausgeheckt wurden, um den Sträfling an Körper und Geist zu tödten. Wer Genaues wissen will, kann's aus dem nächsten Indianerbuche lesen. Und die Rufer nach Menschlichkeit stimmt die Grande nation bei den Wahlen nieder. Aber wenn man den Juden auch behandelte wie im finstersten Mittelalter, er hat auch widerstanden und gekämpft wie damals seine Väter. Kein gequälter Nerv öffnete ihm die fieberheissen Lippen zu einer Gnadenbitte,zu einem erpressten Geständnis. Er erbittert geradezu den Wächter durch seine Geduld und pflegt armselig den Körper nur dazu, damit er erst on dem Tage verfalle, an dem das Recht gesiegt haben wird. Mit dem Fanatismus des Wahnsinnigen schon lässt er ewig aus seinen Briefen an seine Frau den Refrain herausklingen, dass er nur mehr von der Hoffnung lebe, von aller Welt noch geehrt zu werden, und von ihrer Liebe. Im Buche sind die Briefe seiner Lucie abgedruckt. Verweinte Augen blicken aus den Seiten heraus. Die schönen Augen des Weibes mit quellenden Thränen, wie wir sie bei unserer Mutter gesehen hiben, als sie sich über unser Krankenbett beugte. Keine Ausnahme, ein Typus des jüdischen Weibes erscheint Lucie Dreyfus, wie sie in opfervoller, brennender Liebe zu ihrer Familie unsere Huldigung ungewollt erzwingt. Wenn wir wollen, können wir in den zahlreichen Anrufen, die Dreyfus an Würdenträger und Centralen des Rechtes leitete, seinen unentwegten Patriotismus bewundern: Er trägt immer wieder einem Lande seine Dienste an, das ihn tödtlich beleidigte, das seine Existenz kaum duldet. Es muthet uns merkwürdig an, dass ihm die Ehrenerklärung der Inteilectuellen nicht genügt, weil sie nur eine Minorität bilden. Doch achten wir in ihm den Märtyrer, der wohl nicht für sein Judenthum, wohl aber durch sein Judenthum gelitten hat.Ein trauriges Document über dtis Leben der Juden in der Neuzeit liegt vor uns. Noch haben die Juden „Augen, die nicht sehen wollen, Ohren, die nicht hören wollen11, vor allem aber Köpfe, die nicht denken wollen und Herzen ohne Wagemuth. Nur wenn Europa seinen acuten Anfall von Judenhass bekömmt, geht durch sie ein banges Ahnen und die Leidensgefährten nähern sich — ein Glück im Unglück. Der Blick in die Vergangenheit, ein Schluss auf die Zukunft lässt uns Ziohisten erzittern nicht für unsere Person, wohl aber für unser gelieb4es Volk, dessen Glück wir uns aus vollem Herzen widmen. Erst die Consequenzen des Zionismus werden es bringen. J. Upfimny. Zur Einwanderungsfrage in Palästina liegen neuerdings folgende Blättermeldungen vor: Washington, 16. April. Im Senate wurde dem. Staatssecretär H a y vom Senator Mitchell aus Oregon ein Memorandum überreicht, dessen Autor Mister Solomon Hirsch in Portland ist, und worin gefordert wird, die amerikanische Regierung möge ihren Botschafter in Constantinopel instruieren, Verwahrung einzulegen gegen die im November v. J. erlassene Verordnung der türkischen Regierung, wonach auslandische Juden sich in Palästina nicht länger als drei Monate aufhalten dürfen. In seiner Antwort wies Staatssecretär Hay daraufhin, dass Mister Hirse h's Memorandum durch eine am 28. Februar d. J

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