Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 19 (10.5.1901)
- Article
- Cultusgemeindewahl in Bielitz
- Date
- 1901-05-10
- Page
- 11 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 19 „Die # Welt" Seite 11 Cultusgemeindewahl in Bielitz. Unsere wackeren Bielifzer Freunde, deren unermüdliche Thätigkeit auf dem heissen Boden Schlesiens wir wiederholt zu würdigen Gelegenheit hatten, haben einen sehr schönen Wahlerfolg errungen. Sie haben im ersten Wahlkampfe zwei Mandate errungen und mit ihren anderen; Candidaten ansehnliche Minoritäten erzielt. Bielitz ist die ei*ste schlesische Gemeinde, in der die Zionisten in den Wahlkampf eingetreten sind. Das ungemein erfreuliche Ergebnis dieses ersten Versuches, das umso höher anzuschlagen ist, als die Bielitzer Cultusgemeinde bisher geradezu ein Hort deutschthümelnder Assimilation war, wird nun sicher für die Gestaltung der Verhältnisse in allen Cultusgemainden Schlesiens bestimmend sein. Jedenfalls ist die Position der schlesischen Zionisten sehr gestärkt worden, die nun ermuthigt worden sind, auch in den anderen Städten Ordnung in die Gemeindestube zu bringen. Im Nachfolgenden bringen wir über die Bielitzer Wahl ausführlicheren Bericht: In Bielitz, der östlichsten Ortschaft Schlesiens, der grössten jüdischen Gemeinde dieses Kronlandes, der Stadt, in welcher im nächsten Jahre der zweite österreichische Zionistentag abgehalten wird, fand Sonntag den 5. Mai a. c. die Cultuswahl statt. Die Betheiligung der Wähler war eine sehr starke; 266 Stimmen wurden abgegeben, doppelt so viel als bei der vorigen Wahl. Die Zionisten hatten sechs Candidaten aufgestellt, von denen einer, Herr S. R i tterman n, Mitglied des zionistischen Vereines „Haschachar', mit 130 Stimmen durchdrang, während die übrigen mit annähernd gleichviel Stimmen in der Minorität blieben. Ausserdem wurde unser Candidat Her? Louis Sachs mit überwältigender Stimmenanzahl zum Ersatzmann gewählt, .-. Diese Zahlen sprechen deutlich. Man bedenke, dass unser Candidat die Hälfte aller abgegebenen Stimmen auf sich vereinigte! Das beweist* dass die Gegner nur deshalb die Majorität, behielten, weil viele Wähler, die für uns stimmten, . auch einige, Candidaten. der offiziellen Liste wählten. Dieser und manch anderer Fehler, der begangen wurde, findet seine Erklärung darin, dass niemand an die Möglichkeit glaubte, die bisherigen Machthaber, die so viele Jahre unumschränkt geherrscht, die ihre Macht von ihren Vätern.ererbt hatten, könnten bereits im ersten Waffengan ge besiegt werden. Die Zionisten dachten sich di ese Wahl lediglich als Demonstration. Sie wollten ihre erste Kraftprobe ablegen, Heerschau über ihre Gefolgschaft abhalten und stellten deshalb Zählcandidaten auf. Nur zwei Wähler Versammlungen wurden veranstaltet; freilich sprach in der letzten Versammlung, Donnerstag den 1 d. M., Herr Dr. Leopold, Kahn aus Wien, der.unserer Stadt ein lieber Gast ist. Trotzdem das denkbar schlechteste Wetter herrschte, hatten sich zumindest 800 Personen eingefunden, die den Kedner mit jubelndem, Zuruf begrüssten und-mit begeistertem Applaus für seinen glänzenden Vortrag . dankten, Auch Herr Richard Krieger sprach in dieser Versammlung, Mit scharfen Worten geisselte unser Gesinnungsgenosse, die Kampfesweise der Gegner und legte unter allgemeinem Beifall an einer Keihe von Beispielen dar, dassf die Cultusvorstände von Bielitz nicht Vertreter, sondern Herrscher der Gemeinde seien. Der Erfolg dieser Versammlung verschaffte uns zwar die Gewissheit, dass wir keine klägliche Niederlage erleiden würden, aber an einen Sieg wagte niemand zu denken. Die Regierungspartei war ihrer Sache so sicher, dass sie es jniöht einmal der Mühe wert fand, in einer Versammlung oder "auch nur in einem Aufrufe vor die Wähler^- schaff -zu treten. Dier Wahlt?r hatten' immer, wie; es braven Bürgertf ziemi^ ohne zu mucken den vörgedrückten Stimmzettel in dielÜthe geworfen warum sollte das jetzt anders sein? Bezeichnend "ist der Ausspruch des Präs es Herrn S a 1 b in o n: P b 11 ä%; der warnenden Stimmen wiederholt zurief: nWäjveifte VV^ähierversämmlüng we^de ich einberufen? Für' wen? Pur/Ö re Vv^ähler?!tt Die Herren zogen mit dem? uneHchü^ * Vertrauen in. den W^ählkamjpf, dass alle ihrf/Scjäafchien Schafe seien i dass sie\in -"diesem. Vertrauen, welches lJ|ie;* einzige Stütze ilirer Position' bildet, getäuscht wofäen-& lähmenä^n Sfeh^e'ckeri;^ frei1' stfe bäfälletf hat, wird nur der begreifen können, der weiss, dass Bielitz die Stadt des Liberalismus Kat exochen das heisst, der völligen Versumpfung ist, dass in unserer guten, frommen Stadt auch bei den Wahlen in den Gemeinderath, Landtag und Reichsrath eine Opposition ein ganz unbekanntes Ding ist, Und nun haben Ruchlose den heiligen Frieden der Gemeinde gestört — die Bonzen wissen sich nicht zu rathen und zu helfen. Auch für uns war das Wahlresultat eine grosse Ueberraschung. Wir können mit dem schönen Anfang zufrieden sein, wir dürfen uns unseres Erfolges freuen und brauchen unsdiese Freude nicht durch die Erwägung vergällen zu lassen, dass wir uns eigentlich einen vollständigen Sieg entgleiten Hessen. Besser, dass wir uns unterschätzt, als dass wir uns — wie unsere Gegner — überschätzt haben! Siegessichere Kampfesfreudigkeit herrscht in unserem Lager, denn jedermann, Freund wie Feind, ist es heute klar, dass bei der nächsten Wahl in drei Jahren die Gemeindestube unser ist! K. ^ei^scbpiffei)* ai)d J$ücbei** Rundschau* Bücher-Einlauf. :"rrfc?in„ naann .rp-iap Hp-ri-r b^n , *n amn ♦rmbiöia n^rrä fö^nn min s-iödib ♦o-rp vap) /ibpö h ♦"pafbßö Dinn ♦rp a i b v o n nmo* :Djm^ *n »a GtD*:p n"ip) ,Tmho mairi bk^•»3tök-,'ö^» tjKoa^ra ♦« ♦& ♦K"D*m kdjjhk t\w& ^w bmw nawi rnarfe D^^rrn n ö : «K-pm kdjhk ,1899 pwb-rwnpn pam k^im roKte Sechel Tob. Commentar zum ersten und zweiten Bucl e Mosis. Von Rabbi Menachem ben Salomo. Verfasst im Jahre 1139. Zum ersfcenmale herausgegeben etc. von Salomon Buber.; Handbuch der Ernährung für Gesunde und Magenkranke. Mit besonderer Berücksichtigung der jüdischen Speisegesetze. Von Dr. P. Münz, praktischer Arzt, Nürnberg. Verein „Channoch lanaar". Rechenschaftsbericht für das Jahr 1900 Lemberg.) China auf der Balkanhalbinsel oder Rumänische Judenfrage. Von S. Jericho Polonius. Selke. Ein Mortara des sechzehnten Jahrhunderts. Von A. Treu, Seminarlehrer. Philosophisches in der Kabbala. Vortrag, gehalten am 14. März 1901 im Vereinsiocale des „Wiener jüdischen Schul Vereines*, X., Hasengasse Nr. 7. Von Dr. H. E. Kaufmann, Bezirksrabbiner in Virovitica (Slavonien). Nr. 4 der „jüdischen Turn-Zeitung", herausgegeben vom Jüdischen Turnvereine „Bar Kochba" (Berlin), weist folgenden Inhalt auf: Turnlied. Von J. Auerbach. Der hygienische Wert des Turnens. Von Dr. med. F. Meyer (Oranienburg). Vom Wandern (Schluss). Von M. Zirker. Turnerische Rundschau. Aus der jüdischen Turnerwelt. Turnliteratur. Turnfahrten. Fürs praktische Turnen. Alfred Dreyfus: Fünf Jahre meines Lebens 1894-1899. Dr. John Edel he im. Verlag, Berlin, 1901. Semester-Bericht des Vereines jüdischer Studenten (im B. J. C) zu Berlin. 12. Semester (W.-S. 1900—901). Israelitische Gewerbeschule des Ober-Elsass in Mühlhausen. Bericht über das Rechnungsjahr 1900. Haben wirklich die Juden Jesum gekreuzigt? Von Dr. Ludwig Phillip ps-on. 2. Auflage mit einem Vorworte von Prof. Dr. M. P h i 1 i p p s o n. Cassabericht der israelitischen Leiheasse in Basel. Vom 1. Jänner 1898 bis 31. December 1900. Bericht des Vereines „Ferienheim" in Wien über das Vereins- Jahr; 1900. <■ Comunitatea israelitiior de rit spanioi din Bucuresci. Consiliul representantilor. Oare de Seama pe Anul 1900. Handbuch der Ernährung für Gesunde und Magenkranke. Mit besonderer Berücksichtigung der jüdischen S p eisegesetz e. Von Dr. P. Mün z, prakt. Arzt, Nürn-