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Die Welt · 1901-05-10 · 19 (10.5.1901) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
19 (10.5.1901)
Article
Erster zionistischer Delegiertentag des St. Petersburger Rayons
Date
1901-05-10
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 19 „Die # Welt*6 Seite 5 In diese Commission wurden gewählt die Herren: B e 1 k o w s ky, ß ab k o ff, Wei ss e n berg, Lunz, Portugaloff, Rum an o ff, A. J. Janowsky, S. L. Janowsky und J. Jaschunsky. . t kDie dritte Sitzung wurde mit dem Referate des Herrn Perelmann „Ueber die Jüdische Colonialbank" geschlossen. In der vierten Sitzung am 17. April wurde das Referat des Herrn Dr. Tuwim „Ueber die culturelie Tätigkeit" vorgelesen, in welchem der Referent eine ganze Reihe von Massnahmen zum Zwecke der Hebung des Culturniveaus des jüdischen Volkes vorschlägt. Der Delegiertentag fasste einstimmig folgende Resolution : „Seine Solidarität mit dem Referate des Herrn Dr. Tuwim aussprechend, schlägt der Zionistentag den Vereinigungen vor, nach Kräften und Möglichkeit die in demselben vorgeschlagenen Massnahmen zu verwirklichen." Es wurde ferner beschlossen, das Referat in Druck zu legen. Herr Neifach, der voriges Jahr Palästina besucht hatte, erstattete ein Referat über den gegenwärtigen Stand der Colonisation, über die Arbeiterfrage und über die nationalen Institute in Palästina, worauf der Beschluss gefasst wurde, die Vereine zu verpflichten, alljährlich mindestens drei Rubel zugunsten der National-Bibliothek in Jerusalem aufzubringen. Als Resolutionen wurden folgende Anträge angenommen : 1. Den Vereinigungen, die Herrn Rabbiner Scheinkin zugesagt haben, eine gewisse Summe zugunsten der palästinensischen Arbeiter zu sammeln, wird aufgetragen, ihre Zusage zu erfüllen. 2. Die Jaffaer Schule soll nach Möglichkeit unterstützt werden. 3. Bei Familienfeiern soll von neuem für die Arbeiter gesammelt werden. Die fünfte und letzte Sitzung wurde mit der Discussion über das Bankreferat eröffnet. Es wurden folgende Beschlüsse gefasst: 1. In den bedeutenderen Centren werden Bank- Commissionen errichtet, die verpflichtet sind, für den Verkauf der Actien und ordnungsgemässe Registrierung der Actionäre zu sorgen. % Die Bank-Commissionen sollen für die bequeme The il Zahlung, sowie für Veranstaltungen von Lotterien zur ausschliesslichen Erwerbung von Actien, deren Reinertrag dem Arbeiterfonds gewidmet sein sollen, sorgen. 3. Jede Vereinigung ist verpflichtet, bis zum Congresse mindestens zwei Actien aus eigenen Mitteln anzuschaffen. Nachdem die Wahl der Mitglieder verschiedener Commissionen, sowie der Assistenten des Rayonsvorstehers (Rabbiner D r u j a n-Stara Russa und Herr Ede 1-Riga) getroffen und die Frage der Herausgabe der Protokolle besprochen wurde, schloss Herr Rayonsvorsteher Dr. Belköwsky den Delegiertentag mit einer Rede, in welcher er seine Freude über das Erreichte, das seine Erwartungen übertroffen habe, aussprach und den Theilnehmern der Versammlung, sowie den Herren, die an den Vorarbeiten theilnahmen, herzlichst dankte. Abends fand ein" gemüthlicher Commers zu Ehren der Mitglieder Und Delegierten statt, auf dem die Theilnehmer zur Erinnerung an den Delegiertentag ihrem Rayonsvorsteher eine Actie überreichten und ein Begrüss'ungs- Telegramm an Herrn Dr. Herzl und das Actions-Comite absandten. New-Yorker Brief. (Ein Massenmeeting zugunsten der „Aliiance Israelite". — Der Bischof von New-York über den Zionismus. — Die Erwiderung des Rev. Masliansky.) N e w - Y o r k, 24. April 1901. Das Massenmeeting, das für gestern Abend unter den Auspicien der New-Yorker Ortsgruppe der „Aliiance Israelite Universelle" mit der Tagesordnung „Die Lage der Juden uni die ,Aliiance Isra61ite Universelle'" nach dem „Temple Emanu-El" einberufen war, darf wohl ohne Uebertreibung als eine der bedeutendsten jüdischen Versammlungen auf amerikanischem Boden bezeichnet werden. Vielleicht noch niemals zuvor gab es hier ein aus allen Kreisen der New- Yorker Judenschaft so zahlreich beschicktes enthusiastisches Meeting wie dieses. Besonders erwähnenswert ist, dass der Bischof von Nö'W-York, the Right Reverend Henry C. P o 11 e r, der an ihn ergangenen Einladung zu dieser in einer Synagoge tagenden Versammlung Folge leistete und die Gelegenheit wahrnahm, in einer längeren Rede seine Ansichten über Judenthum und Zionismus öffentlich auszusprechen. Dass Bischof Pott er mit der zionistischen Bewegung nicht besonders sympathisiert, ist, wie aus seinen Ausführungen ganz zweifellos hervorgeht, bloss darauf zurückzuführen, dass er über sie bedauerlicherweise nicht lichtig informiert ist. Es steht deshalb zu erwarten, dass die „Federation of American Zionists" es sich angelegen sein lassen wird, den Bischof P o 11 e r über die wahren Ziele des Zionismus zu unterrichten. Bischof Pott er wird dann sein Urtheil über den Zionismus sicher einer Revision unterziehen. Das Meeting,- aus dessen Mitte, so ofo einer der Redner des Zionismus gedachte, stürmische Applaussalven ertönten, nahm folgenden Verlauf: Kurz vor 8 Uhr erschien der Vorsitzende der Ortsgruppe New-York der „Aliiance Israelite Universelle" Mr. A. S. Solomons auf der Tribüne und stellte der Versammlung den bekannten Philanthropen Mr. Jacob H. Schiff als den Vorsitzenden des Abends vor. Mr Schiff sagte in seiner Eröffnungsrede u. a.: „Als Herr Nissim Behar, der Abgesandte der „Aliiance Israelite Universelle" vor einigen Wochen zu mir kam und mir die Abhaltung eines öffentlichen Meetings zugunsten der „Aliiance" vorschlug, konnte ich nicht anders, als ihn auf die Lasten, die die jüdische Gemeinschaft New-Yorks bereits getragen habe, verweisen, die es uns unmöglich machten, etwas für unsere Brüder jenseits des Oceans zu thun. Dennoch will ich es heute anerkennen, dass die Ideen, für die die „Aliiance" eintritt, solche sind, die Unterstützung wohl verdienen." Nachdem hierauf unser Gesinnungsgenosse Reverend Dr. P. Fl. Mendes ein kurzes Gebet gesprochen hatte, ergriff Mr. Louis Marshall das Wort, um einen Rückblick auf die vierzigjährige Wirksamkeit der „All. Isr. Univ." zu werfen. „In Frankreich", sagte er, „welches Land als erstes den Juden Bürgerrechte zuerkannte, haben einige hochherzige Männer, Adolphe C r e in i e u x an der Spitze, vor 40 Jahren die „Aliiance Israelite" begründet. Ihr Zweck war, überall für die Emancipatton der Juden zu kämpfen und sie in der Ausübung ihrer religiösen und bürgerlichen Rechte zu beschützen. Viel hat die „Aliiance" bereits erreicht; noch mehr aber könnte gethan werden, wenn alle Schichten der Judenheit sie unterstützten. Dann wäre es möglich, sogar für die unterdrückten . und verfolgten Juden in Rumänien und Russland die Freiheit zu erkämpfen. Durch Solidarität lässt sich ungemein viel erreichen. Leider aber mangelt diese. Denn eine beträchtliche Anzahl von Juden sieht im Zionismus allein ihr Heil und ihre Rettung. Ich wünsche dem. Zionismus aus vollem Herzen allen Erfolg. (Tosender, langanhaltender Beifall.) Eine grosse Anzahl von Juden hinwiederum setzt ihre besten Kräfte für die Erkämpfung der politischen Rechte ein. „W^enn sich nun diese zwei Kategorien unter dem Banner der „All. Isr. Univ." einigten", schloss Mr. Marshall, „was könnte da nicht alles für die unterdrückten Juden geleistet werden!" (Beifall und Widerspruch.) Der nächste Redner war Bischof Pott er, dem die Versammlung eine stürmische Ovation bereitete, als er sich erhob, um eine Ansprache an diese jüdische Versammlung zu richten. Bischof P o 11 e r führte unter anderem aus, nachdem er vorerst für die besondere Ehre gedankt hatte, die ihm dadurch erwiesen wurde, dass.es ihm gestattet sei, in einer Versammlung von Juden das Wort zu ergreifen: „Es fällt mir schwer, meiner Bewegung Herr zu werden und Ihnen zu sagen, welch gewaltigen Eindruck das von meinem Freunde Dr. Mendes gesprochene Gebet, an dem wir alle uns betheiligten, auf mich gemacht hat. Es hat

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