Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 19 (10.5.1901)
- Article
- Bekanntmachung
- Date
- 1901-05-10
- Page
- 2 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3315905-3315925-3396799--26017-3396927- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 „Die fr Welt" Nr. 19 Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank), Limited. BEKANNTMACHUNG. Das Direetorium hat in Erfahrung gebracht, dass wiederum Klagen laut werden, es gebe Actionäre, welche trotz Vollzahlung noch nicht in den Besitz ihrer Actieh- Certificate oder manche gar ihrer Zutheilungsbricfe gelangt sein sollen. Da das Londoner Bureau den Versandt aller früher reclamierten Actien längst beendet und alle ordnungsgemässen Gesuche um Zuschickung von Actien innerhalb der versprochenen vierzehn Tage täglich bewerkstelligt (und selbst mit diesem Versandt vollständig ä jour ist), so bleibt nur zu bedauern, dass die Actionäre auf die Bekanntmachung vom 12. November 1900 in Nr. 47 der „Weit" nicht mit grösserer Energie reagiert haben. Das Direetorium wiederholt daher die Bitte, etwaige Reclamationen mit aller Beschleunigung kundzumachen, und zwar in Russland durch Vermittlung des Vertrauensmannes des Rayons, respective durch das Warschauer Bureau, und in allen anderen Ländern direct nach London zu dirigieren. London, am 1. Mai 1901. Im Auftrage des Directoriums: James H. Loewe General-Secretär. Delegiertentag der deutschen Zionisten. (Qrig.-Bericht der „Welt".) Berlin, 2. Mai 1901. Am 30. April trat hier in Cassels Hotel der Delegiertentag der deutschen Zionisten zu einer zweitägigen Berathung zusammen. Derselbe war von 30 Delegierten und Vertrauensmännern aus allen Theilen Deutschlands besucht. Die Verhandlungen, die unter dem Vorsitze des Herrn Rechtsanwaltes Dr. Boden heimer. aus- Köln geleitet wurden, dürften das grösste Interesse aller Zionisten beanspruchen. Insbesondere waren es die Punkte Organisation und Propaganda, die sehr eingehend und verständnisvoll erörtert wurden. Bemerkenswert ist der .Beschluss, es sei von der „Zionistischen Vereinigung für Deutschland" ein eigenes Zeitungsorgan herauszugeben. Die von dem Vorstande der Berliner zionistischen Vereinigung bereits lange vorher gepflogenen Verhandlungen ermöglichten es, dass dem Delegierten tage schon die contract- •■ liehe Vereinbarung mit der Verlagsfirma Hauff & Sofyn in Berlin vorgelegt werden konnte. Die von unserem Gesinnungsgenossen Herrn W o h l b e r g geleitete „Israelitische Rundschau" gieng am 1. Mai in den Besitz der erwähnten Verlagsfirma über. Das Blatt wird nunmehr unter dem Titel: „Israelitische Rundschau", officielles Centraiorgan der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, wöchentlich erscheinen und eine Ausgestaltung nach Form und Inhalt erfahren. Das neucreierte Organ untersteht der Oberaufsicht des Central-Comites in, Köln und wird von einem zu diesem Zwecke eingesetzten Press-ComUe" unter Beibehaltung des bisherigen Redacteurs Herrn Wohlberg weitergeleitet werden. Zieht man den geringen Abonüementspreis von 3.50 Mark jährlich in Betracht, so berechtigt dieses neu geschaffene Parteiorgan zu den schönsten Hoffnungen. Ausserdem wurden noch vom Delegiertentage eine Reihe sehr wichtiger Beschlüsse gefasst, unter anderem in Bezug auf die Betheiligung der Zionisten an den Wahlen in die Cultusgemeinden, Gründung zionistischer Studentenvereine, Toynbee-Haljen. und anderes mehr, worüber noch ausführlicher berichtet werden soll. Dienstag abends gab die Berliner zionistische. Vereinigung im „Altstädter Hof" einen Fest-Commers zii Ehren der Delegierten, zu dem sich circa 300 gt ladene Gäste eingefunden hatten. Herr Dr. A. Friedemann begrösste in einer längeren Ansprache die erschienenen Delegierten, von deren Arbeit er das Beste für den Zionismus in Deutschland erhoffe, und schloss mit einem Hoch auf das Kölner Comite und die Delegierten. Herr Dr. Bodenheim e r toastete auf den Zionismus, Banquier Kalmus auf die Damen und Herr D. Wolffsohn au| Herrn Dr. Th. Herzl, an den ein Begtüssuugs-Telegramm abgesendet wurde. Auf ein an den deutschen Kaiser abgesandtes Huldigungs-Telegramm traf bei dem Vorsitzenden Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer folgende Antwort ein: Seine Majestät der Kaiser und König lassen dem Delegiertentage der zionistischen Ortsgruppen Deutschlands für den Huldigungsgruss danken. Auf allerhöchsten Befehl: Dergeheime Cabinetsrath gez.: v. Lu c anus. * Sir Francis Montefiore in Berlin. Eine grosse zionistische Volksversammlung, die in ihren Dehors, sowie ihrem ganzen Verlaufe nach an die Nordau-Versammlungen erinnerte, schloss^Mittwoch abends den Delegiertentag ab. Es war der Name Sil1 Francis M o n t e f i o r e s, der tagsüber auf allen Litfass-Säulen Berlins prangte und' auf die jüdische Bevölkerung Berlins eine grosse Zugkraft übte. Der grosse Saal der Victoria-Brauerei in der Lützowstrasse war von über 2000 Personen derart überfüllt, dass die Thüren geöffnet werden mussten. damit aüch die Aussenstehenden die Rede anhören könnten. Sir Francis Montefiore wurde durch stürmische, nicht endenwollende Zurufe begrüsst, für die er tief gerührt dankte. Dr. K a t z begrüsste im Namen der Berliner Zionisten den Gast und sprach ihm den Dank derselben aus. Es brauche nicht gesagt zu werden, führte der Redner aus, was der Name Montefiore für das Judenthum bedeutet und welche Gefühle er in dem Herzen jedes einzelnen Juden wachruft. Sir Francis Montefiore sei den heiligen Traditionen seines Hauses treu geblieben, indem er sich dem grossen Befreiungswerke des Zionismus mit ganzer Seele angeschlossen und die Mühe nicht gescheut habe, nach Berlin zu kommen, um für unsere Sache neüe Anhänger zu gewinnen. (Grosser Beifall und stürmische Zurufe.) Nunmehr ergriff Sir Francis Montefiore das Wort zu seinem meisterhaften Vortrage über die Bedeutung des Zionismus, der an vielen Stellen durch stürmischen Beifall und anhaltendem Juber unterbrochen wurde. Rede Sir Francis Montefiqres. Sir Francis Montefiore sagte u. a;: Meine Damen und Herren! Obgleich alle wahren Zionisten dem Wahlspruche „Stets vorwärts" huldigen müssen,, gibt es doch, glaube ich, hin und wieder Zeitpunkte, wie der vorliegende, wo es statthaft ist, einen Augenblick zu ruhen und einen Bückblick auf die Vergangenheit zu werfen, um, durch die erzielten Erfolge ermuthigt, neue Thatkraftzu .schöpfen für das Unternehmen, welches noch vor uns liegt. Denn wenn wir auch mit ausserordentlich viele» ßenwierigkeiten und mit ernster Opposition zu kämpfen hatten, sq hat doch ohne Frage unsere Sache bedeutende Erfolge, erzielt, wie Spie alsbald erkennen werden, wenn Sie die gegenwärtige Stellung des Zionismus mit derjenigen, die derselbe noch vor kurzem einnahm^ vergleichen. Ich. muss Sie itteii^^ ^sipii zii ver-