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Die Welt · 1901-05-03 · 18 (3.5.1901) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
18 (3.5.1901)
Article
Zum Josephus Flavius [Rezension]
Date
1901-05-03
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite$ „Die # Welt" Nr. 18 plätschernden Landregens nach den sausenden Wasserstürzen des Gewitters. Das Buch sollten nicht Juden lesen, die wussten's besser vom Vater, vom Lehrer; griechisch schrieb Flavius für Griechen, wie's auch im Beginne zu lesen: „Das vorliegende Werk nahm ich in Angriff, weil ich damit allen Griechen etwas Bedeutendes zu bieten glaubtet Liest ein ehemaliger Gymnasiast das Buch, so spielt das Andenken an Herodot, an Livius in seinen Gedanken. Wie der Grieche, wie der Römer, endlos aufgeregt und kriegerisch, schlägt sich der Jude tapfer um Gott, um Weideland, um Weiber. Die Richter einigen die Juden in der Nöth, bis der orientalische Geist des Servilismus srUtensteckt. Zuerst die Tüchtigkeit, dann Erblichkeit macht Könige von Israel. Das goldene Zeitalter, wenn wir Grösse, Reichthum und Macht zur Bedingung dieses Ausdruckes wählen, bricht j etzt für Juda an; seine Karolinger regieren : David und Saiomon. Im Zug des Lesens machen wir in diesem Abschnitte Halt bei dem erquickenden Worte, aus dem das Glück von Jahren wiederstrahlt : „Alsdann (nach dem Baue des Tempels) begieng der König (Salomo) mit dem Volke vor dem Tempel 14 Tage lang in grosser Pracht und Herrlichkeit und unter Freudenmahien das Laubhüttenfest." Hundert Capitel weiter geht der semitische Krieg zu Ende, und Nebukadnezar steckt am 1. Tage des 5. Monates den Tempel in Brand, Diesem und dem Volke bringt ein Menschenalter die Wiedergeburt, vom Perser, vom Macedonier gefördert, bis der Syrer seine Uebermacht in Raubgier entfaltet, Hier klingt's, das Lied der Freiheit; kein Lied der Worte — ein Lied der Thaten. Im Leben wie im Tode Fürsten, ziehen die glänzenden Hasmonäer vorüber, ewige Rebellen gegen Fremdherrschaft, endlich von ihren Lakaien, idumäischen Halbjuden, im Kerker, auf dem SchafTot vernichtet. Unerforschlich als Mensch, als Herrscher steigt Herodes auf den Thron, schon vom Römer ernannt, beschützt. Die Schatten des Capitols lagern auf dem Marktplatze von Jerusalem. Bald tönt die grosse Klage der Mütter und der Bräute, der Helden Heimgang. Interessant wirkt es, dass Josephus „eine am Thatorte aufgenommene Skizze", nicht mit dem Griffel des Malers zwar, sondern mit Worten entwirft. Touristisch beschreibt er Land und Leute, das Land mit herrlichen Bauten geschmückt, den Galiläer frei auf seinen Bergen, den Tieflandsbewohner geistig regsam und fleissig — die Culturgeschichte einer lebensvollen Nation. Wie schon Leute schreiben, die halb Juden sind und halb nicht, ungefragt geben sie bei jeder Gelegenheit die Höhe jüdischer Moral und Ethik an, eine Entschuldigung ihrer Abstammung. Auch Josephus' Werk hat den unnützen Nutzen, den Geist des Judenthums leichtfasslich und ausführlich zur gefälligen Kenntnisnahme für Niehtjuden zu dolmetschen. Vorläufer des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus. Was in seinen Capiteln lebt und leidet, ist Blut von unserem Blute, und Goethe sagt, dass uns jene Bücher interessant sind, in denen wir uns selbst finden. J. Upfimny. 2HtecbFifaet)* ui)d J|(icbei*» Rundschau. Bücher-Einlauf. Rabb. Dante A. Lattes: II Oott. Kohn. Drama in 4 atti di Max Nordau. Conferenza tenuta in Trieste la sera del 6. Die. 1900. — Triest 1901. Ro n e 11 i Roman: Wanasse. Drama in patru acte. — Bukarest 1900. Year Book of the Central Conference of American Rabbis. Vol. X. Containing the proeeedings of the Convention held at Buffalo, July 3-7, 1900. Oritter Jahresbericht (1898) der Gesellschaft für Sammlung und Conservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums. Mit vielen wissenschaftlichen Beiträgen : David Kaufmann von D. H. Müller. Das älteste Buchdrama der Weltliteratur von Rabb. Dr. Ad. S c h m i e d 1. — Wien 1900. : TPwin« wenn ,map npvn^ya Dinn ♦mn1? ran dpi nmo" : parva «n *c (»rbp-rrep) /prbsto * „The Sun", anerkanntermassen die vornehmste New- Yorker Tageszeitung, bringt in ihrer Sonntagsnummer vom 7. v- M. einen, „Judaism" übersehriebenen längeren Aufsatz aus der Feder unseres gelehrten Freundes Professor Rieh. Gott heil, der sicherlich in allen jüdischen Kreisen der Vereinigten Staaten, und nicht nur in diesen, viel Aufsehen erregen wird. In dem glänzend geschriebenen Artikel, der sich als Uebersicht über die religiösen, culturellen und ökonomischen Strömungen des Judenthums im vergangenen Jahrhundert gibt, wird, wie ja bei Professor Gottheil nicht anders zu erwarten, auch der Zionismus in ausführlicher W^eise behandelt, und als die einzige Bewegung bezeichnet, die imstande sei, eine Regeneration des jüdischen Volkskörpers, wie der jüdischen Volksseele herbeizuführen. Sehr schlecht kommt in dem Artikel das sogenannte „R e f o r m - J u d e n t h u m" weg, das hier, wie in keinem anderen Lande grassiert und die wunderlichsten Blüten zeitigt. In überzeugender Weise und an der Hand von Thatsachen weist Professor Gottheil die innerliche Hohlheit der „ReformB nach, und wie sie nothwendig zum Abfalle vom Judenthum führen müsse. Auch da, wo Professor Gottheil über den europäischen und amerikanischen Antisemitismus spricht, zeigt er sich als der Mann, der keine Bedenken trägt, die ungeschminkte Wahrheit auszusprechen, auch wenn sie geeignet ist,, da und dort Anstoss zu erregen. Und es gehört in der That Muth dazu, in einem so vielgelesenen amerikanischen Tagesjournal das Bestehen des gesellschaftlichen Antisemitismus in den Vereinigten Staaten, wie er in dem Ausschlüsse von Kindern jüdischer Eltern aus gewissen Privatschulen, sowie der Verweigerung der Aufnahme von Juden in verschiedene ,,fashionable" Clubs und Sommer-Resorts ganz offenkundig in die Erscheinung tritt, so ungescheut zu constatieren, wie dies Professor Gottheil in seinem Artikel thut. Die hier aufgezählten sind nur einige der vielen Vorzüge dieses prächtigen Artikels, dessen Leetüre allen Lesern der „Welt", denen ,.The Sun" zugänglich ist, wärmstens empfohlen sei. Jul. Z. Newark, N. J. Die vierte Nummer von „Ost und West" bringt folgende Artikel: Dr. Alfred Nossig: Die Agrargesetze der Juden (mit einem wohlgelungenen Porträt N Ossigs). Professor Dr. D. Joseph: Die Kunst in ihrer Anwendung auf die Gebräuche der Juden. S. B.: Die „Haggada" (mit 13 Illustrationen). Ein kleiner Aufsatz von Th. H. über den vergessenen zionistischen Dichter Ludwig Wihl mit einigen Gedichten aus dessen ,,Westöstlichen Schwalben". Gedichte von Israel Abrahamsoh n. Benjamin Segel: Synagogale Kunst (mit 9 Illustrationen). Professor Dr. Leon Kellner: Eine jüdische Toynbee-Halle. Dr. J. Eliaschoff: Leon Perez. Miscellen. Moses-Bilder von M u r i 11 o und Plockhorst. Aphorismen. Revue der Presse. — Wir werden die bisher erschienenen Hefte dieser interessanten Zeitschrift in einer unserer nächsten Nummern eingehender besprechen. Die zuletzt eingelaufenen zionistischen Blätter enthalten eingehende Würdigungen des Oesterreichischen Zionistentages in Olmütz. „L'Echo Swniste" hebt insbesondere die Thatsache hervor, dass der Zionistentag mit einer nachahmenswerten Sachlichkeit und mit würdigem Ernste gearbeitet habe. Man könne nur wünschen, dass die Zionisten überall eine so inhaltsreiche, fruchtbare und bedeutende Arbeit leisten mögen, wie sie zu Olmütz geleistet wurde. Man könne die österreichischen Zionisten zu dem so schönen Beispiele beglückwünschen, das sie den Zionisten aller Länder gegeben haben. „Hameliz" bringt eine Serie ausführlicher Artikel über den Zionistentag, die der ausgezeichneten Feder S. Rosenfelds entstammen. „II Corriero Israelitico* gibt ein protokollarisches Resume\ „Budustschnostj" gibt das Programmreferat vollständig wieder und bezeichnet die Programmdebatte als von geradezu historischer Bedeutung für die theoretische Entwicklung des Zionismus. Fast alle Blätter betonen, dass die Ergebnisse des österreichischen Zionistentages vorbildlich und richtunggebend für die Gesammtorganisatiön seien. Neben den zionistischen Blättern haben sich auch österreichische politische Journale,, darunter manche in objectiver und sympathischer Darstellung mit dem Zionistentag beschäftigt.

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