Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 17 (26.4.1901)
- Article
- Psalm 126
- Date
- 1901-04-26
- Page
- 13 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 17 „Die Weft Seite f:f Psafm 126. Gewidmet Herrn Dr. Heinrich Loewe, der mich zum Zionismus geführt ha^ An jonem Ta^e aber wird es sein, Als bannte uns ein liehterT schöner Traum. Es flammt der morgenrothe Sonnenschein Als Freilieitsfackel auf am Hinimelssaum; An jVncm Ta^e klingt von Nord und Süd, Von Ost und West ein einz'ger Jubelschrei, Ein Sabbathpsalm, ein frohes Hochzeitslied : Der Herr hat uns erlöst, und wir sind frei! Ein Meer von Thränen haben wir vergossen, Und viele sind es, die für Zion starben; Doch uns're Saat ist herrlich aufgesprossen, Und reich und golden stehen unsre Garben. Frei liegt das Land vor uns im Morgenglühn, Das unsre ahnungsüssen Träume schauten, Und purpurrothe, junge Rosen blüli'n, Wo uns're heissen Thränen niederthauten. Still liegt der Sabbathfriede auf dem Land; Im tiefsten Glück versinken die Gedanken, Und eine schlanke, leine Mädchenhand Kränzt Deine Stirn mit frischen Blumenranken. In tiefgeneigte Zweige hüllt Dich ein, Mit deinem Glück ein blütenschwerer Baum — An jenem fernen Tage wird es sein, Als bannte uns ein lichter, schöner Traum. Berlin. Dolorosa. Jüdische Wissenschaft und Literatur. Zum Josephus Flavius. Aus Anlass der deu tschen Neu-Ausgabe seiner Schriften.*) I. Der jüdische Krieg. Ein Panorama der Vergangenheit, wo sie am schönsten ist. Wir lassen uns in athemloser Bewunderung nicht stören durch die zahlreichen Färbungen, auch offenen Lügen, die ad usum delphini zur gnädigen Kenntnisnahme seitens des Cäsar geschrieben sind; geschrieben, wie etwa eine europäische Zeitung die Erhebung chinesischer Patrioten unter dem Titel bringt: Neue Räuberbanden in Petschili. Wir wollen, da wir nicht im Besitze einer massgebenden geschichtlichen Kritik sind, aus unserer Besprechung den Josephus selbst ausschalten im Gefühle, es keineswegs mit einem stolzen Manne, würdig seiner heroischen Umgebung, zu thun zu haben, aber unvermögend, vom sicheren Tische aus, den Mann aus wilden Kriegbläuften zu verurtheilen. Wäre das Werk von einem Juden für Juden geschrieben,, sein bester Titel wäre wohl gewesen; So sollt Ihr sterben I Wenn jeder Leonidas, jeder Achilles des jüdischen Krieges sein steinernes Denkmal hätte, ganz Judäa würde von Marmor funkeln. Statt alier Propaganda des nationalen Gedankens wäre es besser, unser Geschlecht zu zwingen, seine eigene Geschichte zur Kenntnis zu nehmen. Die Nachkommen eines Eleazar von Massada, eines Joannes von Gischala, eines. Simon würden sich von selbst laut und stolz ihrer Ahnen und ihres Geschlechtes brüsten. Man hat es für etwas Unerhörtes gehalten, dass Preussen im Jahre 1813 fast neun Percent seiner Bevölkerung gegen Napoleon ins Feld gestellt hat, man bewundert die Boeren, vbei denen jedet^.fünfte im Felde steht. Und da auch geht's und gieng's. um Heimat und Herd und Kirche. Lassen wir dagegen die Ziffern des Josephus sprechen : Der Statthalter Cassius Hess insgeheim das Voile zählen, als man "die Pessach-Opfer brachte: da *) Flavius Josephus : Geschichte des jüdischen Krieges. Uebersetzung von Dr. Heinrich Clementz. (Preis 3 Mk., geb. 3 Mk. 25 Pf.) — Jüdische Alteithümer, I. und IL ßd. (Preis 6 Mk., geb. 6 Mk. 50 Pf.) Halle a. S. Verlag Otto Hendel. waren's 2,700.000. Nach dem Kriege waren davon 07.000 Sclaven, todt aber 1,100.000, d. h. halb Juda lag auf den Triften, auf den Strassen und Mauern der heißgeliebten Heimat. Die von Massada aber machten sich durch ihren Tod uns-terblich. So starben sie: nachdem jeder sein Woib und seine Kinder erstochen, „wählten sie 10 Genossen, welche die übrigen umbringen sollten. Hingestreckt an der Seite seines Weibes und seiner Kinder und die Arme über sie ausbreitend, bot ein jeder bereitwilligst seine Kehle dar." Die Zehn Hessen sich von einem letzten durchbohren, der die Festung in Brand setzte und sich durchbohrte. So fiel eine Festung um die andere, ein Judenhaufen um den anderen stürzte sich wüthend in die Speere der berühmtesten Legionen, die die Römer zahlreich und unter den besten Führern gegen ein rasendes Volk ausschicken mussten, so lange, bis aus Judäa statt eines römischen Kerkers ein römischer Friedhof wurde. Und die Ursachen dieses welterschütternden Dramas? Ein Pfaffe und ein Sclave verschworen sich, Hyrkanus und Antipater, und da ihnen die herrlichen, die glänzenden Hasmonäer entgegentraten in ihrem fürstlichen Muthe, ihrer unentwegten Ehrlichkeit, freie Herrscher eines freien Volkes, so trat die Lüge, die Niedertracht, der persönliche Eigennutz die Reise zu den Römern an. Ein Pfaffe und ein Sclave färbten den Jordan, färbten das syrische Meer ein Jahr lang mit dem Herzblute des herrlichen Volkes. Wir aber gedenken unserer Ahnen hohen Hauptes und stolzen Herzens. J. U p f i m n y. (Schluss folgt) * Ueber die Arbeit Dr. Lipp es zu seinem 70. Geburtstage: „Die Embryologie der Rabbinen" wird Professor Pagel in Berlin im Virchow'schen Jahresarchiv berichten. Unter anderen (privaten^ Museen hat das Wiener jüdische Museum ein Exemplar der zu Dr. Lipp es 70. Geburtstage geprägten Denkmünze unter Nr. 1838 in Archiv aufgenommen. $fus dei) \)erei!)ei)« Voranzeigen. Wien. (.Erster Wiener jüdischer Turnverein.") Die Turnstunden des „Ersten Wiener jüdischen Turnvereines" wurden wie folgt festgesetzt: Für Herren: Montag und Donnerstag von 1/2S—9 Uhr» Für Damen: Mittwoch und Samstag von 7—lJ29 Uhr. Wien. (Jüdisch-akademische Verbindung „U n i t a s", W i e n, VIII., Josefstädterstrasse 14 ) Samstag den 27. d. M. 7'/2 Uhr abends, hält Schriftsteller York-Steiner im Locale der Verbindung einen V ortrag über „Kinderproductiou und Nationalitätenstreit'4. Gäste herzlich willkommen. Wien. (Der Einzel verein „Favoriten" des Verbandes „Zion") hält Dienstag den 30. d. M. 8 Uhr abends in Oszerets Restaurant, X., Keplergasse 7,- eine ausserordentliche Plenar-Versammlung ab, in welcher Herr Dr. Kren berger ein Referat über den.Olmützer Parteitag erstatten wird. Gäste willkommen. . Wien. (Im literarischen Gesell i g k ei t sverein jüdischer Mädchen „Moria") findet Sonntag den 28. April um-3 Uhr nachmittags, im Vereinslocale, IX., Berggasse 20, der letzte Vortrag in diesem Semester statt. Um vollzähliges und pünktliches Erscheinen der Mitglieder wird gebeten. Gäste, Damen, sind herzlich willkommen. B. H. Wien. („Allgemeiner Jüdischer Arbeiter- Verein".) Samstag den 27. d. M., 8 Öhr-abends, hält Herr- Hugo Benedict in der „Jüdischen Toynbee - Halle'-. XX., Webergasse 13, einen Vortrag über „ A s s i m i 1 a t i o ii s- Blüten". 9V* Einige Vereinsanzeigen, sowie die Zeitschriften- und Büc.herrutidschau mussten wegen Raummageis für die nächste Nummer zurückbleiben. Berichte. Wien. Im Vereine jüdischer.Mädchen „Hadassa" sprach Sonntag, den 21. d. M., Herr Martin Bub er vor zahlreich erschienenem Publicum über „Das Zion der j üdischen Frau". In geistvoller Weise betonte der Vortragende, dass der Einfluss der jüdischen Frau im momentanen Zustande des Wiedererwachens des Juden thums von besonderer Bedeutung sei. In ihrer Seele müsse sie vor allem ihr Zion wiedererstehen lassen, die schlummernden Gefühle für das wahre Judenthum müsse sie wecken, um so in Gestalt der wahren