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Die Welt · 1901-04-19 · 16 (19.4.1901) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
16 (19.4.1901)
Article
[Ohne Titel] / Wassermann, S.
Date
1901-04-19
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 16 „Die & Welt Seite 13 es den Colonisten ermöglicht wird, auf heimatlichem Boden ihre Existenz zu sichern." In Gemässheit dieser Resolution ersucht das Landes-Comite Sie dringendst, sofort energisch an die Ausführung dieses Beschlusses zu gehen, und legt Ihnen eine rasche, zweckdienliche und möglichst umfangreiche Thätigkeit dringend nahe. Das Landes Comite steht eventuell mit Informationen gerne zur Verfugung, erwartet jedoch von Ihnen, dass Sie der Durchfuhrung obigen Beschlusses alle Energie und alle Ihre Kräfte widmen werden. Hierüber erwartet das Landes-Comite gerne und bald Ihre Nachrichten. Für die Leitung des österreichischen Landes-Gomites (Verband „Zion"): Dr. S. Kr enberger m. p. A. H. Reich ra. p.' I. Obmann. I. Schriftführer. Dr. S. Wassermann m. p. Referent für Galizien. Mittheilungen des Executiv-Comites des Verbandes der jüdischen Handelsangesteliten und Arbeiter Oesterreichs. An die Organisationen und Vertrauensmänner! Am 25. und 27. Mai findet in Prag der III. Parteitag der jüdischen Handelsangestellten und Arbeiter Oestorreichs statt. Es ergeht hiermit an die Organisationen und Vertrauensmänner die Aufforderung, in ihren Städten und Bezirken eine rege Agitation für den Parteitag einzuleiten, Flugschriften und Aufrufe zu erlassen und Versammlungen zu veranstalten, um das jüdische Proletariat über die Bedeutung und Ziele des Parteitages aufzuklären. Die Delegiertenwahlen sind sofort vorzunehmen und deren Resultat bis zum 4. Mai dem Executiv-Comite mitzutheilen, damit den Delegierten die Legitimationskarten rechtzeitig zugeschickt werden können. Anträge und Wünsche bezüglich der Referate sind dem Executiv-Comite bis zum l. Mai bekanntzugeben. Der Parteitag ist auf Grund des § 2 des Versammlungsgesetzes einberufen und der Zutritt nur gegen Vorweisung der Einladungskarte, welche nicht übertragbar ist, gestattet. Im Interesse einer geregelten Debatte wurde bei der Vorconferenz in Olmütz beschlossen, die Grundzüge der Referate den Vereinen und Vertrauensmännern mindestens 14 Tage vor dem Parteitage behufs Discutierung bekanntzugeben. Diejenigen Prager Gesinnungsgenossen, die in der Lage sind, den auswärtigen Delegierten und Gästen während des Parteitages Logis zu gewähren, werden ersucht, dies dem Vereine der jüdischen Handelsangestellten in Prag, Heinrichsgasse 0, mitzutheilen, damit die entsprechenden Vorbereitungen getroffen werden können. Als Einberufer des Parteitages fungieren die Gesinnungsgenossen : Nathan Gross, Max H i c k 1, Emil Jelinek, EgonL eder er, Emil O b e r n ik, M. S c h ap ir a, Alfred Weissb erger. Die Referate wurden folgen dermassen vertheilt: 1. Begrüssung, Max Hickl, Brünn. 2. Erstattung des Rechenschaftsberichtes, BerthoLdTintner, Brünn. 3. DieLage des jüdischen Proletariats, Nathan Gross, Wien, IL, Miesbachgasse 14. 4. DieLage der jüdischen Handelsangestellten, Emil Obernik, Smichow, KinskyStrasse. 5. Programm, Egon Leder er, Wien, I., Wipplingerstrasse 12. 6. Bildung und Bildungsvereine, M. Schapira, Prag, VIL, Belcredistrasse 384. 7. Organisation und Agitation, Paul Laufer, Wien, IX., Lichtenthalergasse 11. 8. Parteipresse, Robert Stricke r, Brünn. 9. Stellenvermittlung, Emil J e 1 i n e k, Prag. 10. Unterstützung Conditionsloser, Alfred Weissberger, Wien, IL, Czerningasse 7. 11. Die Frauen- Organisation, Frau Dr. Olga K a d i s c h. A^^^M^V^iAWvVm^V^^^^VmVW^WwVmVWW^W^ Schmerzgebeugl gibt die Unterzeichnete allen ihren Freunden und Bekannten die traurige Kunde, dass ihre heissgeliebte, theure Matter bebora Gelbtuch Mittwoch den 10. cl M. in ihrem 44. Lebensjahre verschieden ist. Amelie Gelbtuch. Briefkasten. S, C. in Bielitz. „Zion" vor längerer Zeit eingegangen. Wenden Sie sich an Herrn Dr. Heinreich Loewe, Berlin- Charlottenburg, Sesenheimerstr. 9. W. F. in Lemberg. Nicht geeignet. I. E. in Tarnopol. Nr. 14 geht an Sie ab. Beitrag für unser Blatt nicht geeignet. J. Z. in Berlin. Nicht geeignet. Z. S. in Suwalki. Herrn Berthold F e i w e 1 zur Beantwortung zugeschickt. ^V^»MAw^^^^^WWiW>^V»^V»^^ Militärarzt Rosenberg. Novelle von Josef Stutzin. (Nachdv.iek verboten.) I. In den kleineren deutschen Residenzen gibt es kaum einen Winkel, in den die Hofluft nicht eingedrungen wäre. Sie strahlt in grossen (lichten Wellen vom Hofe aus und versorgt freigiebig alle Gassen und Gässchen der kleinen Stadt. Es vergeht wohl kaum eine Tagesstunde, in der die Existenz des Hofes sich nicht in irgend einer Form dem ehrsamen Bürger kundgäbe. Alle zwei Stunden zieht mit klingendem Spiele die Schlosswache durch die Strassen, begleitet von einer Menge johlender Schulbuben und kichernder Dienstmädchen. Hin und wieder rasselt eine Hofkutsche vorbei mit den beiden rothröckigen Livreedienern auf dem Bocke. Die eleganten Warenwägelchen des Hofes fahren hin- und her, und mindestens einmal täglich sieht man eine Prinzessin vor einem grösseren Laden aussteigen, sieht man den Erbgrossherzog vorbeireiten und Seine königliche Hoheit selbst in offener Kalesche die wenig belebten Gassen durcheilen. Der höhere Adel richtet sich nach dem Hof»3, der einfache Adel nach dem höheren, die wohlhabende Bürgerschaftnach dem einfachen Adel und die jüdische Bevölkerung richtet sich nach der wohlhabenden Bürgerschaft. TL Herr Saul Rosenberg, in Firma S. Rosenberg, besass in der Residenz das vornehmste Wäschegeschäft. Er lieferte für den Hof die feinsten Tüllhemden und Seidentaschentücher. Es verstrich selten eine Woche, in der nicht ein Kammermädchen mit einem Auftrage vom Hofe bei Herrn S. Rosenberg eingekehrt wäre. Aber auch die Oberhofceremonienmeisterin und sogar Ihre königliche Hoheit selbst sind schon hin und wieder dagewesen. Der Hoflieferant S. Rosenberg war von Natur ein recht wenig temperamentvoller Mann, und die eisige Hofluft, die er so oft an sich vorübergleiten sah, hatte noch den Rest seines Temperaments mit einer kühlen Hülle umzogen. In seinen Fünfzigerjahren sah er fast wie ein geborener Gentleman aus. Der mittelgrosse, gut gebaute Mann mit der weissen Weste, der blinkenden Wäsche und dem schönen, gut gepflegten schwarzen Haare, durch das sich feine Silberfäden zogen, war sehr gemessen, redete wenig und überlegt, gerieth, wenn Fremde da waren, nie in Wuth und war auch mit seinem Lächeln sehr sparsam. Herr Rosenberg hatte mehrere Töchter und zwei Söhne — durchwegs sehr hübsche Kinder.

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