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Die Welt · 1901-04-12 · 15 (12.4.1901) · p. 14

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
15 (12.4.1901)
Article
Die Uhr
Date
1901-04-12
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 „Die # Welt" Nr. 15 beiden Seiten grünende Felder, die jungen Weiden leuchteten im Süberschmuck. in den knospenden Blättern rauschte es, ein leiser Wind wehte, er brachte den der Erde entströmenden frischen Kräutergeruch mit. Der Fluss leuchtete in einem so tiefem Blau, als sei hinter den hügeligen Ufern ein Stück blauen Himmels herabgefallen. Seit langem schon hatte Berek die Stadt nicht verlassen. Jetzt erinnerte er sich sofort an Strumienica. Der Wind, die Weiden, die klare leuchtende Luft, sie alle flüsterten es ihm ins Ohr: „Strumienica, Strumienica!" Er steht wieder am Zaun, schaut dieselben Weiden, denselben blauen Fluss, und hört den Vogel, der im Walde sein „Ku-kuk Ku-kuk* rufe ... Seine Augen hafteten am silberüberrieselten Sarge. „Dort begann unser Leben, Deines und meines..." Durch das weit offene Thor des Friedhofes schritt der Zug und zerstreute sich in diesem Walde von Grabdenkmälern und Kreuzen; die Gräber waren mit Veilchen übersäet. Erschrocken blieb Berek stehen, er liess den Menschen - ström an sich vorüberziehen und blieb allein ... Der Friedhof war voll von Bäumen, der alte Jude versenkte sich 7Avischen den Weiden; mit gesenktem Haupte und herabhängenden Armen irrte er unter den Trauerweiden umher und murmelte vor sich hin: „Nu, zu was bin ich hergekommen? Wie pass' ich her? Zu was bin ich hergekrochen?u Aber er ging doch nicht weg, er fühlte es ja, dass der unsichtbare Schmied ihn an diesen Sarg, den man eben in die Erde senkte, mit einer Kette fesselte. An dem entgegengesetzten Ende des Friedhofes stand eine bunte Menge, feierliche Gesänge schollen zum Himmel empor, das Kreuz leuchtete auf dem Grabe. Der Jude trippelte mit gesenktem Haupte zwischen den Weiden umher, und brummte vor sich hin ... Das Thor des Friedhofes war noch immer weit offen, er aber gieng nicht weg; er setzte sich unter die Weiden ... Unter den Weiden, von denen die Blätter rieselten, zwischen den weissen Stämmen, über dem veilchenbesäeten Grab, kauerte die graue Gestalt des alten Juden mit der eingedrückten Mütze, den grossen Augenglässern und dem silberweissen Bart. Der Friedhof war hügelig, er reichte bis zum Flusse hinter dem grünende Felder und ein gelber Sandstreifen sich hinzogen. Der Jude streckte sich und blickte unverwandt auf den gelben Sandstreifen. „Was ist das?" brummte er, „was soll das heissen? Ist es möglich? Ich hab' nicht gewusst, dass man ihn von da aus sehen kann?1* Auf dem gelben Sandstreifen zeichnete sich ein von einer Mauer umfriedeter, mit ragenden Steinen bedeckter Platz ab. Dort gab es keine Denkmäler, keine Bäume, nichts als eine Menge Steine, vom rechlichen Strahl der untergehenden Sonne beleuchtet; ringsumher gelber Sand. Es war der jüdische Friedhof. Berek stützte die Ellbogen aut die Knie, senkte das Haupt in die Hände und schüttelte den Kopf; er beugte sich bald nach vorn, bald nach rückwärts, im Takte, Wie der Schmied, der den Ambos schwang, der den Alten an den Sarg dort unten kettete. Leise sprach er: „Das ist Dein Ende und das meine" Die graue Gestalt kauerte unter den Weiden, zwischen dem knospenden Grün, beim Zwitschern der Vögel, auf dem veilchenübersäeten Grab. Und derselbe blaue Himmel wölbte sich über den beiden Friedhöfen, über den einen voll von blühenden Blumen und prächtigen Kreuzen, und über dem andern, mit den ragenden Steinen, auf gelbem Sande. Die unsichtbare Kette umschlang sie beide. — — ffas dei) y$tp*iT)*i). Voranzeigen. Wien. (Einzel verei n „Z i o n Leopoldstadt- Praterstrass e".) Mittwoch den 17. d. M. findet im „Cafe Orient", Praterstrasse, eine Vei Sammlung statt mit der Tagesordnung: „ Welche Gefahren drohen den jüdischen Colonien in Palästina?" Referent: Dr. Leopold Kahn. Beginn präcise 73/4 Uhr. Zahlreiche Betheiligung erwünscht. Wien. (Erster Wiener Jüdischer Turnverein, I.s Mölker bastei 5.) Turnabende finden statt: für Herren : Dienstag und Freitag, Montag und Samstag von V^S bis 9 Uhr, f ü ra Damen: Mittwoch und Samstag von 6l/3 bis 81/, Uhr. Vor turner-Curs von 5*/, bis 61/, Uhr...... * - ................ — Wien. (Literarischer Geselligkeits Verein jü discher Mädchen „Mori a") Sonntag den 14. d. M. findet in unserem Vereinsiocale, IX., Berggasse 20, ein Vortrag des Frl. Cami 11 a. W a g n;e r: - „Was ist Zionismus" statt, wonach Herr cand. jur. B. M. Felsen bürg das Referat „Der Olmützer Zionistentag und die Mädchenvereine" halten wird. Gäste, Damen, herzlich willkommen. Beginn 3 Uhr. N. P. Wien. Im „Vereinejüd. Mädchen Hadassa" erstattete Sonntag den 7. d. M. Frl. Amelie Gelbtuch einen Bericht über den „Ersten österreichischen Zionistentag in Olmütz". Im Anschlüsse hieran richtete die Referentin in herzlichen Worten einen warmen Appell an die versammelten Mitglieder, sie mögen für die hohe Zions- Idee all ihre Kräfte einsetzen und eine rege Thätigkeit entfalten, um den Zionismus wirksam zu propagieren und für ihn lebhaft zu agitieren. Nach dieser mit grossem Beifall aufgenommenen Ansprache wurde der Beschluss gefasst, sich der gesammtösterreichischen zionistischen Organisation anzuschli essen. Wien. („Jordania" Verein jüd. Handelsangestellter.) Geselliger Abend zur Gründungs-Feier der „Jordania", welcher Samstag den 13. April 1901 im Saale Guth. Ii., Stefaniestrasse f>—8, stattfindet. Anfang 7,9 Uhr. Berichte, Jaroslau. (Verein „Bnei Z i o nu.) Bei der am 7. d. M. stattgefundenen General - Versammlung wurden folgende Herren in den Ausschuss gewählt: Ais Präsident Dr. ßiumenfel d, Vicepräsident D. Korma n, Schriftführer K. Sonnenschein, L. Sternhell, Cassier W. Stramer, Ausschuss J. Gaschge, J. Schussheim, J. Goldschmidt, S. L u r i, Vertreter M. Brandwein, M. Rappaport, Controlore H. M. Lion, S.Rauch. L. Vogel. Wien. (E i n z e 1 v e r e i n „Fünfhaus" d e s „Z i o n\) Der 4. Vereinsabend des Einzelvereines rFiinfhausu des „Zion" vom 21. März d. J. bot den zahlreich erschieneneu Gästen grossen Genuss. Balduin Gr oll er, der freisinnige Vorkämpfer für alles Ideale, hatte das Referat über die Frage zu erstatten : „Wie bekämpft man den Antisemitism js? ' Wir brachten den glänzenden Vortrag in unserer vorigen Nummer und verz3icimen hier nur den reichen Beifall, der die geistvollen Ausfuhrungen des Referenten lohnte. Ein Bild des Elends und der Verfolgung entrollte hierauf der vorzügliche Kenner der socialen Lage des Judenthums, Herr Dr. Hermann Kadisch, in seinem Referate über „Die Lage der jüdischen Kleinhändler und Hausiere r;\ Reiche Statistik begründete die Anschauungen des Redners, der vielen Beifall fand. Prag. Die Tafelrunde jüdischer Studenten „Fr aternitas', hat am 10. v. M. ein Kränzchen zugunsten einer in Prag zu gründenden Toynbee-Halle veranstaltet. Dieses nahm einen äusserst animierten Verlauf, und bedeutet wiederum einen moralischen Erfolg der zionistischen Idee auf dem Prager Boden. Zu ihrer grossen Uenugihuung konnte die Tafelrunde der Toynbee-Halie einen Betrag von 100 Kronen zuwenden. Czernowitz. (A k a d. Leseverein „Humanita s".) Am 18. März trat der Verein in das III. Semester seines Bestandes. Ein vom Ausschusse creierter Vortrags-Cykius fand bei den zahlreich alss Gäste erschienenen Gesinnungsgenossen beifällige Aufnahme und Anerkennung. Es wurden folgende Themen behandelt: „Wie können die Makkabäer würdig gefeiert werden?tt (jur. Hutmann); „Geschichte der Juden* (phil. K o h a n); „Geschichte des Antisemitismus und seine Wirkung auf das Judenthum" (jur. Neugeboren); „Moses Mendelssonn, sein Leben und seine Werke* (jur, Fleischer); „Die rechtliche Stellung der Juden im Mittelalter" (jur. ötemberg) und „Spinoza als Pantheist und seine Stellung zum Judenthum" (jur. Fried wald). Im Sommer-Semester wird der Cykius fortgesetzt. Die Bibliothek zählt 443 Werke mit 581 Bänden; im Vereinslocale liegen 18 verschiedene Zeit- und Tagessehriften auf (darunter 5 jüdische). Die Ausschuss wähl ergab folgendes Resultat; Obmann: stud. jur. Jakob Wechsl er; Obmann-

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