Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 15 (12.4.1901)
- Article
- Die Erhaltung der Toynbee-Halle
- Date
- 1901-04-12
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 12 „Die # Welt*6 Nr. 15 Wir wenden uns an alle Glaubensgenossen, die sich unser altes Erbtheil. das Pflichtbewustsein den Armen gegenüber, bewahrt haben, mit der Bitte, dem Toynbee- Halle-Verein beizutreten und das gute Werk aufs kräftigste zu unterstützen. Wir bitten ferner alle jene, die über rednerische und und musikalische Begabung verfügen, dessen eingedenk zu sein, dass auch für die Reichen im Geiste Pflichten des Besitzes bestehen. Zeitschriften« ui)d Hüchel»' Rundschau. „Berenice", historischer Roman von H. V; Schumacher. W. Vobach & Comp., Leipzig. Dieser Tage erschien ein Roman in zweiter Auflage, der mehr vielleicht als Rede und Broschüre geeignet wäre, ein wirksames Kampfesmittel gegen das Märchen von der Feigheit der Juden zu bilden, das bei Nichtjuden und leider auch bei Juden, die die Geschichte ihres Volkes nicht kennen, verbreitet ist. Schumacher behandelt in seiner „Berenice" den Heldenkampf des jüdischen Volkes gegen den römischen Ueberwinder zur Zeit der Zerstörung des zweiten Tempels. In wirkungsvoller Weise schildert er den Muth, mit dem anfangs nur die Einwohner von Galiläa unter der Führung des tapferen Johannes von Gischal a, der im Kampfe für seine Ueberzeugung den Märtyrertod erleidet, die Sache des Vaterlandes vertheidigen; wie dann erst diese aus ihrem dumpfen Schlafe erwachen, um gegen den Rath ihres heuchlerischen, schwachen Königs Ägrippa Schulter an Schulter mit ihren Volksgenossen zu kämpfen. Wunderbar natürlich ist die Schilderung der inneren Lage des Volkes vor dem offenen Aufruhr, der Zwiespalt im eigenen Lager, die zweideutige Haltung der Reichen und Vornehmen, ergreifend die Beschreibung von der Belagerung Jerusalems, dem todesmuthigen Ausharren des letzten Restes der Verth eidiger, die schliesslich, um nicht den Triumphzug des Römers schmücken zu müssen, den Untergang in den Flammen des brennenden Heiligthums suchen. Die äusseren Ereignisse, die Schumacher nach den Werken des Josephus Flavius erzählt, bildenden Rahmen zu dem eigentlichen Roman, der Liebesgeschichte der Judenfürstin ßerenice, der Schwester Agrippas, des letzten Herodäers. In heftiger Liebe zu Reguel, dem schönen Sohne des Johannes von Gischala entbrannt wendet sie sich, als sie, von diesem durch die Ränke ihres Bruders getrennt, ihn für verloren betrauert, von ihrem Volke, das sie bisher mit der ganzen Glut ihrer Seele geliebt hat, um, von wildem Ehrgeize ergriffen, sich an die Seite des jungen Titus, der sie liebt, zu stellen, Sie ist es, die in der Folge die Hauptschuld am Verderben ihres Volkes trägt, die die Römer zu immer neuen Grausamkeiten gegen die Judäer antreibt und endlich den Untergang ihres Vaterlandes herbeiführt. In Rom, wohin sie mit ihrem Buhlen zieht, um seine rechtmässige Gattin zu werden, weilt bei ihrer Ankunft auch Reguel, der sie nur als Deborah, die schöne Tochter eines Kaufmannes, gekannt und wiedergeliebt hat; er ist in Rom, um der Todfeindin Judas, der Verrätherin des eigenen Volkes, den Dolch ins Herz zu stossen, und sieht zu seinem Entsetzen, dass jene Deborah, deren vermeintlichen Verlust er noch jetzt betrauert, und die gehasste Fürstin seines Volkes eine Person sind. Im Kampfe seines Innern zwischen der wiedererwachten Liebe und dem Hasse macht er seinem Leben selbst ein Ende. Berenice beschliesst auf den Trümmern des zerstörten Jerusalem nach Jahren geistiger Umnachtung ihr Leben. Von einer zarten Poesie sind in diesem Buche die Beschreibungen des Landes, seiner herrlichen Naturpracht, der üppigen Fruchtbarkeit seiner Thäler, der träumerischen Landschaft, der zerstörten Zionsfeste, unter deren Trümmern tausende ihrer tapferen Bewohner den Heldentod erlitten, und auf denen die letzte Judenfürstin die letzte Ruhe fand. Seh......nn. In den „Mittheilungen des Isr. Landes-Lehrervereines in Böhmen" schreibt Rabbiner M. Friedmann (Horazdowitz) einen vorzüglichen zionistischen Artikel, der darauf berechnet ist, die Lehrer über das Wesen des Zionismus aufzuklären. In ganz ausgezeichneter Weise entwickelt Rabbiner Friedmann die Aufgaben, die die Zionisten in den Ländern des Golus zu erfüllen haben, um das jüdische Volk für seinen zukünftigen Beruf vorzubereiten. Der Artikel schliesst mit den Worten : „Eingedenk der schönen Worte des grossen Propheten Jesaias (66, 8) nPTK "tl ^r-OK ,*TriK DVD pK SlTPn. dass ein Land nicht in einem Tage entstehen, ein ganzes Volk nicht auf einmal geboren werden kann, werden wir Zionisten in unserer einmal begonnenen, wenn auch langwierigen Arbeit und Thätigkeit, dem jüdischen Volke fähige und würdige Söhne und Töchter mit kräftigem Rückgrate, echtem Selbstbewusstsein und wahrer Selbstachtung zu erziehen, nicht erlahmen und uns auch nicht beirren lassen, werden wir weder Zeit, noch Mühe, nicht materielle Opfer schonen und sparen, bis der Zionsmus seine Aufgabe gelöst und sein Ziel erreicht hat; bis aufgeht wie Lichtglanz Zions Recht und Jerusalems Heil aufflammt wie eine Fackel. Dies zu verwirklichen, ist Ehrensache des ganzen jüdischen Volkes. Und ein Volk, das nicht sein Alles an seine Ehre setzt, hat sich für alle Zeit und Ewigkeit selbst gerichtet. Von unseren gleichgesinnten Brüdern und Schwestern erwarten wir eifrige Förderung und thatkräftige Unterstützung aller unserer Bemühungen, Unternehmungen und Bestrebungen; von allen anderen aber, die mit uns nicht sympathisieren, die sich lieber bücken und beugen, ducken und krümmen, sich am liebsten „nicht zu erkennen geben", die das J"fl^, d. h. die Unterdrückung und Knechtschaft, die Erniedrigung und Schande, dem rH^fN d. der Freiheit und Selbstständigkeit, der Achtung und Menschenwürde, vorziehen: von allen denen fordern wir mit Recht wohl nicht die von der Thora (IL, 21, 6) vorgeschriebene Stigmatisierung, wohl aber, dass sie uns zumindest ruhig gewähren lassen, uns keine Hindernisse in den Weg legen und uns auch nicht verleumden! Ist aber der Zionismus einmal am Ziele und erkennen dann die Widersacher desselben ihren Irrthum, so mögen sie nur kommen, sich bergen im Schatten seiner Fittige und rufen: D'Ottf'p 13K ^TD Nun sind wir unter unseresgleichen, jetzt können wir unter Menschen auch Menschen sein! Mögen sie da kommen alle, alle! Denn Platz ist bei Zion für alle seine Kinder! Wir lesen in der „Israelitischen Rundschau": ^Nachstehendes Urtheil über den Zionismus, einem Vortrage des bekannten Judenmissionärs Pastor B i e 1 i n g entnommen, dürfce nicht nur die Zionisten interessieren : 1. Der Zionismus ist nach seiner Entstehung und seinem Wesen eine rein diesseitige, keine religiöse Bewegung. 2. Der Zionismus macht die Herzen im jüdischen Volke durchaus nicht empfänglicher für die Predigt von Christo, eher noch verschliesst er sie dagegen. 3. Der Zionismus verdient gleichwohl unsere vollste Aufmerksamkeit, weil mit ihm ein neuer Abschnitt in der Geschichte Israels seinen Anfang nehmen wird. 4. Seine rechte Würdigung und Beurtheilung findet der Zionismus nur vom biblischen Standpunkte aus. 5. Der Zionismus nöthigt