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Die Welt · 1901-04-12 · 15 (12.4.1901) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
15 (12.4.1901)
Article
Eine Resolution gegen die Ica
Date
1901-04-12
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die # Welt" Nr. 15 schaft zur Cultivierung das Landes zu gründen und seine in Europa verfolgten Brüder dahin zu versetzen. Ist das nicht genau auch das Bestreben der ,Jüdischen Colonial-Bank? Als Zionisten wollen sie nicht mit der Sesshaftmachung ihres Volkes in Palastina beginnen, bevor sie nicht eine legale Sicherung besitzen. Dieses ist der Unterschied zwischen den Zionisten und jenen, die ihnen vorangiengen. Die Zionisten zogen Nutzen aus den Erfahrungen ihrer Vorgänger.., Im jetzigen Stadium ihrer Vorarbeiten werden die Zionisten von den Antizionisten angegriffen. Eben im jetzigen Augenblick benützen Leute, die die Macht des Mammons besitzen, diese Macht dazu, um die Colonisieruug Palästinas zu verhindern. Er (B entwich) befinde sich hier, um die Versammlung und durch diese alle Juden Englands aufzufordern, gegen diese verbrecherische Politik gegenüber den bereits bestehenden Colonien zu protestieren. Diese Leute versuchten, die Emigration der in Rumänien verfolgten Juden im Keime zu ersticken, vor Furcht, dass diese sich in ihrem Lande oder in Amerika niederlassen könnten. Aber Zeit und Geld, die Abreise der besten colonisatorischen Kräfte aus Palästina zu organisieren, fanden sie, weil sie zu intolerant sind, um ein nationales Werk im Heiligen Lande zu pflegen. Der Grossrabbiner von Frankreich fühlte sich nicht berufen, an dieser Politik theilzunehmen, und obwohl er viele Jahre dieser Körperschaft angehörte, schied er endlich aus der lea aus. Gleichwohl hat der „Jewish Chronicle" die Gelegenheit ergriffen, den Standpunkt des Grand-Rabbin als eine Herausforderung der Zionisten aufzufassen. Die Herausforderung gieng keineswegs vom Grossrabbiner aus. Sie kam von jenen, welche calculierten, dass sie durch Herausziehen der besten Kräfte aus den Colonien die Anstrengungen der jüdischen Nationalisten bekämpfen, und dieser Herausforderung müssen wir entgegentreten. Die Zionisten wissen, wie die Herausforderung erfolgte und von wem, und wir hoffen, sie werden so handeln, dass die Judenschaft als Ganzes auf eine nationale Politik und auf Wiederetablierung der Juden in ihrem eigenen Land bestehen wird. Die Colonisten begehren nur Land. Die Zionisten werden bis zum letzten Athemzuge gegen die inhumane Politik protestieren, welche gegen die Colonisten ergriffen wurde. Die Ica-Politik beabsichtigt, die Colonisten hinauszuwerfen aus dem Vaterlande und die Mühen jener zu treffen, welche ihr Leben und ihr Alles widmeten, um Agricultur im Heiligen Lande zu fördern. Es ist in der Macht der öffentlichen Meinung gelegen, dies zu verhindern. Darum soll die öffentliche Meinung allerorts gegen die Ica aufgerufen werden. Schliesslich beantragt Mr. Bentwich nachstehende Resolution: „Die Massenversammlung von Juden in Manchester erhebt feierlichen Protest gegen das jüngst begonnene Vorgehen der Ica, die geschickte und wohleingeführte Arbeiter vom j j alästinensi sehen Boden wegführt und dadurch den bedrängten Colonien die besten und meist versprechenden Elemente entzieht. Die hier vertretenen zionistischen Vereine appellieren an die Zionisten aller Schattierungen des gesammten Königreiches, sich zu vereinigen zum Zwecke, dem Versuche, die Entwicklung der Colonien im Heiligen Lande aufzuhalten uud zu zerstören, mit allen Mitteln entgegenzuarbeiten. Die Versammlung verbürgt sich dafür, alle not h wendigen Anstrengungen zu machen, um (J i e s e neueste schmachvolle Actio n umzustossen. In Anbetracht dessen wird weiters beschlossen, es sollten Abschriften dieses Protestes und Aufrufes gesendet werden an die „Anglo Jewish Associatio n", an d i e „I c a" und an die „A11 i a n c e i s r a e 1 i t e". (Stürmische Zustimmung.) Galizische Chronik. Organisation. Die Beschlüsse des Olmützer Zionistentages hinsichtlich der für Galizien durch Creierung eines Districts- Comites in Lemberg zu schaffenden Organisation haben in allen gesinnungsgenössischen Kreisen den besten Eindruck gemacht und allseitige Anerkennung hervorgerufen. Denn bisher herrschte allenthalben ein Chaos, wenn nicht gar eine Disciplinlosigkeit. Wenn überhaupt in jedem öffentlichen Leben eine stramme Aufsicht und Ordnung wohlthuend wirkt, so ist noch vielmehr die Disciplin im Leben der Juden Galiziens von hoher Wichtigkeit und geradezu ein Lebensbedürfnis, zumal uns durch das lange Golusleben Ordnungsliebe und Pünktlichkeit stark abhanden gekommen ist. Wenn daher eine wirtschaftliche, geistige und körperliche Hebung der Juden ernstlich ins Auge gefasst werden soll, so könnte hierfür kein passenderes und dankbareres Feld gefunden werden, als eben unter der Judenheit Galiziens. Die ökonomische Lage unserer hierländischen Juden ist schon so oft und erschöpfend geschildert worden, dass es überflüssig erscheint, Gesagtes zu wiederholen. Wir müssen aber betonen, dass der Misszustand mit j e d e m Tage grössere Dimensionen annimmt und die Befürchtung nahe ist, dass sich vor unseren Brüdern in Wien und Budapest jene Scenen, wie sie sie anlässlich der Rumänen- Auswanderung erlebten, in verstärkter Auflage und in noch viel traurigerem Umfange auch bei den galizischen Juden abspielen. Aber, „wo die Noth am höchsten, ist die Hilfe am nächsten", sagt der Volksmund. Es ergeht daher der dringende Mahnruf an das neucreierte Landes-Comite, das Organisationswerk für Galizien so rasch als irgend thunlich durchzuführen. Es empfiehlt sich, vorerst an die Gründung von Credit-Genossenschafcen und Vorschusscassen zu schreiten, um den nothleidenden Handwerkern und Gewerbetreibenden rechtzeitig unter die Arme zu greifen. Wir hoffen, dass die wohlhabende Bevölkerung ihre Unterstützung nicht versagen wird, sobald sie sehen wird, dass das Werk auf ehrlicher, gesunder jüdischer Basis begründet ist. Pbg. Agitation. Herr Samuel L i p a aus S 1 o b o d a hielt anlässlich des letzten Schekeltages im Vereine „Dorsche Schlom Zion" in Lemberg einem formvollendeten Vortrag unter dem Titel „Kosmopolitismus und Zionismus" und begeisterte das Publicum für die jüdische Sache. Charakteristisch ist, dass Herr L i p a, ein grosser Kenner des jüdischen Lebens und d^s Schriftthums, auf oinern weltentlegenen podolischen Dorfe lebt, woher er 10 Schekel mitbrachte. Dieses Factum beweist hinlänglich, dass unsere ärmsten Brüder keine Opfer scheuen. Im neuerbauten Gotteshause „Sichron Jossef%< am Zamarstinow in Lemberg sprach Herr Josef Fe r lberger am zweiten Passahtage über den „Fortschritt der zionistischen Bewegung". Der Referent wies auf die Erfolge hin, welche durch Gewinnung der studierenden Jugend und der Intelligenz für die Wiedergeburt des Judenthums resultieren, und fand allseitige Zustimmung. Die Fragen der körperlichen, geistigen und wirtschaftlichen Hebung der Juden. Die jüdische Toynbee-Haile. Herr Professor Dr. Leon Kellner als Obmann des Comites der Ersten jüdischen Toynbee-Halle hat soeben eine ungemein interessante Broschüre herausgegeben, die sich in folgende Abschnitte gliedert: I. Der Name. II. Warum eine „jüdische" Toynbee-Halle? III. Die Errichtung de.i Toynbee-Halle. IV. Das Publicum der Toynbee-Halle. V. WTas wir bieten. VI. Die Kindertage. VII. Die Mitwirkenden. VIII. Die Toynbee-Halle im Sommer. IX. Die Erhaltung der Toynbee-Halle. Wir entnehmen dieser Broschüre die nachfolgenden Abschnitte: Was wir bieten. Die Abende in der Toynbee-Halle sollen in erster Linie eine geistige und gemüthliche Erfrischung bieten, sie sollen den Armen eine Oase bedeuten inmitten ihrer Wüstenwanderung als Hausierer, Trödler, Handwerker. Diese Leute sollen für einige Stunden das Gefühl der furchtbaren Grossstadt-Einsamkeit verHeren und zum Bewusstsein erwachen, dass sie nicht allein stehen in der Welt. Diese

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